Der Umbau kirchlicher Strukturen beschäftigt Haupt- und Ehrenamtliche auf allen Ebenen. Auf der Grundlage zweier empirischer Untersuchungen entwickeln Gunther Schendel und Ute Niethammer neue Rollenbilder für Prädikant*innen einer zukunftsbejahenden Kirche.

 

1. Ehrenamtliche Verkündigung im Transformationsprozess

Ehrenamtliche in der Verkündigung gewinnen in vielen evangelischen Landeskirchen eine wachsende Bedeutung. Das zeigt schon ein Blick auf die Zahlen: 2020 gab es ca. 45.000 Lektor*innen und Prädikant*innen (EKD: Äußerungen kirchlichen Lebens, 2020), davon waren ca. 33.600 Lektor*innen und 11.500 Prädikant*innen. Rechnerisch kommen damit auf eine Pfarrperson zwei Ehrenamtliche im Verkündigungsdienst.

Aktuell spielen die Ehrenamtlichen eine wichtige Rolle bei der Entlastung der Pfarrpersonen, z.B. durch Vertretungsdienste. In diesem Beitrag soll die Perspektive über eine solche kompensatorische Rolle der Ehrenamtlichen hinaus geöffnet werden, und zwar mit Blick auf die Transformationspfade, die evangelische Kirchen gerade einschlagen bzw. diskutieren. Basis dafür sind Ergebnisse empirischer Befragungen von Prädikant*innen in der Evang.-luth. Landeskirche Hannovers (ELKH) und der Evang. Landeskirche in Baden (EKiBa). Dabei stellt sich nicht nur die Frage, in welche Richtungen sich die Rolle der Ehrenamtlichen im Verkündigungsdienst verändern könnte. Sondern auch, wie sich dies für die Rollenentwicklung der Pfarrpersonen auswirken könnte.

„Transformation“ ist das neue Schlagwort, unter dem die einzelnen Landeskirchen der EKD ihre aktuellen Veränderungsprozesse präsentieren. Der Begriff Transformation hat in den vergangenen 30 Jahren eine steile Karriere hinter sich: ursprünglich in der Wirtschaft und Linguistik beheimatet, wurde der Begriff seit den 1990er Jahren in immer mehr Feldern zur Benennung von strategischen. Veränderungsprozessen übernommen und wurde schließlich zur bewussten Bezeichnung geplanter Entwicklungen, die einen optimierendes Ziel haben und damit mit positiven Erwartungen verbunden sind.1

Mit der Freiburger Studie zu Kirchenmitgliedschaft und Kirchensteuer2, spätestens mit den sprunghaft angestiegenen Austrittszahlen in und nach der Corona-Pandemie hat auch die evangelische Kirche dieses Wort für sich entdeckt. Seither gibt es eine Vielzahl an Ideen, Prozessen und Diskussionen, mit denen die unterschiedlichen Landeskirchen ihre „Transformation“ voranbringen wollen. Auch das Tempo variiert stark. Bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass nicht zuletzt die Schritte und Gestaltungsräume der erwünschten „Umformung“ hin zur Zukunftsfähigkeit sehr unterschiedlich beschrieben werden.3 Gleichzeitig tauchen Aspekte auf, die in allen Landeskirchen thematisiert werden. Darunter fällt auch das Stichwort Mitgliederbeteiligung.

Für dieses Thema lassen sich – stark vereinfacht – zwei Strukturpfade beschreiben: Zum einen geht es darum, bereits vorhandene Mitglieder stärker einzubinden, und zwar sowohl auf der Ebene der Entwicklungsverantwortung (i.e. Gemeinde/Regionenleitung) als auch als (öffentliche) Protagonisten neuer Ausdrucksformen gelebten Glaubens.

Daneben gibt es den Ansatz, Kirche nicht mehr von ihren (Noch-)Mitgliedern her zu denken, sondern eine Kirche für alle Menschen zu sein, die mit Erwartungen, Ideen, Fragen und Neugier punktuell oder längere Zeit Teil von Kirche sein wollen.4 Diese Perspektive lässt den bisherigen Begriff der Mitgliederorientierung hinter sich. Das Ziel ist nicht, den potenziell Austrittswilligen gute Gründe für den Verbleib in der Institution Kirche zu liefern. Es wird darauf verzichtet, zwischen (zahlenden) Mitgliedern und nicht getauften, ausgetretenen oder anderswo zugeordneten Interessierten zu unterscheiden. Das Ziel ist, sich nicht allein auf operationalisierbare Ziele zu beschränken, sondern gleichzeitig auf eine geistgewirkte Erneuerung der kirchlichen Landschaft zu bauen. Es geht also um ein „filterloses“ Mitmachen von unterschiedlichsten Menschen. So wird die Gefahr bremsender Beharrungskräfte reduziert und neue Ansätze und Ausdrucksformen des Glaubens werden exploriert.

Beide Strukturpfade können zu neuen Aus- und Einsichten führen. Beide Pfade brauchen Menschen, die ihrer Kirche etwas zutrauen, weil sie sich selbst etwas zutrauen. Und: Beide Pfade brauchen eine Kirche, die ihren Mitgliedern viel zutraut.

Dieser Artikel fokussiert die Gruppe der Prädikant*innen5 als Mitglieder, die bereits viel Verantwortung tragen und im Prozess der Transformation noch sehr viel mehr beisteuern könnten – und zwar für beide angerissene Strukturpfade!

