In der Debatte um die EKD-Orientierungshilfe zu Ehe und Familie hat der damalige EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider zur Verteidigung auf Dietrich Bonhoeffer verwiesen. Doch lässt sich hier theologische Rückendeckung finden? Werner Thiede ist  skeptisch.

In einem Interview unter dem Titel »Homosexualität ist ein Ausdruck der Liebe« in der »Frankfurter Rundschau« vom 23. August 2013 hat sich Nikolaus Schneider als EKD-Ratsvorsitzender auf Dietrich Bonhoeffer berufen: »Aber wir versuchen, uns auf der Höhe unserer Zeit dem Wirken des Heiligen Geistes zu öffnen, denn er ist der ›rechte Zeitgeist‹, wie Bonhoeffer sagt.«1 Ist es sachlich angemessen, in Zusammenhang einer Verteidigung der umstrittenen EKD-Orientierungshilfe zu Ehe und Familie Dietrich Bonhoeffer zu zitieren? Eine Berufung auf diesen »großen Theologen«2, dessen Todestag sich am 9. April 2015 zum 70. Male jährte, hatte im Dezember 2000 auch der Arbeitskreis »Lebendige Theologie heute« im Diskurs der Evang. Landeskirche in Württemberg vorgenommen – mit gegenteiliger Intention: »Die Aushöhlung des ›göttlichen Mandats‹ (Dietrich Bonhoeffer) von Ehe und Familie und die positive Beurteilung praktizierender Homosexualität als ethisch gleichwertiger ›Lebensform‹ ist kein Zeichen des Geistes Jesu Christi in der Kirche. Sie spiegelt den Geist einer westlichen kulturellen Krise wider und ist ein Zeichen gesellschaftlicher Zukunftslosigkeit und der Orientierungslosigkeit innerhalb der Kirche.«3 Jüngst hat Charles Marsh in seiner Bonhoeffer-Biographie sogar gemutmaßt, der evangelische Märtyrer könnte womöglich schwul gewesen sein4. Von daher stellt sich die Frage, was denn Bonhoeffer tatsächlich in Sachen Ehe, Familie und Homosexualität gedacht und geäußert hat. Erst dann lässt sich überlegen, welche Relevanz seine systematisch-theologischen Überlegungen in der gegenwärtigen, disparaten Diskussionslage, also rund ein Dreivierteljahrhundert später, haben könnten.


Wie dachte Bonhoeffer über Ehe und Familie als »göttliches Mandat«?

Wenn Bonhoeffer als theologischer Ethiker von »göttlichen Mandaten« spricht, so tut er das in begrifflicher Absetzung vom damals nahezu gängigen Gedanken der »Schöpfungsordnung«5. Ausdrücklich wendet er sich gegen den Begriff der »Ordnung«, wie er etwa bei Paul Althaus und Werner Elert Verwendung gefunden hat6. Denn dem wohne die Gefahr inne, den Blick stärker auf das Zuständliche der Ordnung als auf die Ermächtigung bzw. auftraggebende Macht zu richten, woraus dann leicht ein »romantischer Konservativismus« folge. Deshalb kreiert Bonhoeffer den Begriff der Mandate, ohne dabei freilich das Denken in der Kategorie von gottgewollten Ordnungen völlig hinter sich zu lassen. Tatsächlich weiß auch er um die »göttlichen Ordnungen der Welt«7. Aber es kommt ihm darauf an, sie im Licht der Christus-Offenbarung zu sehen – erst von daher lasse sich Gottes Gebot und Auftrag recht verstehen. Eine allgemeine Seinsbestimmung gebe es nicht: »Es ›ist‹ nur der Mensch in Adam oder in Christus, in Unglaube oder in Glaube …«8 Der Gott, der als Schöpfer der Welt erkannt werden soll, ist immer »der Gott, der sich seinem Volk in seinem Wort schon offenbart hat … Sonst könnten wir ihn nicht kennen.«9 Deshalb leitet Bonhoeffer das »Gebot Gottes« nicht von irgendwelchen (Schöpfungs-)Ordnungen ab – weder von Naturgegebenheiten noch von kulturellen Mächten. Vielmehr steht Gottes Gebot »fordernd und richtend jenseits derselben«10; gerade und nur so ermächtigt es zur ethischen Rede aus Christenmund.

