Zunächst Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, einen herzlichen Dank für die zahlreichen Reaktionen auf den neuen optischen Zuschnitt des Deutschen Pfarrerblatts. Sie waren ganz überwiegend positiv und dort, wo Layout-Entscheidungen kritisch hinterfragt wurden, konstruktiv. Einige bezeichneten es als „Quantensprung“, andere lobten die neue Übersichtlichkeit und visuelle Klarheit.

Gegenwärtig sind wir noch dabei zu sammeln – vielleicht kann die eine oder andere Reaktion in „Echo und Aussprache“ erscheinen. Drei vereinzelt geäußerte Aspekte kann ich hier kurz erwähnen (auch deshalb, weil ich nicht alle Lesermails direkt beantworten kann):

Es wurde moniert, dass die Predigtimpulse nicht mehr in der Mitte des Heftes stehen. Für uns ist es sowohl bei der redaktionellen wie bei der grafischen Gestaltung des Heftes einfacher, sie so einzureihen, wie sie jetzt zu finden sind. Wir haben uns dazu auch deshalb entschlossen, weil alle Impulse zusätzlich auf der Homepage des Deutschen Pfarrerblatts zu jeder Zeit abrufbar sind.

Der Titel „Deutsches Pfarrerblatt“ sei eine Marke, die nicht leichtfertig aufgegeben werden solle, und die Form „Deutsches Pfarrblatt“ demgegenüber verkürzend, staubkonservativ, katholisch anmutend und in seiner sprachlichen Korrektheit langweilig – eine Rückmeldung übrigens, die von Männern und Frauen kam.

Und schließlich: die „Gendersternchen“. Das, liebe Leser*innen, ist für mich zunächst mal eine abgekürzte Schreibweise wie früher „LeserInnen“ oder auch „Pfr.“, „bzw.“, „etc.“ und nicht gleich ideologisch zu interpretieren. Aber auch dazu lesen wir gerne Ihre Meinungen, z.B. im Online-Kommentarfeld zu diesem Editorial.

In diesem Heft finden Sie ein Leitthema – und wie könnte es im Deutschen Pfarrerblatt anders sein: Es geht um unseren Beruf. Max Weber hat zu seiner Zeit Wissenschaft oder Politik in ihrer Berufsförmigkeit untersucht. Das lässt sich auch auf andere grundlegende soziale Systeme beziehen, z.B. die Religion. Auch hier bilden die Gesellungsformen mit zunehmender Differenzierung professionelle Trägerpersönlichkeiten aus. Von außen, also soziologisch, betrachtet ist es eher die Religion, die im Priester, im Rabbi, in der Pfarrerin berufsförmig wird; von innen, theologisch betrachtet, können wir sagen: hier wird – zumindest im Protestantismus – Glaube zum Beruf.

In dieser Ausgabe lesen Sie dazu mehr: Die Eröffnung macht ein Aufsatz über die geistlichen und kirchlich-ekklesiologischen Grundlagen des Pfarrdienstes. Es geht um die Trias „Berufen – Gesegnet – Gesendet“. Freilich, der Pfarrdienst benötigt eine fundierte Aus- und Fortbildung. Die theologische Ausbildung, insbesondere in ihrer akademisch-universitären Gestalt, ist immer wieder ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Der Verband evangelischer Pfarrerinnen und Pfarrer erarbeitet aktuell eine Stellungnahme dazu. In diesem Zusammenhang entstand ein Vortrag über Leitparadigmen der Ausbildung zum Pfarrberuf, den Sie hier nachlesen können. Die Fortbildung ist ständige Begleiterin eines gelingenden Dienstes, und sie hat ihrerseits sehr unterschiedliche Dimensionen – so unterschiedlich und vielschichtig wie der Pfarrdienst selbst. Zudem stellt sich derzeit mit Nachdruck die Frage nach einer pfarrdienstlichen Tätigkeit über die Ruhestandsgrenze hinaus. Auch davon war im Deutschen Pfarrerblatt bereits verschiedentlich die Rede. In diesem Heft geht es um Erfahrungen hierzu aus pastoralpsychologischer Sicht. Und schließlich spielt die Gesundheitsfürsorge eine entscheidende Rolle.

