Mit der Freiburger Studie zu Kirchenmitgliedschaft und Kirchensteuer wurde 2019 erstmals eine koordinierte Mitglieder- und Kirchensteuervorausberechnung für jede der evangelischen Landeskirchen und römisch-katholischen Diözesen in Deutschland erstellt. Deren Ergebnisse – eine bundesweite Halbierung der Kirchenmitglieder und der finanziellen Möglichkeiten durch die Kirchensteuer bis 2060 – haben EKD und einige Landeskirchen als Ausgangspunkt und Begründung für Spar- und Strategieprozesse verwendet. In der Öffentlichkeit und innerhalb der beiden großen Kirchen kam es zu vielfältigen Diskussionen über die Organisation kirchlicher Arbeit. Immer wieder wurden auch Anfragen an die der Studie zugrunde liegende Methodik laut. Insbesondere wurde gefragt, ob es wirklich sinnvoll sei, einen Planungshorizont von über 40 Jahren ins Auge zu fassen. Eine Einordnung der Verfasser der Freiburger Studie.*

 

Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen“, soll der dänische Physiker Niels Bohr einst in einem Vortrag gesagt haben. Und damit scheint er Recht zu haben – besonders wenn es um lange Zeiträume geht. Deutlich wird das beim Blick in die Vergangenheit: Geht man vom Jahr 2017 – dem Ausgangsjahr der Projektion 2060 – nicht 43 Jahre nach vorne, sondern zurück, zeigt sich, welche Schwierigkeiten Niels Bohr gemeint haben könnte. Im Jahr 1974 leidet Deutschland nach den scheinbar nie endenden Wirtschaftswunderjahren der 1960er Jahre an den massiven gesamtwirtschaftlichen Folgen der ersten und kurz darauf der zweiten Ölpreiskrise. 15 Jahre später läutet der Fall der Berliner Mauer das Ende des Kalten Krieges ein. Der Wiedervereinigung Deutschlands folgt der Aufbau eines vereinten Europas, das sich bis an die Grenzen Russlands erstreckt. Ausgelöst durch eine Finanz- und Wirtschaftskrise zu Beginn der 2010er Jahre gerät die neu geschaffene wirtschaftliche und politische Stabilität ins Wanken. Der sich im Jahr 2020 anschließende Ausbruch der Corona-Pandemie reiht sich konsequenterweise in diese Folge von umwälzenden Ereignissen ein, die nicht nur Kirche und Gesellschaft grundlegend veränderten, sondern sich allesamt im Vorfeld nicht voraussagen ließen.

 

Man muss langfristig planen

So stellt sich angesichts solch unvorhergesehener Ereignisse für manchen Beobachter die Frage: „Kann man überhaupt so langfristig planen?1 Die Antwort darauf ist so schlicht wie unbefriedigend. Ob man es kann oder nicht: Man muss es! Ohne langfristige Planungen ist verantwortliches, gegenwärtiges kirchliches Handeln kaum möglich. Denn wer wie die beiden großen Kirchen Pfarrerinnen und Pfarrer zu Beginn ihres Erwerbslebens in ein öffentlich-rechtliches Dienstverhältnis beruft, der darf nicht nur bis zum Ende der mittelfristigen Finanzplanung oder gar des nächsten Doppelhaushaltes denken. Vielmehr werden Verpflichtungen bis zu deren Lebensende, und teilweise – im Falle von länger lebenden Ehepartnern – darüber hinaus, eingegangen. Wer Gebäude für und über Zeiträume von 40 Jahren und mehr errichtet und nutzen will, ist gut beraten auch für deren Belegung und Unterhaltung nicht nur die kommenden fünf Jahre einzubeziehen.

Für solche Planungen bieten Projektionen – trotz aller mit ihnen verbundenen Unsicherheiten – die beste Grundlage. Denn einerseits mutmaßen sie nicht, was in Zukunft passieren könnte. Sie schreiben schlicht und auch für Laien nachvollziehbar gegenwärtige Trends fort. Und andererseits zeigen sie auf, wie diese sich in der Zukunft auswirken würden und was das für die kirchliche Arbeit bedeuten könnte. Sie helfen damit den Leitenden sowie den Gremien der Kirchen abzuschätzen und bestenfalls zu gewährleisten, ob und dass auch künftige Generationen von Kirchenmitgliedern heute eingegangene Verpflichtungen erfüllen können. Dieser nachhaltige Umgang mit Ressourcen sollte vor dem Hintergrund des kirchlichen Auftrags selbstverständlich sein.

