dives et largus1

Allgemeines zum Glauben

Die Rede vom Glauben hat eine anthropologische Relevanz: Jeder Mensch glaubt – auf diese oder jene Weise. Der Mensch ist neben vielem anderen auch und elementar homo religiosus.2 Eine Konsequenz dessen ist eine multireligiöse Landschaft, weltweit gesehen sowieso und schon immer, nach dem Ende des landesherrlichen Kirchenregiments zunehmend auch bei uns.

In diesem weiten Umfeld bewegt sich das christliche Reden vom Glauben, das an das AT und das zeitgenössische jüdische Denken anknüpft. Im Urchristentum kam es allerdings zu einer „explosionsartigen Steigerung“ (RGG⁴ Bd. 3, Sp. 953). Wie Jesus lebt und denkt Paulus „in Beziehung zur ‚Schrift‘“ und „der Glaube ist … bei Paulus die zentrale und exklusive Bezeichnung für das Verhältnis von Mensch und Gott.“3

Exegetische Beobachtungen

In unseren Versen steht verbal oder nominal insgesamt sechsmal πιστ- (V. 9-11.14.16f). Und fünfmal zitiert Paulus die Schrift.

Im Verständnis und der Zusammenfassung folge ich – mit einem Zusatz – Klaus Bergers „Kommentar zum Neuen Testament“ (2011). „Paulus reflektiert über die Verkündigung (umgestellt). Er macht deutlich: Erstens geht sie von Gott aus … V. 15 … Zweitens sind die Menschen ihm [Gott] gegenüber gehorsam oder ungehorsam, auf jeden Fall aber verantwortlich … Drittens geht es um eine frohe Botschaft, die Gutes betrifft (V. 15) … Viertens wusste schon Jesaja, dass das Ankommen der Botschaft gefährdet ist (V. 16)“

Gottesdienstliches

Eine erste Möglichkeit wäre, an den ersten drei Punkten Bergers entlangzugehen. Sein letzter Punkt kann, muss aber nicht ausgeführt werden.

Eine weitere Möglichkeit sehe ich darin, im Anschluss an die Eingangsbemerkungen, die Themen glauben, Glaube zum Mittelpunkt zu machen. Vor der Predigt kann man singen EG 273,1 („Ach Gott“), danach 273,6.

Oder aber der Gottesdienst kreist um die Worte weghören, überhören, nicht hinhören oder (konzentriert) zuhören, nachfragen und verinnerlichen.

 

Anmerkungen

1 Bengel im Gnomon zu Röm. 10,12.

2 Über den religionswissenschaftlichen Streit um die Säkularisierung hinaus geht z.B. der Abschnitt „Heimat im Wesentlichen: Warum jeder Mensch religiös ist“ (Wilhelm Schmid: Heimat finden …, 2021, 438ff) oder der lapidare Satz Tomáš Haliks: „Jeder Mensch fragt auf irgendeine Art nach dem Sinn seines Lebens …“ (in: Die Zeit der leeren Kirchen …, 2021, 23). Jenseits dessen (und u.a. für die Ausübung von Gottesdiensten und Veranstaltungen) stehen seine drei Grundpfeiler des pastoralen Dienstes: „Erstens die Pflege eines durchdachten Glaubens … zweitens die Pflege eines beständigen geistlichen Wachstums, die Kultur eines kontemplativen Zugangs zum Leben, und drittens die Pflege des Engagements von Christen in einer bürgerlichen Gesellschaft.“ (ebd., 10)

3 Lukas Bormann: Theologie des Neuen Testaments, Göttingen 2017, 120.147; vgl. ebd., 153f zu Röm. 10,8f.17.

 

Gerhard Maier

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft 8/2021

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