Schweizer Forscher haben laut einer dpa-Meldung vom 24. August 2021 mit 62,8 Billionen Stellen hinter dem Komma die bislang genaueste Berechnung von Pi vorgelegt. Damit übertrafen sie den bestehenden Rekord um 12,8 Billionen Stellen, wie die Fachhochschule Graubünden mitteilte. Zur Berechnung wurde Hardware genutzt, die beispielsweise auch bei der RNA-Analyse, bei Strömungssimulationen und Textanalysen gefragt ist. Die Zahl Pi ist vielen aus der Schule sicherlich noch als rund 3,14 in Erinnerung (der Quotient 22:7 ergibt in den ersten drei Stellen diesen Wert – daher der 22.7. als Tag der Zahl Pi). Sie war bereits den alten Griechen keine Unbekannte. Zur Berechnung der 62,8 Billionen Stellen brauchten die Schweizer Forscher 108 Tage.

 

Quadratur des Kreises

Die Kreiszahl Pi wird zur Berechnung des Kreisumfanges und der Kreisfläche gebraucht. Der Umfang des Kreises ergibt sich nach der Formel: Durchmesser mal Pi. Die Fläche ergibt sich nach der Formel: das Quadrat des Radius mal Pi. Die letztlich nicht endgültige Berechenbarkeit von Pi bedeutet also: Ein Kreis ist nicht Milli-milli-milli-…-meter genau berechenbar. Er ist fast und praktisch berechenbar, aber (anders als das Quadrat) nie perfekt. Dafür gibt es auch ein Sprichwort: Wenn etwas definitiv unmöglich ist, nennen wir es die Quadratur des Kreises.

Damit ist Pi natürlich auch ein theologischer und allgemein menschlicher Leckerbissen. Das menschliche Streben nach Unendlichkeit und Vollendung stößt sich hier mit der Erfahrung: Ganz werden wir es nie erreichen. Ja, man könnte es so formulieren: Wir kriegen fast die volle Wahrheit heraus und sind doch unendlich weit (Billionen mal Billionen …) von ihr entfernt. Ob ein Pastor sich je dafür interessieren wird, den Rekord in der Pi-Berechnung zu brechen, ist zu bezweifeln. Aber Pi ist ein hübsches (und irgendwie auch lustiges) Symbol für den Menschen zwischen Vollkommenheitssehnsucht und Endlichkeitserfahrung.

 

Pipapo

Der Mensch weiß jedes Pipapo,
das Wasser nennt er
H2O,
Atome haben einen Kern,
die Venus ist der Morgenstern.

Der Mensch kennt jedes Pipapo,
er kennt den Blutkreislauf vom Floh,
er kennt das Liebesspiel der Wale
und Platons Reich der Ideale.

Der Mensch kennt jedes Pipapo,
er kennt die Welt von A bis O,
jedoch es bleibt ein kleiner Rest,
den stellt er niemals, niemals fest.

Genau genommen ist es so:
der Mensch kennt wohl das Pa und Po,
doch eins erreicht er leider nie:
und zwar die Kreiszahl nicht, das „Pi“.

Ja, liebe Brüder und Genossen,
aus diesem Fall sei hier geschlossen:
Und sei der Mensch auch noch so weise –
er scheitert am perfekten Kreise.

Und rechnet er Millionen Stunden,
er kommt doch nie zum reinen Runden.
Ein bisschen bleibt das Runde eckig –
ein bisschen geht’s uns immer dreckig.

 

Thomas Schleiff

 

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft 7/2022

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