Dabei ist der zukünftige und langfristige Trend von Kirchenmitgliedschaft und Kirchensteueraufkommen in Deutschland eindeutig: Die beiden großen Kirchen werden wohl kleiner, älter und ärmer. Nachhaltiges Wirtschaften verpflichtet heutige Generationen dazu, sich auf diese Entwicklung einzustellen. Anspruch der Freiburger Studie war es, die Kirchen durch evidenzbasierte Forschung und Beratung zu unterstützen.

 

Stabile Trends?

Gelegentlich ist in der Debatte um die Freiburger Studie diskutiert worden, ob die Annahmen zu Fertilität, Mortalität und Wanderungsbewegungen und insbesondere der zugrunde liegende fünfjährige Zeitraum der Jahre 2013 bis 2017 zur Abschätzung des zukünftigen Tauf-, Aufnahme und Austrittsverhaltens angemessen seien.2 Dabei gilt es festzuhalten, dass vier der sechs Einflussfaktoren im Zeitverlauf – allen Behauptungen zum Trotz – sehr stabilen Trends unterliegen. Für Fertilität, Mortalität, Tauf- und Aufnahmeverhalten lassen sich aus der Historie valide Schätzungen ableiten. Wanderungen und Austrittsverhalten unterliegen allerdings starken Schwankungen. Gerade für diese beide Faktoren haben wir uns eines für Ökonomen bewährten Leitsatzes aus der Betriebswirtschaft bedient: „Der beste Schätzer für den Kurs von morgen ist der Kurs von heute.“ Insofern wäre eine Nichteinbeziehung – wie es gelegentlich von Kritikern vorgeschlagen wurde – von kirchenspezifischen Faktoren schlicht unseriös – ist es doch eher unwahrscheinlich, dass in Zukunft mit einem ausgeglichenen Saldo von Aus- und Eintritten zu rechnen ist.

Und dennoch können wir eines versichern: So wie berechnet werden die Zahlen mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht eintreten. Das war aber auch nicht unser Ziel. Die Freiburger Studie ist keine Prognose. Es ist eine Projektion, also eine annahmebasierte Vorausberechnung. Existenzielle Krisen und massive – möglicherweise exogen erzwungene – Verhaltensänderungen können in den Berechnungen nicht berücksichtigt werden. Deswegen haben wir in Szenarien u.a. auch den Einfluss steigender wie sinkender Austrittszahlen untersucht. Uns war bei unseren Veröffentlichungen und Präsentationen immer wichtig – gerade mit Blick auf diese Argumentationslogik – das Wesen langfristiger Vorausberechnungen zu verdeutlichen. Sie basieren auf (bestmöglichen) Annahmen: Verändern sich langfristig die beobachteten und fortgeschriebenen Trends, werden die Projektionsergebnisse von der tatsächlichen Entwicklung abweichen.

Die wahre Stärke von Projektionen liegt weniger in der genauen Vorhersage zukünftiger Mitgliedschafts- und Kirchensteuerbestände. Vielmehr geht es darum, die zugrunde liegenden Daten eingehend zu analysieren und daraus nachvollziehbare Rückschlüsse für die Zukunft zu ziehen – wenn nötig in verschiedenen Szenarien. Die von den Kirchen angestoßene systematische Projektion stellt nicht nur eine notwendige Grundlage für viele auf Zukunftsplanung bezogene Debatten bereit. Vielmehr hilft sie dabei differenziert auf die Gründe des Mitgliederrückgangs zu blicken. Sie veranschaulicht die Wirkung einzelner Einflussfaktoren und zeigt so Handlungsmöglichkeiten auf.

 

Beeinflussbare Faktoren

Das zentrale Ergebnis der Freiburger Studie ist u.E. deswegen nicht die mögliche Halbierung von Kirchenmitgliedschaft und Kirchensteuerkraft bis 2060. Erkenntnisbringend für die kirchliche Arbeit ist vielmehr, dass entgegen bisheriger Wahrnehmungen nur ein kleinerer Teil des Mitgliederrückgangs auf demografische Faktoren zurückzuführen ist. Der größere Teil – nämlich Tauf-, Austritts- und Aufnahmeverhalten – wird auf einer individuellen Entscheidungsebene der Kirchenmitglieder determiniert und ist daher prinzipiell beeinflussbar.

