Der Monat November ist die Zeit im Kirchenjahr, da man besonders der Verstorbenen gedenkt. Unter ihnen sind dieses Jahr zahlreiche Theologen mit großen Namen: Matthias Kroeger, Christoph Schwöbel, Eberhard Jüngel, Ulrich Wilckens – um nur die Todesfälle der letzten Wochen zu streifen. Eine Generation tritt ab, die prägend für viele Schülerinnen und Schüler geworden ist. Schwöbel als der jüngste unter ihnen gehört vom Alter her nicht direkt zu dieser Generation, von seiner Größe und Wirkung aber durchaus.

Den Verfasser dieser Zeilen verbindet mit allen eine persönliche Erfahrung. Sehr unterschiedlicher Art, versteht sich, so unterschiedlich wie diese Persönlichkeiten nun einmal waren. Doch für Anekdotisches ist hier nicht der Raum. Für eine ehrenvolle Geste der Verneigung schon. Leider muss da eine Monatszeitschrift wie das Deutsche Pfarrerinnen- und Pfarrerblatt mit geeigneten Nachrufen schwer nachhängen. Ein Trost ist, dass die Genannten andernorts zahlreiche Würdigungen erfahren haben.

Was ich hier tun kann und will, ist etwas gewagt. Sei’s drum! Denn in diesem Monat jährt sich der Todestag von Freddy Mercury, des charismatischen Sängers der Gruppe „Queen“ zum 30. Mal. Das wäre noch kein Grund für eine Erwähnung an dieser Stelle. Doch es hat etwas Besonderes auf sich mit dem letzten Album von „Queen“: Es trägt den vieldeutigen Titel „Made in Heaven“ und erschien 1995, vier Jahre nach Mercurys Tod. Auf der Scheibe ist weitgehend unveröffentlichtes Material enthalten. Es ist ein Konzeptalbum im besten Sinne des Wortes und es beschäftigt sich in theologisch herausfordernder Weise mit der Frage nach dem Sinn des Lebens und dem Tod.

Das wäre einen eigenen Artikel wert. Ich belasse es bei einer Betrachtung der letzten drei Stücke des Albums, genauer der Tracks 11 bis 13. Denn eines ist auffällig: Laut Booklet und Cover enthält die CD nur elf Stücke, wobei der offizielle Schlusstitel als Reprise den ersten Song aufnimmt – mit dem Titel „It’s A Beautiful Day“. Was dann folgt, ist ein kurzer musikalischer Schnitt von kaum vier Sekunden (Track 12) sowie der mit Abstand längste Titel, den „Queen“ jemals im Studio eingespielt hat (der „Untitled Hidden Track“ Nr. 13 von über 22 Minuten Dauer). Eine Art Nachschrift, nicht zum Titelbestand gehörend, nicht diesseitig, sondern jenseitig, ein instrumentales Postludium, das in nahezu surrealistischer Weise den Übergang von Leben und Tod schildert. Töne und Klänge werden technisch verfremdet ineinander montiert. Es gibt sphärische Klänge, Resonanzen, Echos, Geräusche, pulsierende Rhythmen, Atem- und Herzfrequenzen, Stimmen, Hintergrundrauschen … Eine Art akustisch inszeniertes Nahtoderlebnis (es lohnt sich, es mit Kopfhörer anzuhören!).

Eine Hymne an das Leben ist das, voller Hoffnung und Trost, dass die Fragmente des Irdischen nur Bruchstücke sind, die im Mosaik des Ewigen in einen neuen Sinnzusammenhang hinein aufgehoben werden. Der Tod ist ein Schnitt, ein Abbruch – vor allem für Hinterbliebene, aber in den meisten Fällen auch in der Perspektive der Lebenslinie der Verstorbenen. Doch er ist nicht das Ende, sondern ein Übergang in eine andere Seinsqualität, die wir „hierzulande“ eben nur bruchstückhaft und abgedunkelt erahnen, um mit Paulus zu sprechen.

In christlicher Tradition steht für diesen Übergang das Bild der Heimkehr. Freddy Mercury (und die Musiker von „Queen“ scheinen es gekannt und auf „Made in Heaven“ rezipiert zu haben). Dem großen Sänger zur Ehre und den großen verstorbenen theologischen Lehrern der letzten Wochen und Monate zum Andenken sei der Titel in diesem Editorial eingespielt – wenigstens literarisch …

Herzlich grüßt Sie Ihr

Peter Haigis.

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft 11/2021

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