Eine angeregte Lektüre wünscht Ihnen Ihr

 

Peter Haigis

 

 

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft 2/2020

3 Kommentare zu diesem Artikel
17.02.2020 Ein Kommentar von Reinhold Friedrich Sander Sehr geehrter Herr Haigis, zu den Gendersternchen: Die Gendersternchen stören mich oft beim Lesen. Meine Idee dazu ist: Man sollte sie nur dann verwenden, wenn eine Unterscheidung zwischen Frauen und Männer tatsächlich von Bedeutung ist. Sonst kann man das „generische Maskulinum“ nutzen, was ja in der deutschen Grammatik ausdrücklich vorgesehen ist. Es ist nur der sprachlichen Form nach ein Maskulinum, erfasst aber inhaltlich Frauen und Männer gleichzeitig und gleichwertig. Es kennzeichnet eine höhere Abstraktionsebene bzw. Verallgemeinerung, vgl. „der Bäcker an sich“ bzw. „der Bäcker als Beruf“ oder im Plural „die Berufsgruppe der Bäcker“. Da kann man Sternchen sparen, der Text wird etwas kürzer und v.a. leichter zu lesen (und zu hören). Mit freundlichen Grüßen Reinhold Sander
17.02.2020 Ein Kommentar von dierk schäfer Laut Editorial sind Kommentare an dieser Stelle erwünscht. Also: Die Sternchen stören. Mir ist bekannt, dass es abgesehen von Hautfarbe und Gesichtszuschnitt zwei Grundformen des Menschen gibt, dazu auch einige Sondermodelle, die sich der binären Zuordnung entziehen. Dieses Wissen muss bei mir nicht ständig wiederaufgefrischt werden. Das Sternchen schafft einen Hiatus, der meinen Lesefluss stört. Dann doch bitte eher das große Binnen-I. Ansonsten: Es würde mich nicht stören, wenn – außer bei direkt-personaler Zuordnung - ausschließlich die weibliche Form benutzt würde. Ich könnte mich dann ganz einfach mitgemeint fühlen. Mir geht es um einen ungestörten Lesefluss. Da will ich die männliche Ausprägung meiner Person gern hintanstellen.
20.02.2020 Ein Kommentar von Werner M. Ruschke Lieber Bruder Haigis! Als Erstes und Wichtigstes spreche ich Ihnen und den anderen Verantwortlichen meine große Anerkennung aus für die gelungene grafische Neugestaltung unserer Vereinszeitschrift. Nicht anfreunden kann ich mich allerdings mit dem Gebrauch des Gendersternchen. Warum nicht? Erstens: Ich habe vor Jahrzehnten im Volontariat gelernt: Wir gebrauchen keine Abkürzungen, denn sie sind nicht immer eindeutig und werden nicht immer von allen verstanden. Zweitens: Ich begrüße ausdrücklich und gebrauche auch in der Regel eine inklusive Sprechweise. (Daß es ein generisches Maskulinum gibt, wird angeblich nur von männlich grammatikalisch Versierten akzeptiert.) Doch wie sieht eine inkludierende Schreibweise aus? Eigenartigerweise konnten die bisherigen Vorschläge wie -, /, () oder I) nicht alle überzeugen. Das dürfte beim * nicht anders sein. Die Kulturleistung der Schriftsprache besteht ja darin, daß sie die Sprechsprache abbildet. Genau dieses aber leisten die oben genannten Zeichen nicht. Wie soll man sie aussprechen? Mir fallen als Möglichkeit eigentlich nur Schnalz- oder Klicklaute ein, die aber im Deutschen nicht vorgesehen sind. Nun steht im Editorial, sie hätten den Vorteil, "eine abgekürzte Schreibweise" zu sein. Meine Güte, denke ich, wegen dieser paar zu tippender und nun eingesparter Buchstaben nehmen wir nehmen wir etwas derart Unschönes und Lesestörendes in Kauf wie Binnen-I, Schrägstrich oder Sternchen? Stört es wirklich jemanden, wenn es beispielsweise Pfarrerinnen und Pfarrer (ein Plus von lediglich zehn, minus einem Genderzeichen, also im Ganzen neun Zeichen) schreibt? Drittens: Das Gendersternchen ist keineswegs Zeichen einer Abkürzung für eine sowohl weiblich als auch männlich konnotierte Schreibweise, sondern brücksichtigt all jene, die sich den LGBTQ zugehörig fühlen. Das jedenfalls erklärte mir ein Bekannter nachdrücklich, der sich dieser Gruppe zuordnet. Ob das sachlich zutrifft, weiß ich nicht. Auf jeden Fall wüßte ich nun gar nicht, wie ich das aussprechen sollte. Viertens als P.S. 1: Keinen Gefallen habe ich an der distanzierenden Redeweise "Pfarrpersonen". Wenn jemand mich so mitmeint, antworte ich: Ich bin keine Pfarrperson, ich bin eine Pfarrerpersönlichkeit. Fünftens als P.S. 2: Noch schlimmer finde ich die Formulierung "Pfarrpersonal". Personal war früher im großbürgerlichen Haushalt die Dienerschaft. In Betrieben reden vom Personal zumeist die Vorgesetzten, von diesen wiederum reden lediglich Aufsichtsräte als Leitungspersonal. Wer also ordnet sich mit der Rede vom Pfarrpersonal wem unter? (Dies ein Beitrag aus der beliebten Serie: Was ich immer schon mal sagen wollte, aber es hört mir ja eh keiner zu...)
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