Im September 2024 findet der nächste Deutsche Pfarrerinnen- und Pfarrertag statt, diesmal in Kaiserslautern. Der Verein Pfälzischer Pfarrerinnen und Pfarrer als Gastgeber stellt sich hier mit seiner Arbeit vor.

 

Der Verein Pfälzischer Pfarrerinnen und Pfarrer (VPPP) beschreibt sich selbst in seiner ersten Satzung aus dem Gründungsjahr 1899 als „eine freie Vereinigung evangelischer Geistlicher der pfälzischen Landeskirche zur Vertretung ihrer Standesangelegenheiten“. An dieser 125 Jahre alten Selbstbeschreibung hat sich bis heute nichts Grundlegendes geändert, obwohl im Zeitalter der „Pfarrpersonen“ der Begriff Standesangelegenheiten etwas aus der Zeit gefallen zu sein scheint.

 

Verschiedene Ämter, aber keine Hierarchien

Im Gründungsjahr des Pfälzischen Pfarrvereins, so der damalige Name, war die Pfalz Teil des bayrischen Königreichs. Seit der Pfälzischen Kirchenunion 1818 existierte die Vereinigte Protestantisch-Evangelisch-Christliche Kirche der Pfalz auf dem Gebiet der heutigen Pfalz und des saarländischen Saar-Pfalz-Kreises. Ein wesentlicher Zweck der Vereinsgründung bestand darin, die im Vergleich zu den königlichen Beamten prekäre finanzielle Lage der Pfarrer zu verbessern. Die Kirchensteuer war 1899 in Bayern, im Gegensatz zu einigen anderen Ländern des Deutschen Reichs, noch nicht eingeführt, und deshalb zählte deren Einführung zu den Zielen der Arbeit des neugegründeten Vereins.

Bereits wenige Monate nach der Gründung des Vereins wurde eines der Ziele aus der Vereinssatzung realisiert, nämlich die Herausgabe des Pfälzischen Pfarrerblatts, das zunächst „Blätter des Pfälzischen Pfarrvereins“ hieß. In der ersten Ausgabe vom 8. Juni 1900 findet sich ein Mitgliederverzeichnis, das 294 Namen umfasst; es weiß nichts von Dekanen und Kirchenräten, sondern redet ausschließlich von Pfarrern. Dies entsprach dem Geist der Unionskirche, die zwar verschiedene Ämter, aber keine Hierarchien kannte; noch bis in die jüngste Vergangenheit war die Rede von der kirchlichen Dienstgemeinschaft – eine Vorstellung, die gerade vom Pfälzischen Pfarrverein gepflegt wurde. Nicht zufällig wurde so in der NS-Zeit zwar die Pfälzische Landeskirche in die Reichskirche gleichgeschaltet und bekam vorübergehend einen Landesbischof, aber bei den Vorstandswahlen des Pfarrvereins 1935 gewann der frühere Vorsitzende, der 1934 zurücktreten musste, seinen Vorsitz gegen einen Konkurrenten aus dem Kreis der Deutschen Christen zurück.

 

Das „Werk gegenseitiger Hilfe“

Ein Meilenstein in der Geschichte des Vereins ist 1924 die Gründung der damaligen Krankenzuschusskasse, die noch heute unter dem Namen „Werk gegenseitiger Hilfe“ existiert und als Teil des VPPP für die Mitglieder die Leistungen einer Krankenversicherung übernimmt sowie günstige Darlehen und Stipendien für studierende Kinder vergibt. Da die Mitgliedschaft im Werk gegenseitiger Hilfe an die Beihilfefähigkeit geknüpft ist, sind zwar nahezu alle verbeamteten Pfarrerinnen und Pfarrer Mitglied, aber daneben gibt es im VPPP für angestellte Pfarrerinnen und Pfarrer sowie für Personen, die auf andere Art abgesichert sind, auch die Möglichkeit einer „kleinen“ Mitgliedschaft, die nur Leistungen wie Rechtsberatung und den Bezug des Pfälzischen Pfarrerblatts beinhaltet.