Damit geht es um die Frage nach der Rolle und künftigen Bedeutung der Prädikant*innen bei der Transformation der Kirche. Grundlage für die folgenden Ausführungen sind zwei aktuelle empirische Studien aus der Hannoverschen und der Badischen Landeskirche, in denen in den Jahren 2019 bzw. 2021 im Auftrag der jeweiligen Landeskirche die Ehrenamtlichen im Verkündigungsdienst befragt wurden.6

 

2. Potentiale für eine Transformation „auf der Basis des Bestehenden“

In ihrer aktuellen Kirchentheorie bringt Uta Pohl-Patalong die beiden skizzierten Entwicklungspfade auf zwei prägnante Begriffe: Zum einen spricht sie von „Veränderungen auf der Basis des Bestehenden“, zum anderen von Prozessen „mit der Bereitschaft zu einer radikalen Neuorientierung“.7 Was sich hier abbildet, ist die Unterscheidung der Innovationsforschung zwischen einer inkrementellen und einer (semi-)radikalen Innovation.8

Hohes Engagement, hohes Sozialkapital

Wenn wir die Studienergebnisse zu den Prädikant*innen heranziehen, dann zeigen sich zahlreiche Potentiale, die für eine Transformation der Kirche „auf der Basis des Bestehenden“ relevant sein dürften. Ein erstes Potential liegt im Profil der Prädikant*innen: Sie stammen aus dem hochengagierten Teil der Kirchenmitglieder mit hoher formaler Bildung. Bei ihnen kommt eine hohe Verbundenheit mit der Kirche und teilweise auch das Interesse am Fortbestand der bestehenden kirchlichen Strukturen mit der Offenheit für eine Weiterentwicklung des kirchlichen Lebens zusammen.

Schauen wir auf die Soziodemografie, so fällt neben dem hohen Anteil der über Fünfzigjährigen9 das hohe formale Bildungsniveau auf: Nach beiden Studien verfügen ca. zwei Drittel der Prädikant*innen über das (Fach-)Abitur. Zu diesem kulturellen Kapital, das die Prädikant*innen mitbringen, kommt ein erhebliches soziales Kapital: Die Gruppe ist innerhalb und außerhalb der Kirche vielfältig engagiert. In der Hannoverschen Landeskirche haben vier Fünftel der Prädikant*innen (83%) mindestens ein weiteres Amt in der Kirche; dazu kommt ein vielfältiges Engagement in unterschiedlichen außerkirchlichen Bereichen (Sport, Kultur, Soziales). Diese Ergebnisse sind ein Indiz dafür, dass die Prädikant*innen über wichtiges brückenbildendes Sozialkapital verfügen, also Verbindungen zwischen Kirche und anderen Gesellschaftsbereichen herstellen können. Damit bringen die Ehrenamtlichen im Verkündigungsdienst wichtige Ressourcen für eine Weiterentwicklung der Kirche mit.

Aber wie steht es um das Kirchenbild der Prädikant*innen, ihre Haltung zur Transformation der Kirche? Interessant sind die Motive für die Ausbildung als Prädikant*in. Am häufigsten genannt werden hier das Interesse am kirchlichen Geschehen sowie der Wunsch, Gottesdienste selbst zu gestalten,10 in Baden auch das Interesse, einen Beitrag zur Beibehaltung der bisherigen Gottesdienstlandschaft zu leisten („möchte dazu beitragen, dass in möglichst vielen Kirchen weiterhin regelmäßig Gottesdienste stattfinden“).11 Diese Motive entsprechen der hohen Kirchenverbundenheit der Prädikant*innen genauso wie ihrer hohen Bereitschaft zum Engagement. Besonders interessant ist allerdings das auch in Hannover verbreitete Interesse, einen Beitrag zum Erhalt einer möglichst flächendeckenden Gottesdienstlandschaft zu leisten. Dieser Befund ist vermutlich nicht einlinig zu deuten, könnte für eine Kompensationslogik (also den Wunsch, die Ressourcenverknappung mit persönlichem Engagement auszugleichen) genauso sprechen wie für einen gewissen Strukturkonservativismus (also das Festhalten an der Parochie). Faktisch bringen die Prädikant*innen aber auch eine erhebliche regionale, übergemeindliche Kompetenz mit; das zeigt ihre Einsatzfrequenz auf Ebene des Kirchenkreises bzw. des Kirchenbezirks.

Offen für Veränderungen und neue Rollen

Zudem belegen weitere Ergebnisse, dass Prädikant*innen durchaus offen für Veränderungen sind. Das zeigt sich beispielsweise in dem Feld der musikalischen Gestaltung von Gottesdiensten: Klassische Kirchenmusik, ansonsten ein Marker für ein traditionelles Bild vom Gottesdienstbild, wird von ihnen vergleichsweise selten für wichtig gehalten12.

