Die Digitalisierung verändert nicht nur unser Kommunikations- und Sozialverhalten, unsere Einkaufsgewohnheiten und politischen Debatten, sie greift auch tief in die Trauerkultur ein. Und mehr noch: neue technische Möglichkeiten scheinen so etwas wie Unsterblichkeit im Internet zu versprechen. Renate Fallbrüg hat den Kulturwandel beobachtet.

 

Was immer Menschen in ihrer Hoffnung sagen – ‚Auf Wiedersehn, Gott wird die Toten auferwecken, unsere Tränen werden getrocknet werden‘ –, es sind Spiele und Lieder der Hoffnung. Es sind Umspielungen der Hoffnung, dass das Leben geborgen wird und dass Menschen mit ihrem Tod nicht in eisige Abgründe stürzen.“
(Fulbert Steffensky)1

 

Am Anfang der Kirche steht die Botschaft: Er ist wahrhaftig auferstanden! Die Nachricht, dass Jesus Christus den Tod überwunden hat, wird zur zentralen Glaubensaussage, die bis heute Grund jedes Gottesdienstes ist. Wie es sein wird, das ewige Leben, das Sein nach dem Tod – wir wissen es nicht. In seinem Brief an die Gemeinde in Korinth formuliert Paulus eine Hoffnung, die sich nicht konkreter fassen lässt: „Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunklen Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt bin.“ (2. Kor. 13,12)

 

Himmel – Ort der Hoffnung und des Bangens

Der Himmel, die Ewigkeit: ein Ort der Hoffnung, aber auch des Bangens. Die Frage, ob und was im Leben erbracht werden muss, um dort, nach dem Tod, einen Platz zu haben, hat viele Generationen beschäftigt und war einer der Katalysatoren der Reformation. Allein der Glaube an die Gnade Gottes, erkennbar in Tod und Auferstehung Jesu, so Luthers Erkenntnis, ist der Weg zur ewigen Seligkeit.

Die biblischen Bilder Endzeit und Ewigkeit beinhalten mit dem großen Endgericht auch die Hoffnung, dass die, die hier für Gewalt und Unrecht verantwortlich sind, ohne dafür belangt zu werden, dort zur Verantwortung gezogen werden. Ein tröstliches Bild, das als Vertröstung und Opium fürs Volk in der Neuzeit kritisch angefragt wird.

Zeigt sich die Vertröstung auf ein Jenseits als Hemmschuh, wenn es darum geht, hier und heute für ein gerechtes Leben einzustehen? Wäre es anstelle einer Rede vom „Leben nach dem Tod“ nicht besser, genau dieser Wirklichkeit und den realen Erfahrungen von Schmerz und Ohnmacht, von Sinnlosigkeit, Unrecht und Trauer nicht auszuweichen, sondern sie als von Gott begleitet zu nehmen und zu gestalten?2

 

Der Tod stellt Fragen an das Leben

Wo die Hoffnung auf ein Jenseits, ein Leben nach dem Tod an Kraft verliert, stellt der Tod neue Fragen an das Leben: Was ist der Sinn meines Lebens und wie kann ich ihn schon jetzt erleben?3 Was bleibt von mir, wenn ich einmal nicht mehr bin? Wer wird sich an mich erinnern?