Uns ist bewusst, dass diese für Ökonomen intuitive Folgerung im Bereich der praktischen Theologie durchaus umstritten ist. Dennoch halten wir an der These fest, dass sich ein kleinerer Teil des kirchenspezifischen Mitgliederrückgangs durch kirchliches Handeln verlangsamen lässt. Sicherlich werden sich gesellschaftliche Megatrends wie Säkularisierung, Pluralisierung und Individualisierung nicht umkehren lassen. Doch für einen Teil des Mitgliederrückgangs ergeben sich aus den Daten und Ergebnissen Handlungsansätze, die Verantwortliche auf allen Ebenen bewegten und die lebhaft diskutiert wurden. Und so kann die Freiburger Studie aus einer quantitativen Sicht helfen, die wesentlichen von den unwesentlichen Faktoren zu unterscheiden. Sie zeigt auf, wie stark einzelne Projektionsparameter auf die Gesamtentwicklung wirken. So werden Potenziale wie Schwachstellen kirchlicher Organisation gleichermaßen identifiziert.

 

Anknüpfungspunkte für kirchliche Handlungsoptionen

Die der Freiburger Studie zugrunde liegende umfangreiche Datenanalyse lässt zahlreiche Anknüpfungspunkte für kirchliche Handlungsoptionen erkennen. Dabei werden monokausale Antworten nach dem Motto „wenn, dann“ – wenn überhaupt – nur kurzfristig zu Erfolgen führen. Vielmehr erscheint eine grundsätzliche Haltungsänderung geboten, die aus einer ökonomisch-theologischen Perspektive unter dem Begriff der Mitgliederorientierung subsumiert werden kann.3 Vor allem drei Erkenntnisse können u.E. aus der Freiburger Studie als wesentliche Handlungsimpulse gewonnen werden:

1. Verstärkt zu Taufe und Mitgliedschaft einladen

Beinahe 90% der evangelischen Kirchenmitglieder gaben 2012 an, dass sie ihr Kind taufen lassen wollen. Zwar liegt die Befragung der fünften Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung mittlerweile beinahe zehn Jahre zurück. Doch genießt die Taufe nach wie vor hohen Zuspruch sowohl bei den Mitgliedern der evangelischen als auch der katholischen Kirche. Das Verhältnis von Kindertaufen und im selben Jahr von Kirchenmitgliedern geborenen Kindern lag in den vergangenen Jahren – auf regional sehr unterschiedlichem Niveau – relativ stabil bei knapp 80%.

Diese erfreulich hohe Quote bedeutet gleichzeitig aber auch, dass eine nicht unerhebliche Zahl von Protestanten und Katholiken ihre Kinder nicht zur Taufe bringt. Daher lohnt es sich für Kirchengemeinden nachzufassen: Wie die hohe Taufbereitschaft wecken? Werden Kirchenmitglieder von ihrer Kirchengemeinde zur Taufe ihrer Kinder flächendeckend eingeladen? Sind Verantwortliche in den Kirchengemeinden bereit, aktiv auf die Eltern Neugeborener und nicht getaufter Kinder zuzugehen? Wollen und können Kirchengemeinden neben der klassischen Taufe im Gemeindegottesdienst andere Taufformen feiern, die auch jene Menschen ansprechen, die sich im normalen Sonntagsgottesdienst nicht wohlfühlen? Können niederschwellige Kontaktgelegenheiten wie Kasualien, im kirchlichen Kindergarten oder im Religionsunterricht genutzt werden, um für die Taufe und für die Mitgliedschaft zu werben?

Hier gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten zu reagieren: von der Grußkarte zur Geburt des Kindes bis zur Feier besonderer Tauffeste. Darüber hinaus zeigt sich, dass insbesondere in der evangelischen Kirche mit der Konfirmation nicht nur eine besondere, sondern zugleich die quantitativ bedeutendste Gelegenheit zum Kircheneintritt besteht. Auch hier lohnt es sich nachzufassen: Wird auch um die Jugendlichen geworben, die sich nicht auf den ersten Brief der Kirchengemeinde gemeldet haben? Und schließlich sei darauf hingewiesen, dass es in beiden Konfessionen die meisten Kircheneintritte – abgesehen von denen im Rahmen der Konfirmation – im Alter zwischen 20 und 45 Jahren gibt. Statistisch gesehen bestehen also bei Erwachsenen zu Beginn der Erwerbsphase die größten Möglichkeiten zur Mitglieder(rück)gewinnung.

