Die Kirche steht in der Welt, ist aber nicht von der Welt. Was bedeutet diese Doppel­perspektive für das Verhältnis der Kirche zu den jeweiligen technologischen Möglichkeiten ihrer Zeit, insbesondere zum Umgang mit der omnipräsenten digitalen Kommunikationstechnologie? Werner Thiede tritt hier für eine kritischere Bewertung seitens der Kirchen ein.

Die Kirche Jesu Christi steht mitten in der Welt – und ist ihrem biblisch begründeten Selbst-verständnis gemäß doch nicht von der Welt. Nur auf dem Hintergrund der ihr eigenen Weltfremdheit kann sie die Welt effektiv mit Gaben beschenken, die weltimmanent nicht zu haben sind. Was bedeutet diese Doppelperspektive für das Verhältnis von Kirche zu den jeweiligen technologischen Möglichkeiten ihrer Zeit?

Einerseits drängt sich zweifellos der Aspekt des aktiven Nutzens und des dankbaren Partizipierens auf. Eine Kirche, die mitten in der Welt steht, kann sich dem technischen Fortschritt unmöglich verschließen. Sie wird selbstverständlich geneigt sein, die zur Verfügung stehenden Mittel der ihr aufgetragenen Kommunikation möglichst effizient dienstbar zu machen. Hat nicht schon Martin Luther dementsprechend die Buchdruckerkunst der Verbreitung der Bibel und seiner theologischen Anliegen segensreich zu Grunde gelegt?

Andererseits gibt es den Aspekt der ethischen Bewertung. Der beliebte, durchaus nahe liegende Rückverweis auf den kirchlichen Gebrauch zeitgemäßer Technologien im Reformationszeitalter ist insofern kurzschlüssig: Damit wird einfach so getan, als würden sich im Laufe der technischen Entwicklungen keinerlei qualitativen Unterschiede der Produkteigenschaften ergeben, die auch zu unterschiedlichen Herausforderungen und Wertungen führen könnten. Jede Technik-Philosophie würde sich einen derart undifferenzierten und ungeschichtlichen Nutzungsvergleich verbieten; auch jede Theologie sollte sich in ihren Äußerungen zum Technikbezug vor einer derartigen Naivität hüten. Das gilt insbesondere für die heutige Zeit, in der sich die Entwicklung der digitalen Revolution so exorbitant zuspitzt, dass daraus unübersehbare ethische Fragen erwachsen1.


Sträfliche Nachlässigkeit?

Es könnte sich sogar so verhalten, dass das Übersehen dieser Differenzierungsnotwendigkeit selber eine ethisch sträfliche Vernachlässigung darstellt. Hat doch schon Romano Guardini unterstrichen: »Bei genauer Prüfung zeigt sich, daß im Laufe der Neuzeit zwar die Macht über das Seiende, Dinge wie Menschen, in einem immer ungeheuerlicheren Maße ansteigt, der Ernst der Verantwortlichkeit aber, die Klarheit des Gewissens, die Kraft des Charakters mit diesem Anstieg durchaus nicht Schritt halten.«2 Kirche sollte allemal der Versuchung widerstehen, dem technischen Fortschritt gewissenlos zu frönen, und stattdessen seine differenzierte Wertung fördern. Bundespräsident Joachim Gauck, selber protestantischer Theologe, hat in diesem Sinn am Tag der Deutschen Einheit 2013 in Stuttgart erklärt: »Heute tragen Menschen freiwillig oder gedankenlos bei jedem Klick im Netz Persönliches zu Markte, die Jüngeren unter uns vertrauen sozialen Netzwerken gleich ihr ganzes Leben an. Ausgeliefertsein und Selbstauslieferung sind kaum noch voneinander zu trennen. Es schwindet jene Privatsphäre, die unsere Vorfahren sich einst gegen den Staat erkämpften und die wir in totalitären Systemen gegen Gleichschaltung und Gesinnungsschnüffelei zu verteidigen suchten. … Wie doppelgesichtig die digitale Revolution ist, zeigt sich besonders am Arbeitsplatz. … Naturgemäß hinken Gesetze, Konventionen und gesellschaftliche Verabredungen der technischen Entwicklung hinterher. Wie noch bei jeder Innovation gilt es auch jetzt, als aufgeklärte und ermächtigte Bürger zu handeln.«3 Genau dazu sollten Theologie und Kirche in kritischer Begleitung des so genannten Fortschritts beitragen.


Konziliar verordnete Aufgeschlossenheit

Vorbehalte gegen den technischen Fortschritt zu äußern fällt freilich althergebrachten Glaubensgemeinschaften insofern schwer, als sie in der Regel möglichst nichts tun möchten, was ihren gesellschaftlichen Ruf fördern könnte, antiquiert bzw. »von gestern« zu sein. Deshalb hat gerade die röm.-kath. Kirche seit ihrer bewussten Öffnung für die Moderne, also seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil eine erstaunliche Technik-Affinität bewiesen. Bereits 1963 wurde ein Dekret »Über die sozialen Kommunikationsmittel« (Inter Mirifica) verabschiedet; gemeint waren Presse, Film, Rundfunk und Fernsehen. Das Konzil forderte in großer Aufgeschlossenheit für den industriellen Fortschritt dazu auf, in technologischer Hinsicht »rechtzeitig für die Ausbildung von Geistlichen, Ordensleuten und Laien zu sorgen. Sie müssen genügend Sachkenntnis besitzen, um diese Mittel für das Apostolat zu gebrauchen.«4 Sogar Missmut gegenüber Zögernden wurde im selben Zusammenhang laut: »Es ist ein unwürdiger Zustand, wenn es von den Mitgliedern der Kirche untätig hingenommen wird, daß das Wort des Heiles durch technische Unzulänglichkeit und unzureichende Mittel gefesselt und gehindert ist.«