Vier aufeinander bezogene Mandate erkennt Bonhoeffer – nämlich in der Kirche, in Ehe und Familie, in der Kultur und in der Obrigkeit11. Die Ehe ist für Bonhoeffer »die älteste aller menschlichen Ordnungen«, denn sie »ist mit der Schöpfung der ersten Menschen gegeben.«12 Demgemäß hat das göttliche Mandat der Ehe und Familie hohes Gewicht. Gerade auch durch dieses Mandat übt der Schöpfer seine Schöpfermacht aus. Gottes Gebot habe nicht zuletzt dort zu ordnen, wo es um die menschliche Sexualität gehe. Denn diese ist wesenhaft »Ichwille, ist süchtiger, ohnmächtiger Wille zur Einheit in der entzweiten Welt« und vergreift sich beim anderen Menschen an seiner Grenze13. Ungezügelte Sexualität ist laut Bonhoeffer »irrsinnige Beschleunigung des Fallens, des Stürzens, ist sich selbst Bejahen bis zur Selbstvernichtung.« So etwas wie eine Heiligsprechung der Sexualität gibt es deshalb bei Bonhoeffer nicht – sie wäre Ausdruck einer »natürlichen Theologie«14.

Der Sinn und Wert der Erhaltungsordnungen Gottes sind in der insgesamt noch unter der Herrschaft der Sünde befindlichen Welt erst von Christus, von der neuen Schöpfung her wirklich einzusehen15. In der gefallenen Welt liegt »ein dunkler Schatten auf Ehe und Familie«16. Wir entsprechen dem Willen und Auftrag Gottes so wenig, »weil wir die Welt nicht als Schöpfung Gottes kennen«17 – dieses theologische Diktum Bonhoeffers gilt auch für den Bereich von Ehe und Familie. Verwundert es insofern, dass im Orientierungspapier der EKD zum Thema der Bezug auf die »Schöpfungsordnung« distanziert erfolgt18? Als positives Abstraktum ist hier lediglich noch festgehalten: »Der Mensch wird von Anfang an als Wesen beschrieben, das zur Gemeinschaft bestimmt ist (1. Mose 2,18).« Dieses vieldeutige Abstraktum ist mager gegenüber dem, was Bonhoeffer im Blick hat, wenn er vom göttlichen Mandat der Ehe und Familie spricht.


Bonhoeffer zur Frage der Homosexualität

Für Bonhoeffer ist klar: Der Mensch ist als Mann und Frau geschaffen, und Gott »will, daß wir es ganz sind, er hat unser Mannes- und Frauentum geheiligt …«19 Der Gedanke der Schöpfungsordnung steht zumindest indirekt im Hintergrund, wenn Bonhoeffer an geordnete Sexualität denkt: Menschen werden »schuldig des ungeordneten Begehrens«20. Tatsächlich orientiert sich der Ethiker am natürlichen Gegenüber von Mann und Frau einschließlich des Triebs zur Fortpflanzung21. Ihm ist bewusst, dass die Fortpflanzung nicht die Ehe begründet22; sie wird von ihm nicht als »gattungsmäßige Notwendigkeit«, sondern als individuell ebenso freie Entscheidung wie die Partnerwahl angesehen. Das bedeutet wiederum keineswegs, dass die »gattungsmäßige Bestimmung der Fortpflanzung des menschlichen Geschlechtes« völliger Beliebigkeit anheim gestellt wäre. Vielmehr wird die Entstehung neuen Lebens gedeutet als »Segen, den Gott auf die Ehe gelegt hat«: »Eben weil es bei der menschlichen Fortpflanzung um den Willen zum eigenen Kind geht, wird nicht einfach der blinde Trieb sich ausleben dürfen und dann noch für sich besondere Gottwohlgefälligkeit für sich in Anspruch nehmen können …«23

