Lifestyle-Kirchen sind publicityträchtig und ziehen mehr Menschen an, als vielen Verantwortlichen in den „etablierten“ Landes- und Freikirchen sowie Bistümern lieb ist. Im deutschsprachigen Raum gilt das u.a. für die „International Christian Fellowship“ und die „Hillsong-Church“, zunehmend auch für die „Christian City Church C3“. Insbesondere der Bekanntheitsgrad von C3 ist in den zurückliegenden Jahren durch mehrere Gemeindegründungen gewachsen. Gero Menzel und Lothar Triebel porträtieren die neocharismatische Freikirche.

 

Die „C3 Church“ ist eine neocharismatische konservativ-evangelikale Kirche. Kennzeichen sind, wie in diesem Segment der Christenheit üblich, u.a.: moderne Musik und Medientechnik sowohl bei Veranstaltungen als auch online; eine wachstumsorientierte Gemeindegründungsstrategie, die sich häufig auf die Millenial- und die Gen-Z-Generationen konzentriert und besonders Personengruppen aus dem Mittelstand anspricht; „Willkommen zuhause“ und „Gott erleben“ als häufig gebrauchte Devisen, mithin ein Setzen auf Emotionen als Medium dieses Erlebens; keine formale Kirchenmitgliedschaft der Gläubigen.

Besondere Aufmerksamkeit erfuhr C3 zuletzt dadurch, dass der Begründer des Projekts „Jesus Celebration 2033“, Olivier Fleury, nach eigenen Angaben seine ­initiale Vision im Kontext der C3-Muttergemeinde in Sydney erfuhr.1

 

Gründung und Ausbreitung

Die Gründer und bis heute Leiter von C3 sind der Neuseeländer Philip Pringle (*1952) und seine Ehefrau Christine. Nach Auskunft Letzterer wurden beide am 8.8.1971 „born again“2. Anschließend waren sie in den 1970er Jahren in ihrem Heimatland in einer Gemeinde der Assemblies of God (AoG), des größten Pfingstkirchenverbands der Welt, tätig. Die erste C3-Gemeinde wurde 1980 in Sydney im Kontext der australischen Pfingstbewegung als „Christian Centre Northside Church“ gegründet. Schon 1984 folgten die „Oxford Falls Grammar School“ und das „C3 College“. Später wurde der Name Christian City Church (daher C3) bzw. Christian City Church International (C3i) verwendet. 2008 wurde der Name in „C3 Church“ geändert; seit einiger Zeit firmiert die Kirche auf ihrer Internetseite als „C3 Church Global“. 2020 bestand C3 in 64 Ländern aus insgesamt 594 Gemeinden, zu denen mehr als 100.000 Menschen gehören. Neben der Heimatregion Australien und Südasien liegen Schwerpunkte in Nordamerika und Westeuropa (v.a. England), partiell im subsaharischen Afrika (v.a. Uganda).

Im deutschsprachigen Raum gab es lange Zeit nur die 1996 gegründete Gemeinde in Hanau. Inzwischen sind nach verschiedenen Gründungskonzepten neue Gemeinden hinzugekommen: C3 Church Zürich wurde 2012 gegründet. Im selben Jahr begann C3 Frankfurt/Darmstadt als Ableger („Multisite-Konzept“) der zum „C3-Movement“ gehörenden Hope City Church (HCC) Sheffield/GB; sie ist nach Neuordnung aller HCC-Gemeinden 2020/21 zu einer „unabhängigen“ C3-Gemeinde geworden3. C3 Leipzig (mit zwei weiteren Standorten Limbach-Oberfrohna/Chemnitz und Ludwigslust-Parchim) begann 2018. C3 Euskirchen feierte im Januar 2020 ihren ersten Gottesdienst im Wohnzimmer des Gemeindegründers, unterstützt von C3 Hanau als „Muttergemeinde“ (die auch in Frankfurt und Sachsen hilfreich zur Seite steht). C3 Berlin ist ein 2021 gegründeter Ableger von C3 New York.

