Wo bleibt die Passion?

Wieder läuft die Fastenaktion „7 Wochen Ohne“, in diesem Jahr zum Thema „Zuversicht! Für mehr Optimismus“. Zwei Jungs liegen lachend auf einem Skateboard. Sie rollen bzw. fliegen mit ausgebreiteten Armen und Fliegermützen durch die Gegend. Ein klasse Foto! Es verbreitet Dynamik und gute Laune.

Selbstoptimierung statt Passion?

In unserer Redaktionsrunde stellen wir den Gemeindebrief für Februar/März 2020 zusammen. Dabei fällt uns auf, dass die Materialvorlagen nur wenig bieten zum Thema „Passion“. Überall wimmelt es schon vor Ostereiern … Auch die Fastenaktion nimmt Raum ein. Allerdings wagt auch sie den Blick auf die Passion nicht. Thema ist vielmehr unsere Selbstoptimierung in den Widrigkeiten des Alltags.

Selbstoptimierung statt Passion? Der Grund, woher das Fasten kommt und warum wir eigentlich fasten sollten, fehlt. Doch mal ehrlich: Wie steht es mit unserem Interesse am Leiden Jesu Christi und der Rechtfertigung des Sünders? Ist es Zufall, dass das Thema ausgeblendet wird?

Bitte nicht falsch verstehen: Ich finde „7 Wochen Ohne“ klasse. Die Aktion regt an zum Nachdenken über Sinnhaftigkeit und Ziel meines Lebens. Und stößt uns auf wichtige Fragen des Glaubens, der Bibel und christlichen Feiertage. Anstatt in das allgemeine Lamento „Alles wird schlechter!“ einzusteigen, mobilisiert „7 Wochen Ohne“ neue Kräfte zum Nutzen aller.

In Lesung und Predigt schwierige Themen anpacken

Und doch bleiben wir in unserer Redaktionsrunde unbefriedigt zurück. Bis schließlich ein Vorschlag laut wird: Warum nicht mal einen Gottesdienst wagen, in dem wir uns diesen fremd gewordenen Themen rund um die Passion stellen und Erklärungen anbieten? Erste Schlaglichter kommen auf den Tisch:

Rechtfertigung (Röm. 5,1.2):

Anders als das „Aktivprogramm“ von „7 Wochen Ohne“ beginnt unser Predigttext mit dem „Heils-Passiv“ der Rechtfertigung des Sünders. Kreuz und Auferstehung Jesu Christi ermöglichen uns eine neue Lebenshaltung. Alles, was uns von Gott trennt, zieht Jesus Christus ans Kreuz, um unsere Sünde in Frieden, Zuversicht und Herrlichkeit zu verwandeln. Welch ein Geschenk im Dunkel der Passion!

Sünder (V. 8):

Nicht wir sind die „Macher“ unseres Lebens und „Optimierer“ unseres Glaubens. Wer ohne Gott lebt, kennt nur sich selbst und kreist um seine eigenen Sorgen und Belange. Das hat Konsequenzen, denn der individuelle und kollektive Egoismus schafft Hass, Krieg und Gewalt gegen Natur und Mensch. Er provoziert den Zorn Gottes, der Partei ergreift für die Opfer und Schwachen. Sünde ist ein Netzwerk von lebens- und gottesfeindlichen Taten, dessen Drahtzieher wir, die Sünder, sind.

Gottes Liebe, ausgegossen in unsere ­Herzen (V. 5):

Ein dynamisches, kraftvolles Bild. Da jubelt der Glaube. Und auch Gottes Liebe zu uns Sündern ist Geschenk. Gott gießt uns seine Liebe mitten ins Herz. An dem innersten Punkt unserer Persönlichkeit, dem Herzen, entflammt er uns für den Glauben, hier und jetzt. Unser Herz brennt für den Geist Jesu Christi und versprüht Be-Geisterung. Hoffentlich nicht nur sieben Wochen lang, sondern als ein Weg, der, so Gott will, eine Lebenshaltung wird.

Unser Redaktionsteam erklärt sich bereit, als Sprecher den Gottesdienst mitzugestalten. Vers für Vers soll kommentiert werden. Eine Pastorin im Ruhestand gehört zu unserer Runde. Mit ihr gemeinsam versuche ich, hilfreiche Erklärungen für schwierige Themen zu bieten.

 

Tabea Rösler

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft 2/2020

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