Von Homosexualität spricht Bonhoeffer kaum explizit. Auch nimmt er nur selten Bezug auf die eindeutigen Verurteilungen derselben im 1. Kap. des Römerbriefs24, wo sie als ein Grundexempel sündhafter Verirrung angeführt wird, bevor der Apostel später seine Rechtfertigungsbotschaft entfaltet. Aber andeutend oder implizit kommt Bonhoeffer wiederholt auf die Thematik zu sprechen, etwa wenn er sexualethisch »durch Verwirrungen und Verfehlungen verhängnisvolle Schädigungen der Gemeinschaft«25 anprangert oder »das unbegrenzte Ausleben des blinden Triebes«26 kritisiert. Biblizistisch argumentiert er nie, doch seine Orientierung an der Christus-Offenbarung lässt ihn betont im biblischen Kontext nachdenken.

Von daher steht aber außer Zweifel: Homosexualität wird von Bonhoeffer »um der Ganzheit der Ehe willen«27 kritisch betrachtet. Das menschliche »Recht auf volle leibliche Gemeinschaft« will dem Ethiker zufolge »doch mit Vernunft wahrgenommen werden«28. Völlig auszuschließen ist es dabei nicht, »um des göttlichen Gebotes willen auch das Härteste zu fordern«. Denn der Leib ist der Tempel Gottes, Wohnung des heiligen Geistes29. Das göttliche Mandat der Ehe und Familie hat bei Bonhoeffer seine Eindeutigkeit.


Bonhoeffer als Apologet der christlichen Freiheit

Die ethische Grundhaltung Bonhoeffers ist konsequent vom Heiligungsgedanken durchzogen, ohne aber dabei »gesetzlich« zu werden. In erfrischender Weise verbindet sie den Ernst christlicher Existenz mit der Freiheit im Geist Gottes. Pharisäismus ist nicht seine Sache. Demgemäß kann er fragen: »Wer wagt es, allgemeingültig zu entscheiden über die brennenden Probleme der Ethik«, namentlich »über das Mysterium der Sexualität?«30 Ist doch sowieso »nicht gesagt, dass der Wille Gottes sich ohne weiteres mit dem Akzent der Einzigkeit geladen dem menschlichen Herzen aufzwinge, dass er einfach auf der Hand liege und mit dem, was das Herz denkt, identisch sei.«31

Schon zu seiner Zeit ermunterte der Systematiker zum offenen Gespräch: »Die erste Pflicht ist, den Dingen ohne Prüderie ins Augen sehen zu können«32.Dazu gehörte die befreiende Wahrnehmung: Wir »sind gottgeliebte Erdenkinder, von Gott geliebt gerade in unserer Schwäche, in unseren Leidenschaften, in unserer Schuld …«33 Das Evangelium überstrahlt alles Gesetz, ohne jedes Gesetz durchzustreichen (vgl. Röm 7,7–8,4)34.

So steht auch in der »Rangordnung der göttlichen Ordnungen«35 die Liebe ganz oben. Den Liebesgedanken interpretiert Bonhoeffer dabei nicht von schöpfungsmäßigen Strukturen oder Möglichkeiten, sondern vom christlichen Gottesgedanken her, der Gott selbst als Liebe definiert36. Letzteres ist wiederum keine abstrakte Bestimmung, sondern gilt in 1. Joh. 4,8.16 im Blick auf den für uns Gekreuzigten: »Was Liebe ist, erkennen wir allein in Jesus Christus und zwar in seinem Tode für uns.«37 Selbst solche Liebe lässt sich nicht abstrahieren, sondern sie »bedeutet das Erleiden der Umwandlung der gesamten Existenz durch Gott, das Hineingezogenwerden in die Welt, wie sie vor Gott und in Gott allein leben kann. Liebe ist also nicht Wahl des Menschen, sondern Erwählung des Menschen durch Gott.«38 Genau darum aber will gelebte Liebe dem Gebot Gottes entsprechen: Sie »befreit den von der Selbstliebe getrübten und irregeführten Blick des Menschen zu der klaren Erkenntnis der Wirklichkeit, des Nächsten und der Welt und macht ihn so und nur so bereit zur Wahrnehmung echter Verantwortung.«39 Christliche Freiheit und Heiligung schließen einander nicht aus, sondern verhalten sich wie Baum und Frucht.