Am deutlichsten zeigt sich die Offenheit aber, wenn es um die Wunschrollen geht: Verbreitet ist der Wunsch, über die klassische Gottesdienstrolle hinauszugehen und auch als Ansprechperson für Fragen des Glaubens bzw. als Begleiter*in auf dem Weg zu und mit Gott wahrgenommen zu werden.13 Ähnlich verbreitet ist (zumindest in der Hannoverschen Landeskirche) auch der Wunsch, für neue Wege in Verkündigung und Gottesdienst zu stehen (Hannover: Mittelwert 3,65 von 5).14 Hier zeigen sich Wunschvorstellungen, die über die klassische Rollenvorstellung hinausgehen und bei denen die Prädikant*innen zugleich eine z.T. erhebliche Differenz zu ihrer faktischen Rolle wahrnehmen. Das gilt z.B. für die Rolle als Begleiter*in (Mittelwertdifferenz Hannover 0,78; Baden 0,68), in Hannover auch für die Rolle als Innovator*in (Mittelwertdifferenz 0,48).15 Ähnlich groß sind nur die Differenzen bei der Rolle als „Lückenbüßer*in“, die bei aller Bestätigung zu einer unterstützenden bzw. kompensatorischen Rolle wenig Zuspruch findet.

 

 

Diese Ergebnisse lassen etwas vom „Eigensinn“ der Prädikant*innen erkennen. Sie wollen nicht nur auf eine gottesdienstliche Vertretungsrolle festgelegt sein, sondern haben den Wunsch nach verstärkter innovativer Gestaltung und nach einer Rolle als eine (wie auch immer geartete) Bezugsperson – letzteres möglicherweise auf der Linie des brückenbildenden Sozialkapitals, das sie ja mitbringen.

Perspektiven für die Kirchenentwicklung

Wie passt dieses Profil zur oben angesprochenen Veränderung der Kirche „auf der Basis des Bestehenden“? Über ihr kirchliches Engagement sind Prädikant*innen gut in der aktuell bestehenden Kirche „verwurzelt“ und zeigen zugleich eine Offenheit für neue Rollen. Diese Rollen lassen sich in Richtung einer begleitend-seelsorglichen oder sozialräumlich-vernetzenden Richtung weiterentwickeln und profilieren, was durch entsprechende Fortbildungen bzw. Begleitungsangebote unterstützt werden könnte. Christian Rebert hat vorgeschlagen, an die erkennbar werdende Sympathie der Gruppe für die Rolle als „Gesicht der Kirche vor Ort“ anzuknüpfen16 und Prädikant*innen ggf. als „Clerus minor“, als „nebenamtliche Verkündiger[*innen]“ zu etablieren.17

Der Begriff „Clerus minor“ ist hier nichtweiterführend; schließlich sind auch hauptamtliche Pfarrer*innen in der evangelischen Kirche keine Kleriker. Dennoch ist die Perspektive nebenamtlicher Personen im Verkündigungsdienst eine erwägenswerte Option. Gleichzeitig sollte ein solcher Weg mit einer regionalen Perspektive verbunden werden und nicht einfach eine Kompensationslogik fortschreiben. Sinnvoll erscheint es in jedem Fall, die spezifischen Kompetenzen, Interessen und auch die übergemeindliche Perspektive der Prädikant*innen für eine Weiterentwicklung, Vernetzung und sozialräumliche Öffnung des Parochialsystems zu nutzen. Die badische Studie hat die Bereitschaft abgefragt, aus dem ehrenamtlichen Verkündigungsdienst – bei entsprechender Weiterbildung – einen Brotberuf zu machen. Über ein Drittel der Befragten (35%) hat diese Frage bejaht. Die Altersbandbreite dieses Anteils lag zwischen 24 und 78 Jahren.

Augenhöhe“ schaffen, Zusammenarbeit stärken

Eine solche Weiterentwicklung setzt, das zeigen auch die beiden Studien, einige Klärungen voraus. Das gilt vor allem für das Verhältnis der Ehrenamtlichen zu den Pfarrpersonen sowie bestimmte strukturelle Fragen. Aus Perspektive der Prädikant*innen steht sowohl in Hannover als auch in Baden nicht das Ziel einer Ordination im Vordergrund (für die Ordination von Prädikant*innen plädieren 39 bzw. 32%, bei jeweils 43%, die die jetzige Regelung einer Beauftragung der Prädikant*innen für angemessen halten). Wichtiger als die Ordination ist die theologische Gleichrangigkeit, also die Augenhöhe im Amt der Verkündigung. Das gilt jedenfalls für die Hannoversche Landeskirche, wo diese „Augenhöhe“ deutlich seltener erlebt wird als in der Badischen Landeskirche.18 Offensichtlich sind die Prädikant*innen in Baden stärker etabliert, was sich auch darin zeigt, dass die meisten von ihnen einen gewöhnlichen Talar tragen und damit äußerlich nicht von Pfarrer*innen zu unterscheiden sind. In der Hannoverschen Landeskirche gibt es einen speziell für Prädikant*innen designten Talar, der den Unterschied sichtbar macht. Diesen tragen nur ca. ein Drittel der Prädikant*innen.19

Allerdings sind in beiden Landeskirchen auf dem Weg zur Etablierung einer faktischen Augenhöhe noch weitere Schritte zu gehen. Das gilt besonders für die Einladungspraxis in die Konferenzen. Hierzu geben jeweils mehr als zwei Fünftel an, keine Einladung zu den entsprechenden Konferenzen zu erhalten (52 bzw. 45%). Ein weiteres, auch symbolisch relevantes Thema ist die Aufwandsentschädigung: Hier ist – Stand 2019 – bei den Prädikant*innen aus der Hannoverschen Landeskirche die Unzufriedenheit recht verbreitet; mehr als die Hälfte gibt an, die Höhe der Entschädigung für nicht angemessen zu halten20, wobei als Richtwert z.B. das Entgelt für den Einsatz beruflicher Akteur*innen (z.B. Organist*innen) herangezogen wird.