Später hat Papst Johannes Paul II. in seinem Dekret Redemptoris missio (1990) diese Linie verstärkt – auch in seinem Apostolischen Schreiben »Die schnelle Entwicklung« (2005), das sich an alle Medienschaffende und Mitarbeiter im Bereich der Kommunikation richtet. Ausdrücklich vermerkt er, die Kirche sei »nicht nur dazu berufen, die Medien zur Verbreitung des Evangeliums zu nutzen, sondern die heilbringende Botschaft heute mehr denn je in die ›neue Kultur‹ zu integrieren, die die machtvollen Instrumente der Kommunikation schaffen und verbreiten. Sie ist sich bewusst, dass die Nutzung der Techniken und Technologien der Kommunikation unserer Zeit fester Bestandteil ihrer Sendung im dritten Jahrtausend ist.«5 Ja, sie beschreite technologisch bewusst »Wege, die Gottes Vorsehung unserer Zeit geschenkt« habe. Ob solche Geschenke sich wirklich Gottes Vorsehung verdanken oder eher geschäftstüchtiger Industrie, scheint dem Pontifex keine nähere Erörterung wert zu sein: Gott selbst habe sie »uns zur Verfügung gestellt«. Keineswegs nur die hauptberuflich in den Medien Tätigen sollten diese »Geschenke« wertschätzen, sondern überhaupt die ganze kirchliche Gemeinschaft. Gegen Schluss erklingt der päpstliche Appell: »Fürchtet euch nicht vor den neuen Technologien!«


Ablass per Twitter

Und so hat sich auch Papst Benedikt XVI. nicht geniert, Weihnachten 2011 mittels funkendem Tablet einen riesigen Lichterbaum aus 230 Kilometern Entfernung anzuknipsen, indirekt Industrie und Wirtschaft mit dem frommen Begleitsatz unterstützend: »Ich hoffe, dies ist wie ein Licht in der Dunkelheit!«6 Vorbildlich twitterte er7. Und unter dem Pontifikat seines Amtsnachfolgers Franziskus, der auf Twitter und Facebook präsent ist, wurde im Sommer 2013 vermeldet: »Wer den Weltjugendtag in Rio per Twitter verfolgt, kann auf vorzeitige Entlassung aus dem Fegefeuer hoffen – dieses Urteil hat der vatikanische Bußgerichtshof gefällt.« Den Ablass gebe es allerdings nicht einfach per Mausklick, hieß es zugleich: Ein bisschen Glaube gehöre schon dazu8. 2014 lobte Franziskus zwar das Internet als »Gottesgeschenk«, warnte aber immerhin zugleich: »Wenn die Kommunikation überwiegend dazu dient, zum Konsum zu veranlassen oder die Menschen zu manipulieren, haben wir es mit einer gewalttätigen Aggression zu tun.«9

Die missionarische Motivation bei der Empfehlung digitaler Funkgeräte leuchtet ja ein Stück weit ein – auch auf protestantischer Seite. Aber hat denn angesichts der digitalen Revolution selbst auf dem Feld der christlichen Religion der ethische Grundsatz seine Geltung verloren, dass der Zweck nicht per se die Mittel heiligt? Bereits der durch den Religionssoziologen Niklas Luhmann hervorgehobene Umstand, dass es in unserer modernen Welt sehr wohl ein Bewusstsein darüber gebe, wie wenig im Grunde den Massenmedien als Informationsquellen zu trauen sei10, lässt skeptisch fragen: Kann die Vermittlung der christlichen Botschaft über digitale, zum Teil durch gesundheitlich umstrittene Funkstrahlung betriebene Medien der Weisheit letzter Schluss sein? Es ist, als greife heute in religiösen Kontexten eine Schlussverkaufspanik um sich, ja als müsse man Kirchen und Seelen davor retten, den letzten digitalen Zug zu verpassen!

Die Versuchungen in dieser Richtung sind freilich riesengroß. Modernste Technik zaubert heutzutage Möglichkeiten herbei, die eine geradezu magische Faszinationskraft haben und deshalb an inneren oder äußeren Widerstand schwerlich denken lassen. Selbst wo im Rahmen konservativer Kirchlichkeit mancher Vorbehalt im Nutzerverhalten anzutreffen war und ist, setzt sich doch mit der Zeit immer mehr Aufgeschlossenheit, Dankbarkeit und Begeisterung für das Neue durch. Als wäre dieses Neue, das nicht von ungefähr unter der Bezeichnung »(digitale) Revolution« daher kommt, selbstverständlich etwas Gutes, das gar nicht näher zu prüfen wäre oder gar schon ausreichend geprüft worden sei …