Bonhoeffer zufolge ruft Gott die Geschlechter »jedes zu seiner bestimmten Aufgabe, in seinem Dienst, wir leben unser Leben als Männer und Frauen vor Gott, der der Gott der Reinheit und der Heiligkeit ist.«40 Heiligkeit ist dabei nicht »gesetzlich« verstanden, denn Bonhoeffer fährt fort: »Was aber rein sein heißt, das muß ein jeder mit Gott, der ihn machte, allein abmachen.« Öffnet sich hier nun etwa die Tür zu einer mehr oder weniger liberalen Sicht? Man höre Bonhoeffer weiter: »Reinsein heißt Gott durch sich selbst, durch sein leibliches und geistliches Leben, hindurchleuchten lassen können, in seiner ewigen Reinheit; das geht aber nur dort, wo ich mein Leben als Mann oder Frau vor den Augen Gottes führe. Dort wird Natur und Geist sich paaren zur Schönheit und Harmonie eines gutgeschaffenen Wesens, nicht wider die Natur und nicht wider den Geist, sondern beide geordnet und durchstrahlt vom Geiste Gottes.« Mit den Worten »wider die Natur« bezieht sich Bonhoeffer unmissverständlich auf Röm. 1,26–27, wo homosexuelle Praktiken entsprechend kritisch bewertet werden. Das aber heißt, dass sich für ihn die Freiheit eines Christenmenschen nicht als Liberalismus äußert, sondern als Befreitsein zur einer Existenz der Heiligung und Reinheit in der lebendigen Gemeinschaft mit dem Erlöser selbst: »Der Christ ist keusch, er gibt seinen Leib ganz in den Dienst des Leibes Christi.«41

Es geht um befreite Existenz im Licht der Liebe Gottes und in der Gemeinschaft der christlichen Kirche. Demgemäß kann Bonhoeffer beten: »Du liebst das Gute und lohnst es auf dieser Erde mit einem getrosten Gewissen und in der künftigen Welt mit der Krone der Gerechtigkeit. … Lass mich derzeit so leben, wie ich es vor dir und vor den Menschen verantworten kann.«42 Ethisches Prüfen im Geist Gottes bedeutet alles andere als einen theologischen oder philosophischen Hang zu wohlmeinender Beliebigkeit; vielmehr kann es sich hier nur um die Erneuerung des Sinnes von wiedergeborenen43 »Kindern des Lichts« (Röm. 12,2; Eph. 5,9), um »die Überwindung der Gestalt des abgefallenen Menschen, Adam, und um die Gleichgestaltung mit der Gestalt des neuen Menschen, Christus, handeln.«44

Resümee

Bonhoeffer hatte eine vom Reinheits- und Heiligungsgedanken getragene Vorstellung hinsichtlich des göttlichen Ehe- und Familien-Mandats. Gleichgeschlechtliche Sexualität war für den christlichen Ethiker keine Option. Als einen Mangel der evangelischen Kirche seiner Zeit sah er schon damals das »Fehlen einer echten Kirchenzucht« an45. Er klagte darüber, dass die Kirchen »die Begierden der Menschen nicht gezügelt, sondern gefördert«46 hätten. Angesichts des historischen Befunds sollte er im Kontext einer Apologie des EKD-Familienpapiers besser nicht aufgerufen werden.

