Der Verband evangelischer Pfarrerinnen und Pfarrer in Deutschland und der Pfarrverein Kurhessen-Waldeck e.V. trauern um ihr langjähriges Mitglied Kirchenrat und Dekan i.R. Werner Dettmar.

 

Engagiert und weitsichtig

Werner Dettmar war vom Anbeginn seiner beruflichen Laufbahn und weit darüber hinaus ein engagierter und weitsichtiger Kollege, der sich vor allem um den Berufsstand der Pfarrerinnen und Pfarrer unserer Landeskirche und weit darüber hinaus Gedanken machte, und dies kritisch und reflektiert formulierte. Zu den vielen Aufgaben und Ämtern, die er innehatte, gehörten u.a. folgende: Von 1962-1971 war er Schriftleiter des Pastoralblattes des Pfarrvereins Kurhessen-Waldeck, später Hessisches Pfarrblatt. Seit 1973 gehörte er der Landessynode an und begleitete von 1986 an sechs Jahre das Amt des Präses. In dieser Eigenschaft war er auch Mitglied des Rates der Landeskirche. 1976 übernahm er den Vorsitz des Verbandes der Evangelischer Pfarrvereine in Deutschland, später Verband evangelischer Pfarrerinnen und Pfarrer in Deutschland. Von 1977-1987 versah er das Amt des Vorsitzenden des Pfarrvereins Kurhessen-Waldeck.

Am 30. März 1981 wurde ihm durch Bischof Dr. Jung der Titel „Kirchenrat“ verliehen als Anerkennung seiner Verdienste um die Förderung und Begleitung der Pfarrerschaft und die tatkräftige Vertretung ihrer berufsständischen Fragen sowie in Würdigung seiner publizistischen Tätigkeit. U.a. war er der Vorsitzende des Evangelischen Presseverbandes Kurhessen-Waldeck und auch Mitglied der Synode der EKD.

Nach seiner Verabschiedung in den Ruhestand im Januar 1992, damals Dekan des Kirchenkreises Kassel-West, wurde er Geschäftsführer des neu gegründeten Evangelischen Medienverbands von Kurhessen-Waldeck – und damit u.a. verantwortlich für die Herausgabe von Kunstbüchern und die Veröffentlichungen der Landeskirche. Die „Monographia Hassiae“ und die umfangreiche Reihe „didaskalia“ stehen noch heute in den Pfarrämtern der kurhessischen Landeskirche und gehören damit noch immer zum Kernbestand pfarramtlicher Literatur.

 

Schreiben als Passion

Werner Dettmar wurde am 28. September 1998 anlässlich der Mitgliederversammlung in Dresden aus seinem Amt als Schriftleiter des Deutschen Pfarrerblattes verabschiedet, das er von 1987 an versah, und etwa zeitgleich zum Ehrenmitglied im Verbandsvorstand ernannt. Der ehemalige Verbandsvorsitzende, Pfarrer Andreas Kahnt (Oldenburgische Landeskirche) resümiert: „Werner Dettmar hat bis zuletzt die Geschicke des Verbandes mit Interesse verfolgt. Er war zudem voller Geschichten aus seiner aktiven Zeit für den Verband; wenn er erzählte, war zu spüren, dass ihm der Verband wichtig war und die Jahre, in denen er aktiv verantwortlich war, von großer Bedeutung. Schade, dass er das Buch über die Geschichte des Verbandes, anders als geplant, nicht mehr in die Hand nehmen konnte“ (es erscheint erst 2025).

Wenn wir auf das Wirken von Werner Dettmar zurückblicken mit den vielen Herausforderungen, die vor allem in den Jahren nach dem Krieg auch innerhalb der Kirche zu bewältigen waren, dann fallen vor allem zwei Eigenschaften auf, die ich bemerkenswert finde: Werner Dettmar war ein Schreiberling und mutiger Vordenker, bei dem die Tat auf das Wort folgte. Schreiberling deshalb – und dieser Begriff soll nicht despektierlich sein! – weil das Schreiben ihn von Jugend an in seinen Bann gezogen hat. Weil er es geliebt hat. Es war so etwas wie seine Passion. Die Themen für seine Aufsätze ergaben sich aus Fragen, die er sich selbst erklären wollte – so hat Werner Dettmar es einmal selbst formuliert. Und er blieb damit als aktiv gestaltender Kirchenmann immer auch am Puls der Zeit. Sein Nachdenken und Schreiben umfasst daher nicht nur theologische Themen, wenn er z.B. über die „Gottheit Gottes“ oder die „Auferweckung Jesu“ schrieb, sondern ebenso kirchenpolitische Themen wie „Noch einmal träumen. Eine effektive Evangelische Kirche in Deutschland“ (1999).

Seinem mutigen Vordenken haben wir Kolleginnen und Kollegen der nachfolgenden Generation viel zu verdanken – besonders, dass durch seine Initiative eine berufsständische Interessensvertretung in unserer Grundordnung verankert wurde: die Pfarrvertretung. Seine schon in jungen Jahren geäußerten Vorstellungen zu den Aufgaben eines Pfarrvereins und dem gewerkschaftlichen Aspekt dieser Arbeit haben damals bei der Kirchenleitung durchaus für Aufregung gesorgt – und klingen heute, nach den letzten Entscheidungen unserer Landessynode, aktueller denn je.

 

Pfarrdienst im Kontext einer mündigen Gemeinde

Werner Dettmar hat sich in seinem langen Wirken auf unterschiedlichen Ebenen stark gemacht für die Begleitung und Förderung seines Berufsstands. Vielleicht kann daher der Aufsatz, den er 1994 zum 100jährigen Bestehen des Kurhessischen Pfarrvereins zum Amt der Pfarrerin und des Pfarrers in der mündigen Gemeinde (als minister verbi divini) als so etwas wie sein Resümee aus Jahrzehnten pastoraler Praxis und in leitender Verantwortung betrachtet werden. Dort schreibt er:

„Pfarrerinnen und Pfarrer können sich heute nur in die vielfältigen Dienste einer mündigen Gemeinde einreihen. Aus der ihnen zukommenden Arbeit mögen sich viele Anregungen für Dienste an der Gemeinde, in der Gemeinde und über die Gemeinde hinaus ergeben. Aber sie werden diese nicht selbst leitend umsetzen, sondern die Gaben der Schwestern und Brüder zur Entfaltung kommen lassen.

In einer mündigen Gemeinde gibt es viele Dienste, Pfarrerinnen und Pfarrer aber können nur mit einem Titel umfassend bezeichnet werden: minister verbi divini – Dienerinnen und Diener am Wort Gottes.“

Mögen uns diese Anregungen auf dem Weg einer sich stark verändernden evangelischen Kirche begleiten, und damit auch die Erinnerung und der Dank an unser Ehrenmitglied Werner Dettmar – der als Theologe und Kirchenpolitiker unvergessen bleibt.

 

Bettina von Haugwitz
Vorsitzende des Pfarrvereins in Kurhessen-Waldeck
und Mitglied im Vorstand des Verbandes evangelischer Pfarrerinnen und Pfarrer in Deutschland

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft 1/2024

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