Es droht globale Verwahrlosung

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz hat in der Talkshow »Beckmann« im vergangenen Herbst Klartext geredet: »Auf der Ebene der Staats- und Regierungschefs (der EU) wurde am 24. Oktober 2013 über die digitale Agenda geredet, und der Grund, warum darüber geredet wurde, ist folgender: Die Staats und Regierungschefs der EU sagen: In keinem Bereich – in keinem (!) – gibt es zukünftig mehr wirtschaftliches Wachstum als in der digitalen Welt. Und das ist der Grund, warum es auf der Tagesordnung steht. Ich habe dort die Frage gestellt: Können wir uns eigentlich vorstellen, dass wir auch über Datenschutz reden? Wir reden hier nur über die Durchökonomisierung unseres Lebens. Was sagen Sie eigentlich zu der Frage, wenn zukünftig in der Kombination aus Google, Facebook und NSA wir den von George Orwell seinerzeit befürchteten und noch nie eingetretenen, aber jetzt möglicherweise total gläsernen Bürger bekommen? Durch die Programmierung irgendeines Algorithmus … weiß ich zukünftig, wann Herr Beckmann einkaufen geht, mit wem der Essen geht, welche Finanzen er hat und wie es in seiner Küche aussieht, weil das alles aus den Daten, die dort gespeichert sind, erkennbar ist. Oder ich ›google‹ Beckmann, und irgendeiner, der Sie nicht leiden kann, programmiert einen Algorithmus, wo als Erstes all die negativen Ereignisse Ihres Lebens auf dem Bildschirm erscheinen. Sie werden ein fremdbestimmter Mensch!«11 Auf die Rückfrage des Moderators, wie denn die Staats- und Regierungschefs auf solch eine Frage reagiert hätten, antwortete Schulz: »Schweigen! Die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union pflegen auf solche unangenehmen Fragen erst mit einer gewissen Verzögerung zu reagieren.« Im Februar 2014 hat Präsident Schulz dann deutlich gewarnt, Freiheit und Demokratie seien von totalitären Tendenzen der digitalen Gesellschaft bedroht12.


Digitalisierung des Menschen

Selbst ein Befürworter der digitalen Zukunft wie Jeff Jarvis sieht deren Gefahrenpotenzial: »Da wir uns einer epochemachenden Umwälzung gegenüber sehen, ist es nicht nur in Ordnung, sondern auch notwendig, dass wir uns fragen, was schiefgehen könnte und was wir gegen unsere schlimmsten Befürchtungen tun könnten.«13 Inwieweit entsprechen eigentlich Theologie und Kirche dieser Notwendigkeit?

Hartmut Rosa gibt in seiner Habilitationsschrift »Beschleunigung. Die Veränderung der Zeitstrukturen in der Moderne« (2005) mit Recht zu bedenken: Der aufgeklärte Säkularismus mit seinem Doppelengagement für Selbstbestimmung und Großtechnologie verabschiedet sich vor unseren Augen in einer globalen Verwahrlosung: Die Dinge laufen inzwischen, wie sie wollen. Rosa entwirft als wahrscheinlichstes Zukunftsszenario ein ungebremstes Weiterlaufen in den Abgrund mit nuklearen und klimatischen Katastrophen und einem Zusammenbruch der modernen Werte- und Sozialordnung. Wenn diese Gefahren außerhalb von Theologie und Kirche wahrgenommen werden, sollte man innerhalb der eigenen Mauern nicht blind für die Gesamtentwicklung sein, an der die Verführungsmacht der digitalen Technologien ihren Anteil hat. Zu offenkundig sind die äußeren und inneren Abhängigkeiten, die sie erzeugt, die Unfreiheiten, mit denen sie manch neue Freiheiten, Bequemlichkeiten und »Sicherheiten« erkauft! Frank Schirrmacher spricht sogar von einer neuen digitalen Planwirtschaft: Das Gesetz der Maschine drohe zum Naturgesetz zu werden, und demnach können sich »Gedanken berechnen, bewerten und verkaufen lassen«14. Es geht also um die Digitalisierung nicht nur technischer Geräte und Methoden, sondern auch des »inneren« Menschen – für Theologie und Kirche eigentlich Grund genug zum Hinhören!


Die Blindheit der Kirchen

Unheilspropheten werden freilich ungern gehört, auch nicht in heiligeren Bezirken. Eine stark auf Kommunikation setzende Institution wie die Kirche ist insbesondere versucht, die so genannten »Sozialen Medien« für ihre reichhaltigen Belange in Anspruch zu nehmen. Bezeichnend ist nicht nur der Umstand, dass etwa die Evang.-Luth. Kirche in Bayern 2013 eine eigene Projektstelle für Social Media und Networkmanagement errichtet hat, sondern auch, dass deren Inhaber Christoph Breit äußert: »Mir sind da die Chancen wichtiger als das Nachdenken über Gefahren und Grenzen.«15

Ich halte genau das Umgekehrte für angebracht. Dazu habe ich im »Deutschen Pfarrerblatt« bereits deutliche Worte gefunden und muss meine Warnungen hier nicht wiederholen16. Aber einen damals nicht behandelten Punkt möchte ich hier hervorheben: Wer meint, Social Media wegen ihrer demokratieförderlichen Möglichkeiten bejahen zu müssen, lässt es wiederum an der gebotenen Differenzierung fehlen. Die aufregenden Agitationen via Facebook und Twitter in einigen bedrängten Ländern dürfen nämlich keineswegs darüber hinweg täuschen, dass das Internet nicht nur »gute« Potentiale in sich birgt17. So warnt der Medienwissenschaftler und Blogger Evgeny Morozov: Gerade mehr oder weniger totalitäre Regierungen entdecken das Internet zunehmend als Propaganda-Instrument für sich. Exemplarisch nennt Morozov die »50-Cent-Armee« in China: 50 Cent sei die Summe, die die Regierung einem Blogger dafür zahle, wenn er einen Beitrag oder Kommentar poste, der ihre Politik in ein positives Licht rücke. Nicht selten nähmen Regierungen mittlerweile aktiv an Online-Diskussionen teil, um ihr Bild in der Öffentlichkeit zu verbessern. Die Online-Welt sei wesentlich leichter manipulierbar als Zeitungen und bei weitem nicht so transparent, wie manche Menschen glauben18. Google, Facebook oder Twitter rundheraus gutzuheißen, ist laut Morozov naiv.