Gleichwohl drängt sich heute die Frage auf: Würde Bonhoeffer auf dem Hintergrund der inzwischen weitergegangenen medizinischen, biologischen und psychologischen Forschungen zur Gleichgeschlechtlichkeit und auch angesichts der historisch-kritischen Einschätzungen ihrer biblischen Verwerfungen seine Einstellung unverändert beibehalten haben? Wie würde er, wenn er »das unbegrenzte Ausleben des blinden Triebes« verurteilt, zur davon abzusetzenden Idee einer geordneten gleichgeschlechtlichen Verpartnerung stehen, wie sie gegenwärtig auch von vielen Christen akzeptiert wird? Was würde er von den theologischen Passagen der EKD-Orientierungshilfe zu Ehe und Familie halten?

Nikolaus Schneider hat im eingangs zitierten Interview formuliert: »Gottes Geist ermutigt uns, in neuen Zeiten nach neuen Wegen zu suchen.« Bonhoeffer hätte hierzu jedenfalls Ja gesagt, aber hinzugefügt, dass solche »Ermutigungen« stets auch der jeweilige Zeitgeist bereithalte. Er hatte unter den schwierigen, ja lebensbedrohlichen Bedingungen seiner Zeit »das leichtfertige Segeln mit dem Wind«47 kritisiert und betont, dass der »Widerstand des Fleisches« sich durchaus »hinter den Worten des Geistes, d.h. im Namen der evangelischen Freiheit« verstecken könne48. Zweifellos würde er auch heutzutage die Frage nach dem »rechten Zeitgeist« hochhalten und die Geister zu unterscheiden trachten. Gerade an diese Christenpflicht erinnert uns der um »Weltliebe« keineswegs verlegen gewesene und zugleich um Heiligung bemühte Ethiker Dietrich Bonhoeffer nachhaltig.

Inhaltlich erwächst hieraus eine Ermutigung zu der neu zu stellenden, durchaus unzeitgemäßen Frage, was eigentlich Heiligung und Heiligsein näherhin bedeuten – nachgerade im Kontext der aktuellen ethischen Debatten um Ehe, Familie, gleichgeschlechtliche Verpartnerungen und Gender-Ideologie49. Bonhoeffers Grundgedanken legen mit ihren konzentrierten Bezugnahmen auf Christus und den heiligen(den) Geist die Einbettung christlich-ethischen Denkens in den trinitarischen Gottesgedanken selbst nahe. Dessen Entfaltung hängt zutiefst mit dem göttlichen Willen zur Schöpfung überhaupt, zum Setzen eines wirklich Anderen, also Nichtgöttlichen zusammen50: So erst wird die »Dreifaltigkeit« Gottes für uns erkennbar und in ihrer Dynamik von göttlicher Menschwerdung und Geistsendung einsehbar. Spiegelt sich nicht in dem wesenhaften Bezug auf echt Anderes, der den »gekreuzigten Gott« ausmacht, die Gottebenbildlichkeit des Menschen in ihrer Polarität von Mann und Frau? Sind also nicht gerade von daher »Mann und Weib einander schöpfungsmäßig zugeordnet«, wie Bonhoeffer sagen kann? Und geraten nicht somit gleichgeschlechtliche Partnerschaften in eine fragwürdige, weil das wirkliche Anderssein des Partners bzw. der Partnerin narzisstisch ausklammernde Perspektive? Ist es deshalb nicht theologisch zu kurz gegriffen, in Sachen sexueller Partnerschaften auf das Element der »Gemeinschaftstreue«51 und nichts sonst zu setzen? Bonhoeffers ethische Reflexionen erinnern jedenfalls daran, dass sich Gottes Gebot schwerlich auf einen solchen abstrakten Aspekt reduzieren lässt52. Im Übrigen erweist sich die Mutmaßung von Charles Marsh, er sei schwul gewesen, als abwegige Spekulation.