Wenn der Tod eintritt, sind es Angehörige, Freunde, Kollegen, Nachbarinnen und Bekannte, die beim Abschiednehmen diesen Fragen im Rückblick auf das Leben der Verstorbenen nachgehen. Zur evangelischen Bestattung gehört nicht nur die Erinnerung an die christliche Auferstehungshoffnung. Mit der Beerdigungsansprache erhält das Leben jedes einzelnen Menschen in der Verknüpfung von individuellem Lebensweg und biblischer Deutung eine einzigartige Würdigung. Zugleich ist die evangelische Bestattung mit Musik, biblischer Lesung, Ansprache, Gebet und Beisetzung nur eine Form der Trauer- und Abschiedskultur der Gegenwart. Das bisher allgemein Übliche steht heute immer sichtbarer neben einem facettenreichen Angebot individueller Möglichkeiten.4 Mit neuer, digitaler Technik erweitern sich die Angebote. So gibt es digitale Trauerwände, an denen ich für die Verstorbene eine Kerze entzünden, den Angehörigen mein Mitgefühl kundtun oder Gedanken mit anderen teilen kann. Zudem ist es möglich, zur Erinnerung im Familien- und Freundeskreis Fotos, Filme und Texte des Verstorbenen in einer geschützten Cloud über alle räumlichen Grenzen hinweg zu sammeln und zu teilen.

 

Wie können wir Abschied nehmen?

Zur kirchlichen Praxis gehört die Frage des Menschen nach dem, was er sich für das eigene Leben und Sterben erhofft. Woran glaube ich? Wie fülle ich Worte wie Ewigkeit und Seligkeit? Konkret werden diese Fragen in der Begleitung Sterbender und Trauernder. Was brauche ich, um vom Leben Abschied nehmen zu können? Wie können wir voneinander Abschied nehmen? Warum musste sie so früh sterben? Wie weiterleben, wenn er nicht mehr an meiner Seite ist? Die Seele Sterbender und Trauernder braucht Aufmerksamkeit und Sorge. Die kirchliche Praxis trifft auf eine sich stetig verändernde Gegenwart. Anfang dieses Jahrhunderts waren es Stichworte wie Individualisierung, Pluralisierung, Professionalisierung und Privatisierung, die den Bestattungsdiskurs der Praktischen Theologie geprägt haben5, zur Gegenwart gehört die Digitalisierung.

 

Digitalisierung ist mehr als Technik

Beschleunigung, Effizienz und rasanter technischer Fortschritt charakterisieren, was gegenwärtig als Digitalisierung bezeichnet wird. Die digitale Technologie ist dabei, auf allen gesellschaftlichen Ebenen Spuren in eine Zukunft zu legen, die heute noch nicht absehbar ist. Immer deutlicher wird: Digitalisierung ist mehr ist als rein technischer Fortschritt. Digitale soziale Medien sind nicht nur schnelle Kommunikationsmittel, sie haben bereits unsere politische Debatte, unsere soziale Kommunikation und unsere Aufmerksamkeit für Trends und Themen verändert.

Ob Zoomkonferenz, Online-Shopping, Nachrichten- oder Streamingdienste und die scheinbar unbegrenzte Möglichkeit, Daten zu speichern – digitaler Wandel ist eng mit unternehmerischem Handeln verbunden. Start-ups sind hier zum Sinnbild einer Verknüpfung von neuen, digitalen Geschäftsideen und neuen Kommunikations- und Arbeitsformen geworden.

 

Das Versprechen der Unsterblichkeit

Ende Januar 2021 informierte der Onlinedienst t3n, dass ein Start-up bereits seit fünf Jahren an einer Anwendung arbeitet, die es Hinterbliebenen ermögliche, nach dem Tod mit Verstorbenen in Kommunikation zu treten. Die Kommunikation hat nichts Übersinnliches und erfolgt rein technisch. Dafür wird ein Dialogsystem mit Daten gefüttert, das dann ein Gespräch am Computer oder Smartphone simuliert. Eine ähnliche Idee, habe sich auch der Softwareriese Microsoft patentieren ­lassen.6

Die Autoren Moritz Riesewieck und Hans Block haben in ihrem Buch „Die Digitale Seele – Unsterblich werden im Zeitalter Künstlicher Intelligenz“7 diese Entwicklung zum Anlass genommen, um Spuren in die Zukunft vorzuzeichnen. Beispielhaft beschreiben sie, was geschieht oder noch geschehen kann, wenn Tod, Trauer und die Sehnsucht nach Ewigkeit und Unsterblichkeit auf die technischen Möglichkeiten der Gegenwart treffen.