Theologie und Kirche sollten sich solcher Naivität nicht schuldig machen – auch nicht unter Vorhaltung der beliebten Feigenblatt-Einräumung, dass es zugegebenermaßen auch Schatten gebe, wo Licht sei19.


Gefahren für das geistliche Leben

Die Lage ist ernst genug, um die Forderung von Ernsthaftigkeit in der kirchlichen Kommunikation über den angemessenen Gebrauch oder die angemessene Abstinenz hinsichtlich der digitalisierten Kommunikationsmedien zu legitimieren. In der aktuellen Handreichung »Grundlagen und Orientierungen kirchlichen Lebens in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern«, die auf der Herbst-Synode 2013 verabschiedet wurde, heißt es beispielsweise unkritisch: »Das Bewusstsein für die Bedeutung einer qualitätsvollen kirchlichen Kommunikation ist in den letzten Jahren erkennbar gewachsen, und der Umgang mit der wachsenden Zahl der Kommunikationsmedien hat sich professionalisiert. Eine große Bedeutung hat dabei die Nutzung des Internets gewonnen, seit einiger Zeit auch die Nutzung und der Umgang mit Social Media.« Als gäbe es keiner gewichtigen kritischen Stimmen zu dieser Entwicklung20! Der Theologe Jürgen Mette, Geschäftsführer der Stiftung Marburger Medien, ist demgegenüber sogar überzeugt: Von den modernen Kommunikationsmitteln können Gefahren für das geistliche Leben ausgehen. Wenn Christen nicht verantwortungsvoll mit Computer, Handy, Internet und sozialen Netzwerken umgingen, dringe Gottes Stimme nicht mehr zu ihnen durch21.

Hinsichtlich der umfassend anvisierten und längst in Gang gesetzten Digitalisierungsprozesse in unserer Kultur mit all den sich dadurch eröffnenden Problemen und Gefahrendimensionen ist es bisher in Theologie und Kirche erstaunlich ruhig geblieben – als stellten etwa trans- und posthumanistische Ideen, die drohende Verschwendung riesiger Energieressourcen22 durch die weltweiten Digitalisierungsexzesse und die mit ihnen verbundenen gesundheitlichen Risiken infolge omnipräsenter Funkstrahlung23 keine echte Herausforderung für theologisches bzw. kirchliches Denken und Handeln dar! Eher schon begegnet man einer Haltung, wie sie Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem evangelischen Kirchentag in Hamburg 2013 demonstriert hat: »Seien wir neugierig auf eine Welt, die sich in einem unglaublichen Wandel befindet!«24 Sollten Christen nicht vielmehr neugierig sein auf die neue Welt Gottes – und sich von daher als kritikfähig gegenüber innerweltlichen Heilsversprechen erweisen? Sollten sie nicht die Versuchungen der um sich greifenden technokratischen Ersatzreligion durchschauen, über sie aufklären helfen, um mit neuem Elan von jener menschenfreundlichen Macht zu reden, der die wahre Zukunft gehört? In diesem Sinn zeigt sich der Regensburger Regionalbischof Hans-Martin Weiss überzeugt: »Die Botschaft von der Menschwerdung Gottes kann dazu beitragen, dass wir eine Aktionsgemeinschaft gegen die Maschinenherrschaft über unser Leben bilden.«25


Bewahrung der Welt vor ihrer total(itär)en Technisierung

Die »Kirche der Freiheit«26 hat Anlass genug, sich zum Programm der »Digitalisierung aller Dinge« kritisch zu verhalten. Hier sind Verführung, Götzendienst und Unfreiheit zu wittern. Der Philosoph Peter Heintel fragt, wo es inmitten einer ökonomisch globalisierten Weltgesellschaft überhaupt noch Instanzen gebe, die sich effektiv gegen den Sog der beschleunigenden Logik von Wirtschaft und Technik stellen könnten27. Sollten nicht gerade die Kirchen solche Instanzen darstellen? Mit Recht unterstreicht der ehemalige Bundesverfassungsrichter Paul Kirchhof: »Kirchliche Lehre und rechtliche Lehre müssen Störenfriede sein.«28 Die theologisch immer wieder geforderte Bewahrung der Schöpfung impliziert auch eine Bewahrung der Welt vor ihrer total(itär)en Technisierung. Der bereits laufende Prozess in diese Richtung bedarf der heilsamen Unterbrechung und geistlichen Beleuchtung. Er bedarf mutiger, aufklärender Worte, die sich selber zu sagen die Welt offenkundig nicht in der Lage ist.


Anmerkungen:

1 Vgl. Werner Thiede: Die digitalisierte Freiheit. Morgenröte einer technokratischen Ersatzreligion, Berlin 2013 (2. Aufl. 2014).

2 Romano Guardini: Das Ende der Neuzeit (1950), Mainz 1986, 70.

3 Zit. nach http://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Joachim-Gauck/Reden/ 2013/10/131003-Tag-deutsche-Einheit.html.

