Ja, ich will“

Ganz große Gefühle

„Ja, ich will.“ – Es ist unglaublich, wie dieser Satz unser Leben prägt. Ein einziges Versprechen legt mich fest: auf den einen Partner und unser gemeinsames Leben. Ich ziehe nicht einfach so nach Neuseeland um. Ich tue nicht mehr nur das, was ich will, sondern esse auch mal Gorgonzola in der Nudelsoße und schaue „Tatort“. Weil ich einmal gesagt hab: „Ja, ich will.“ Und vor allem: Weil ich ihn liebe, meinen Auserwählten.

„Ja, ich will.“ Das sagt Gott im Predigttext. Nicht zu mir, zu Oma Erna in der Kirchenbank oder zu dem kleinen Täufling Ben. Er sagt es im Kontext des Predigttextes zunächst zum Volk Israel. „Denn du bist ein heiliges Volk dem Herrn, deinem Gott. Dich hat der Herr, dein Gott, erwählt zum Volk des Eigentums aus allen Völkern, die auf Erden sind.“ (Dtn. 7,6) Und zwar aus keinem anderen Grund als: „weil er euch geliebt hat“. Gott schwört Israel ewige Treue wie Verliebte vor dem Traualtar. Ganz große Gefühle in Form eines Ehevertrags, ein ewiger Bund zwischen Gott und Israel. Israel, Gottes Auserwählter. Und Gott die verzückte Braut. Und wo leidenschaftlich geliebt wird, da wird auch leidenschaftlich gehasst (V. 10), Segen und Fluch, ganz nach dem Vorbild altorientalischer Vasallenverträge.

Eine bittere Pille

Diese bittere Pille gilt es schon zu schlucken: In dieser Liebesbeziehung zwischen Gott und Israel sind wir zunächst lediglich Statisten, Hochzeitsgäste, wenn überhaupt. Christlicherseits ist es klassischerweise die Taufe, die das „Ja“ Gottes zu uns ausdrückt, sichtbares Zeichen der Erwählung und Proprium des Sonntags. Der Predigttext aber redet schlicht nicht von Taufe, hat sie auch nicht im Sinn, will auch nicht von ihr sprechen. Dies in ihn hineinzudeuten, wäre unangemessen. Er begründet nicht unsere Taufpraxis. Und doch wird er an diesem Sonntag Predigttext sein, mit Recht. Denn er stellt unsere Taufpraxis in einen erhellenden Horizont.

Viele Auserwählte

Wir taufen nicht im luftleeren Raum. Wir taufen in eine Geschichte hinein, in die Geschichte Gottes mit seinen Menschen, denen er seine Treue hält. Der Predigttext erinnert uns beim Taufen daran: Ihr seid nicht die einzigen Auserwählten. Ganz im Sinne von Röm. 9-11 gibt es noch andere, denen das „Ja“ Gottes gilt. Das ist zunächst Israel. Nun ist Gott nicht dafür bekannt, mit Liebe zu knausern, im Gegenteil. Gott schenkt seine Liebe, wem er will. Wir müssen damit rechnen, dass Gott polyamourös ist. Auf diesem Hintergrund scheint das theologisch oft bis ins biederste verzerrte Bild von Gott und seiner Kirche als Braut und Bräutigam einen neuen Rahmen zu bekommen: Liebe Kirche, finde dich damit ab, du bist wahrlich und Gott sei Dank nicht der einzige Bräutigam, also hüte deine freigiebige Braut nicht so engstirnig für dich. „Oder blickst du scheel drein, weil ich gütig bin?“

Nicht nur eitel Sonnenschein

Die Taufe hat ihren Grund und ihr Ziel in der Liebe. Wir taufen nicht aus Verdienst. Wir taufen Ben nicht, weil er so nett lächelt. Wir taufen, weil Gott ihn liebt. Aber: Wir taufen auch nicht umsonst. Gottes Auserwählte zu sein ist nicht in erster Linie eitel Sonnenschein. Es ist ein Riesenpaket Verantwortung. Ich berücksichtige nicht mehr nur meinen Willen, sondern auch Gottes Willen. Sehr anstrengend, erfahrungsgemäß. Wie in jeder lebendigen Beziehung sollten wir nicht nur von Liebe reden, sondern sie auch tun.

„Ja, ich will“, hat Gott Israel gesagt. Diesen Bund hält er. „Ja, ich will“, sagt er zu mir und zu Erna und zu Ben. Dieser Bund zeigt sich für uns in der Taufe. „Ja, ich will“. Ich glaube, dieses Angebot gilt allen.

 

Lieder

„Licht der Liebe, Lebenslicht“

„Da wohnt ein Sehnen tief in uns“

EG 401 „Liebe, die du mich zum Bilde“

 

Christiane Meyer

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft 6/2020

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