Wider die Gleichgültigkeit – Mut zur direkten Kommunikation

Eine Mutter mit ihrer kranken Tochter steht im Mittelpunkt. Die Frau versucht, mit Jesus in Kontakt zu kommen, der jedoch ablehnend reagiert. Wie schwer es ist, die Macht der Gleichgültigkeit in einer Notlage zu durchbrechen, zeigt uns die Szene.

Ein Standbild mit Konfirmanden

Wenn im Konfi-Club das Thema „Jesus heilt Menschen“ dran ist, formen die Jugendlichen zu den Heilungsgeschichten Standbilder. Auch unser Predigttext mit der Eingangsszene ist an der Reihe. Eine Konfirmandin spielt die kanaanäische Frau. Sie versucht wild gestikulierend, sich in einem Pulk von Männern Gehör zu verschaffen. Jesus beobachtet gelangweilt die Frau.

Gelächter unter den Konfirmanden, Standbilder sind komisch … Langsam aber formiert sich die Szene. Zeit für die erste Evaluationsrunde: Wie wirkt das Bild auf uns? Irgendwie, stellen wir fest, wirkt die Szene noch abgeschlafft und unverbindlich. Der Funke springt nicht über. Woran liegt das? „Die Schauspieler schauen sich gar nicht an. Die stehen gar nicht in Kontakt zueinander, jeder spielt für sich“, beobachtet schließlich ein Konfirmand. „Mehr Elan! Mehr Einsatz!“, fordert eine Jugendliche die Darsteller auf.

Wir starten eine neue Runde. Die kanaanäische Frau wirft nun den Männern böse Blicke zu, ihr Gesicht drückt stumme Schreie aus, sie gestikuliert wild. Die Jünger reagieren entsetzt oder wenden sich hilfesuchend Jesus zu. Jesus quittiert die Szene mit demonstrativer Gleichgültigkeit. Die Not der Frau interessiert ihn nicht.

Hochdramatisch, diese Begegnung zwischen der Frau, den Jüngern und Jesus! Für uns Zuschauer gibt es nun viel zu beobachten: „Die arme Frau mit ihrer kranken Tochter!“, „Die Männer sind ja echt Panne. Keiner rührt sich!“, „Ich kann das verstehen! Die Alte nervt!“, „Jesus hat ‚ne lange Leitung…“ Wir sind jetzt mittendrin in der Szene und erleben sie mit.

Dein Glaube ist gefragt: direkt, fordernd, unbequem

„Was hätte denn die Frau machen können, um besser gehört zu werden?“ Die Gruppe überlegt. „Dem Mann ‚ne Ohrfeige geben“, lautet ein Vorschlag. „Hm, vielleicht nicht so schlau, dann kommt’s zu ‚ner Schlägerei…“. Gar nicht so einfach, merken wir, sich in einer gleichgültigen, anonymen Menschenmasse mit seiner Not bemerkbar zu machen.

„Die Frau schreit nur rum. Sie muss Kontakt zu Jesus aufnehmen, wenn sie was von ihm will!“, stellen wir nach einigem Überlegen fest. Ja, unser Glaube hat mit Kommunikation zu tun, mit direkter Kontaktaufnahme, mit Forderungen, die ich stelle, auch wenn sie unbequem sind, einfach, weil es mein Recht ist. Dies ist ein harter, steiniger Weg. Vor allem, wenn die Gesprächspartner kein Interesse an meinen Belangen haben oder mich sogar verhöhnen. Der Predigttext verdeutlicht jedoch: Solange die Frau ihre Bedürfnisse nur allgemein artikuliert, wird sie nicht ernstgenommen. Jesus ignoriert sie und schweigt (V. 23).

Die Frau aber kam und fiel vor Jesus nieder und rief: ‚Herr hilf mir!‘“

Jetzt nimmt die Szene an Fahrt auf. Die Frau stürmt auf Jesus zu, wirft sich vor ihm nieder und fleht ihn um Hilfe mit aller Kraft. Dem kann sich selbst der gleichgültige Jesus mit seinen abschätzigen Bemerkungen nicht entziehen (V. 26). Er erkennt den übergroßen Glauben der Frau. Ihr Mut öffnet neue Türen und Heilung geschieht: „‚Frau, dein Glaube ist groß. Dir geschehe, wie du willst!‘ Und ihre Tochter wurde gesund zu derselben Stunde.‘“ (V. 28).

Mit einem Standbild predigen

Gut geprobt, lässt sich die Standbildszene auch zur Predigt darstellen. Gottesdienstbesucher können sich zu Wort melden, die Pastorin übernimmt die Moderation. Auf jeden Fall ist ein heiterer Gottesdienst garantiert, dessen Dramatik zugleich unter die Haut geht. Spontaneität, Kommunikation und ethischer Appell haben ihren Ort, weil so lebendiger Glaube ist.

 

Tabea Rösler

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft 9/2020

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