Freispruch zum Leben

Blick auf Epiphanias

Der weihnachtliche Glanz ist verflogen. Und doch ist das Feld der Erinnerung noch nicht weggeräumt. Die Weihnachtspost ist nun geordnet und mancher Brief mehrmals gelesen. Die gute Botschaft erreicht uns jedes Jahr wie neu. Die heiligen drei Könige haben das Kind in Betlehem gefunden und ihre Geschenke überbracht. Der Stern hat sie geführt. Staunen und Bewunderung über das Kind in der Krippe, Gottes Nähe spürbar. „Und sie kehrten auf einem anderen Weg zurück“ – als die Beschenkten.

Eine sonderbare Begegnung

Wir begleiten den erwachsenen Jesus von Nazareth auf seinem weiteren Weg bis auf die Höhe von Kapernaum. Zwei Männer kommen ins Gespräch. Keiner kennt den anderen, oder doch? Eine gekonnte literarische Komposition vom Evangelisten Matthäus. Lukas hat diesen Stoff in seiner Weise nacherzählt (Lk. 7,1-10; 13,28-30). Johannes verknüpft diese Geschichte mit dem königlichen Beamten (Joh. 4,46-53). Doch nun zu Matthäus.

Der erfahrene Offizier wagt es, Jesus von Nazareth anzusprechen. Zwei verschiedene Welten begegnen einander: Die soldatische Lebenswelt von Befehl und Gehorsam und die seelsorgerliche Aufmerksamkeit in Jesus von Nazareth. Passt das zusammen? Als römischer Offizier wandte man sich nicht an einen Juden. Und doch war die Sorge um seinen kranken Burschen größer als die gesellschaftlichen Normen: „Herr, mein Knecht liegt zu Hause und ist gelähmt und leidet große Qualen.“

Jesus reagiert spontan und bietet ihm an, ihn zuhause zu besuchen und nach seinem Knecht zu schauen. Meldet sich die Furcht des Hauptmanns, einen Juden in seinem Haus zu empfangen? Was sollen die Leute davon halten? Nein, voller Demut und Respekt vor dem Mann aus Nazareth kann er nur sagen: „Ich bin nicht wert, dass du unter mein Dach gehst…“ Jesus überschreitet diese Grenze. Das war sein selbstgewählter Auftrag, Juden und Heiden zu versöhnen. Mit einem riesigen Vertrauensvorschuss kommt nun der entscheidende Satz des Hauptmanns: „Sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund.“ Welch ein Vertrauen! „Er wird meinem Diener schon helfen, wenn ich ihn darum bitte.“

Vertrauen fassen

Dies ist der rote Faden in dieser Erzählung. Einander begegnen, ohne Vorbehalt. Vertrauen ist die Lebensgrundlage in unserer menschlichen Gemeinschaft. Sie schafft Sicherheit und Aufgehobensein. Nicht nur Kinder brauchen das Gefühl der Geborgenheit, um in das Leben hineinwachsen zu können… Diese Begegnung will im Kontext zur vorangegangenen Bergpredigt wahrgenommen werden: „Ihr seid das Salz der Erde, ein Licht für die ganze Erde, eine Stadt, die jedermann sieht, eine Lampe für alle im Haus …“ Ihr seid füreinander da und seid etwas vor Gott. So können wir Vertrauen fassen ohne Vorbedingung.

Ein Wort im rechten Augenblick bringt die Veränderung und schenkt einen neuen Blick. Das Wort Jesu steht hier im Mittelpunkt. In der klaren Theologie des Matthäus ist die Kraft des Wortes Jesu das Leitthema, das Veränderung schafft und Heilung. An den Hauptmann gewandt: „Geh, es soll geschehen, wie du geglaubt hast.“ In anderen Wundergeschichten berührt Jesus die Kranken und richtet sie wieder auf. Hier genügt ein Wort als verändernde und heilsame Kraft. So ist nochmals die Verknüpfung von Bergpredigt und Wundergeschichte erreicht: „Er verkündete das Evangelium vom Reich und heilte“ (4,21). Es bleibt ein Wunder. „Und in derselben Stunde wurde der Diener gesund.“ Und mit einem Freispruch zum Leben klingt diese Geschichte aus, auch für uns: „Geh hin; dir geschehe, wie du geglaubt hast.“

Lieder

EG 455 „Morgenlicht leuchtet“

EG 70 „Wie schön leuchtet der Morgenstern“

EG 395 „Vertraut den neuen Wegen“

EG 73 „Auf, Seele, auf und säume nicht“

 

Lorenz Kock

 

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft 12/2021

Kommentieren Sie diesen Artikel
Pflichtfelder sind mit * markiert.
Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.
Spamschutz: dieses Feld bitte nicht ausfüllen.