2. Kontakt halten und Enttäuschungen vorbeugen

Leider kann durch Kircheneintritte die hohe Zahl der Kirchenaustritte bei weitem nicht kompensiert werden. Die Zahl der Kirchenaustritte steigt mit dem Eintritt ins Berufsleben massiv an und bleibt bis zum Eintritt in den Ruhestand überdurchschnittlich. Die höchste Wahrscheinlichkeit, die Kirche zu verlassen, besteht rund um das 30. Lebensjahr. Dies sowohl bei Männern als auch – etwas weniger häufig – bei Frauen. Kirchenaustritte in dieser Lebensphase haben einen doppelten Effekt: Sie führen nicht nur zu sinkenden Mitgliedschaftszahlen, sondern zwangsläufig auch zu weniger Geburten von konfessionell gebundenen Eltern – und damit zu einem sinkenden Taufpotenzial.

Diese Beobachtungen lassen sich dem Wesen nach in allen Regionen Deutschlands und beiden Konfessionen beobachten. Damit wird eines deutlich: Kirchenaustritte können nicht allein mit der Arbeit in der Kerngemeinde vor Ort erklärt werden. Zumeist endet der Kontakt zur Kirche – wenn er denn überhaupt bestanden hat – mit Firmung oder Konfirmation. Es folgt eine Lebensphase, in der in Freizeit, Schule und Studium anderen Lebensthemen höhere Priorität eingeräumt wird. Kirche und kirchliche Angebote werden nur noch selten oder nie wahrgenommen. Der erste Gruß der Kirche nach einer längeren kontaktlosen Zeit kommt mit dem Kirchensteuerbescheid vom Finanzamt. Für viele junge Menschen stellt sich dann eine schlichte Kosten-Nutzen-Abwägung. „Für mich ist es mit der Kirche wie mit einem Fitness-Studio, für das ich Beitrag zahle, aber nie hingehe“, so die zugespitzte Aussage eines jungen Mannes im Rahmen einer repräsentativen Befragung Ausgetretener der Landeskirchen Württemberg und Westfalen.4

Der Prozess des Kirchenaustritts ist individuell verschieden und komplex. Die Austrittsmotive sind vielfältig. Dementsprechend versprechen monokausale Erklärungsversuche und Handlungsansätze kaum Erfolg. Gleichzeitig erscheinen Ansätze vielversprechend, die die Beziehung zu jenen Kirchenmitgliedern pflegen, die von sich aus keinen Kontakt zur Kirchengemeinde suchen. Und es gibt Berührungspunkte bei Taufen, Kommunionen, Konfirmationen, Firmungen, Trauungen und Beerdigungen, in den kirchlichen Kindertagesstätten und Krankenhäusern sowie im Religionsunterricht und bei Schulgottesdiensten, die zur niederschwelligen Kontaktaufnahme genutzt werden können. Gerade diese kirchlichen Lebensbegleitungsangebote sollten bei den Kirchenmitgliedern daher in guter Erinnerung bleiben. Professionalität, Serviceorientierung und die Leidenschaft der kirchlich Mitarbeitenden für Gott und die Menschen können helfen, persönlich enttäuschende Erlebnisse dabei zu vermeiden und die individuelle Kirchen­mit­gliedschaft zu plausibilisieren.

3. Über die Kirchensteuer reden

Der häufigste Anlass, der für den Kirchenaustritt angeführt wird, ist die Kirchensteuer. Dies gilt insbesondere für junge Menschen zu Beginn ihres Berufslebens. Gleichzeitig haben bei der oben bereits angeführten repräsentativen Befragung beinahe zwei Drittel der gerade Ausgetretenen angegeben, die (evangelische) Kirche wichtig oder eher wichtig zu finden.5 Es könnte sich daher für die beiden Kirchen lohnen, besser zu erklären, warum ohne individuelle Mitgliedschaft und Kirchensteuerzahlung kirchliche Arbeit nicht funktioniert. Dabei ist uns bewusst, dass dies angesichts der allgemeinen gesellschaftlichen Institutionsmüdigkeit leichter „gesagt als getan“ ist. Insbesondere sollten Verantwortliche auf allen (!) Ebenen über Konzept und Verwendung der Kirchensteuer auskunftsfähig sein und weiterführende Informationen zur Kirchensteuer bereithalten. Vielen Kirchensteuerzahlenden ist nicht bewusst, dass sie mit ihrer Kirchensteuer einen Solidarbeitrag für die rund 50% der Kirchenmitglieder leisten, die aufgrund fehlenden oder geringen Einkommens nicht zur Finanzierung der kirchlichen Arbeit herangezogen werden. Darüber hinaus finanzieren sie subsidiär unterhaltene Einrichtungen wie Kindergärten, Ehe- und Familienberatungen, Telefonseelsorge sowie diakonische und caritative Angebote mit, die der gesamten Gesell­schaft zugutekommen.6

