Pastor Andreas Kahnt
Standpunkt

Sprachver(w)irrung

Die letzten vier Jahre der US-Präsidentschaft waren nicht Ursache, aber sie haben eine Verrohung der Sprache befördert. Kurznachrichten auf entsprechenden Diensten zwingen bekanntlich zu grober inhaltlicher Verkürzung. Durch drastische Ausdrucksweise wird der Leere aufgeholfen. Fake News, Hate-Speech, Cybermobbing und Co. sind probate Mittel, um in Anonymität über andere herzuziehen. Das färbt ab. Jedenfalls ist allenthalben eine Verrohung der Sprache und in deren Folge der Umgangsformen bis hin zu psychischer und physischer Gewalt zu beobachten.

Immer gern genutzt, inzwischen auch in Printmedien und dort vor allem in Leserbriefen: „Hallo!!! Geht’s noch?“, womit der Adressat für unfähig, unverschämt oder einfach dumm hingestellt wird.

Als wäre das nicht schlimm genug, scheint die Verrohung der Sprache auch an Pfarrerinnen und Pfarrern nicht spurlos vorbeizugehen. E-Mails an den Verband mit kritischen Anmerkungen zu verschiedenen Themen der letzten Zeit waren zum Teil alles andere als von freundlichem Ton und konstruktiver Solidarität getragen, die doch bislang den Umgang unter Pfarrerinnen und Pfarrern geprägt haben. Wer aber, wenn nicht wir, ist berufsbedingt und vom Menschenbild her mehr gefordert, eine gute, verbindliche Sprache frei von Feindschaft zu pflegen? Das schließt Kritik und Streit nicht aus, hilft aber, Gräben gar nicht erst aufzutun oder vorhandene nicht weiter zu vertiefen. Was ich diesbezüglich der neuen US-Präsidentschaft wünsche, wäre auch in der Kirche erfreulich.

Andreas Kahnt