 

Das C3-Credo

Die Glaubensinhalte von C3 sind gemäß ihrer zwölf Glaubenssätze („What we believe“)4 traditionell evangelikal: 1. Trinitarisches Gottesverständnis; 2., 6., 9. klassische Christologie (mit Betonung von „His imminent return“), Soteriologie und Eschatologie; 4. Unfehlbarkeit der Bibel; 5. Existenz des Teufels; 10. Hervorhebung des Missionsauftrags. – Traditionelle theologische Sprache wird in diesem Glaubensbekenntnis auch insofern benutzt, als Taufe und Abendmahl als Sakramente und die Kirche als Leib Christi bezeichnet werden. Dahingestellt sei, inwiefern damit verbundene Inhalte traditioneller Sakramentstheologie (u.a. Heilsnotwendigkeit) und Ekklesiologie (z.B. Unterscheidung von sichtbarer und unsichtbarer Kirche) im konkreten Gemeindeleben eine Rolle spielen.

Herkömmlich pfingstliche Überzeugungen sind 3. und 7. die Betonung des Hl. Geistes und seiner Wirkungen, einschließlich Zungenrede („Glossolalie“), sowie 8. die (aus dem Baptismus übernommene) Gläubigentaufe durch Immersion. Wesentliche Merkmale von C3 stammen darüber hinaus aus der Wort-des-Glaubens-Bewegung.5 Diese schlägt sich z.B. in der Formulierung des dritten Glaubenssatzes nieder, wonach die „fruits and gifts“ des Hl. Geistes „available [sic!] in the Church“ seien. Nicht ganz selbstverständlich im Kontext der Pfingst- und der Heiligungsbewegungen ist dabei, dass die Kirche als verbindlicher Bezugsrahmen der Geistesgaben benannt wird. Im praktischen Alltag von C3 gibt es beides: Einerseits wird Theologie und damit auch Dogmatik individueller Gotteserfahrung untergeordnet, die Beziehung des/der Gläubigen zu Gott in den Mittelpunkt gestellt: „We want people to know Jesus in a fresh, personal way; to have a real-time connection with God“. Andererseits ist das streng hierarchisch ausgebaute Konzept von „Leiterschaft“6 ständig präsent.

 

Die Organisation der Kirche

In der Weltkirchenleitung führt unter der Oberhoheit des Gründers das „Executive Directors“-Ehepaar das „Team“ und das „Board“. Neun „Regional Directors“ wirken als Leiter der insgesamt zwölf Regionen.7 Die Dominanz des Gründerehepaares findet auch in der Bezeichnung der Mitgründerin „Mama Chris, as she is affectionately known“ Ausdruck.8 2021 haben Phil und Chris Pringle die Aufgabe als „Senior Pastors“ der C3 Sydney, also der Gründungsgemeinde, an Alex und Jessen Lee übergeben und widmen sich seitdem ausschließlich der globalen Leitungsrolle.9

Die fünf „Team“-Mitglieder und die Regionalleitungen werden mit einer Ausnahme als Ehepaare dargestellt, sind fast alle weiß und tragen zum größten Teil Vor- und Nachnamen angelsächsischer Tradition. C3 gibt an, daran zu arbeiten, die ethnische Diversität in der Führungsebene zu erhöhen, indem lokale Führungskräfte gefördert werden.10 Im „Board“ sind neben dem Gründer drei weitere Männer und eine Frau. Im Allgemeinen werden stets Pastorenehepaare eingesetzt, de facto werden primäre Leitungsfunktionen (wie zumeist in den Pfingstbewegungen im 21. Jh.) in der Regel von Männern übernommen.11

„One Church – Many Locations“ ist das Grundprinzip: „As an international family, our members can walk into any of our C3 Churches and know they’re home.“12 In Variation zu z.B. Hillsong oder ICF und deren Branding bezieht sich das aber v.a. auf die Werte; in der Schwerpunktsetzung und Inkulturation der Botschaft sowie der Ausgestaltung des Gemeindelebens haben die C3-Ortspastoren eine gewisse Freiheit, was man besonders in der Hanauer C3-Gemeinde erleben kann.13 Die globale Leitung wirkt mit Impulsen, z.B. auf Konferenzen, aber auch mittels intensiver Betreuung der Pastoren durch die Regionalleiter in die Gemeinden hinein. Der jeweilige Senior Pastor ist nur den höheren Leitungsebenen gegenüber verantwortlich; in der Gemeinde hat er das letzte Wort. Bewunderungs- und Wertschätzungsbekundungen an den Pastor der nächsthöheren Ebene sind in Gottesdiensten häufig zu hören. Gemeindliche Demokratie wird im „Handbuch“ der C3-Gemeinde Hanau ausdrücklich abgelehnt.14 Dem entspricht, dass C3 in Deutschland keine formalen Mitgliedschaften kennt; die Leitungsebene der einzelnen Gemeinden gehört einem Verein als Träger an.15