Der digitale Wandel, so wird mit ihren Recherchen deutlich, fordert uns als Kirche und Gesellschaft nicht nur heraus, uns darüber zu verständigen, wie wir in Zukunft leben, arbeiten und wirtschaften wollen. Wir müssen auch aufmerksam sein für einen veränderten Umgang mit dem Tod und die damit verbundenen Fragen. Der digitale Wandel berührt nicht weniger als die zeitlosen Grundfragen und Hoffnungen des menschlichen ­Lebens.8

 

Ewiges Leben als Marktprodukt

Befragt, ob der Tod des Menschen das endgültige Ende sei und es kein Leben nach dem Tod gebe, stimmte auch in Deutschland nur eine Minderheit von 40% zu: „Offenbar wollen oder können sich die meisten Menschen nicht vorstellen, dass es keinerlei Leben nach dem Tod gibt. Zugleich finden aber nur noch wenige Menschen Sinn in religiösen Angeboten. … Zugleich fehlt den Menschen ein alternatives Angebot, um mit dem Tod – mit dem eigenen wie mit dem von Freund*innen und Bekannt*innen – umgehen zu können. … Und das führt uns zu unserer These: Hier entsteht gerade ein gewaltiger Markt.“9 Auf diesem Markt entwickelt sich eine Art „Full Package Digital Immortality“ – eine digitale Rundumversorgung im Todesfall.10

Genutzt werden dazu unter anderem die täglich über 300 Mio. Fotos, die auf Facebook, bzw. die 95 Mio. Bilder, die bei Instagram hochgeladen werden. Jeder Mensch, der digitale Medien nutzt, hinterlässt Daten, Bilder, Spuren, die für ein „digitales Leben nach dem Tod“ nutzbar gemacht werden können.11

Anzunehmen ist, dass nicht nur Start-ups und Microsoft, sondern alle Technik-Unternehmen mit ihren unermesslichen Daten auf der Suche nach neuen Märkten für virtuelle Realitäten sind. Trauernde, eine sich verändernde Abschiedskultur und der Wunsch nach würdigem Gedenken verheißen Kundschaft. Im Entstehen ist eine „Digital Afterlife Industry“, die das digitale Erbe regelt und die Idee der digitalen Unsterblichkeit verfolgt.12

 

Eine Mail an den verstorbenen Mann

Hoffnung antwortet auf Sehnsucht und auf realen Schmerz. Bildhaft erzählt wird diese Sehnsucht, in der digitale Technik zur Hoffnung auf Erlösung von realem Schmerz wird, in „Wiedergänger“, einer Folge der Netflix-Serie „Black Mirror“, die der Streamingdienst 2019 in Deutschland veröffentlichte.13

Die Protagonistin Martha hat ihren Mann durch einen tragischen Unfall verloren. Trauerfeier, Trost und Beistand von Familie und Freunden können ihren Schmerz nicht lindern. Eine Freundin macht sie auf eine Dienstleistung aufmerksam, mit der es möglich ist, auch weiterhin mit dem Verstorbenen zu kommunizieren. Ein Anbieter nutzt die gesammelten Daten des Verstorbenen für einen Algorithmus, der so antwortet, wie es der Verstorbene (wahrscheinlich) getan hätte.

„Stellen wir uns vor, eine zukünftige Technologie würde es den Menschen ermöglichen, Tote wieder zum Leben zu erwecken.“14 Zunächst mit Worten über Computer und Smartphone und später auch als Avatar in leibhafter Gestalt. Martha lässt sich auf dieses Experiment ein. Sie schreibt eine Mail an ihren Liebsten und erhält Antwort.15

 