Das heißt: Auch wenn beim Szenario „Auf der Basis des Bestehenden“ die Ordination für die Prädikant*innen nicht als erstes auf der Agenda stehen sollte, besteht Entscheidungs- und Handlungsbedarf. Das gilt auch deshalb, weil nach der plausiblen Einschätzung der Prädikant*innen die Fortschreibung der aktuellen Entwicklung zwangsläufig mit Veränderungen verbunden ist. Die Einschätzung ist weitverbreitet, dass der Dienst der Ehrenamtlichen im Verkündigungsdienst künftig eine wachsende Bedeutung bekommen wird und die Ehrenamtlichen im Verkündigungsbereich vielfach an die Stelle von Pfarrpersonen treten werden. Diese Erwartungen sind vermutlich eine Reaktion auf den wachsenden Mangel bei den Pfarrpersonen. Gleichzeitig geht ein Großteil der Prädikant*innen davon aus, dass verstärkte und gleichberechtigte Kooperation mit den Pfarrpersonen eine Bereicherung und Attraktivitätssteigerung der Kirche bewirkt. Damit rückt die Aufgabe in den Blick, die Schnittstellen zwischen den beruflichen und ehrenamtlichen Akteur*innen zu gestalten und an der Theologie und Praxis der Zusammenarbeit zu arbeiten, auch durch die Schaffung von Begegnungs- und Reflexionsräumen, z.B. im Rahmen gemeinsamer Fortbildungen.

 

 

Zusammenfassend lässt sich sagen: Prädikant*innen sind als „Brückenmenschen“ in Zeiten der Transformation der Kirchen besonders geeignet, Engpässe in der gottesdienstlichen „Versorgung“ zumindest abzufedern. Darüberhinaus können sie als versierte Gestalter*innen von Gottesdiensten, die gleichzeitig oft als Personen aus der Mitte der Gemeinde wahrgenommen werden die Glaubwürdigkeit von Kirche stärken, gerade in Zeiten der Krise.

Wege beruflicher Weiterentwicklung

Insofern könnte es sich auch positiv auswirken, Prädikant*innen gezielt für die Leitungsgremien bzw. Teams der Regionen bzw. Kooperationsräume zu gewinnen. Dazu wäre dann auch eine vertraglich vereinbarte (und bezahlte) Zuständigkeit sinnvoll,21 die sich ausschließlich an der Funktion im Leitungsgremium orientiert. Da Prädikant*innen meist Gottesdiensterfahrungen in mehreren Gemeinden haben und entsprechend gut vernetzt sind, wäre beispielsweise der Arbeitsbereich „Gottesdienst“ hier gut aufgehoben. Mit diesem Auftrag wären Analyse und Bedarfserhebung sowie die Erstellung einer breitgefächerten und vielseitig vernetzten Gottesdienstlandschaft verbunden.22

Es ist auch denkbar, eine*n Prädikant*in mit dem Aufbau und der Leitung eines Seelsorgenetzes zu beauftragen. Etliche Prädikant*innen in Baden haben zusätzlich zu ihrer gottesdienstlichen Ausbildung auch den Seelsorge-Kurs für Ehrenamtliche des Zentrums für Seelsorge (EKiBa) absolviert.

Ebenso gibt es eine große Zahl von Prädikant*innen, die in ihrem Brotberuf in der Bildungsarbeit tätig sind. Auch für die in der EKiBa neugeschaffenen Kooperationsräume ist vorgesehen, Bildungsarbeit zu vernetzen und neu aufzustellen. Prädikant*innen können ihre professionelle Expertise in diesem Bereich einbringen. Ihr ehrenamtlich geschulter Blick für Verkündigungsformen und -inhalte sorgt dafür, dass Bildungsschwerpunkte als „evangelisch“ erkennbar bleiben.

Von solcher (bezahlten) Leitungstätigkeit muss jedoch die aktive Gottesdiensttätigkeit unberührt bleiben. Nur so kann die Vergleichbarkeit zu nicht in der Dienstgruppe vertretenen Prädikant*innen erhalten bleiben.

Die Vorteile einer solchen Beteiligung von Prädikant*innen sind naheliegend: Als Gesichter für Kirche aus der Mitte der Gemeinde kommen bei ihnen Bedarfe, Interessen und Ideen aus der Gemeinde unkomplizierter an. Und sie sind lebendige Leuchttürme der aktiven Beteiligung von Ehrenamtlichen in der Kirche. Insofern ist die verbindliche Mitwirkung von Prädikant*innen in Leitungsgremien auch ein Faktor zur Mitgliederbindung.

