Pastor Andreas Kahnt
Standpunkt

Kirchen in Zeiten des Virus

An St. Lamberti in Oldenburg wird seit etwa 1200 Gottesdienst gefeiert. Auch in Zeiten von Pest, Krieg und Hungersnot. Wenn’s drauf ankam, war geöffnet, notfalls auch nachts, wie zuletzt im September 2001.

Jetzt ist es vorbei damit. St. Lamberti bleibt zwar offen, aber Gottesdienste sind verboten. Letzteres gilt für alle Kirchen.

Pfarrerinnen und Pfarrer sind sehr unglücklich darüber. Denn sie zählen den Gottesdienst und die Begegnung mit den Menschen zu ihren wichtigsten Aufgaben. Und sie wissen, dass sie in Zeiten von Krisen besonders gefragt sind. Deshalb gibt es zahlreiche kreative Alternativen im digitalen Raum. Aber sowenig der Gottesdienst im Fernsehen dem analogen Erlebnis vergleichbar ist, sowenig das schönste Foto einer Kirche auf dem Rechner gegenüber den unmittelbaren Eindrücken beim Betreten derselben mit ihren Dimensionen, ihren Klängen, ihrem Duft.

Deshalb wäre es gut und seelsorglich, Kirchen nach Möglichkeit offen zu halten; wenn schon nicht für Gottesdienste, so doch für Menschen, die darin für eine kleine Zeit Zuflucht suchen. Offene Kirchen gibt es ja in vielen Gemeinden zwischen Ostern und Herbst. Vielleicht lässt sich schon jetzt öffnen und Menschen ein Raum bieten, der ihnen guttut.

Andreas Kahnt, März 2020