Digitales Weiterleben im Internet

Wie viel Realität in diesem fiktionalen Beispiel steckt, zeigen der aktuelle Post von t3n ebenso wie die Recherchen und Interviews von Riesewieck und Block. Es sind Menschen mit hohem technischem Sachverstand, die schon heute ihre reale Trauer über den Verlust eines Elternteils oder eines früh verstorbenen Freundes mittels verfügbarer digitaler Spuren in Erinnerungen verwandelt haben. Erinnerungen, die dort als Auferstehungsmoment erlebt werden, wo eine digitale Interaktion mit dem Verstorbenen möglich wird. Wo der Bot16 auf die Anfrage reagiert und mit einer vertrauten Stimme oder einer Nachricht antwortet. Nicht Bilder, Briefe oder Filme als Erinnerung an vergangene Momente, sondern die konkrete Interaktion in der Gegenwart erzeugt das Gefühl: Er/sie lebt (für uns) weiter.

Riesewieck und Block erzählen Geschichten. Die von James beispielsweise,17 der einen „Dadbot“ von seinem Vater entwickelt. Ihm stehen dazu Computer-Linguistik und eine Kombination aus Psychologie und Künstlicher Intelligenz zu Verfügung. Mit Techniken, die bereits in der algorithmischen Persönlichkeitsermittlung bei Einstellungstests oder für Computerspiele genutzt werden, macht James seinen verstorbenen Vater in seiner Sprach- und Denkart sichtbar. Ein Gespräch über den Tod hinaus scheint so möglich.

 

Alter Schmerz und neue Technik

Der Wunsch, der kränkenden, schmerzlichen menschlichen Endlichkeit etwas entgegensetzen zu können, ist nicht neu. Er findet Ausdruck im Bau von Pyramiden, in der Porträtmalerei, in Stiftungen.18 In unermüdlicher Krebsforschung und der Erfindung von Herzschrittmachern, aber auch in Trauerseminaren. Neu sind die technischen Möglichkeiten, die zu neuen Phantasien und konkreten Angeboten führen. Riesewieck und Block machen drei Formen von Immortalisten, die nach Unsterblichkeit streben, aus. Die erste Gruppe will die narzisstische Kränkung, die der Tod darstellt, mit Geld, Innovation und Technik bekämpfen.19 Die zweite Gruppe spürt, dass sich mit dem Leid und der Verzweiflung von Menschen Geld verdienen lässt.20 Die dritte Gruppe versucht, das Trauern und Gedenken für das digitale Zeitalter neu zu erfinden. „Wie nebenbei entsteht dabei ein neuer Begriff der Seele und eine neue Idee vom Leben nach dem Tod – meist ohne Gott, wie wir ihn (!) kannten, meist ohne Religion und deren Rituale. An die Stelle der Wehklagen, der Gebete und Schutzengel treten neue Formen der Zwiesprache mit den Toten. Unsterblichkeit, so dämmert uns langsam, dient selten dem, der unsterblich wird. Unsterblichkeit ist eine Angelegenheit der Lebenden.“21

Der Gedanke, dass in naher Zukunft mit jedem Amazon-Prime-Abo22 drei persönliche Bots verbunden sein könnten, mag uns heute erschreckend, ärgerlich und völlig unangemessen erscheinen. Es lassen sich dagegen gut begründete theologische, psychoanalytische, wirtschaftskritische und datenrechtliche Einwürfe23 ins Feld führen. Ein schnelles „Das muss dann jeder und jede für sich entscheiden“ greift hier zu kurz. Die Mischung aus Hoffnung und Möglichkeit ist etwas, das den Ernst einer gesellschaftlichen Debatte über die Möglichkeiten und Begrenzungen der Digitalisierung braucht, zu der die aktuelle EKD-Denkschrift „Freiheit digital. Die 10 Gebote in Zeiten des digitalen Wandels“24 einen ersten kirchlichen Beitrag leistet.