 

3. Potentiale für Transformations­prozesse „mit der Bereitschaft zu einer radikalen Neuorientierung“

Bleibt man bei der Terminologie von Uta Pohl-Patalong, beschreitet man mit dieser Bereitschaft noch nicht gebahnte Wege. Pohl-Patalong spricht sich dafür aus, alle bisherigen Formen der Verkündigung ohne Vorbehalte einer gründlichen Prüfung zu unterziehen. Sie spricht von einem neu zu entdeckenden Forschungsbereich, der durch einen intensiven Beteiligungs- und Konsultationsprozess begleitet werden müsse.23

Angesichts der knappen finanziellen Ressourcen und der Dringlichkeit eines Veränderungsprozesses in der Kirche ist eine „radikale Neuorientierung“ auf einer solchen breit angelegten wissenschaftlichen Grundlage eher unwahrscheinlich. Glücklicherweise kommen aus der jüngsten Theologie etliche Ansätze, mit denen diese „radikale Neuorientierung“ Ergänzungen aus anderen Bereichen der Theologie bekommt und auch jenseits der empirischen Forschung Möglichkeiten erschließt. Im 2021 erschienen „Handbuch Transformation“ werden entsprechende Perspektiven aufgezeigt. So wird zunächst der Begriff Transformation im biblisch bezeugten transformativen Handeln/Wirken Gottes verwurzelt.24 Es ist und bleibt also Gottes Kraft, die den Prozess initiiert und auch zu Ende bringt, so sich Menschen darauf einlassen. Dabei bleibt auch der „Reich Gottes“-Begriff von Bedeutung, und zwar nicht nur als eschatologischer Ausblick, sondern als Orientierung für Veränderungen im Hier und Jetzt.25. Eine Verhältnisbestimmung von göttlichem und menschlichem Handeln ist somit genauso notwendig, eine stete Rückbindung an die (trinitarische) Gottesbeziehung in einem Transformationsprozess.26

Kreuzt man Pohl-Patalongs Begriff der Veränderungsprozesse „mit Bereitschaft zu einer radikalen Neuorientierung“ mit einer solchen theologischen Definition von Transformation, gewinnt man eine systematisch-theologische Perspektive auf die begonnenen Veränderungsprozesse der Kirche(n): Sie lassen sich dann als Antwort auf Gottes initiatorische Kraft der Veränderung verstehen. Darin liegt nicht zuletzt auch ein befreiendes Motiv. Nicht weil Kirche in den letzten Jahrzehnten versagt hat, muss sie jetzt alles verändern. Sondern: Gottes Geist „schubst“ die Kirche an, sich vorwärts zu bewegen, hin zum Reich Gottes. Und mit diesem Ziel sind Veränderungsprozesse verbunden, die das Befreiungspotential des christlichen Glaubens idealerweise für immer mehr Menschen sichtbar und erfahrbar machen.

Ansätze radikaler Veränderung

Lässt sich Kirche in einem solchen Verständnis auf den Transformationsprozess ein, wird deutlich: Auf Gottes Anstoß zur Veränderung sind Einsparmodelle und Umstrukturierungskonzepte keine adäquate, geschweige denn ausreichende Antwort, sondern sie sind allenfalls Begleitmaßnahmen, um den Rücken frei zu haben für eine wirklich radikale Umgestaltung.

„Bits and pieces“ einer sich anbahnenden radikalen Veränderung sind hier und da bereits zu finden. Erprobungsräume,27 verschiedene Pop-up-Angebote, digitale Communities, gemeinsame Nutzung von Räumen mit kommunalen Einrichtungen, „Social media-Follower“-Communities, ökumenische Aufbrüche usw. Die Liste neuer Impulse ist lang und wird täglich länger.

Für Kirchenleitungen ist ein solcher Transformationsprozess eine Herausforderung, denn direktiv leiten und steuern lässt sich hierbei nur wenig. Leitung zeichnet sich künftig aus in einer Ermöglichungskultur und dem Schaffen rekursiver Schleifen (z.B. Evaluationen). Kirchenleitungen können solche radikalen Prozesse aktiv und hilfreich unterstützen: als ein Organ, das sich dem Sammeln von neuen Impulsen und Erfahrungen, dem Vernetzen von Menschen und Projekten, der Ermöglichung neuer Projekte und schließlich auch ihrer Auswertung und Kommunikation verschreibt.

Rollenangebote

In einem solchen Szenario ist auch von Prädikant*innen viel zu erwarten. Die oben bereits angeführten Ergebnisse bei der Abfrage der gewünschten Rolle sind hier ebenfalls von Bedeutung. Wie erwähnt kommt der Rollenwunsch „Begleiter*in auf dem Weg zu und mit Gott“ in beiden Landeskirchen auf eine hohe Zustimmung, in Hannover außerdem der Wunsch, auch innovatorisch innerhalb des Verkündigungsfelds zu wirken. Diese Rollenwünsche könnten in einem offenen Transformationsprozess wirksam umgesetzt werden. Prädikant*innen werden in ihrem Alltag von Kolleg*innen und privatem Umfeld zunächst in ihrer (säkularen) beruflichen oder sozialen Kompetenz erlebt. Werden sie in diesen Zusammenhängen zu ihrer ehrenamtlichen Betätigung in der Verkündigung befragt, können sie für interessierte Personen relevant werden.28

Das bedeutet, dass diese Ehrenamtlichen öfter als gedacht Menschen begegnen, die durchs landeskirchliche Gemeindeleben-Raster fallen, aber dennoch mehr oder weniger deutliche spirituelle Bedürfnisse, Fragen und Interessen haben.29 Sie sind also Brückenmenschen nicht nur in Bezug auf Gemeindeglieder am äußeren „Rand“, sondern eben auch für Menschen, die eine Landeskirche schon längst nicht mehr erreicht bzw. bisher nie erreicht hat. Immer wieder erzählen Prädikant*innen, dass ihr Ehrenamt in ihrem kirchlich-religiös distanzierten Umfeld oft tiefe Gespräche anstößt. Und so manche kirchliche Trauung oder Taufe kommt zustande, weil die Kasualbegehrenden erst durch die Arbeitskolleg*in, die eben auch Prädikant*in ist, sich mit dieser Möglichkeit auseinandergesetzt haben. Auch von der Gestaltung spontaner Trauerandachten oder auch Weihnachtsfeiern in Betrieben erzählen Prädikant*innen gelegentlich. Sie fangen dann existenzielle Situationen auf, in denen Menschen keine eigenen Ausdrucksformen (mehr) haben, um mit mehr oder weniger deutlich religiösen Themen umzugehen. Sie bergen das Unfassbare in religiöse Sprache und Zeichen – mitten in der Welt.

