Leben, das Frucht bringt

Bibel und Wein

„Bibel und Wein“ – ein reichhaltiges, fast unerschöpfliches Thema. Die Bibel enthält nicht wenige Geschichten, in denen vom Wein die Rede ist: Da wird Gott einem Weingärtner verglichen oder das Volk Israel einem Weinberg. Das erste Wunder Jesu nach Joh. ist das sog. Weinwunder zu Kana. Und Jesus spricht auch in manchen Gleichnissen vom Wein und vom Weinanbau. Eines dieser Weinworte ist unser Predigttext.

Weinanbau

Jeder, der sich mit Weinanbau beschäftigt, wird mit diesem Bild vom Weinstock und den Reben etwas anfangen können. Aber selbst diejenigen, die noch nie in einem Weinberg auch nur mitgearbeitet haben, verstehen auf Anhieb, worum es geht. Das Bild ist ganz elementar: Beim Weinanbau kommt es, wie auch sonst in der landwirtschaftlichen Erzeugung der Früchte, die uns die Natur gibt, darauf an, die Kräfte natürlichen Wachstums und Gedeihens möglichst optimal zu nutzen. Das bedeutet z.B. auch: nicht die Masse macht es, sondern Vielfalt und Qualität sind gefragt.

Im Orient zur Zeit Jesu wurde Weinanbau ziemlich anders betrieben als bei uns heute. Aber eines hat sich nicht geändert: Wenn die Reben gut und reichlich Frucht bringen sollen, brauchen sie eine kräftige Versorgung an Nährstoffen durch den Weinstock.

Weinstock und Reben als Sinnbild

Weinanbau ist eine ausgesprochen anspruchsvolle Tätigkeit. Aber auch die Lebensgemeinschaft von Christen ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Im Zentrum steht der Weinstock Christus: Von ihm geht das Leben aus – die Lebenskraft, die innere Stärke, die Kraft zum Lieben und Verzeihen, die Kraft zur Hilfe füreinander; aus dem Weinstock, wörtlich dem Rebstamm, heraus treiben die Weinranken mit Blättern und Trauben, hier mit „Reben“ übersetzt.

Jesu Bildwort zielt vor allem auf das Verbundensein mit dem Weinstock, d.h. würden die Reben vorzeitig abgeschnitten, so könnten sie nicht gedeihen, reifen und Frucht bringen. Zugleich aber ist es ein Bild der Gemeinschaft, denn erst die vielen Reben, Trauben und Beeren machen die Frucht und den Reichtum einer Pflanze aus.

Und schließlich die Beeren: die Früchte der Reben. Um unser Leben geht es hier. Darum, wie unser Leben Frucht bringen kann. Was ist ein fruchtbares Leben? Sicher nicht ein Leben, das vom Erfolg im materiellen Sinn gekrönt ist. Ein fruchtbares Leben ist vielmehr ein Leben, das Schätze hervorbringt, die auch anderen dienen. Die fruchtigen Trauben am Weinstock Jesu haben deshalb andere Namen: „Mitmenschlichkeit“, „Nächstenliebe“, „Hingabe“, „Versöhnungsbereitschaft“ …

Und Jesus?

Brauchen wir Jesus, damit unser Leben Frucht bringt? Es ist wohl ehrlich sich einzugestehen, dass unsere Menschenfreundlichkeit Grenzen hat. Wenn wir an diesen Grenzen stehen, wenn unser Reservoir an Energien und Phantasie füreinander erschöpft ist, dann brauchen wir eine Kraftquelle. Wir brauchen neuen Nährstoff, Nahrung für die eigene Seele. Jesus bietet uns an, diese Nahrung bei ihm zu suchen. Seine Liebe, seine Menschenfreundlichkeit, seine Ideen, in dieser Welt Gutes zwischen Menschen entstehen und wachsen zu lassen, sind unerschöpflich. Von ihm und durch ihn werden wir für unser eigenes Leben gestärkt. Von ihm können wir lernen und empfangen für unsere Beziehung zu anderen.

 

Lieder

EG 268 „Strahlen brechen viele aus einem Licht“

EG 619 (Württ.) „Du bist der Weg und die Wahrheit und das Leben“

 

Peter Haigis

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft 3/2020

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