Gott und Geld – wie geht das zusammen?

Ein schwieriger Text

Unter Exegeten herrscht einhellig die Meinung, dass dieser Text vom ungerechten Verwalter das schwierigste aller Gleichnisse Jesu ist. Die Probleme sind nicht nur inhaltlicher, sondern auch formaler Art. Wer ist „der Herr“, der am Ende den ungerechten Verwalter lobt? Der Herr innerhalb des Gleichnisses, also der Vorgesetzte des Verwalters? Oder der Herr, der das Gleichnis erzählt, nämlich Jesus? Das Letztere erscheint mir plausibler, denn eine Betrachtung über die „Kinder der Welt“ und die „Kinder des Lichts“ passt nicht in den Erzählzusammenhang im Innern des Gleichnisses. Außerdem: Warum sollte der Herr, der soeben betrogen wird, den Betrüger loben? Wenn es aber Jesus ist, der in V. 8 spricht, dann ist der Übergang zu V. 9 mit dem abrupten Wechsel von indirekter in die direkte Rede schwierig. Dennoch scheint mir dieser Vorschlag die beste Lösung zu sein. Aber was will Jesus mit diesem Gleichnis sagen?

 

Freunde mit dem ungerechten Mammon machen

Der letzte Vers, der noch dazu zu nehmen ist, gibt die Antwort: Es geht darum, sich mit dem „ungerechten Mammon“ Freunde zu machen. „Mammon“ ist ein aramäisches Wort und heißt so viel wie „Kapital“. Es geht also ums Geld und um den rechten Umgang damit. Und der Appell, es zu nutzen, um sich Freunde zu machen, passt gut zur sonstigen Verkündigung Jesu. „Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon“, heißt es in der Bergpredigt (Mt. 6,24). Lk. hat dieses Logion aufgenommen in Kap. 16,13, also fast unmittelbar nach unserem Gleichnistext. Es ist ein Thema, das bei ihm immer wieder angesprochen wird. Das Gleichnis vom reichen Kornbauern in Lk. 12,16-21 zeigt das deutlich: Da ist jemand, der für sich selbst Schätze sammelt – „aber wem wird gehören, was du gesammelt hast?“, fragt ihn Gott in seiner letzten Stunde. Es ist luk. Sondergut, und dasselbe gilt für das Gleichnis vom reichen Mann und dem armen Lazarus (Lk. 16,19-31), das bezeichnenderweise im Zusammenhang mit dem vom ungerechten Verwalter steht. Wieder geht es um einen, der auf seinem Reichtum sitzt und keinen Gedanken verschwendet an den Armen, an die Armen vor seine Türe.

 

Kritische Haltung gegenüber dem Geld

Gott und Geld – wie geht das zusammen? In allen Texten, die im letzten Abschnitt aufgeführt wurden, kommt eine äußerst kritische Haltung dem Geld gegenüber zum Ausdruck. Der Eph. nimmt das auf, wenn er in 5,5 sagt, dass ein Habsüchtiger ein Götzendiener ist.

Der Götze Geld – ein sehr zeitgemäßes Thema. Was wird nicht alles um des Geldes willen gemacht! Manche Umweltkatastrophe wäre vermeidbar, wenn der anzustrebende finanzielle Gewinn nicht die einzige Maxime des Handelns wäre. Landraub in Ländern der Dritten Welt, Abholzung von Regenwald in Südost-Asien und Lateinamerika, Kinderarbeit in den Bergwerken Indiens und Hungerlohnarbeit in den Textilfabriken, Drogenschmuggel – man kann diese schreckliche Litanei fortsetzen bis hin zu Menschenhandel und Organbeschaffungskriminalität. „Geld regiert die Welt“. Gott sei’s geklagt, es ist so.

Aber was sollen wir tun? Das Geld ist doch da, und wir brauchen es ja auch, zunächst ganz schlicht für unseren Lebensunterhalt, für uns und unsere Familien. Ich meine, dass dagegen in den angesprochenen Texten nichts gesagt wird. Und gerade das Gleichnis vom ungerechten Verwalter sagt dagegen nichts.

 

Geld ist Mittel zum Zweck

Die Summe aus alldem, vor allem, wenn man die Texte des Lk. zusammennimmt, ist: Geld ist nicht zum Horten da, sondern zum Helfen. Es hat keinen Wert in sich selbst. Es ist Mittel zum Zweck. Welche Zwecke wir verfolgen, das hängt von unserer Gesinnung ab. Geld kann zum Götzen werden, aber das muss es nicht. Mit der Maxime „Geld ist nicht zum Horten da, sondern zum Helfen“ kann man gut leben. Und nicht nur man selbst, sondern auch der eine oder andere, dem geholfen wird. Das Evangelium des Sonntags vom Völkergericht weist uns da einen Weg.

Franziskus Joest

 

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft 10/2020

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