„Kirche“ als sinnstiftende Gemeinschaft, in der Christus bezeugt wird, ereignet sich also durch solche Gespräche und Ereignisse schon lange auch außerhalb landeskirchlicher Strukturen und Ordnungen. Ein offener transformativer Prozess könnte die Bedeutung ehrenamtlich verkündigender Gemeindeglieder für Menschen, die das Angebot der Kirche nicht (mehr) erreicht, positiv würdigen, fördern und vernetzen. Eine echte adressaten- und ressourcenorientierte Arbeit wäre auf diese Weise möglich und könnte sich auf fast alle Bereiche kirchlichen Lebens positiv auswirken.

Auch im Blick auf den Rollenwunsch „Innovator*in“ könnte Prädikant*innen viel zugetraut werden. Der erhöhte Wert in der statistischen Streuung zeigt, dass längst nicht alle verkündigenden Ehrenamtlichen Lust auf neue Formate haben. Der Wert ist insgesamt dennoch so hoch, dass von einer hohen Gestaltungsmotivation einer kleineren Gruppe ausgegangen werden kann. Bieten diese Personen im Kontakt mit Menschen aus ihrem beruflichen oder privaten Umfeld sinnstiftende Rituale oder Handlungen an, könnte dies eine missionale Dynamik unterstützen, die nicht in erster Linie auf Mitgliedergewinnung zielt, sondern die das Evangelium kontextuell ins Gespräch bringt und auf diese Weise Kirche „praktiziert“.

Die zukünftige Aus- und Weiterbildung von Prä­di­kant*­innen hat die Aufgabe, hier ein differenzierteres Angebot zu schaffen. Es wird weiter notwendig sein, Ehrenamtliche mit einem grundsätzlichen Verständnis für gottesdienstliches Geschehen auszustatten und ihnen den Wert traditioneller Formen so zu vermitteln, dass sie damit verantwortlich umgehen. Gleichzeitig sollten Prädikant*innen viel stärker in die vielen unterschiedlichen Fortbildungsmöglichkeiten für Pfarrer*innen einbezogen werden. Ob es nun eine Fortbildung zur Präsenz in gefilmten Gottesdiensten ist, Predigtcoaching, Pop-up-Kirchenevents, Poetry-Slams oder neue Kasualien: Prädikant*innen, die auf diese Weise das Evangelium kommunizieren möchten, erfüllen die Voraussetzungen dafür. Sie sind mündige Kirchenmitglieder, denen die hohe Verantwortung im Umgang mit dem Wort bewusst und vertraut ist.

Konsequenzen für Kirchenbild und Pfarrberuf

Noch ein letztes: Je umfassender und vielfältiger Prädikant*innen ausgebildet und eingesetzt sind, desto größer ist die Chance, dass sich nicht nur das heutige Kirchenbild, sondern auch das Bild vom Pfarrberuf verändern kann. Friederike Erichsen-Wendt und Adelheid Ruck-Schröder haben in ihrer aktuellen Pastoraltheologie das „Pfarrer*in sein“ in einer „postparochialen“ Kirche skizziert.30 Mit „postparochial“ sind damit die Suchprozesse nach kirchlichen Gemeinschafts- und Sozialformen gemeint, die auf die schon jetzt vielfach sichtbare Überdehnung des „System[s] Parochie“ reagieren.31 Was kommt, wenn die jetzt schon brüchige Kopplung von Pfarrpersonen an eine bestimmte Parochie nicht mehr das dominante Konzept ist und der Bezug auf größere Räume und auf Themen in den Vordergrund tritt? Für Pfarrpersonen bedeuten solche Entwicklungen in jedem Fall, dass das bisherige Leitbild der generalistischen Allzuständigkeit nicht mehr zentral ist. Inhaltliche Profilierung und Schwerpunktsetzung, die Kooperation und Aufgabenverteilung in einem interprofessionellen Team, in dem auch die Ehrenamtlichen im Verkündigungsdienst eine wichtige Rolle spielen32 – all das sind Perspektiven für das Szenario eines Transformationsprozesses „mit der Bereitschaft zu einer radikalen Neuorientierung“.

