Gottes Ja bleibt bestimmende Macht

Liturgie

Die Osternacht lebt von der Liturgie. Den Besucher kann ein Osterfeuer empfangen und die Kirche kann noch in Dunkelheit gehüllt sein. So wird die Feier der Osternacht ein Fest vom Dunkel ins Licht. Die Osterkerze wird hineingetragen: „Christus ist das Licht – Gott sei ewig Dank“ und an ihr entzünden alle Besucher ihre kleinen Osterkerzen. Traditionell gilt die Osternacht als ein besonderer Gottesdienst für Taufen. Man kann eine Tauferinnerung in die Liturgie aufnehmen, als Zeichen, dass Taufe das Mitauferstehen des Gläubigen symbolisiert (Röm. 6). Dazu kann man die Gottesdienstbesucher einladen einzeln zum Taufstein zu kommen. Als Liturg kann man jedem mit Wasser ein Kreuzzeichen auf die Stirn (oder in die Handfläche) zeichnen, vielleicht mit den Worten „Du bist getauft – du bist geliebt“.

Predigen lässt man eher die liturgischen Texte. Klassisch sind dazu Schöpfung, Exodus, Taufe, Auferstehungsbotschaft, aber da kann man auch kreativ werden. Verteilt auf mehrere Sprecher im Raum erklingen die Texte vielstimmig. Dazu kann man die Botschaft der Texte in kurzen Impulsen verstärken. Man kann sich von der jüdischen Seder-Liturgie anregen lassen, in der Kinder die Warum-Fragen stellen: Warum ist diese Nacht anderes als alle anderen Nächte? Warum denken wir an die Schöpfung, den Auszug aus Ägypten, die Taufe, die Auferstehung?

Predigt

Der vorgeschlagene Predigttext ist eher sperrig und für den unausgeschlafenen Gottesdienstbesucher schwer bekömmlich. Eine intellektuelle Predigt wäre in aller Frühe eher nicht hilfreich. Aber das Schwerverdauliche enthält viel Energie. Einzelne Sätze zu kurzen Meditationen auszubauen wäre eine gute Möglichkeit, die dem spirituellen Charakter der Osternacht entgegenkommt. Der Text enthält Paradoxien, die man besser meditieren als erklären kann:

„Sind wir mitgestorben, so werden wir mitleben.“ In Bezug auf die Tauferinnerung kann dieser Satz einen wichtigen Aspekt von Tauftheologie verdeutlichen. Was alles wollen wir sterben lassen in uns, damit Neues werden kann? Es ist ein Wort des Loslassens und der Hingabe an Gott, jetzt und in Ewigkeit.

„Dulden wir, so werden wir mitherrschen.“ Duldsam sein ist das Gegenteil von Aufmüpfigkeit. Aber was wären wir Protestanten ohne Protest? Dulden kann also nicht bedeuten, keine klare Haltung zu vertreten. Positiv gewendet ist es die Fähigkeit zur Resilienz. Als Christen können wir etwas aushalten, weil wir im Herrschaftsbereich Christi schon jetzt Anteil an seinem Friedensreich haben. Diese Hoffnung gibt uns Durchhaltekraft in der Dunkelheit auf dem Weg zum Licht.

„Verleugnen wir, so wird er uns auch verleugnen.“ Hat nicht Petrus Jesus dreimal verleugnet in der Passionsgeschichte? Petrus in seiner Schwäche wurde zum Vorbild für krisenerprobte Stärke. Glaubenskrisen sind damit wohl nicht gemeint. Aber vielleicht ist es die Grundentscheidung für Gott und das Leben, zu der wir immer wieder neu herausgefordert sind. Wir haben die Freiheit. Und wir brauchen Mut. Wo verleugnen wir unsere Lebendigkeit und Gott? Positiv gewendet: Wenn wir uns für das Leben entscheiden, dann entscheidet sich das Leben auch für uns. Wenn wir uns Gott öffnen, kommt er uns schon entgegen.

„Sind wir untreu, so bleibt er treu, denn er kann sich selbst nicht verleugnen.“ Der Mensch kann das Leben verleugnen und „Nein“ zu Gott sagen, aber Gott als das Ja zum Leben kann nicht „Nein“ zu sich selbst sagen. So kann Gott sich selbst nicht verleugnen, das ist logisch. Gottes Ja zum Leben ist größer als alles, was ich selbst verleugnen, anzweifeln und falsch machen kann. Das ist Gottes Treue zu mir, die mich hält auch in den Krisen meines Lebens. Damit wird die vorhergehende Warnung, Gott nicht zu verleugnen, relativiert. Gottes Ja bleibt bestimmende Macht.

 

Andreas Hoffmann

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft 3/2020

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