 

Gefühlte und gezählte Wirklichkeit

Das Wahrnehmen dieser lebensbiografisch und statistisch relevanten Lebensereignisse kann den Blick auf die Wirklichkeit kirchlicher Arbeit schärfen. Wahr ist aber auch, dass der Volksmund wohl nicht umsonst dazu rät nur jenen Statistiken zu trauen, die man selbst gefälscht hat. Gerade in den Kirchen und in der praktischen Theologie wird daher die quantitative Analyse regelmäßig skeptisch beäugt. Zurecht wird angemahnt, dass Zahlen allein die Wirklichkeit nicht abbilden können. Es bedarf dazu Theoriekonstrukte und qualitativer Überprüfung. Insofern ist eine gewisse Skepsis gesund. Und trotzdem: Die Freiburger Studie zeigt, dass Empirie dabei helfen kann, Wirklichkeit wahrzunehmen. Denn die gefühlte Wirklichkeit ist oft eine andere als die gezählte Wirklichkeit. Vor Zahlen muss man keine Angst haben. Ein kontinuierliches Monitoring kann dabei helfen, den Blick auf die eigene Arbeit und die Veränderung von deren Reichweite noch besser wahrzunehmen. So kann evaluiert werden, wo Potenziale der kirchlichen Arbeit liegen und wo Investitionen in Personal, Engagement und sonstige Ressourcen messbare Veränderungen bewirken könnten und wo nicht. Denn je nach dem wie gegenwärtiges Verhalten ausfällt, verändert sich das Projektionsergebnis.

Die Freiburger Studie ist weder Kaffeesatzleserei noch Untergangsprophetie. Die Freiburger Studie ist nicht mehr und nicht weniger als eine Projektion – mit allen Chancen und Herausforderungen, Entlastungen und Zumutungen, die diese für die kirchliche Arbeit aufzeigt.

 

Anmerkungen

* Der Beitrag basiert in Teilen auf Gutmann/Peters (2021). #projektion2060 Die Freiburger Studie zu Kirchenmitgliedschaft und Kirchensteuer, 175-203, und Peters/Gutmann. Was bleibt von der Freiburger Studie? Evangelische Reaktionen und Stimmen auf die Projektion 2060. In: Kirchliches Jahrbuch für die EKD 2019.

1 Matthaei (2020). Cui bono – wem nützt die Projektion 2060? In: DPfBl 10/2020.

2 Für eine ausführliche Beschreibung der verwendeten Projektionsmethodik sei auf Gutmann/Peters (2021), a.a.O., 75-91 verwiesen.

3 Mit dem Herausgeberband „Kirche – ja bitte!“ konnten 2019 Impulse für ein ökumenisches Netzwerk gegeben werden, das die Erprobung und den Austausch innovativer Konzepte und resonanzorientierter Modelle gelungener Mitgliederorientierung zum Ziel hat. Vgl. Gutmann/Peters/Kendel/Faix/Riegel (Hg.) (2019). Kirche – ja bitte! Innovative Modelle und strategische Perspektiven von gelungener Mitgliederorientierung.

4 Vgl. Peters/Jacobebbinghaus/Federmann/Ottmar/Riegel (2021). Anlässe und Motive des Kirchenaustritts. Erste Befunde. Eine Pilotstudie der Evangelischen Landeskirche in Württemberg und der Evangelischen Kirche von Westfalen.

5 Vgl. Peters/Jacobebbinghaus/Federmann/Ottmar/Riegel (2021), a.a.O.

6 Für tiefergehende Informationen zur Verwendung der Kirchensteuer sei beispielhaft verwiesen auf www.elk-wue.de/kirchensteuer.

 

Über die Autorin / den Autor:

Dr. Fabian Peters, Jahrgang 1987, Studium der technischen Volkswirtschaftslehre in Karlsruhe, 2020 Promotion in Freiburg, Leiter des Kompetenzzentrums Statistik und Datenanalyse der Evang. Landeskirche in Württemberg.

Dr. David Gutmann, Jahrgang 1978, Studium in Public Management in Ludwigsburg und Kehl, 2020 Promotion in Freiburg, ­Leiter des Kompetenzzentrums Kirchenmitgliedschaft und Kirchen­steuer an der Kath. Hochschule Freiburg.

 

Die beiden Ökonomen sind die Köpfe hinter der Freiburger Studie zu Kirchenmitgliedschaft und Kirchensteuer, die bundesweit für Aufmerksamkeit gesorgt hat.

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft 9/2021

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