Diese Perspektive bedeutet den Abschied von vertrauten Kirchen- und Berufsbildern, auf der anderen Seite aber auch die Chance, Kirche als „Assistenzsystem zur Förderung der Kommunikation des Evangeliums“ neu zu denken.33 Das Leitbild ist nicht mehr die zentrale Leistungsrolle der Pfarrpersonen mit einer Alleinzuständigkeit für die religiöse Kommunikation, sondern die Entwicklung geht idealerweise weg von der Zentrierung auf den Pfarrer oder die Pfarrerin hin zu einer religiös mündigen Gemeinde. Hinter dem vielzitierten Priestertum bzw. „Predigtamt aller Gläubigen“ steht ja genau dieses Ideal. Ehrenamtliche im Verkündigungsdienst, seien es Prädikant*innen oder andernorts auch Lektor*innen, sind Sinnbilder für die religiös mündige Gemeinde und damit religiöse Akteur*innen mit einem eigenen Profil. Dementsprechend könnte sich die bisherige Leitungsrolle der Pfarrpersonen verstärkt in Richtung der Moderation und Ermöglichung entwickeln – „sodass andere theologieproduktiv sein können“.34

Damit verändert sich auch für Pfarrer*innen Entscheidendes. Die Rolle als „Für-Alles-Zuständige“ wird sich auflösen. Es wird möglich sein, eigene berufliche Schwerpunkte zu setzen; ohne die Befürchtung, dadurch anderes zu vernachlässigen. Es wird möglich sein, im Pfarramt auch wieder wissenschaftliche Impulse zu verfolgen, also wirklich Theolog*in zu sein. Es wird auch möglich sein, neue Betätigungsfelder zu entdecken und theologisch zu erkunden. Gerne auch mit Prädikant*innen zusammen …

Zukunftsmusik, freilich. Aber erste Töne sind schon zu hören …

 

Anmerkungen

1 Faix/Künkler (Hg), Handbuch Transformation, Neukirchen-Vluyn 2021.

2 Gutmann/Peters, #projektion2060, Neukirchen-Vluyn 2021.

3 Eine Übersicht der unterschiedlichen Prozesse und ihrer Zielsetzungen bietet die Website von Steffen Bauer: https://www.kirchedermenschen.de/post/landeskirchen-unterwegs.

4 Eine solche „Kirche der Menschen“ stellt Bauer in seiner Veröffentlichung von 2022 vor. Die Ergebnis-Broschüre der KMU VI setzt auf eine Strategie, die den Spagat zwischen distanzierten und „traditionell verbundenen“ Kirchenmitgliedern sowie „Säkularen“ leistet (EKD: Wie hältst du’s mit der Kirche? Zur Bedeutung der Kirche in der Gesellschaft. Erste Ergebnisse der 6. Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung, 39f).

5 In beiden Kirchen ist graduell verschieden, was jeweils unter „Prädikant*in“ verstanden wird. In der Evang.-luth. Landeskirche Hannovers werden als Prädikant*innen diejenigen Ehrenamtlichen im Verkündigungsdienst bezeichnet, die nach einer mehrjährigen Ausbildung in einem Kirchenkreis mit dem Recht der freien Wortverkündigung beauftragt sind. Zugangsvoraussetzung für die entsprechende Ausbildung ist die Ausbildung und Tätigkeit als Lektor*in mit der Lizenz, Gottesdienste mit Lesepredigten zu gestalten und das Abendmahl einzusetzen. Aktuell gibt es der hannoverschen Landeskirche ca. 520 Prädikant*innen und 1.350 Lektor*innen (Zahlen aus dem Jahr 2020). In der Evang. Kirche in Baden wurde die Unterscheidung von Lektor*innen und Prädikant*innen im Jahr 2013 aufgegeben. Es ist den Ausgebildeten freigestellt, ob sie sich für den Verkündigungsteil eine Lesepredigt aneignen oder eine eigene Predigt schreiben. Aktuell zählt diese Kirche 450 Prädikant*innen (Stand 2022). – Trotz der graduell unterschiedlichen Verhältnisse in den beiden Kirche lassen sich die jeweiligen Prädikant*innen aufgrund ihres ähnlichen Auftrags gut miteinander vergleichen; das zeigen auch die hier vorgestellten Umfrageergebnisse.

6 An der Studie zur Hannoverschen Landeskirche (Durchführung: Sozialwissenschaftliches Institut der EKD 2019) beteiligten sich n = 135 Prädikant*innen (Ausschöpfungsquote 26%). Die Badische Studie (Durchführung: Evangelische Hochschule und FIVE Forschungs- und Innovationsverbund an der Evangelischen Hochschule Freiburg e.V.) erreichte einen Rücklauf von n = 287 (Ausschöpfungsquote 64%). Näheres zu den Studien: Gunther Schendel: Ehrenamtliche im Verkündigungsdienst: systemrelevant und offen für neue Rollen. Aktuelle empirische Ergebnisse aus der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers, SI-Kompakt 2-2020 (https://t1p.de/8le1l); ders.: Lektor:innen und Prädikant:innen – semiprofessionelle und qualifizierte Ehrenamtliche als Treiber kirchlicher Veränderung, Pastoraltheologie 112/2023, 293-316, sowie: Ute Niethammer/Marielle Boidol: Mitten im Leben! Prädikant:innen in der Evangelischen Landeskirche in Baden. Ergebnisse einer empirischen Untersuchung, epd Dokumentation Nr. 24, 2022.

7 Uta Pohl-Patalong: Kirche gestalten, 38f. Als weiteres Modell nennt sie: „Kollaps und (möglicher) Neubeginn“, also das Weiterführen des bisherigen Pfades (37).

8 Vgl. Florian Rustler: Denkwerkzeuge der Kreativität und Innovation. Das kleine Handbuch der Innovationsmethoden. 4. Aufl. Zürich. 2016, 36, sowie Dino Scigliano: Das Management radikaler Innovationen: Eine strategische Perspektive, Wiesbaden 2003, 16.

