Grund zur Dankbarkeit

Neujahrsmorgen 2021

Wer weiß, was für ein Weihnachtsfest wir hinter uns haben, am ersten Tag des Jahres 2021? An dem Tag, an dem ich diesen Text schreibe, warnt Markus Söder vor „einsamen Weihnachten“, wenn es nicht gelingt, die zweite Welle der Corona-Pandemie unter Kontrolle zu bringen. Wie also wird es gewesen sein, wenn das neue Jahr anfängt? Wie wird es uns gehen? Wie werden wir in das neue Jahr gehen? Mit Hoffnungen? Dankbar für das Jahr, das vor uns liegt, das weniger Einschränkungen und neue Möglichkeiten verspricht? Endlich das Fest nachholen, das ich schon zweimal verschieben musste? Endlich wieder einmal ohne Sorgen verreisen, die Enkel treffen, wenn mir danach ist? Oder gehe ich mürrisch und missgelaunt in das neue Jahr – weil Weihnachten einsam war und das neue Jahr noch immer keine Perspektive bietet?

Was für eine Predigt braucht es am Neujahrstag? Wenige werden in den Gottesdienst kommen wie meistens nach den vielen Feiertagen und nach Silvester. Oder kommen diesmal mehr, weil sie nach Stärkung suchen für das neue Jahr?

 

Die eigene Situation überdenken

Paulus schreibt der Gemeinde in Philippi einen Brief aus dem Gefängnis (Phil. 1,12-14). Einsam wird er da gewesen sein, Sorgen wird er sich gemacht haben. Nicht anders als Menschen, die wegen Corona in die Isolation geraten sind. Aber Paulus freut sich und dankt! „Ich habe mich wirklich sehr gefreut“, schreibt er den Menschen in Philippi. „Endlich hattet ihr einmal die Möglichkeit, mich (und meine Arbeit) kräftig zu unterstützen.“ (V. 10 – Basisbibel)

Zugegeben, das ist ein bisschen merkwürdig formuliert, klingt ein bisschen gravitätisch und von oben herab. Trotzdem regt es mich an, meine Situation zu überdenken. Ich habe viel Unterstützung erlebt. Die Enkel haben mich zum Lachen gebracht, als wir uns treffen konnten. Als das nicht möglich war, haben sie mir herzzerreißend schöne Bilder gemalt und per Video für mich gesungen. Viele haben sich erkundigt, ob ich Hilfe brauche. Die jungen Leute aus der WG in der Wohnung unter mir waren ganz rührend besorgt um mich. „Ich habe mich wirklich sehr gefreut“ – wie Paulus. Und ich habe das Gefühl gewonnen: Viele denken an mich und tun, was sie können, damit es mir gut geht. Früher war mir das gar nicht so klar. Da war es auch nicht so nötig. Das „Danke“-Lied von Gotthard Schneider aus dem Gesangbuch (EG 334) erinnert mich an „jedes kleine Glück“, das ich gehabt habe. Ich finde, am Neujahrstag sollte man es unbedingt im Gottesdienst singen.

 

Erlebte Unterstützung

So vieles gab es, dass mich stark gemacht hat. Wären die Zeiten einfacher und leichter gewesen, hätte ich manches davon sicher nicht erlebt. So aber gab es „die Möglichkeit, mich … zu unterstützen.“ Und ich bin dankbar dafür.

Die Krisensituation als Möglichkeit, einander zu unterstützen. Ich glaube, das erleben nicht bloß Großmütter. Und manchmal habe ich ja auch andere unterstützt. Manchmal braucht es ja nur einen Telefonanruf und ein paar freundliche Worte!

„Ich bin in allem gewachsen durch den, der mich stark macht“. (V. 13 – Basisbibel) Paulus meint zweifellos Gott. Aber Gottes Unterstützung macht die Hilfe der Mitmenschen nicht überflüssig. Paulus meint nicht: „das wäre doch nicht nötig gewesen“. Im Gegenteil! Es war nötig und gut für ihn, und er ist dankbar dafür. Und mich erinnert er: In alledem war und ist es Gott, der mich stark macht. Er hat mir geholfen im vergangenen Jahr. Und er wird mir auch im kommenden Jahr Hilfe und Helfer schicken. Danke dafür!

 

Lieder

EG 334 „Danke für diesen guten Morgen“

EG 635 (Württ.) „Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut“

EG 409 „Gott liebt diese Welt“

 

Lucie Panzer

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft 11/2020

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