Vom Segen, angesehen zu sein

Der EWIGE schenkt Ansehen

Warum der priesterliche Segen an Trinitatis? Ist es die Dreizahl der Textstruktur oder die verdichtete versammelte Zuwendung des ganzen Gottes zu seinen Menschen, die hier zugesprochen wird? Gott schenkt sich „ganz“, nicht nur etwas von sich. Das Angesicht im hebräischen, panim, steht für das „Innere, das Selbst“, das ganze SEIN. An Trinitatis feiern wir dieses SEIN als vielfältige Zuwendung des EINEN Gottes. Trinitarische Rede lebt von der großen ganzenStory Gottes mit seinen Menschen. Die Perikope erzählt von deren Ursprung: Es fängt an mit der liebenden Zuwendung zu Israel. Sein Sehen auf sein Leid und dem bleibenden Mitgehen. Er lässt dafür SEINEN Namen auf sein Volk legen. Und SEIN Name ist segnende Beziehung: Er erhebt sein Angesicht auf seine Menschen, bezieht sich auf seine Menschen. So wird sein Name konkret als der „Ich bin da für Euch“. Der EWIGE schenkt „Ansehen“.

Sieh, dass Gott Dich sieht“  (Theresa von Avila)

Das ist für die Mystikerin eine wesentliche Meditationsweise: Unter dem freundlichen Angesicht Gottes verweilen, zu IHM schauen und mich anschauen lassen. Ich kann dazu für eine Minute in der Predigt in die Stille einladen und dann fragen: Was löst das in mir aus? So freundlich angesehen zu sein? Angesehen sein. Das ist ja ein Grundbedürfnis des Menschen. Wie oft sagen kleine Kinder „Guck mal“ oder „Du schaust ja gar nicht richtig her“. Und es bleibt verletzend, wenn wir übersehen werden. Welche Befreiung ist das, wenn Menschen unter den Blick Gottes gestellt werden. Unter welchen Ansprüchen, Diktaten stehe ich oft und werde niedergedrückt oder bin bewertenden Blicken ausgesetzt. Mit dem Zuspruch des Segens wird der Mensch unter die göttliche Kraft gestellt, die alle menschlichen Kräfte übersteigt. Gottes befreiender Blick und damit sein ganzes schützendes Da-Sein für uns, wird im Segen zugesprochen. Darum ist der Segen am Schluss eines Gottesdienstes zugleich wie ein eröffnendes Tor: so angesehen in die Welt hinausgehen. Wie gehe ich als gesegneter Mensch?

Gott beauftragt zum Segnen

ER, der Segnende, traut seinen Menschen zu auch so zu tun. „So sollen sie meinen Namen über die Kinder Israels aussprechen und ich werde sie segnen.“ (Plaut, Die Tora, Bd. 4, 78). Hier kommt also das Segnen der Menschen und das Segnen Gottes zusammen zu einem einzigen Tun. Wenn wir segnen, segnet Gott. Wir stellen uns in seinen Ruf und rufen aus IHM heraus, was wir alleine gar nicht sagen, geschweige denn einlösen könnten. Wir sind durchlässig für SEIN gegenwärtiges Wirken. Ich empfinde das als einen sehr demokratischen Zug Gottes. Vielleicht hat Luther deshalb auch den priesterlichen Segen in den christlichen Gottesdienst eingeführt. „Und ihm die gleiche herausragende Stelle als Entlass-Segen zugewiesen, die er seit der Zeit des Zweiten Tempels im Synagogengottesdienst hat“ (R. Stuhlmann, Der aaronitische Segen im christlichen Gottesdienst, 42). Damit kommt das allgemeine Priestertum aller Gläubigen zum Zuge.

Ja, wir alle sind begabt zu segnen, gerade auch in schweren Zeiten. Bonhoeffer sagt es so: „Segnen, d.h. die Hand auf etwas legen und sagen: Du gehörst trotz allem zu Gott. So tun wir es mit der Welt … Wir legen die Hand auf sie und sagen: Gottes Segen komme über dich … sei gesegnet, du von Gott geschaffene Welt, die du deinem Schöpfer und Erlöser gehörst“ (Brief aus dem Gefängnis, 8.6.1944). Wir erinnern damit, wem die Welt im Innersten gehört. Wir sind Gesegnete und können segnen in der Kraft des Geistes, in der Spur des Jesus von Nazareth. Wir gehen als Angesehene, die die Wunder und das Leid in der Welt sehen können im Namen des EINEN GOTTES, der war und ist und kommt, ewige Gegenwart.

 

Lied

„Du bist ein Segen, gesegnet bist Du“ von Helge Burggrabe (Hagios Liederheft)
Dieses Lied können sich je zwei Menschen oder Gruppen einander zusingen und dabei bewusst ansehen.

 

Thea Vogt

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft 5/2020

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