Sie halten ein neues Printexemplar des Deutschen Pfarrerinnen- und Pfarrerblatts in den Händen. Monat für Monat erscheint es deutschlandweit in einer Auflage von rund 20.000 Stück. Für die drucktechnische Produktion greifen wir dabei auf die mit modernsten Drucktürmen ausgestattete Zeitungsdruckerei Dierichs in Kassel zurück. Den Versand besorgt die Deutsche Post. Was das Ganze kostet, wissen die wenigsten. Doch bei einer Auflage von 20.000 sind die Verteilerquote hoch und die Pro-Kopf-und-Heft-Kosten gering. Als Mitgliedszeitschrift wird das Deutsche Pfarrerinnen- und Pfarrerblatt komplett, d.h. inklusive aller Personalkosten, von den Pfarrverein finanziert. Für ein Heft, so wie Sie es in den Händen halten, zahlt Ihr Verein nicht ganz einen Euro. Auf dem Zeitschriftenmarkt bekommen Sie nichts, was so günstig wäre, im Bereich der Fachzeitschriften mit oft kleiner Auflage schon gar nicht.

Nun haben zwei Ereignisse der letzten Jahre die Finanzierung etwas prekär werden lassen: Die Corona-Pandemie hat für heftige Einbußen bei den Werbeeinnahmen gesorgt. Der Ukrainekrieg mit allen Folgen für eine massive Verteuerung von Energie- und Papierkosten. Dass sich die Werbeeinnahmen wieder normalisieren, darauf hoffen wir. Doch wo die Spur bei Energie und Papier hinläuft, kann niemand wissen.

Vor Jahren haben wir eine umfangreiche Mitgliederbefragung im Verband durchgeführt. Sie hat gezeigt, dass eine deutliche Mehrheit der Leserschaft den Bezug des Printexemplars des Deutschen Pfarrerinnen- und Pfarrerblatts bevorzugt. Doch schon damals waren natürlich auch Alternativen am Horizont sichtbar: das seit über 100 Jahren erscheinende Papierprodukt als Online-Ausgabe oder im e-Paper-Format? Die Frage war und ist: Wann ist der geeignete Zeitpunkt des Umsteigens gekommen? Nun scheinen die allgemeinen Großentwicklungen den Umstieg zu beschleunigen.

Tatsächlich erhalten wir immer wieder Nachfragen und Angebote von Leserinnen und Lesern, ob nicht der elektronische Bezug zeitgemäßer, ökologischer und auch ökonomischer wäre. Die Dinge klingen jedoch einfacher als sie sind. Gewiss, der teure Vertrieb eines Printprodukts könnte eingespart werden, aber auch der Vertrieb eines e-Produkts kostet Geld und lässt sich nicht einfach per Knopfdruck erledigen. Es käme ein erheblicher Mehraufwand an Verwaltung auf die Pfarrvereine zu, was vor allem die kleineren Vereine stärker belasten könnte. Zudem gibt es ältere Kolleginnen und Kollegen, die digital (noch) nicht so gerüstet sind, dass ein kompletter Ausstieg aus dem Printverfahren gerechtfertigt wäre. Um eine Altersdiskriminierung zu vermeiden, müsste zweigleisig produziert werden, was die gesamte Sachlage noch komplizierter und teurer machte als sie ohnehin schon ist. Bislang ungeklärt ist auch der Status der Werbung und Anzeigen im elektronischen Format. Hier müssen wir uns völlig neu aufstellen und das geht nicht ohne die Expertise von Fachleuten. Schließlich: Ökologisch vertretbarer ist die elektronische Variante kaum. Dafür benötigen wir deutlich mehr Energie, die erst einmal – und zwar nicht nach den Kriterien der jüngsten EU-Entscheidung – klimafreundlich und ressourcenschonend erzeugt werden will (vom wachsenden Abbau seltener Erden, von dem in diesen Debatten nicht gerne gesprochen wird, ganz zu schweigen).

Aber – und das ist die gute Nachricht – der Verband hat die Problematik erkannt und bearbeitet ­Lösungen und Handlungsalternativen für eine Weiterentwicklung des Deutschen Pfarrerinnen- und Pfarrerblatts – damit Sie als Mitglieder es auch künftig Monat für Monat empfangen, lesen und ­darin veröffentlichen (!) können.

Übrigens: Die meisten Beiträge in einem Heft wie diesem können Sie auch jetzt schon online lesen – und zwar ganz öffentlich und uneingeschränkt ohne Zugangsdaten, und dazu über das Archiv auch alle in den letzten gut 20 Jahren erschienene Texte. Die Nutzungsdaten sowie die Resonanz bei der Online-Kommentierungsfunktion zeigt freilich: hier dürfte die digital affine Leserschaft unter den Pfarrerinnen und Pfarrern gerne noch zulegen.

Es grüßt Sie Ihr

Peter Haigis.

 

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft 7/2022

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