Auferstehungsbotschaft für „Neu-Griechen“

Text

Der Versuch des Lukas, die messianische Vision des Paulus über die Zerstörung des Tempels hinaus zu retten, gerät zu einer Auferstehungsgeschichte. So buchstabiert die Apg. den neuen „Weg, den sie eine Sekte nennen“ (24,14) als Umkehr und Taufe hinein in die eine Ekklesia aus Juden und Griechen (20,21), die in der Diaspora einen sozial-ökonomischen Gegenentwurf zur römischen Weltordnung praktiziert (2,44ff; 4,32ff) im Vertrauen auf Wiederkehr des Auferstandenen (1,11) und Anbruch des Gottesreiches (14,22).

Das Evangelium drängt ins Zentrum der hellenistisch-römischen Welt. Die Reisepläne des Paulus und seiner Begleiter werden über Philippi nach Athen umgeleitet, wo er, alleingelassen, Synagoge und Agora aufsucht, bis er von Philosophen auf den Areopag zitiert wird. Aber wie vom Evangelium reden zu Menschen, die nicht zur Synagoge gehören? Missverständnisse mit tragischen Folgen sind vorprogrammiert (14,11-20).

Einen Anknüpfungspunkt sieht Paulus beim Altar für den unbekannten Gott – wobei Götter in der Stoa und bei Epikureern nur eine Nebenrolle spielen. Dennoch können die Philosophen ihrerseits wohl an manches Wort des Apostels anknüpfen. Verschlossen bleibt ihnen die revolutionäre Befreiungsbotschaft, die für geschulte Ohren im Kontext seiner Schriftzitate mitschwingt (Jes. 42,5ff; Ps. 146,5ff). Diesen Kontext verschweigt Paulus, ebenso wie Namen und Titel des „Mannes“ (V. 31), durch den Gott die Welt richten wird und den er von den Toten auferstehen ließ. Aber die Botschaft von Gericht und Auferstehung, die den status quo der herrschenden Ordnung infrage stellt, lässt sich nicht verschweigen. Und gerade die ist „den Griechen eine Torheit“ (1. Kor. 1,23) und das Gespräch damit beendet.

 

Predigt

Heute drängt das Evangelium zu Gemeindegliedern, die griechischer Philosophie und römischer Lebensart näher stehen als der (hierzulande zerstörten) Synagoge. Die Predigt wäre der Versuch, an das abgebrochene Gespräch auf dem Areopag anzuknüpfen und die (uns hinterfragende) Auferstehung für uns „Griechen“ zu buchstabieren:

1) „Dem unbekannten Gott“: Gott ist unverfügbar, absconditus. Wie können wir von ihm reden, dass Gottkenner irritiert und Zweifler ermutigt werden, und Kirche mehr wird als ein Altar unter vielen?

2) „Gott, der die Welt gemacht hat“: Schöpfungstheologie ist nicht erst seit der Klimadebatte aktuell. Wie können wir gegen Weltuntergangsnachrichten „Apfelbäumchen pflanzen“ bis die neue Kreatur verwirklicht ist?

3) „Er ist nicht ferne“ (obwohl der Tempel zerstört ist), „denn in ihm leben … wir“. Wie können wir trotz Kirchenschließungen in ihm bleiben (Joh. 15,5) und mit ihm gegen die kapitalistische Weltordnung aufstehen?

4) „Er (will) den Erdkreis richten“: Wie können wir (auf)recht leben im Vertrauen, dass Gott uns (ge)recht macht und den Erdkreis auf sein Reich hin (aus)richtet?

Das Unmögliche geschieht in Athen: Ein paar Griechen lassen sich mit dem unbekannten Auferstandenen verknüpfen und fassen Vertrauen zum ganz Anderen, dessen Botschaft sie nicht fassen können. Dass bei Gott auch heute nichts unmöglich ist (Lk. 1,37), darüber dürfen wir jubeln.

 

Literatur

Friedrich Nietzsche: „Dem unbekannten Gotte“

 

Lieder

EG 110 „Die ganze Welt“
EG 181.7 „Jubilate Deo“
EG 551 (Württ.) „Wo einer dem andern“
RG 487 „Das könnte den Herren der Welt“

 

Thomas Koser-Fischer

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft 3/2021

Kommentieren Sie diesen Artikel
Pflichtfelder sind mit * markiert.
Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.
Spamschutz: dieses Feld bitte nicht ausfüllen.