Anmerkungen:

1 http://www.fr-online.de/politik/ekd-ratspraesident-schneider-homosexualitaet-ist-ein-ausdruck-der-liebe-,1472596,24096502.html (Zugriff 30.5.2014).

2 Vgl. zuletzt Fulvio Ferrario: Bonhoeffer, Rom 2014.

3 http://www.elk-wue.de/fileadmin/mediapool/elkwue/stellungnahme_vom_191.pdf (Zugriff 30.5.2014).

4 Vgl. Charles Marsh: Dietrich Bonhoeffer: Der verklärte Fremde. Eine Biografie, Gütersloh 2015. Dass Marshs Vermutung haltlos ist, zeigen die Tatsachen, dass Bonhoeffer verlobt und sein Freund Eberhard Bethge später verheiratet war.

5 Vgl. Karl Edgar Olimart: Der Begriff der Schöpfungsordnung in der evangelischen Theologie der Gegenwart, Essen 1933; Helmuth Egelkraut: Homosexualität und Schöpfungsordnung: Die Bibel gibt Antwort, 2000; Wolfgang Nestvogel: Eine Frage der Schöpfungsordnung ...: Homosexualität im Licht der Bibel, Audiobook 2014.

6 Vgl. Dietrich Bonhoeffer: Ethik. Werke Bd. 6, hg. von Ilse Tödt u.a., München 1992, 393.

7 Dietrich Bonhoeffer: Barcelona, Berlin, Amerika 1928-1931. Werke Bd. 10, hg. von R. Staats u.a., München 1991, 342; ähnlich: Ethik, a.a.O., 202.

8 Dietrich Bonhoeffer: Akt und Sein. Werke Bd. 2, hg. von H.-R. Reuter, München 1988, 152.

9 Dietrich Bonhoeffer: Gemeinsames Leben. Werke Bd. 5, hg. von G.L. Müller und A. Schönherr, München 1987, 117.

10 Bonhoeffer: Ethik, a.a.O., 383.

11 A.a.O., 392.

12 A.a.O., 201.

13 Vgl. Dietrich Bonhoeffer: Schöpfung und Fall. Werke Bd. 3, hg. von M. Rüter und I. Tödt, München 1989, 116. Nächstes Zitat: ebd.; vgl. auch 94 und 161. Darum plädiert Bonhoeffer für die »Bewahrung der Scham« (117).

14 Vgl. das Herausgebernachwort zu »Schöpfung und Fall«, a.a.O., 162.

15 Vgl. Bonhoeffer: Schöpfung und Fall, 139; ähnlich 58.

16 Bonhoeffer: Ethik, a.a.O., 58.

17 A.a.O., 63 (Bonhoeffers dem Buch zugrunde liegende Vorlesung von 1932/33 hatte den Titel »Schöpfung und Sünde«, welcher für die Drucklegung geändert wurde, weil 1931 Emanuel Hirsch ein gleichnamiges Buch veröffentlicht hatte).

18 »Eine Herleitung der traditionellen Geschlechterrollen aus der Schöpfungsordnung entspricht nicht der Breite des biblischen Zeugnisses« (Zwischen Autonomie und Angewiesenheit. Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken. Eine Orientierungshilfe des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Gütersloh 2013, 54; vgl. auch 59f. Nächstes Zitat: ebd., 67.

19 Bonhoeffer: Barcelona, a.a.O., 343; ähnlich klar später in: Schöpfung und Fall, a.a.O., 60f.

20 Ethik, a.a.O., 128. »Es gibt einen von Gott geordneten Umgang mit Tod und Geschlechtlichkeit«, wird Johannes Mickley zitiert (Dietrich Bonhoeffer: Illegale Theologenausbildung Finkenwalde 1935-1937. Werke Bd. 14, hg. von O. Dudzus u.a., München 1996, 734).