 

Anfragen an Theologie und Kirche

Sichtbar wird, dass die Fragen „Was bleibt von mir, wenn ich sterbe? Was soll bleiben?“ angesichts digitaler Möglichkeiten neu durchdacht und auch juristisch geregelt werden müssen.25 Riesewieck und Block spannen einen weiten Bogen. Sie erzählen von Sehnsüchten und Hoffnungen, denen sie in persönlichen Gesprächen begegnet sind. Sie beschreiben, was bereits technisch möglich ist und wo neue Märkte entstehen. Mit dem Thema Tod und Endlichkeit zeigt sich einmal mehr, dass wir uns mit dem digitalen Zeitalter mitten in einem Kulturwandel befinden. Damit stellen sich Fragen über das Individuum und seine Begegnung mit dem Tod hinaus. Wie wollen wir als Kollektiv26, als Menschheit erinnern? Wie können und sollen geschichtliche Ereignisse festgehalten werden? Welche Möglichkeiten bieten z.B. Hologramme, um bedeutsame Erinnerungen von Zeitzeugen für zukünftige Generationen zu bewahren?27

Mitten im Wandel werden Fragen sichtbar, über die nachzudenken, zu forschen und zu diskutieren sich lohnt. Wenn es um Tod und Ewigkeit, um Hoffnung und Unsterblichkeitssehnsucht geht, können wir als Kirche auch in dieser Gegenwart getrost und überzeugt die Hand heben und unsere Expertise und unsere Hoffnung in die Debatte einbringen und sollten es auch vernehmlich tun.

 

Anmerkungen

1 Sölle, Dorothee: Mystik des Todes – Ein Fragment, Freiburg 2011, 140.

2 So Jan Frerichs in: Andere Zeiten – Das Magazin zum Kirchenjahr 1/2021, 21. Mit diesem Artikel wird deutlich, dass die Auferstehungshoffnung als jenseitiges Geschehen am Ende aller Zeit auch nicht mehr selbstverständlich ist.

3 Die Frage nach dem Sinn und Ziel des eigenen Lebens geht gegenwärtig über das Private hinaus. „Purpose“ wird zum Leitbegriff für Sinnsuche und Sinnstiftung in Beruf und Wirtschaft. Die Arbeit, die zu tun ist, braucht Purpose. Gefragt wird nach dem Sinn und dem gesellschaftlichen Wert, die ein Unternehmen stiften, sodass die Einzelnen ihr Tun als sinnhaft erleben können. Dazu auch: Unternehmen auf Sinnsuche. Von Kapitalisten zu Weltverbesserern, https://www.faz.net/-gqi-9knls (zuletzt abgerufen 02.03.2021).

4 „Wohin wir auch schauen in der Gesellschaft der Gegenwart: Was immer mehr erwartet wird, ist nicht das Allgemeine, sondern das Besondere. Nicht an das Standardisierte und Regulierte heften sich die Hoffnungen, das Interesse und die Anstrengungen von Institutionen und Individuen, sondern an das Einzigartige, das Singuläre.“ Reckwitz, Andreas: Die Gesellschaft der Singularitäten – Zum Strukturwandel der Moderne, Berlin 2017, 7.

5 Roth, Ursula: Bestattung, in: Handbuch Praktische Theologie, Hg. Wilhelm Gräb und Birgit Weyel, Gütersloh 2007, 458-469.

6 https://t3n.de/news/black-mirror-microsoft-toten-chatten-1351996/?utm_source=email&utm_medium=social&utm_campaign=social-buttons (zuletzt abgerufen 02.03.2021).

7 Riesewieck, Moritz/Block, Hans: Die Digitale Seele – Unsterblich werden im Zeitalter Künstlicher Intelligenz, München 2020.

8 „Es sind die Fragen nach dem Woher und Wohin des Lebens und nach Verantwortung für Umwelt und Leben. Arbeit und Muße, Zukunftssicherung, Treue und Untreue, Wahrheit und Lüge, der Schutz verletzlicher Gruppen, Zerbrechlichkeit und Vergänglichkeit des Lebens, gesellschaftliche Regulierungen von Haben und Besitz, von Ausgleich und Schutz, alle diese Themen werden auch heute gesellschaftlich verhandelt, wenn es um eine Orientierung geht, wie wir in Zukunft in einer von Digitalisierung geprägten Welt leben wollen.“ EKD Denkschrift, Freiheit digital – Die 10 Gebote in Zeiten des digitalen Wandels, Leipzig 2021.

