mit Herzen, Mund und Händen“ – vom guten Reden und Tun

Tag und Text

Der 13. So. n. Trinitatis ist der Sonntag vom barmherzigen Samariter. Sehr bekannt sind der Wochenspruch (Mt. 25,40) und die Geschichte in Lk. 10,25-37, die dem Sonntag seinen Namen gab; Lk. 10 taucht in sehr vielen diakonischen Predigten auf. So gut wie unbekannt ist demgegenüber der Wochenpsalm 112 und unsere Perikope. Luther (2017) überschreibt sie mit „Die Wahl der sieben Diakone“, die „Volxbibel“ mit „Sieben Sozialarbeiter werden gewählt“. Beides führt in die Irre. Denn weder geht es um das kirchliche Amt der Diakone, noch um säkulare Sozialarbeiter.

Der urchristliche Geschichtsschreiber Lukas erzählt von einer Konfliktsituation. An anderer Stelle betont er die fast enthusiastische Harmonie und große Einmütigkeit des Aufbruchs (Apg. 2,44-47). So wie es eine junge Frau erzählte: „Ich wuchs zwar (frei-)kirchlich auf, blieb letztlich aber leer. Nach einigen Konflikten trat ich aus und fand nach längerer Suche eine Gruppe, der Gott und der Glaube sehr sehr wichtig ist. Alle haben ein Herz gefüllt mit Liebe. Wir treffen uns oft und versuchen, vielen Menschen zu helfen.“

Das Pfingstereignis ist nun aber Vergangenheit. Alltägliche, sehr weltliche Probleme führten zum Murren unter dem hellenistisch geprägten Teil der Urgemeinde. Eine „Reform des Versorgungssystems“1 befriedet die Spannungen, sodass das Wachstum der Gemeinde ungebremst anhält (V. 1+7). Denn der Geist wirkt weiterhin (V. 3+5), gerade auch in dem Konflikt.

und heute?

Das Ineinander und Miteinander von Geistlichem und Weltlichem in diesen wenigen Versen fasziniert mich. Wie oft ist dies bei uns nicht ein unseliger Gegensatz? Da hört man bei Gottesdiensten, Zusammenkünften oder Sitzungen einerseits fromme (Andachts-)Worte und Gebete, aber im Hinter- und Untergrund schwelen unbearbeitete Spannungen und nicht offen ausgesprochene Dinge. Das Murren im einleitenden ersten Vers ist der Ausgangspunkt und die Voraussetzung zur Lösung.

Gottesdienstliches

Anspruchsvoll, vielleicht jedoch sehr sinnvoll könnte es sein, intensive Vorgespräche mit der/den Diakoniestation/en der Gemeinde zu führen2, eventuell Statements in den Gottesdienst hineinzutragen – in der Hoffnung, dass von der Perikope her ein neues Licht aufgeht und jede/r Gottesdienstbesucher/in sich und sein/ihr Leben als Diener Jesu Christi und der Menschen versteht. Denn – so Volker Jung in seiner Predigtmeditation (GPM 74/2020, 419): „Der Dienst Christi ist Dienst am ganzen Menschen, er ist Dienst in Verkündigung, Gebet und Fürsorge.“ So auch seine Nachfolgerinnen und Nachfolger.

 

Predigtlied

EG 412, 1+7 „So jemand spricht“ oder
EG 254, 1f „Wir wolln uns gerne wagen“

 

Anmerkungen:

1 So die Überschrift im neuesten Kommentar zur Apg. (Klaus Haacker, 2019). Berger gibt in seinem „Kommentar zum NT“ (2011) in fünf außergewöhnlich langen Spalten aufschlussreiche Informationen zu den Anfängen des christlichen Dienstes mit Mund und Händen.

2 Vorbereitend und begleitend lese man Kap. 9: „Diakonie“ von Isolde Karle, Praktische Theologie (Leipzig 2020).

 

Gerhard Maier

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft 7/2020

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