Die Theologische Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen trauert um Professor Dr. Manfred Josuttis, der hier von 1968 bis zu seiner Emeritierung 2001 ordentlicher Professor für Praktische Theologie gewesen ist. Sie hat einen innovativen Forscher und einen engagierten Lehrer verloren, der das Renommee der Fakultät über viele Jahre gefördert und zahlreiche angehende Pfarrerinnen und Pfarrer nachhaltig geprägt hat.

Manfred Josuttis wurde am 3. März 1936 in Insterburg (Ostpreußen) geboren und wuchs in der Nähe von Aachen auf. Er studierte Evang. Theologie in Wuppertal, Göttingen und Bonn. Besonders geprägt haben ihn dort der Lutheraner Ernst Bizer und der Reformierte Walter Kreck, bei dem er eine systematisch-theologische Promotion über das Anselm-Buch von Karl Barth verfasste (1965), dazu der Praktische Theologe Rudolf Bohren, als dessen Assistent Manfred Josuttis 1960-1962 in Wuppertal tätig war.

1962-1968 wirkte er als Gemeindepfarrer in den Hunsrück-Dörfern Seibersbach und Gödenroth. In dieser Zeit verfasste er unter anderem die Studie »Gesetzlichkeit in der Predigt der Gegenwart« (1966), die die predigtpraktischen Dimensionen des Kategorienpaares Gesetz/Evangelium an einer Fülle von Predigtbeispielen systematisch wie rhetorisch pointiert herausarbeitet. Diese kritische Studie bildete, neben einer Reihe von Artikeln zur Homiletik, die Basis für seine Berufung an die Göttinger Fakultät, wo er Nachfolger von Martin Doerne wurde.

Manfred Josuttis wurde zu einem Protagonisten der sog. empirischen Wende in der Praktischen Theologie; dabei rezipierte er besonders die kritische Gesellschaftstheorie der Zeit sowie tiefenpsychologische Einsichten. Das Buch »Praxis des Evangeliums zwischen Politik und Religion« (1974) fasst seine frühe Lehrtätigkeit zusammen; es ist bis heute ein Klassiker des Faches. Sein anregendes Werk »Der Pfarrer ist anders. Aspekte einer zeitgenössischen Pastoraltheologie« (1982) zielte darauf, »die Konfliktzonen, die an den Schnittstellen zwischen der beruflichen, der religiösen und der persönlichen Dimension pastoraler Existenz lokalisiert sind, wissenschaftlich zu reflektieren«. Im zweiten Band der Pastoraltheologie (»Der Traum des Theologen«, 1988) sowie in zahlreichen Aufsätzen der 1980er Jahre wird deutlich, dass die humanwissenschaftliche Sicht durch eine leib- und religionsphänomenologische Perspektive zu ergänzen ist, wie sie Josuttis vor allem durch den Kieler Philosophen Hermann Schmitz vermittelt wurde. In großem Stil erprobt hat er diese neue Sicht zuerst in der Gottesdienstlehre »Die Einführung in das Leben« (1991). Zuletzt erschien der Band »Ich bin ein Gast auf Erden. Eine pastoraltheologische Lebensgeschichte« (2016), in dem Josuttis seine biographischen Wurzeln und auch seine beginnende Demenzerkrankung praktisch-theologisch reflektiert.

Manfred Josuttis hat, das bezeugen viele ehemals Studierende, ebenso anspruchsvoll wie anregend unterrichtet. Er hat zahlreiche Promotionen und Habilitationen begleitet. Nach seiner Emeritierung hat er, gemeinsam mit seiner Frau Ursula, in einer über etliche Jahre laufenden Fortbildung mit zahlreichen Pfarrerinnen und Pfarrern die geistliche Dimension ihres Berufs, die »Religion als Handwerk« (2002) eingeübt und reflektiert.

Am 9. Februar 2018 ist Manfred Josuttis in der Nähe von Göttingen gestorben. Die Theologische Fakultät gedenkt seiner in tiefer Dankbarkeit.


Florian Wilk, Dekan – Jan Hermelink (Evang. Theol. Fakultät, Universität Göttingen)

 

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft 3/2018

Kommentieren Sie diesen Artikel
Pflichtfelder sind mit * markiert.
Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.
Spamschutz: dieses Feld bitte nicht ausfüllen.