Derzeit hat der VPPP 927 Mitglieder (Stand November 2023). Die Organe des Vereins sind der Vorstand, der Verwaltungsrat und die Mitgliederversammlung. Dem zehnköpfigen Vorstand des Vereins gehören kraft Satzung der Vorsitzende, der Stellvertretende Vorsitzende, der Verantwortliche für das Werk gegenseitiger Hilfe, der Rechner, der Schriftleiter des Pfälzischen Pfarrerblatts, ein Vertreter der Ruhestandsgeistlichen sowie eine Vertreterin oder ein Vertreter der Vikare an. Der zweimal jährlich tagende Verwaltungsrat besteht aus je einem Vertreter der derzeit 15 Dekanate sowie der Pfarrerinnen und Pfarrer im Schuldienst an Gymnasien und an Berufsbildenden Schulen. Zur jährlichen Mitgliederversammlung im November wird über das Pfälzische Pfarrerblatt eingeladen.

 

Unverkürzt und unzensiert

Hauptkommunikationsmittel seit den Anfängen des Vereins ist das Pfälzische Pfarrerblatt, das monatlich erscheint mit jeweils einem Doppelheft in den Sommermonaten und am Jahresende. Die zehn Ausgaben im Jahr mit in der Regel 32 bis 40 Seiten bieten neben Vereinsinformationen vielfältige Beiträge der Mitglieder. Ähnlich dem Deutschen Pfarrerinnen- und Pfarrerblatt hat auch das Pfälzische Pfarrerblatt zu Beginn einen Aufsatzteil, der den größten Teil des Heftumfangs ausmacht. Es folgen Debattenbeiträge, Rezensionen und eventuell die Dokumentation interessanter Aufsätze aus anderen Zeitschriften oder Vorträge, die von Mitgliedern gehalten wurden oder von diesen zur Veröffentlichung vorgeschlagen werden. Am Ende jeden Heftes findet sich eine Liste der runden Geburtstagsjubiläen von Vereinsmitgliedern im kommenden Monat. Ebenfalls wird im Pfälzischen Pfarrerblatt zu den jährlich stattfindenden Mitgliederversammlungen sowie zur in der Regel im Mai stattfindenden Ruheständlertagung eingeladen.

Zu den wichtigsten Grundsätzen der redaktionellen Arbeit des Pfälzischen Pfarrerblatts gehört die offene Aussprache. Jedes Mitglied des Vereins hat das Recht, die eigene Meinung sowohl in Aufsätzen als auch in Debattenbeiträgen unverkürzt und unzensiert zu äußern. Das wurde in den vergangenen Jahren immer mal wieder von einigen wenigen Kolleginnen und Kollegen kritisiert, aber im Vorstand des VPPP besteht Einigkeit darüber, dass die freie Debattenkultur gerade unter Pfarrerinnen und Pfarrern ein hohes Gut ist, das Priorität genießt gegenüber dem Wunsch einzelner, keine vom kirchlichen Mainstream abweichenden Meinungen lesen zu wollen.

Wenn der VPPP im September zum Deutschen Pfarrerinnen- und Pfarrertag nach Kaiserslautern einlädt, ist er nach 1950 in Neustadt an der Weinstraße und 2008 in Speyer zum dritten Mal Gastgeber dieses Treffens. Dabei hat sowohl der Ort als auch das Jahr für den VPPP eine besondere Bedeutung, denn in Kaiserslautern tagte 1818 die Unionssynode, die die Vereinigung der ehemaligen Reformierten und Lutheraner beschloss, und vor genau 125 Jahren wurde der Verein sowie vor 100 Jahren das Werk gegenseitiger Hilfe gegründet. So freuen sich der Vorstand, der Verwaltungsrat und die Mitglieder darauf, diese Jubiläen nicht ­alleine, sondern mit hoffentlich vielen Kolleginnen und Kollegen aus allen Pfarrvereinen zu feiern.

Martin Schuck

 

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft 6/2024

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