Deutscher Pfarrerinnen- und Pfarrertag 2022 in Leipzig

 

In diesem Jahr wird der Deutsche Pfarrertag in Leipzig stattfinden – vom 26. bis 28. September. Gastgeber sind der Sächsische Pfarrverein und die Sächsische Landeskirche. Diese hat sich bereits im Juniheft des Deutschen Pfarrerinnen- und Pfarrerblatts vorgestellt. Die Grußbotschaft des Pfarrvereins folgt hier.

 

Cuius regio eius religio?

Was am 25. September 1555 in Augsburg praktisch beschlossen und 1603 auf die bekannte Formel „cuius regio eius religio“ gebracht wurde, gab man in Sachsen im 18. Jh. einfach schleichend wieder auf. Was Jahrhunderte in Europa für relative Ruhe und Frieden sorgte, wischte der wohl berühmteste sächsische Kurfürst, August der Starke, einfach vom Tisch. Er wollte König von Polen werden und konvertierte dafür zur katholischen Kirche. So bekam das Stammland der Reformation eine katholische Regierung, was sich (mit Ausnahme der Jahre unter Regimen) bis 2017 durchzog. Insofern ist Sachsen religiös anders geprägt als andere Landstriche Europas: Evangelische und Katholiken lebten immer relativ friedlich miteinander – wusste man doch, dass man einander brauchte. So ist es in Sachsen auch nicht verwunderlich, dass Teile eines evangelischen Deutschen Pfarrertages in einer katholischen Probsteikirche veranstaltet werden. Man heißt sich gegenseitig herzlich willkommen.

Spielte die evangelische Kirche zum Ende der DDR-Zeit eine entscheidende Rolle für die politische Wende, so blieb der Zulauf in die Kirchen mit dem Erringen der Freiheit aus. Spätestens als viele auf ihrem Lohnstreifen im neuen System eine Kirchensteuer abgezogen sahen, traten etliche Menschen aus der Kirche aus. Den meisten war gar nicht bewusst gewesen, dass sie einmal getauft waren und somit noch zur Kirche gehörten. Insofern erlebten die Kirchen im „Osten“ bereits einen enormen Schrumpfungsprozess, dem sich in den letzten Jahren auch westdeutsche Kirchen gegenüber sehen – Ende der Sicherheit.

 

Zeichen der Dankbarkeit und Verbundenheit

Aber gerade die Jahre als Kirche in der atheistischen DDR haben interessante Phänomene hervorgebracht: Mitarbeitende der sächsischen Landeskirche hatten viele Jahre mit großer Dankbarkeit die Unterstützung durch die westdeutschen Kirchen erlebt. In Folge der Friedlichen Revolution von 1989 und der deutschen Wiedervereinigung 1990 erübrigte sich diese Unterstützung. Genau aus jenen Erfahrungen heraus wollte der Sächsische Pfarrverein jetzt anderen, bedürftigen Kirchen helfen und ehemals empfangene Unterstützung weitergeben. Unter dem Motto „Aus Gottes Güte leben – Gottes Güte weitergeben“ sollte ein Zeichen der Dankbarkeit und Verbundenheit mit den Mitarbeitenden der Kirchen in Mittel- und Osteuropa gesetzt werden. Und so begann man 1993 mit einer Spendensammlung unter den Mitgliedern der „Pfarrervertretung“, wie der Pfarrverein damals noch hieß.

2001 erfolgte dann eine Umstrukturierung und damit die Gründung der Solidarkasse des Sächsischen Pfarrvereins e.V. als Wohlfahrtseinrichtung des Sächsischen Pfarrvereins. Heute geht es uns um ein Zeichen der geschwisterlichen Verbundenheit und Solidarität angesichts der krassen Unterschiede der Lebens- und Arbeitsbedingungen im Vergleich zu unseren mittel- und osteuropäischen Partnern.

Mit den eingehenden Spenden werden Pfarrerinnen und Pfarrer sowie andere kirchliche Mitarbeitende und deren Familien unterstützt durch Einladungen zu Familienurlaub in Deutschland, zu einer Ökumenischen Urlaubsgemeinschaft, deren Schwerpunkt auf Begegnung, Austausch und Erholung der Teilnehmenden liegt, sowie durch einen Nothilfefonds, der für persönliche Notsituationen einzelnen Mitarbeitenden zur Verfügung steht. Bei der Auswahl der zu Unterstützenden arbeiten wir mit den Leitungsorganen und Berufsvertretungen der betreffenden süd-ost-europäischen Kirchen eng zusammen.

Über 400 Pfarrerinnen und Pfarrer unterstützen die Arbeit der Solidarkasse regelmäßig mit ihrer Spende und ermöglichen sie auf diese Weise. Alle Ausgaben in Zusammenhang mit Organisation und Verwaltung erstattet der Sächsische Pfarrverein e.V., sodass die Spenden in vollem Umfang für die Unterstützung der Schwestern und Brüdern zur Verfügung stehen.

 

Herausforderung Strukturreform

Der Vorstand des Sächsischen Pfarrvereins (SPV) hat nach langem Ringen in der Sächsischen Landeskirche die Funktion der Pfarrervertretung wahrgenommen. Selbstverständlich werden alle Pfarrer*innen begleitet und vertreten – unabhängig von einer Mitgliedschaft im Pfarrverein. Dabei erfolgt die gesamte Arbeit sowohl im Verein als auch in der Pfarrervertretung ehrenamtlich: Stellenanteile gibt es hierfür bisher nicht. Größtes Problem sind derzeit die Anstrengungen zur Bewältigung der Strukturreformen: Größer gewordene Gemeindeverbindungen mit mehreren Pfarrer*innen und Mitarbeitenden schaffen einerseits oft Spannungen im neu zu organisierenden Miteinander, werfen aber auch Fragen im Berufsbild und Selbstverständnis einer Pfarrerschaft auf.

Wir freuen uns als Sächsischer Pfarrverein, Gastgeber für den Deutschen Pfarrerinnen- und Pfarrertag im September in Leipzig sein zu dürfen. Wir hoffen auf viele interessante Gespräch und einen intensiven Gedankenaustausch zu den Problemen, denen sich unsere Kirchen in dieser Zeit am „Ende der Sicherheit“ ausgesetzt sehen.

 

¬ Superintendent i.R. Martin Henker (Solidarkasse)
   Eckehard Möller (Vorstandvorsitzender SPV)

 

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft 7/2022

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