4 Vgl. http://www.vatican.va/roman_curia/pontifical_councils/pccs/documents/rc_pc_pccs_doc_04121963_inter-mirifica_ge.html. Ausdrücklich »lädt das Konzil die in Wirtschaft oder Technik einflußreichen Verbände und Einzelpersönlichkeiten dringend ein, mit ihren finanziellen Beiträgen und ihrer Erfahrung die Sozialen Kommunikationsmittel, soweit sie wahrer Kultur und dem Apostolat dienen, bereitwillig zu unterstützen« (Punkt 17).

5 http://www.vatican.va/holy_father/john_paul_ii/apost_letters/documents/hf_jp-ii_apl_20050124_il-rapido-sviluppo_ge.html.

6 Vgl. »Mittelbayerische Zeitung« vom 9.12.2011, 60.

7 Vgl. Kritsanarat Khunkham: Der Papst twittert, in: »Die Welt« vom 18.12.2012, 3.

8 Zit. nach »SPIEGEL Online« vom 17.7.2013 (http://www.spiegel.de/panorama/twitter-ablass-papst-follower-bleiben-kuerzer-im-fegefeuer-a-911577.html).

9 Laut KNA-Meldung in der »Süddeutsche Zeitung« vom 24.1.2014, 9. Bemerkenswerterweise hat Radio Vatikan über ein Interview mit mir zur Digitalisierungsfrage berichtet (http://de.radiovaticana.va/news/2014/02/17/d:_warnung_vor_den_totalit%C3%A4ren_z%C3%BCgen_des_internets/ted-773886 – Zugriff 18.2.2014).

10 Vgl. Niklas Luhmann: Die Realität der Massenmedien, Wiesbaden 20043, 9.

11 In der ARD-Sendung »Beckmann« vom 24.10.2013 (min. 29:30).

12 S. http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/digitale-gesellschaft-eu-parlamentspraesident-warnt-vor-technologischem-totalitarismus-12787107.html (Zugriff 6.2.2014).
Schulz betont, die digitale Revolution stelle eine ähnliche politische Herausforderung für die Humanisierung der technischen Entwicklung dar, wie es die Industrialisierung im 19. Jh. gewesen sei: Wie seinerzeit werde eine soziale Bewegung gebraucht, welche »die Unverletzlichkeit der menschlichen Würde ins Zentrum ihrer Überlegungen stellt und die nicht zulässt, dass der Mensch zum bloßen Objekt degeneriert«. Es gehe um »die Verteidigung unserer Grundwerte im 21. Jahrhundert«.

13 Jeff Jarvis: Mehr Transparenz wagen! Wie Facebook, Twitter& Co die Welt erneuern, Köln 2012, 284.

14 Frank Schirrmacher: Die neue digitale Planwirtschaft, in: FAZ Nr. 97 vom 26.4.2013, 31.

15 Christoph Breit im Interview »Eigentlich nur Mut« in: Weitersehen 2/2013, 8f., hier 8.

16 Vgl. Werner Thiede: Nein zu »sozialen Medien« im Pfarrberuf, in: DPfBl 6/2013, 350f.

17 Vgl. Linus Neumann: Für Umstürze ungeeignet. Der Mythos der Facebook-Revolution ist nicht nur falsch, sondern auch gefährlich, in: zeitzeichen 3/2012, 28-30.

18 Vgl. Evgeny Morozov: The Net Delusion. The Dark Side of Internet Freedom, New York 2011.

19 Zur offenkundigen Ambivalenz vgl. Werner Thiede: Zunehmende Vernetzung – Segen oder Fluch? in: Brennpunkt Gemeinde 3/2012, 86-91; Kathrin Passig/Sascha Lobo: Internet – Segen oder Fluch, Berlin 2012.

20 Erinnert sei insbesondere an den internationalen Bestseller »Digitale Demenz« (München 2012) des Hirnforschers Manfred Spitzer, aber auch an Sherry Turkle: Verloren unter 100 Freunden: Wie wir in der digitalen Welt seelisch verkümmern, München 2012; Nicholas Carr: Wer bin ich, wenn ich online bin…: und was macht mein Gehirn solange? Wie das Internet unser Denken verändert (München 2010); Gabriele Farke: Gefangen im Netz? Onlinesucht: Chats, Onlinespiele, Cybersex (Bern 2011),und nicht zuletzt an Götz Hamann/Thomas Fischermann: Zeitbombe Internet (Gütersloh 2011).

21 Laut idea-Spektrum 36/2012, 25.

22 Dazu mein Essay »Energiewende und christliche Ethik« (Studienbrief G1, Beilage zu Brennpunkt Gemeinde 6/2013).

23 Vgl. Werner Thiede: Mythos Mobilfunk. Kritik der strahlenden Vernunft, München 2012.

24 Zit. nach idea-Spektrum Nr. 19/2013, 15.

25 Predigt am Sonntag Judika 2013, zit. nach Sonntagsblatt Nr. 13/2013, 10. Hartmut von Hentig hofft als Humanist, dass »wir unsere Humanität gegen die Tyrannei der Technologen verteidigen können« (Der technischen Zivilisation gewachsen bleiben. Nachdenken über die Neuen Medien und das gar nicht mehr allmähliche Verschwinden der Wirklichkeit, Weinheim/Basel 2002, 33).

26 So der Titel eines vom Rat der EKD 2006 veröffentlichten Impulspapiers. Letztlich ist freilich die ganze Kirche Jesu Christi um ihres Herrn willen weltweit »Kirche der Freiheit«.

