Kirche in der Kraft des Glaubens

Text

Das Rundschreiben, nachträglich an die Epheser adressiert und von einem Schüler des Paulus verfasst, zielt auf die Einheit der an Jesus Christus Glaubenden (sie werden Heilige genannt) und ihre Lebensführung, die sie von ihrer Umwelt unterscheiden soll.

Eph. 1,15-19: Die Freude über die Gemeinde(n) ist groß. Für den vorhandenen Glauben wird gedankt und für seine Entwicklung gebetet. In überschwänglicher Doxologie wird die intensiv an und in den Glaubenden wirkende Kraft Gottes beschrieben. An den Satz des „kleinen Prinzen“: „Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar“ oder 1. Sam. 16,7 („Ein Mensch sieht, was vor Augen ist, Gott aber sieht das Herz an“) erinnert die Bitte V. 18, Gott gebe „erleuchtete Augen des Herzens“ vgl. 1. Clem. 59,3. Das Herz wird als Organ der Erkenntnis gesehen, nicht allein des Gefühls.

Eph. 1,20-23: Die Glaubenden sind Erlöste. Sie leben auf Erden bereits in himmlischer Existenz. Christus ist ihr Haupt, sie sind der Leib. 1. Kor. 1,12 beschreibt das Miteinander der verschiedenen Glieder; Eph. 1,20 hebt die kosmische Bedeutung hervor. Gottes Kraft wirkt nicht nur im Himmel, sondern durch Christus als Haupt der Kirche auch auf Erden. Erlösung ist das Erfülltwerden von Gottes Fülle. Eine Kritik am Kaisertum des römischen Reiches schwingt mit, denn die Kaiser nahmen für sich in Anspruch, das Haupt oder die Seele des Staates zu sein, der Staat sei der Leib.

Predigt

Mit vollem Herzen wurde geschrieben. Das Gegenüber zu so viel Enthusiasmus, der den im Glauben Zweifelnden kaum helfen kann, ist die Erinnerung an den erzählenden, helfenden, leidenden und gekreuzigten Jesus. Und die Frage aus Apg. 1,11: „Was steht ihr da und seht zum Himmel?“

Andererseits ist es gut, an Menschen zu erinnern, die göttliche Kraft auf ihre Weise zum Strahlen brachten. Welche Wege sind sie gegangen, die durch Höhen und Tiefen hindurch ihren Glauben gestärkt haben? Von wem können wir im Blick auf sein Leben sagen, dass dies ein erfülltes Leben war?

Schließlich: Welche Anlässe haben wir, für Gemeinden oder Menschen in Gemeinden zu danken? In Zeiten von Corona war vom Relevanzverlust der Kirche die Rede. Andererseits haben die alternativen Formen der Gemeindearbeit (Briefe, Chats, Videos, Gottesdienste to go usw.) bei vielen Zuspruch gefunden und hatten eine große Kraft, Menschen zu trösten und zu ermutigen. Kaum jemand ist sich seiner kraftvollen Wirkung bewusst, aber andere können sie erkennen und manchmal bedanken sie sich auch.

Wie kann die Kirche als Gemeinschaft der Glaubenden ihre Kraft aus den Geschichten des irdischen Jesus ziehen und durch sie zum kosmischen Jubel gelangen? Welche Auswirkungen hat es bereits im Hier und Jetzt, in himmlischer Existenz leben zu können?

Ich wünsche uns für den Himmelfahrtstag 2021 so sehr, dass wir uns darüber miteinander austauschen können. Die Freude über gelingendes Leben darf auch mal ausbrechen. Und Gesichter, die allein dadurch strahlen, dass man einander begegnet, gehören zur Lebensfreude.

Klara von Assisi (1193-1253), lat. „die Leuchtende“, sah ihr Leben dem Evangelium verpflichtet. Als Kind einer adligen Familie kämpfte sie für die Anerkennung einer dem franziskanischen Armutsideal entsprechenden Regel für ein Frauenkloster. Ihr Segen, den sie angesichts ihres Todes den Schwestern in San Damiano schrieb, kann einen Gottesdienst am Himmelfahrtstag beschließen: „Der himmlische Vater gebe euch seinen heiligsten Segen. Er bringe ihn kraftvoll zur Geltung im Himmel und auf Erden. Auf Erden mache er euch reich an Gnade und an seinen Tugenden unter seinen Dienern und Dienerinnen in der kämpfenden Kirche. Im Himmel erhöhe und verherrliche er euch unter seinen heiligen Männern und Frauen in der triumphierenden Kirche … Der Herr sei immer mit euch und ihr sollt immer mit ihm sein. Amen.“

 

Susanne Wendorf-von Blumröder

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft 4/2021

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