Ein heikles Unterfangen, wahrlich, den Glauben einiger einzelner zu bewerten, qualitativ und gar quantitativ. Mit einem prosopographischen Ansatz analysiert Mark Vickers das Leben von 18 Männern und einer Frau, die sich durch ein Merkmal von allen anderen Menschen unterscheiden: sie erreichten im 20. Jh. den „top of the greasy pole“, wie Benjamin Disraeli das Amt des britischen Premierministers vormals bezeichnet hatte. An der Spitze dieser „Fettstange“ verblieben viele von ihnen nur kurz.

Mark Vickers wirkt als katholischer Priester in London und beschreibt auf fast 500 Seiten das Leben dieser bedeutenden Briten in einzelnen Kapiteln, die passabel zu lesen sind, obwohl sie auf einem Schema beruhen: Der Einstieg ist jeweils die politische Laufbahn, aus der zugleich die Amtszeit als Prime Minister (= PM) sichtbar wird. Dann beschreibt der Autor die Religiosität der Eltern und welchen Kirchen beide angehörten. Es folgt ein Abschnitt über religiöse Rituale und Lehre in der Schule – was häufig ein Internat war – sowie auf der Universität; aus heutiger Sicht kaum vorstellbar sind die vielen Andachten und Gottesdienste, welche damals zuhause sowie am Lernort verpflichtend waren. Als nächstes wird die relevante Lektüre vorgestellt, zu der bei vielen u.a. Ernest Renans „Life of Jesus“ und Charles Darwins „On the Origin of Species“ gehörten sowie Schriften deutscher Theologen des 19. Jh.

In zwei weiteren Ansätzen stellt Vickers dar, welches Schriftverständnis der PM in seiner Jugend entwickelt hat und wie er zum Verhältnis von Wissenschaft und Glaube stand. Danach folgt die Frage, welche Anschauung über ein Sein nach dem Tod entwickelt wurde. Falls es Kontakte zum Spiritismus und verwandte Formen gab, wird darüber informiert. Nun wird der geistliche Alltag in Ehe und Familie dargestellt, welcher sich häufig als ein Oszillieren zwischen protestantischen Denominationen sowie der anglikanischen Staatskirche zeigt, ja, sogar bis in die katholische Kirche reichen konnte. Es gibt Abschnitte über theologische Ansichten, kirchenrelevante politische Entscheidungen bis hin zur Ernennung von anglikanischen Bischöfen, bei denen die PMs ein Recht auf Mitwirkung haben. Schließlich wird eine Bandbreite von Einschätzungen aus der Umgebung der PMs über die Form ihrer Frömmigkeit präsentiert.

Der Autor lässt dabei die mehr oder weniger zahlreichen Widersprüche bestehen und übertüncht nicht die offenen Fragen, was zur Qualität des Buches beiträgt, denn dadurch können sich Leserinnen und Leser besser selbst ein Bild machen. Es spricht für das Buch, dass bis weit über die Hälfte hinaus der Autor nicht versucht, die PMs als Christen zu charakterisieren, um sie damit zu „one of us“ zu machen und sich selbst lieb Kind. Ein solcher Zug zur Beschönigung kommt zum Ende hin aber auf und verbindet sich mit der einen oder anderen katholischen Sichtweise; entsprechende Kriterien hat er im Buch herangezogen: beides geschieht in einer Art und Weise, wie – wohlwollend gesprochen – es einen katholischen Priester ziert, der bei diesem Thema gern einmal das „sine ira et studio“ verlassen möchte.

Das Buch gewährt Einblicke in Denken und Glauben, in Kirchgang und intellektuelle Konflikte von Briten, die exzeptionell gelebt haben, sowie von deren Zeitgenossen. Es ist ein Sachbuch, das für eine „ecclesia semper reformanda“ inspirierend wirken kann.