27 Peter Heintel: Innehalten. Gegen die Beschleunigung, für eine andere Zeitkultur, Freiburg i.Br. 2007, 203.

28 Äußerung beim Diözesanempfang des Bistums Würzburg Anfang 2012 (laut epd-Bayern 3/2012, 3). Altbischof Prof. Wolfgang Huber unterstreicht: »Für die evangelische Theologie folgt die Notwendigkeit öffentlicher Verantwortung aus dem Öffentlichkeitsauftrag der Kirche, der sich seinerseits aus ihrem grundlegenden Verkündigungsauftrag ergibt. … Dass die ethischen Konsequenzen des christlichen Bekenntnisses öffentlich zur Geltung gebracht werden, ergibt sich deshalb ebenfalls aus diesem Verkündigungsauftrag« (Im Geist der Freiheit. Für eine Ökumene der Profile, Freiburg i.Br. 2007, 97f). S. auch meinen Thema-Aufsatz »Die digitale Religion« in: Sonntagsblatt (München) Nr. 8/2014, 4-6.

 

Über die Autorin / den Autor:

Prof. Dr. theol. habil. Werner Thiede, Pfarrer der ELKB (Regensburg) und apl. Professor für Syst. Theologie (Universität Erlangen-Nürnberg); zahlreiche Bücher, zuletzt: »Mythos Mobilfunk. Kritik der strahlenden Vernunft« (München 2012) und »Die digitalisierte Freiheit. Morgenröte einer technokratischen Ersatzreligion« (Berlin, 2. Auflage, 2014), »Die Wahrheit ist exklusiv. Streitfragen des interreligiösen Dialogs« (Gießen 2014); näheres unter werner-thiede.de.

