Dankbar in allen Dingen

1. Gott will Dankbarkeit

„Lobe den Herrn, meine Seele“ – Thema des Sonntags ist die Dankbarkeit, allerdings neigen wir zu Vergesslichkeit: „und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat“ (Ps. 103,2). Das Evangelium greift diese Spur auf: Neun von zehn Geheilten, mit 90% also die große Mehrheit, sind undankbar (Lk. 17,17). Weil Dankbarkeit nicht naturgegeben, sondern eingeübt sein will, erinnern uns die biblischen Texte häufig daran, Gott zu danken und darin nicht nachlässig zu werden. Dankbarkeit kann man lernen, so die durchgehende Überzeugung, das gilt selbst unter schwierigen Bedingungen. Auch bei Paulus begegnet die Aufforderung zur Dankbarkeit in vielen Variationen. Sie entspricht dezidiert dem Willen Gottes in Jesus Christus (1. Thess. 5,18b).

Warum will Gott Dankbarkeit? Nicht, weil er es nötig hat. Sondern weil wir alles von ihm empfangen haben und uns die entscheidenden Dinge nicht selbst geben können. Unser Glaube hat es nötig zu wissen, wem wir uns verdanken. Unser Leben soll Antwort geben auf den Ruf Gottes an uns. Die Gewichte sind dabei klar verteilt: „Was hast du, was du nicht empfangen hast?“, spitzt Paulus an anderer Stelle zu (1. Kor. 4,7). Weil wir alles von Gott empfangen haben, sind wir aufgefordert, in dankbarer Beziehung zu ihm zu leben.

Ich konzentriere mich auf die V. 16-18 und den (stilistisch und inhaltlich) zusammengehörigen Dreiklang von Freuen, Beten, Danken.

2. Allezeit fröhlich

Dem Leben im (dankbaren) Gebet ist die Freude vorgeordnet. „Freude“ ist bei Paulus Frucht des Geistes und Ausdruck des Glaubens. Ja, es klingt für unsere Ohren befremdlich, im Imperativ zur Freude aufgefordert zu werden.

Paulus tut das allerdings nicht nur hier, sondern gerade in Situationen der Krise: „Freuet euch in dem Herrn allewege“, schreibt der Apostel aus der Gefangenschaft und geht mit gutem Beispiel voran: „aber ich werde mich auch weiterhin freuen“ (Phil. 1,19; 4,4). Ihm geht es nicht um Stimmungen, sondern um Haltungen. „Allezeit“ schließt dabei gute und schwere Zeiten ein.

Michael Herbst spricht von der Freude als der kleinen Schwester der Gnade und schlussfolgert: „Thema Nr. 1 des geistlichen Trainings für lebendige und mündige Christenmenschen ist die Freude. Zielpunkt Nr. 1 unserer inneren Veränderung ist Freude.“1

Wie kann die Freude an Gott Raum in unserem Leben gewinnen? Z.B. im bewussten Ansingen gegen trübe Aussichten: „Weicht ihr Trauergeister, denn mein Freudenmeister, Jesus, tritt herein.“2

3. Unablässig beten und für alles danken

Sehr ähnlich gelagert sind die Aufforderungen zum ständigen Gebet und einer dankbaren Lebenshaltung. Diese Imperative sind so befremdlich wie die Aufforderung, allezeit fröhlich zu sein. Isoliert gehört können sie zur Überforderung für den Einzelnen werden.

Und doch regt Paulus an, dem (dankbaren) Gebet in jeder Lebenslage Raum zu geben. Wie kann das praktisch werden? Eine Frau erzählte mir dazu sehr anschaulich, wie sie neu danken gelernt hat: Mir ist vor kurzem neu bewusst geworden, dass meine Bitten an Gott viel mehr Raum einnehmen als mein Dank. Seit ich einem Vorschlag folge, täglich Dankanliegen auf Zetteln in ein „Danke-Glas“ zu legen, nehme ich viel aufmerksamer wahr, wofür ich Gott danken kann. Immer mehr Gründe für Dankbarkeit werden sichtbar: das Glas füllt sich. Die Freude wächst. Ich entdecke auch an Schwierigem Positives. Und wenn ich den Kopf hängen lasse, nehme ich mir die Zettel vor und schaue mir an, „was Er mir Gutes getan hat“.

 

Lieder

EG 396 „Jesu, meine Freude“

EG plus 94 „Danke“

 

Anmerkungen

1 Michael Herbst, Lebendig! Vom Geheimnis mündigen Christseins, Holzgerlingen, 3. Aufl. 2018, 35f.

2 EG 396,6.

 

Albrecht Schödl

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft 7/2021

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