Angeregt durch die Lektüre von Widerstandsportraits von Annedore Leber, deren Mann Julius selbst zum Kreisauer Kreis zählte, und dem Foto von James Graf Moltke auf dem Buchcover nahm der Badische Pfarrer Christian Tröbst 1957 Kontakt mit Freya von Moltke auf. Der vorliegende Briefwechsel aus dem Nachlass von Christian Tröbst stammt aus den Jahren 1957 bis 1959; weitere liegen nicht vor. Er wollte mehr über den Widerstand, die Arbeit des Kreisauer Kreises und deren Persönlichkeiten, ihrem Denken und Plänen erfahren, vor allem vor dem Hintergrund, dass in den 1950er Jahren trotz der bereits vorliegenden diversen Darstellungen über den Widerstand gegen das NS-Regime u.a. von Pechel, Schlabrendorff und Rothfels seine Geschichte „in irgend einer Schublade der Geschichte abgelegt“ worden ist. (27)

Auch Freya v. Moltke ist es „unfaßlich, wie es kommt, daß so viele Menschen in Deutschland, von all dem, was geschehen ist, nichts wissen.“ (32) Tröbst ist es wichtig, die über den Widerstand hinausgehende Bedeutung der Persönlichkeiten zu erfassen. In dem ersten Brief wird auch die Frage nach der „Legende“, von der Moltke in seinem Abschiedsbrief schreibt, gestellt. In ihrem Antwortbrief bedauert sie das Fehlen einer Geschichte über die Kreisauer und deren Gründung auf dem christlichen Glauben. (Erst zehn Jahre nach diesen Zeilen erscheint die von Ger van Roon verfasste Geschichte über diesen Widerstandskreis.)

Tröbst stellt seiner Adressatin manche Fragen, und Moltke, die während der Zeit dieses Briefwechsels die Briefe ihres Mannes lesbar macht, antwortet schließlich am 6.3.1958 mit einer von ihr verfassten ersten historisch bemerkenswerten und weiterführenden Darstellung der Arbeit des Kreisauer Kreises (65-86). Eine Folge ist schließlich, dass Pfarrer Tröbst die Gräfin zu einer Tagung des evangelischen Männerwerks seines Arbeitsfeldes einlädt. Über 500 Teilnehmer, vor allem der Kriegsgeneration, erfahren hier zum ersten Mal aus authentischer Quelle durch Freya von Moltkes Vortrag und durch Zitate aus Helmuths von Moltkes Briefen über Hintergründe, Gedanken und Handeln des (Kreisauer) Widerstands und gehen beeindruckt nach Hause. Tröbst schreibt seiner Briefpartnerin, die hier zum ersten Mal (!) vor einer Öffentlichkeit gesprochen hat, dass „dieser Nachmittag tatsächlich zu einem Umdenken geführt“ habe (104).

Mit diesem Briefwechsel, der von den Herausgebern eingeleitet wird u.a. mit Erläuterungen zur Vita der Protagonisten und zur gesellschaftlichen Situation der Rezeption des Widerstands in den 1950er Jahren, liegt uns ein Dokument der Zeitgeschichte vor, das weiterhilft, Denken und Handeln der Oppositionellen und ihre auf christlichem Glauben beruhende Basis zu verstehen. Mit Familienfotos und einem weiterführenden kleinen Literaturverzeichnis schließt das Buch.