Den evangelischen Theologen und Pastor Dietrich Bonhoeffer kennen alle, den katholischen Theologen und Priester Max Josef Metzger fast niemand. Dabei hat er für den Pazifismus und für die Ökumene eine ähnlich wichtige Bedeutung. Beide waren im aktiven Widerstand gegen den Nationalsozialismus, beide dichteten Lieder und Gebete in der Haft und beide wurden von den Nazis hingerichtet. Wolfgang Wagner erinnert an ihn.

 

Max Josef Metzger wurde am 3. Februar 1887 in Schopfheim im Schwarzwald geboren, absolvierte sein Theologiestudium u.a. in Freiburg, das er mit einer preisgekrönten Doktorarbeit abschloss. Als Militärseelsorger nahm er am Ersten Weltkrieg teil, aus dem er als radikaler Pazifist zurückkehrte. Schon 1917 verfasste er ein „Internationales religiöses Friedensprogramm“ und gründete einen katholischen „Weltfriedensbund“. Er nahm an mehreren internationalen Friedenskongressen teil und durfte als erster Deutscher nach dem Krieg 1921 in Paris sprechen. Durch diese internationalen Begegnungen wandelte er sich vom Deutschnationalen zum Weltbürger. 1928 stellte er als einziger Christ bei einer interreligiösen Konferenz mit Hindus, Muslimen, Sufis, Freimaurern u.a. die biblische Friedensvision vor. Auf dem Kongress der „Internationale der Kriegsdienstgegner“ suchte er den Schulterschluss mit Sozialisten und Kommunisten. Er warb nicht nur für Kriegsdienstverweigerung, sondern auch für passiven Widerstand bei der Herstellung und dem Transport von Kriegsgerät.

 

Radikale Nachfolge im Sinne der Bergpredigt

Als Priester engagierte sich der Abstinenzler und Vegetarier für Alkoholkranke, gründete seine „Christkönigsgesellschaft“, mit der er weltweit ökumenisch wirkte. Die radikale Nachfolge im Sinne der Bergpredigt wurde sein Programm. Die in der Gemeinschaft lebenden Frauen und Männer sollten nah bei den Menschen sein und dennoch nach den spirituellen „evangelischen Räten“ leben.

Nach der Machtergreifung der Nazis arbeitete er im „Internationalen Versöhnungsbund“ mit. Gewaltsamen Widerstand lehnte er jedoch als chancenlos ab. Stattdessen verfasste er 1943 ein Memorandum mit Vorschlägen für ein Deutschland nach dem verlorenen Krieg. Diese nahmen vieles vorweg, was später in der EU verwirklicht wurde. Das war in den Augen der Nazis natürlich Hochverrat. Er übergab die Schrift einer Vertrauten, die sie nach Schweden bringen sollte, um auf die Alliierten einzuwirken. Doch die Frau war eine Gestapo-Agentin und verriet ihn.

 

Angeklagt wegen „Achtung der Lebensrechte fremder Völker“

Bereits 1934 wurde er wegen seiner Denkschrift „Die Kirche und das neue Deutschland“ erstmals für einige Tage inhaftiert, 1939 ein zweites Mal und endgültig von 29. Juni 1943 bis zur Hinrichtung durch das Fallbeil am 17. April 1944. Sein „Verbrechen“, vom berüchtigten Roland Freisler im „Volksgerichtshof“ persönlich angeklagt: „Friedenspolitik mit der Achtung der Lebensrechte fremder Völker“, Abrüstung zugunsten der „Vereinigten Staaten von Europa“, Freiheit des Gewissens und anderes mehr. Besonders wütend wurde Freisler über Metzgers Engagement für die ökumenische Bewegung „Una Sancta“. Als Metzger diese Bewegung erwähnte, schrie Freisler: „Una sancta, una sancta – una sanctissima – Una – das sind wir, und weiter gibt es nichts!“ Freisler erklärte, eine solche Pestbeule sei auszumerzen und verkündete wenige Minuten später das vorgefasste Todesurteil.

Metzger nutzte die Haftzeit für theologische und pastorale Abhandlungen, darunter viele Briefe und Gedichte. Zu Ostern 1944 schrieb er, eine Woche vor seinem Tod, noch drei Auferstehungslieder, deren Melodie er auch komponierte, zum Beispiel:

Christ der Herr ist auferstanden,
leibverklärt in Herrlichkeit.

Kündet laut in allen Landen
Freiheit! Friede! Freudenzeit!
Singt Triumph! Denn überwunden
Ist der Feind! Der Herr gebeut!

Heiland aller Sünden Wunden,
bracht‘ Er die Erlösung heut‘.

Christ der Herr ist auferstanden,
jubelt, die ihr todgeweiht!
Der des Teufels Kampf bestanden,
uns aus Höllenfron befreit.
Nimmer in dem Leib, dem neuen,
Leben mehr im Grab verwest.
Heil’gen Lebens froh, ihr Freien,
hebt das Haupt, ihr seid erlöst!

Christ der Herr ist auferstanden,
Erstling Seiner heil’gen Schar.
Heil und Leben alle fanden
An des Herren Kreuzaltar.
Die mit Ihm ihr war’t gestorben,
auferstanden seid ihr heut‘.
Was im Tod Er euch erworben,
euer ist’s: die Herrlichkeit!

Metzgers Grab befindet sich auf dem Friedhof in Meitingen, wo die von ihm gegründete Christkönigsgesellschaft noch besteht. Sein Todesurteil wurde erst 1996 aufgehoben. Seit 2006 läuft ein Verfahren mit dem Ziel der Seligsprechung. Zwar ist er im „Ökumenischen Heiligenlexikon“ gewürdigt worden, aber es wäre wünschenswert, dass man sein Leben und Werk in der evangelischen Kirche wiederentdeckt.

 

Aktuelle Literatur

Ludwig Rendle, Max Josef Metzger: Gerechter Friede statt Gerechter Krieg. Ein Pionier der Friedensbewegung, Matthias Grünewald Verlag 2021

 

Wolfgang Wagner

 

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft 6/2022

1 Kommentar zu diesem Artikel
18.06.2022 Ein Kommentar von Jakob Knab Am 1. Juli 1933, also während der Verhandlungen zum Reichskonkordat, wurde der Friedensbund Deutscher Katholiken (FDK) als erster katholischer Verband von den Nazis aufgelöst. Nota bene: Protektor Michael von Faulhaber rührte keinen Finger für den FDK. Am 1. Juli 1933 verboten die NS-Behörden neben dem Friedensbund weitere sechs katholische Verbände: kurz danach wurden führende Mitarbeiter wie Pater Stratmann, Walter Dirks, Paulus Lenz, Friedrich Dessauer und Josef Knecht verhaftet. Der von den Bischöfen erbetene Schutz war ausgeblieben. Gleichzeitig wurde im geheimen Zusatzprotokoll zum Reichskonkordat eine Bestimmung für die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht aufgenommen. Indes: Zwei Tage danach richtete Max Josef Metzger eine vertrauliche Mitteilung an die Mitglieder der Christkönigsgesellschaft: Wer in der Gemeinschaft die grundsätzliche Kriegsdienstverweigerung als ein wirksames Mittel zur Bekämpfung von Kriegen ansehe oder aus Gewissensgründen die Kriegsdienstpflicht verweigere, werde in der Freiheit seines Gewissens anerkannt.
Kommentieren Sie diesen Artikel
Pflichtfelder sind mit * markiert.
Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.
Spamschutz: dieses Feld bitte nicht ausfüllen.