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft 9/2014

10 Kommentare zu diesem Artikel
16.09.2014 Ein Kommentar von Christoph Breit Es ist bedauerlich, dass Werner Thiede sich in der Kunst des verkürzten Zitierens übt. Der von mir wiedergegebene Satz "Mir sind da die Chancen wichtiger als das Nachdenken über Gefahren und Grenzen" ist als Zusammenfassung meiner Tätigkeit auf der Projektstelle Social Media der ELKB zumindestens unzureichend. Inhaltlich bietet Thiede wenig Neues: viele Zitate aus einer "Wolke von Zeugen", so gut wie keine eigene Erfahrung in den digitalen Medien und jede Menge undeutliche Begriffe. Was soll zum Beispiel Digitalisierung sein? Der Einsatz von Computern, digtale Quellen (die Herr Thiede eifrig nützt), die Ablösung der analogen Telefontechnik durch die Digitale (was übrigens die von ihm befürchtete Strahlung minderte!), die Sammlung von Daten an sich oder nur die ohne Zustimmung der Betroffenen ... Nein, Herr Thiede, sie haben nicht Recht. Sie sind nicht der Retter der Welt. Sie brauchen sich nicht zum Mahner in einer blinden Kirche zu erheben. Sie sind wie ich (bezahlter) Mitarbeiter einer Landeskirche, die sich dafür entschieden hat, Social Media und das Internet zu nutzen. Und die digitale Welt ist Teil der Welt, in der wir leben und in der wir glauben. Eine ausführlich Antwort wird als Leserbrief im Pfarrerblatt und auf meinem Blog (elkb2punkt0.bplaced.net/wordpress) folgen.
16.09.2014 Ein Kommentar von Miklós Geyer Das Thema der Digitalisierung und der Neuen Medien ist zugegebenermaßen komplex und sicher nicht ohne Probleme und Gefahren. Aber was helfen uns solche recht pauschalen Verdächtigungen oder Sätze wie "Hier sind Verführung, Götzendienst und Unfreiheit zu wittern" ? Weil man solches wittern kann, soll man ... - ja was eigentlich? Was ist denn Ihr Vorschlag: Totalverweigerung? Wittern statt Twittern? Ich vermisse konstruktive Ansätze. Seit Jahren höre ich immer wieder kirchliche Stimmen, die zu einem verantwortungsvollen Umgang mit neuen Medien aufrufen (z.B. die Internetstrategie der ELKB). Es ist doch nicht so, dass hier nicht schon gerungen wird und durchaus Gefahren gesehen werden. Aber Ihre Ausführungen werfen "der Kirche" eine Naivität vor, die ich nicht sehen kann. "Kirche" und "Theologie", der Sie so gerne die Augen öffnen möchten, besteht aus vielen Persönlichkeiten, die durchaus um die Probleme wissen und damit ringen. Kommen Sie doch einmal zum Internettag der ELKB, zum Medienforum oder anderen Veranstaltungen, bei denen genau solche Fragen diskutiert werden.
16.09.2014 Ein Kommentar von Ralf Peter Reimann Durch Wiederholung werden falsche Argumente auch nicht richtiger, dies gilt gerade auch für diesen Aufsatz. Thiede verweist hier auch auf seinen Aufsatz: “Nein zu ‘sozialen’ Medien im Pfarrberuf” - der seine Replik auf den Aufsatz “Kirche und Social Media. Jenseits der Parochie” (gemeinsam mit: Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach und Alexander Ebel). Nun kritisiert er Christoph Breit. Es geht bei all dem um die Frage, wie wir das verhältnis Kirche - Welt definieren. Meine Meinung: Als evangelische Kirche müssen wir dort sein, wo Menschen leben. Dazu gehört – neben anderen Social Media-Angeboten – auch Facebook. (Dabei argumentieren wir durchaus differenziert, z.B. keine Seelsorge-Angebote auf Facebook zu platzieren.) Das Wort ward Fleisch, Gott kam als Mensch in diese gottlose Welt, damit die frohe Botschaft verkündet werde. Selbst wenn Social Media nur ein gottloses Netzwerk wäre, ließe sich darin dennoch das Evangelium verkünden. Es geht um die Frage auf, wie sich Christus zur Gesellschaft bzw. zur Kultur verhält. Für diese Verhältnisbestimmung ist Richard Niebuhrs Buch “Christ and Culture” immer noch wegweisend. Inkarnation bedeutet für mich, dass sich Gott auch in die gottlose Welt begeben hat, deshalb ist es an der Kirche, in derselben sündigen Welt die frohe Botschaft auszurichten, anstatt sich in eine heile Welt hinter Klostermauern und ohne Technik zurückzuziehen.
17.09.2014 Ein Kommentar von Johannes Taig Die Ambivalenz der Social Media ist vor allem denen, bewusst, die sie nutzen und mit ihnen arbeiten. Ich kenne keinen, der zu ihnen ein unkritisches Verhältnis hat, schon gar nicht Christoph Breit oder der Landesbischof der ELKB Prof. Dr. Bedford-Strohm, der z.B. Facebook in vorbildlicher Weise nutzt. Solche Leute brauchen wir, um andere zu einem verantwortungsvollen Umgang mit diesen Medien anzuleiten, die nicht mehr aus der Welt zu schaffen sind und sich auch nicht mehr zurücknehmen lassen. Verteufelungen, wie sie in dem Artikel anklingen, helfen niemandem weiter. Soziale Medien ersetzen keine sozialen Beziehungen (500 Freunde auf Facebook und keinen zum Reden!). Auch Kirche bleibt eine leibliche Angelegenheit und kann nicht durch virtuelle Angebote ersetzt werden. Das will aber auch keiner. Dass die Kirche auch in den Social Media ihre Inhalte platziert und zur Teilnahme am Gemeindeleben einlädt, ist ein viel wirkungsvollerer Beitrag gegen die "Verwahrlosung" als sie nur zu beklagen. Wer letztlich die Totalverweigerung empfiehlt, lässt die Leser genauso hilflos zurück, wie sie es vorher schon waren. Johannes Taig (Hospitalkirche Hof)
17.09.2014 Ein Kommentar von Ulli Naefken Als ein Teil der Generation, die seit Jahren den digitalen Wandel miterleben und mitgestalten darf, wünsche ich mir - neben der sehr, sehr ausführlichen Debatte über die Schatten der Digitalisierung - eine mindestens genauso "laute" Debatte über die Chancen. Denn wo Schatten ist, ist auch eine Lichtquelle! Lasst uns unvoreingenommen gemeinsam die Lichtquelle erkunden und mit unseren kirchlichen Angeboten im Netz im richtigen Moment den Lichtschalter an und aus schalten! Sehr gerne dürfen mich alle "Schattenkrieger" persönlich anrufen bzw. einladen. Ideen, wie Kirche sich authentisch im Web 2.0 präsentieren könnte, habe ich genug!