9 Riesewieck/Block, a.a.O., 521.

10 Ebd., 522.

11 Ebd., 451.

12 Ebd., 491.

13 Staffel 2, Folge 1. Im englischsprachigen Original erschien die Serie bereits 2013. Ebd., 19.

14 Ebd.

15 Im Verlauf des Filmes wird Martha sich den Avatar ihres Mannes kaufen, der mit ihr und ihrer Tochter im Haus leben wird. Der Spielfilm „EXIT“, der 2020 in der ARD gezeigt wurde, erzählt auf andere Weise von virtuellen Welten, die auch nach dem physischen Tod ein „Weiterleben“ ermöglichen. Hier wird die „Ewigkeit“, in der die Hauptdarsteller durch sich ständig wiederholende Simulationen zu Gefangenen werden, zur Frage danach, wie reizvoll eine solche Ewigkeit wirklich ist. Am Ende des Films ist es die Liebe, die zu einem seligen ewigen Sterben führt.

16 Bot ist die Kurzform des englischen Begriffs „robot” (Roboter). Dahinter verbirgt sich ein Computerprogramm, das, ähnlich wie eine automatisierte Maschine, darauf programmiert ist, bestimmte Aufgaben zu bearbeiten, ohne dass ein Mensch eingreifen muss.

17 Riesewieck/Block, a.a.O., 66-71.

18 Ebd., 163.

19 Dies reicht von Bluttransfusionen bis zum Schockfrosten. Ebd., 101ff.

20 Angebot trifft auf Nachfrage, was zunächst als nüchterner Handel verstanden werden kann. Wesentlich ist jedoch, dass diese Angebote sowohl verantwortungslos als auch ehrbar gestaltet sein können. Ebd., 108ff.

21 Ebd., 111.

22 Nachvollziehbar erzählen Riesewieck/Block von ihrer Begegnung mit Sonia und James, die mit einem Start-up schon zu Lebzeiten digitale Erinnerungen ihrer Klienten sammeln wollen, die dann nach dem Tod den Angehörigen zur Verfügung gestellt werden. Ihr Beispiel macht deutlich, dass zum Markt auch die Preisfindung gehört. Und damit zu der Frage führt, ob das Angebot für einen kleinen, exklusiven Markt angeboten wird oder für die breite Masse. Ebd., 159f.

23 „Doch ohne Digital-Testament kein postmortaler Datenschutz! In vielen Fällen dürfte es deshalb auch weiterhin den Hinterbliebenen oder gar den Unternehmen obliegen, wie wir nach unserem Tod erinnert werden.“ Ebd., 492.

24 EKD-Denkschrift: Freiheit digital. 10 Gebote in Zeiten des digitalen Wandels, Leipzig 2021.

25 Folgt auf das kuratierte Leben die kuratierte Ewigkeit? Vgl. dazu Reckwitz, Andreas, a.a.O., 295-298; Riesewieck/Block, a.a.O., 165-170; 480f.

26 Riesewieck/Block, a.a.O., 492-505.

27 Ebd., 505-516.

 

Über die Autorin / den Autor:

Pastorin Renate Fallbrüg, Jahrgang 1963, Theologische Referentin im Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt der Nordkirche, Themenschwerpunkt: Führung und Verantwortung; Mitarbeit an der EKD Denkschrift "Freiheit digital, Die Zehn Gebote in Zeiten des digitalen Wandels".

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft 11/2021

Kommentieren Sie diesen Artikel
Pflichtfelder sind mit * markiert.
Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.
Spamschutz: dieses Feld bitte nicht ausfüllen.