Der frühere pfälzische Oberkirchenrat Horst Hahn hat ein Buch vorgelegt, in dem er sich mit Stefan Meisners Thesen über den Apostel Paulus auseinandersetzt. Meisner, der Vorsitzende des landeskirchlichen Arbeitskreises Kirche und Judentum, promovierte vor 28 Jahren mit einer Arbeit, in der er Paulus als jüdischen Gelehrten vorstellte und dessen Theologie fast vollständig aus dem damaligen Judentum heraus zu erklären versuchte. Damit war Paulus die Originalität als Begründer einer christlichen Theologie weitgehend genommen.

An diesem Punkt setzt Hahn mit seiner Auseinandersetzung ein. Zwar sieht er Paulus ebenfalls im Denken des Judentums beheimatet, aber bestimmte Aussagen gingen doch über das hinaus, was in der jüdischen Theologie der damaligen Zeit aussagbar war. So sieht er das Damaskus-Erlebnis, anders als Meisner, nicht in der Kontinuität zu den Berufungsgeschichten alttestamentlicher Propheten, und auch die Vorstellung von Messias als Sohn Gottes passe nicht in die Vorstellungen des zeitgenössischen Judentums. Auch der Gedanke der Gerechtigkeit allein aus Glauben, die durch das Hören des Wortes und nicht durch die Erfüllung der Werke des Gesetzes bewirkt wird, könne nicht aus dem Judentum erklärt werden.

Da Hahn, der selbst promovierter Neutestamentler ist, Meisners Position ausführlich darstellt, ist das Buch auch ohne Kenntnis vom Meisners Werk mit Gewinn zu lesen.

Martin Schuck