17.09.2014 Ein Kommentar von Sr. Nicole Grochowina Zwei Punkte als Kommentar: 1. Es ist sicher so, dass gewinnbringender Gebrauch und potentieller Missbrauch bei den sozialen Medien eng beieinander liegen. Dies erfordert von jedem einzelnen Nutzer (ganz gleich, ob er "der Kirche" oder "der Theologie" angehört) ein gehöriges Maß an Eigenverantwortung, die größtenteils auch zu beobachten ist - allerspätestens nach Erfahrungen, die dem Feld des Missbrauchs zuzuordnen sind. Hier nun aber eine kulturpessimistische Keule zu schwingen und den totalitären Überwachungsstaat auszurufen, halte ich gerade angesichts der Eigenverantwortung für schwierig - und dies auch vor dem Hintergrund, dass es im 16. und 18. Jahrhundert vergleichbare Debatten über die Entstehung der Zeitungen und schließlich der Journale und der damit einhergehenden Lesewut gegeben hat, die sich schließlich nicht so dramatisch entwickelt haben, wie es eingangs befürchtet wurde, weil die Menschen ihr Leseverhalten reguliert und die Bedeutung des Mediums schließlich nicht überbewertet haben. 2. Die Sorge, dass Gott nicht mehr durchkommt, wenn wir die sozialen Medien verstärkt nutzen, halte ich für unbegründet. Gott ist immer noch größer als jeder Turm zu Babel. Er ist durchgekommen, als das Volk Gottes sich abgewandt hat; Er ist durchgekommen, als Sein Sohn hingerichtet wurde; Er kommt auch heute durch. Da hege ich keinen Zweifel. Vor diesem Hintergrund scheint mir auch der hier benannte Gegensatz von Gott und Welt zumindest diskussionswürdig. Und deshalb: Natürlich sollten die Christen auf Gottes neue Welt neugierig sein, aber sie sind es immer und allezeit auf dieser Seite der Ewigkeit - und damit in dieser, hier vorzufindenden Welt. Doch eine der faszinierenden Eigenschaften Gottes ist es, dass die Inkarnation eben genau hier stattfindet. Insgesamt ruft der Artikel zur Reflexion und Differenzierung auf, was ich sehr unterstütze. Doch durchgehalten wird dieser Anspruch nicht, was sich beispielsweise an der Nennung amorpher Größen wie "die Kirche" oder "die Theologie" zeigt. Dies erschwert leider m.E. eine nachhaltige Auseinandersetzung. Schade.
23.09.2014 Ein Kommentar von Prof. Dr.. HaraldSeubert Ich bin über die Polemik, die Werner Thiedes Beitrag entgegenschlägt, überrascht und irritiert. Thiede hat auf hohem Niveau, entfaltet in seinem Buch über 'Digitale Freiheit', eine internationale und profilierte Diskussion aufgenommen udn weitergeführt, die in Deutschland überhaupt erst durch Frank Schirrmacher eine weitere Verbreitung fand und auch von dem diesjährigen Friedenspreisträger des deutschen Buchhandels Lanier weitergetrieben wird. Auf diesem Niveau argumentiert Thiede mit einem hinzukommenden spezifischen theologischen Profil Man muss ihm nicht zustimmen, sollte ihm aber für diesen Diskussionsbeitrag, der in anthropologische und theologische Tiefen lotet, dankbar sein. Zudem irritiert, wennn man liest, dass Mitarbeiter der KLandeskirchen offennbar nicht weiterführende Gedanken äußeren sollten
23.09.2014 Ein Kommentar von J. Nukleus Ich bin erstaunt welch Unbekümmertheit sich hier in den Kommentaren zu Werner Thiedes Beitrag findet. Die Tatsache dass Ärzte vor den gesundheitlichen Gefahren der Nutzung von Funktechnologien warnen ist hier noch nicht angekommen. z.b. freiburger-appell-2012.info Vielleicht würden manche beginnen aufzuwachen. Ich bete und bitte darum.
15.10.2014 Ein Kommentar von Susanne Jensen Über einen Menschen, der an einer Umwelterkrankung in schwerster Form leidet, bin ich auf Werner Thiede gestoßen und habe den Artikel im Pfarrerblatt gefunden. Menschen, die auf Strahlung und chemische Stoffe in Kleidung / Luft / Alltagsgegenständen jeglicher Art mit schweren gesundheitlichen Beschwerden hochsensibel reagieren, sollten dazu etwas sagen können. Meine Fantasie reichte nicht aus, um mir vorzustellen, unter welchen Einschränkungen umweltsensible Menschen in unserer Gesellschaft leben müssen. Jetzt bin ich selbst "sensibler" für das Thema geworden. Dies durch einen Betroffenen. Mit wie viel Strahlung umgebe ich mich? Was kann ich ändern, ohne auf Computer und Handy zu verzichten? Was tue ich meinem "Geist" an, wenn ich mich tagtäglich in die virtuelle Welt begebe? Das frage ich mich, nachdem ich mit dem realen Leid eines Erkrankten in der Seelsorge konfrontiert wurde. Ich bin sensibler geworden, definitiv. Neulich saß ich in einer kirchlichen Besprechung. Eine Kollegin machte die Andacht und laß aus ihrem I-Pod die Losungen vor. Erst das Leid eines Umwelterkrankten hat meinen Blick geschärft. Obwohl ich selbst Internet und ein älteres Handymodel nutze, frage ich: Wie viel Leid / Leiden es durch Strahlung und Magnetfelder geben muss, damit Umwelterkrankte echte Hilfen medizinisch und psychosozial bekommen. Denn was das anbelangt, ist Deutschland ein Entwicklungsland.
16.10.2014 Ein Kommentar von Susanne Jensen Ich gehöre selbst einer in unserer Gesellschaft benachteiligten Menschengruppe an. So habe ich für Menschengruppen, die ausgegrenzt / marginalisiert werden einen Blick. Umwelterkrankte sind so eine Gruppe von Menschen, die wenig Unterstützung und Verständnis innergesellschaftlich aller Orten erfahren. Für mich als Pastorin ist der Leib Christi Gedanke wichtig. Wenn ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit. So sollte es sein. Umwelterkrankte haben keine Lobby und können sich nur sehr schwer vernetzen. Der Mensch, den ich kennen gelernt habe, lebt komplett isoliert unter nicht vorstellbaren Lebensbedingungen. Nun, hier ist es die schwerste Form der Umwelterkrankung. Nachdenklich ... sehr nachdenklich sollten wir werden, wenn wir von Umwelterkrankungen hören. Das für uns selbst - das auch für unsere Kinder- und Kindeskinder. Die Euphorie des digitalen Computerzeitalters ist aller Orten zu spüren. Werner Thiede schreibt von der Faszination und vom Turmbau zu Babel. Die Begriffe kamen vor. Ob eine Kirche "mit der Zeit geht", ob sie theologisch und ethisch wirklich im 21. Jahrhundert angekommen ist, das zeigt sich nicht umbedigt am Gebrauch vom Medien, an einem super Internetauftritt und großmächtiger Öffentlichkeitsarbeit mit Homepages. Nicht, dass ich grundsätzlich etwas gegen Internet habe, doch der überlegte und verantwortliche Gebrauch sollte immer im Zentrum stehen. Dass Strahlung / Magnetfelder krank machen können, dass man z.B. nicht mit Handy am Bett schlafen sollte, das ist doch bekannt. Frage: Wie viel Gehör wird in den Kirchen Menschen geschenkt, die auf diese Gefahren aufmerksam machen? Wie laut - wie deutlich muss z.B. Werner Thiede und andere noch schreien? Wer selbst erkrankt, der wird ihn vielleicht besser verstehen. Ich für meinen Teil überlege mir, mit wie viel Computergerätschaften ich mich in Zukunft umgeben werde.
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