Aus dem Dunkel in das Licht“

Im Augenblick empfunden

Ein so ganz anderes Empfinden in diesen Zeiten. Corona können wir nicht abschütteln. In den täglichen Nachrichten erreicht uns diese Botschaft. Mal weit weg, dann verängstigend nah. Ein anderer Advent, ein anderes Weihnachten. „Und mit euch gehen in ein neues Jahr.“ Das war die Zuversicht von Dietrich Bonhoeffer im Advent 1944 und doch dem Tod entgegensehend. Und Ostern 2021? Wir wissen nicht, wie unsere Welt dann aussieht. Auf dem Weg nach Ostern, Jahr für Jahr, wie viele Lebensjahre und Wege sind damit persönlich gefüllt; Hoffnungen und Zweifel, Freude und Trauer und neuer Lebensmut. Sind uns die Worte aus Mt. eine Aussicht in dieser hilflosen Zeit?

 

Und wie geht es weiter …?

In der Karwoche sind wir gefordert mit unseren Predigten am Gründonnerstagabend, noch ungewiss, ob mit oder ohne Abendmahlsfeier oder auch wie in aktueller Form durch Einsatz der digitalen Medien. Karfreitag in seiner Stille und Bestürzung über Jesu Tod am Kreuz und viele schreckliche Parallelen in unserer Zeit; der nicht verstummende Ruf: „Eli, Eli, lama asabtani“ („Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen“), und das Hoffen auf seine Nähe, aufgehoben in „Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist.“ Die Orgel schweigt in dieser Stunde. Keine Kerze leuchtet. Schwarz das Antependium. Choräle im Dunkel des Raumes. Musik als Trösterin und Beistand wie in den Passionen von Johann Sebastian Bach, bis hin zum „Stabat Mater“ von Arvo Pärt; Lichter in der Dunkelheit, die der Seele gut tun.

Karsamstag: die Osterurlauber sind in den Ferienregionen angekommen. Osterahnung, aber wie gefühlt? Die Kinder freuen sich schon jetzt auf die Ostereier, und das sollen sie auch. Wie können wir in dieser Zeit die Osterbotschaft weitersagen? Sind wir als Kirche noch gefragt? Osternacht – was mag das sein?

 

Erste Schritte in unsere Osternacht

Die Zeitspanne zwischen Karfreitag und Ostern empfinde ich wie ein Stück Niemandsland – wer mag es betreten? Stille und Warten, doch worauf? Auch wenn wir mit dem Lebensweg Jesu von Nazareth vertraut sind, es darf keine Gewöhnung geben. Gerade Tiefschläge in unserem Lebenslauf, das Hineintauchen in die Verletzungen und Enttäuschungen, die uns in seelsorgerlichen Gesprächen offenbart werden, die vielen notwendigen Atempausen im Trauergespräch, wo alleine das Zuhören eine Entlastung bringt; ein stilles Gebet im Haus, ein Choralvers aus dem Jochen Klepper-Choral: „Ich liege Herr in deiner Hut und schlafe ganz mit Frieden …“(EG 486).

Der biblische Stoff nimmt uns an die Hand. Liturgische Elemente bestimmen diese Andacht am Karsamstag und nun in der Osternacht unter Verzicht auf eine klassische Predigt. Lieder aus Taizé werden uns begleiten (EG 789). Die Gewissheit des Wunders der Auferstehung wird erlebbar im Geschenk des Gesangs, persönlich empfunden und in dem Aufgehobensein der Gemeinde. Die Lesung nach Mt. 28,1-10 lässt uns aufhorchen. Denn wir stehen noch in der Dunkelheit vor dem Ostermorgen, der die unbeschreibliche Osterfreude in die Welt tragen wird. Noch sind auch wir mit dem Schatten von Karfreitag behaftet. Der schwarze Trauerrand will sich nicht lösen, wie so oft, wenn der Tod mitten in unser Leben einschlägt. Das müssen auch junge Menschen miterleben, wo der vertraute Klassenkamerad tödlich verunglückt ist.

Und nun greifbar nah die Ostergeschichte des Mt. Nicht die leere Steinbank in der Grabhöhle, sondern das Wort des Engels an die Frauen (5-7) und die Begegnung Jesu mit ihnen (9-10) sind entscheidend. Die „große Freude“ eben nicht aus der Besichtigung des leeren Grabes, sondern aus der Botschaft des Engels: „Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat“. Und die Frauen werden es den verunsicherten Jüngern weitersagen. Jesus geht mit dem üblichen „seid gegrüßt“ auf die Frauen zu, eine damit beglückende und wohltuende persönliche Zuwendung des Auferstandenen. Die Frauen umfassen seine Füße, um ihm ganz nahe zu sein, fühlbar und spürbar; und doch ein Wunder.

Doch wie wurde der Stein vom Grab abgewälzt? Auch die Frage nach dem leeren Grab bleibt unbeantwortet. Unser persönlicher Glaube spricht eben eine andere Sprache, getragen voller Hoffnung und Zuversicht, die allein Gott in der Gestalt des lebendigen Jesus Christus erfüllen kann. Zuversichtlich singen wir in der Osternacht dem Licht entgegen: „Meine Hoffnung und meine Freude, meine Stärke, mein Licht: Christus meine Zuversicht, auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht, auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht.“

 

Lieder

EG 789.1 „Laudate omnes gentes“

EG 789.2 „Bleibet hier und wachet mit mir“

EG 789.6 „Kyrie“

EG 789.7 „Bleib mit deiner Gnade bei uns“

 

Literatur

Luck, Johannes: Kommunikation des Evangeliums in den Digitalen Medien, DPfBl 10/2020, 619f

Berger, Klaus: Ist mit dem Tod alles aus?, Gütersloh 2006

Küng, Hans: Jesus, Piper, München 2012

 

Lorenz Kock

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft 2/2021

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