9 Nach der badischen Befragung sind 87% der Prädikant*innen mindestens 50 Jahre alt. Nach der hannoverschen Studie (bei der die Altersgruppen anders geclustert wurden) beträgt der Anteil 45+ 96%. Allerdings ist bei der hannoverschen Studie zu berücksichtigen, dass die Ausbildung als Prädikant*in die vorherige Ausbildung als Lektor*in voraussetzt.

10 MW Hannover auf einer fünfstelligen Skala: 4,32 bzw. 4,02; Baden: 4,32 bzw. 4,22.

11 MW Baden: 4,08, Hannover 3,44.

12 Das gilt für den Vergleich zu den durchschnittlichen evangelischen Kirchenmitgliedern nach der KMU V. In Baden wurde abgefragt, welche Aspekte bei der GD-Gestaltung besonders wichtig sind. 25,8% haben hier klassische Kirchenmusik angekreuzt. 34,8% haben „soll moderne Kirchenlieder enthalten“, jedoch ist gut möglich, dass Personen beides besonders wichtig fanden. Spitzenreiter waren hier „Gottesdienst soll zum Nachdenken anregen“ mit 82,9% sowie „Zuversicht vermitteln“ mit 87,8%.

13 Ansprechperson: Hannover MW 4,00, Baden 3,79; Begleiter*in: Hannover MW 4,14, Baden 4,00.

14 Baden: MW 3,26.

15 Interessant ist, dass sich bei der Frage nach der Wunschrolle als Innovator*in bei den verschiedenen Altersgruppen keine signifikanten Differenzen zeigen.

16 Auch hier haben wir Werte über dem Durchschnitt: Hannover MW 3,78; Baden 3,46.

17 Christian Rebert, Perspektiven für ehren- und nebenamtliche Verkündigung, PTh 110/4 2021, Zitate: 186 und 188.

18 In der hannoverschen Landeskirche erleben sie 30,4% eigener Aussage nach (eher) nicht. In der badischen Landeskirche liegt dieser Anteil bei 19,5% der Befragten.

19 In der Landeskirche Hannovers tragen 35% den speziellen Prädikantenmantel und 7% einen gewöhnlichen Talar. In der badischen Landeskirche sind es 65 der Prädikant*innen, die den üblichen Talar tragen.

20 Hannover: 62%. Baden: 17%.

21 Vgl. den Vorschlag von Rebert, 188-190.

22 Vgl. https://www.ekiba.de/media/download/variant/305334/03-kooperations-raum—-arbeitsfelder.pdf.

23 Pohl-Patalong, a.a.O., 39-40.

24 Bernhard Ott, Handbuch Transformation, Transformation auf dem. Weg des biblischen Schalom, 151-164. Volker Rabens, a.a.O., Transformation im Neuen Testament. Ein Ein- und Überblick über zentrale Ziele und Strukturen neutestamentlicher Transformationsprozesse, 165-183.

25 Tobias Faix/Thorsten Dietz, a.a.O., Transformative Ethik. Eine Einführung, 242-255.

26 Rüdiger Gebhardt, a.a.O., „Ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes!“ Zur Leistungsfähigkeit des Begriffs Transformation aus evangelischer Sicht, 184-196.

27 Vgl. dazu: Georg Hofmeister/Gunther Schendel/Hubertus Schönemann/Carla J. Witt: Kirche neu denken – Kirche erproben. Auf der Suche nach neuen Formen kirchlichen Lebens, Baden-Baden 2023.

28 Eine Studie zu diesem Aspekt des Prädikant*innenamtes gibt es leider (noch) nicht. Die berufliche Erfahrung im Gespräch mit Prädikant*innen mag hier als Evidenz vorerst genügen.

29 Das gilt, obwohl nach den Befunden der 6. Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung Religiosität in der deutschen Gesellschaft insgesamt abnimmt (EKD: Wie hältst du’s mit der Kirche? Zur Bedeutung der Kirche in der Gesellschaft, Leipzig 2023, 36).

30 Friederike Erichsen-Wendt/Adelheid Ruck-Schröder: Pfarrer:in sein, Göttingen 2022, 138.

31 Erichsen-Wendt/Ruck-Schröder, 136.

32 Zu interprofessionellen Teams vgl. Gunther Schendel: „Arbeit am Betriebssystem der Kirche“. Multi-, inter- und transprofessionelle Zusammenarbeit – Konzepte, Potentiale, Beobachtungen. Praktische Theologie 3/2021, 168-175.

33 Christian Grethlein, Kirchentheorie. Kommunikation des Evangeliums im Kontext, Berlin/Boston 2018, 296.

34 Erichsen-Wendt/Ruck-Schröder, 108.

Über die Autorin / den Autor:

Pfarrerin Dr. Ute Niethammer, Jahrgang 1970, Studium der Evang. Theologie in Marburg, Tübingen und Straßburg, 2017 Promotion, Pfarrerin im Schuldienst in Freiburg i.Br., derzeit Landeskirchl. Beauftragte für die Prädikant*innenarbeit der ­Badischen Landeskirche und Dozentin für ­Homiletik und Liturgie an der Evang. Hochschule Freiburg.

 

Pastor Gunther Schendel, Jahrgang 1964, ­Studium der Evang. Theologie und Geschichte in Marburg und Göttingen, Pastor in der Evang.-luth. Landeskirche Hannovers, seit 2011 wiss. Referent im Sozialwissenschaftlichen Institut der EKD.

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft 1/2024

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