21 Vgl. Ethik, a.a.O., 200. Nächste Zitate ebd. und 208.

22 Auch Wolfhart Pannenberg unterstreicht, dass die Gottebenbildlichkeit des Menschen biblisch deutlich abgehoben sei von dem Auftrag »Seid fruchtbar und mehrt euch« (Systematische Theologie Bd. 2, Göttingen 1991, 156).

23 A.a.O., 204.

24 Vgl. z.B. Bonhoeffer: Nachfolge. Werke Bd. 4, hg. von M. Kuske und I. Tödt, München 1989, 281; ders.: Theologenausbildung, a.a.O., 729f und 733.

25 Bonhoeffer: Ethik, a.a.O., 203.

26 A.a.O., 207.

27 Ebd. (207).

28 A.a.O., 208. Nächstes Zitat: ebd., 207.

29 Vgl. Bonhoeffer: Barcelona, a.a.O., 343.

30 A.a.O., 286.

31 Bonhoeffer: Ethik, a.a.O., 323.

32 A.a.O., 343.

33 A.a.O., 516.

34 Bonhoeffer weiß: »Das Tun setzt nun freilich das Hören des Gesetzes voraus« (Ethik, a.a.O., 331).

35 Vgl. a.a.O., 334.

36 Bonhoeffer: Ethik, a.a.O., 337.

37 A.a.O., 337.

38 A.a.O., 339.

39 A.a.O., 241.

40 Bonhoeffer: Barcelona, 343. Nächstes Zitat: ebd.

41 Bonhoeffer: Nachfolge, a.a.O., 281.

42 Zit. nach: M. Seitz (Hg.): Herr, höre mein Gebet, Neuendettelsau 2012, 53.

43 Vgl. Werner Thiede/Walter Sparn: Art. Wiedergeburt, in: Enzyklopädie der Neuzeit, Bd. 14, Stuttgart/Weimar 2011, 1073-1076.

44 Bonhoeffer: Ethik, a.a.O., 324.

45 Ethik, a.a.O., 411. Ebd. fordert Bonhoeffer »Askese« als »Zuchtübung«.

46 Vgl. a.a.O., 131.

47 A.a.O., 121.

48 Bonhoeffer: Nachfolge, a.a.O., 165.

49 Vgl. Gabriele Kuby: Die globale sexuelle Revolution: Zerstörung der Freiheit im Namen der Freiheit, Kissleg 2012; dies.: Gender. Eine neue Ideologie zerstört die Familie, Kissleg 2014; Christoph Raedel/Thomas Schirrmacher: Gender Mainstreaming. Auflösung der Geschlechter? Holzgerlingen 2014.

50 Vgl. Werner Thiede: Der gekreuzigte Sinn. Eine trinitarische Theodizee, Gütersloh 2007.

51 Vgl. Peter Dabrock: Zum Gebrauch der Bibel in der Theologischen Ethik. Erörterungen angesichts der aktuellen Debatte um Homosexualität, in: Ökumenische Rundschau 3/2012, 275-286.

52 Bonhoeffer bemerkt: »Eine Liebe, die die Wahrheit antastet oder auch nur neutralisiert, nennt Luther mit klarem Blick eine ›verfluchte Liebe‹ und wenn sie auch im frömmsten Gewand aufträte« (Ethik, 336).

 

Über die Autorin / den Autor:

Prof. Dr. theol. habil. Werner Thiede, Pfarrer der ELKB (Regensburg) und apl. Professor für syst. Theologie (Universität Erlangen-Nürnberg); zahlreiche Bücher, zuletzt: »Die digitalisierte Freiheit. Morgenröte einer technokratischen Ersatzreligion« (Berlin 20142), »Die Wahrheit ist exklusiv. Streitfragen des interreligiösen Dialogs« (Gießen 2014), »Digitaler Turmbau zu Babel. Der Technikwahn und seine Folgen« (München 2015); Näheres unter werner-thiede.de.

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft 4/2015

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