Ostern geht durch den Magen

Der Auferstandene als Grillmeister

Von der Arbeit zurückkommen, und dann steht da einer und grillt. Es brutzelt und duftet. Bratfisch und Brot, mehr braucht es eigentlich kaum, um satt und glücklich zu sein. Essentielle Fettsäuren, Kohlenhydrate und Eiweiß, die Zutaten sind weise gewählt. Der Auferstandene versorgt seine Leute mit dem, was sie wirklich brauchen, Brot und Fisch enthalten ja lebensnotwendige Inhaltsstoffe. Aber auch das Bild ist charmant: Der auferstandene Christus erscheint hier als Grillmeister. Ob er Kräuter verwendet hat? Aber Salz bestimmt. Und ob der Fisch Gräten hatte? Jesus offenbart sich hier auf ungewöhnliche Weise als kulinarisch kompetent.

Vor meinem inneren Auge sehe ich die Fischer da sitzen, rund um das Kohlenbecken versammelt, und prahlen über den Fang, der ihnen letzten Endes doch noch ins Netz gegangen ist. 153 Fische! Wahrscheinlich erhöht sich die Anzahl der zappelnden Leiber mit jedem Mal, wenn sie die Geschichte erzählen.

„Kommt und haltet das Mahl!“ Wörtlich übersetzt ist hier vom Frühstück die Rede. Oder auch von der Hauptmahlzeit des Tages, also der Mahlzeit schlechthin. Auf diesem Hintergrund klingt die Einladung Jesu handfester, eher so: „Los jetzt, das Essen ist fertig!“

 

Kommt und haltet das Mahl!“

Ich schreibe diese Zeilen in Zeiten, in denen ich vieles weiterhin schmerzlich vermisse. Unsere Rituale in der Kirche, ja, vor allem das Abendmahl. Vor dem Rechner zu Hause im Zoomgottesdienst Abendmahl zu feiern ist nicht so meine Sache. Was ich schmerzlich vermisse, ist das Trinken aus einem Kelch und das Händehalten im Kreis, wir Geschwister versammelt um den Abendmahlstisch. Und das Erzählen nach dem Gottesdienst, beim Kirchkaffee, einen gelben Becher mit Roibuschtee in der Hand, am Stehtisch Spritzgebäck mit dunkler Schokolade knabbernd zu fragen: Wie geht es dir?

„Kommt und haltet das Mahl!“ Dieser Satz steckt für mich voller Sehnsucht in diesen Tagen der fragilen Hoffnung. Eine unfassbar lange Fastenzeit liegt bereits hinter uns, eine Zeit des Sozialfastens und des Ritualfastens. Ja, ich vermisse sie, die Brotwürfel und den Traubensaft, die wir teilen mit heiligem Ernst, im Gottesdienst beim Abendmahl. Aber ich vermisse auch das chaotische Frühstück mit den Konfirmandinnen und Konfirmanden, eine Kiste mit Brötchen auf dem Tisch und geteilte Gläser mit Nutella oder Erdbeermarmelade. Und wie lange hatte ich die Gastfreundschaft der 80-Jährigen für selbstverständlich gehalten, wenn Freunde und Nachbarinnen zum Geburtstag eingeladen sind, um bei Schnittchen und alkoholfreiem Sekt um den Tisch im Esszimmer zu sitzen und über ihre Enkelkinder zu sprechen oder die Rosen in ihrem Garten.

„Kommt und haltet das Mahl!“ Diese Aufforderung Jesu aus Joh. ist das Erkennungszeichen für die Ankommenden. Der gastfreundliche Grillmeister ist der Auferstandene, der seine Leute mit dem versorgt, was sie wirklich brauchen. Nahrung für Leib und Seele, Gemeinschaft um ein Feuer herum, um eine Mitte, die sie zentriert. Ostern geht durch den Magen!

„Kommt und haltet das Mahl!“ Wir gehen in den Frühling. Wir gehen in die Hoffnung, dass unsere Rituale erneuert leuchten werden. Dass Menschen in die Kirchen kommen wollen und dürfen, um genährt zu werden, seelisch, geistlich, körperlich. Ich sehe sie vor mir, wie sie ankommen, müde, nach vergeblicher oder nach erfolgreicher Arbeit. Oder einfach nur, weil es so gut riecht und die Gemeinschaft lockt. Doch, wir werden wieder zusammen essen und trinken, entspannt und fröhlich, ohne Angst. Irgendwann! Und der Auferstandene wird auch uns weiterhin zuverlässig mit dem versorgen, was wir wirklich brauchen. Während der überlangen Fastenzeit und danach auch.

 

Annette Cornelia Müller
 

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft 3/2021

Kommentieren Sie diesen Artikel
Pflichtfelder sind mit * markiert.
Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.
Spamschutz: dieses Feld bitte nicht ausfüllen.