Zur „Gesundheit“ (ein im neopentekostalen Bereich mittlerweile häufig gebrauchter Begriff) von Kirche und Gemeinde gehört nach C3 qualitatives und quantitatives Wachstum. Immer wieder werden Wachstumsvisionen formuliert: Für 2020 wurden „1000 Gemeinden weltweit […] mit jeweils wenigstens 500 Mitgliedern“16 erhofft; diese wurde nicht erreicht, auch nicht in Deutschland. C3 Global schreibt 2021: „…we have a dream of seeing 1 million people in our C3 congregations around the world every weekend.“17

 

Attraktionale Gottesdienste

Wie bei anderen „Lifestyle“-Kirchen ist die Gottesdienstgestaltung von einer „attraktionalen und durchgeplanten Choreographie“18 geprägt, und damit wird, wie Bernhard Olpen beschreibt, eine Abkehr von der klassisch-pfingstlichen spontanen und intuitiven Gottesdienstgestaltung vollzogen. Attraktional heißt erstens, dass jeder Gottesdienst als Missionsgelegenheit betrachtet wird und zweitens, dass dieser für Neuankömmlinge leicht zugänglich ist, diese nicht etwa durch Ungewohntes (wie Manifestationen des Geistes in klassischen pfingstkirchlichen Gottesdiensten) irritiert werden.19

Der typische Ablauf ist: 0. Empfang durch das Welcome-Team, Kaffeetrinken, Ankommen. 1. Anmoderation. 2. Worship (Lobpreis). 3. Opferpredigt: Predigt durch die moderierende Person, die ein persönliches (finanzielles) Opfer mit einer positiven Entwicklung verknüpft und diese als göttliche Segnung und Zeichen eines göttlichen Plans versteht. Diese wird meistens noch durch eine Bibelstelle unterstützt.20 4. Predigt: Im Zentrum steht das Zeugnis, d.h. die predigende Person baut die Predigt um eine eigene Erzählung oder von Freunden, Bekannten und Verwandten, die das Wirken Gottes im Alltag sichtbar macht. 5. Altar Call: Aufruf/Möglichkeit sich dafür zu entscheiden, sein Leben mit Jesus zu beginnen oder dieses Bekenntnis zu erneuern. Der Altar Call wird üblicherweise so gestaltet, dass alle Gottes­dienst­be­sucher*­innen die Augen schließen und nur der Pastor sieht, wer die Hand hebt, um sein Bekenntnis zu Jesus zu zeigen. (Gelegentlich 6. Abendmahl). 7. Worship. 8. Abmoderation. 9. Treffen in den Räumlichkeiten der Gemeinde, Gesprächsangebote des Welcome-Teams, Information zu weiteren Angeboten der Gemeinde (z.B. Alpha Kurs).

Die C3-Europakonferenz im Oktober 2021 zeigte möglicherweise eine Trendwende an: Der C3-Europaleiter Steve Warren praktizierte offen das Zungengebet, und Pringle sprach sich in seiner Predigt explizit für das Zungengebet als Kraftquelle der Pastoren aus.21 In den Gemeinden ist bisher allerdings keine Rezeption des öffentlichen Zungengebets erkennbar. Als private Praxis wird das Zungengebet von C3 neuerdings wieder stärker betont.

 

Sozial- und Individualethik

Im Zentrum der C3-Angehörigen soll eine Frömmigkeit stehen, die stark durch das Gebet und individuelle Gottesbeziehung, authentisches Leben und Zeugnis geprägt ist. Das individuelle Handeln soll der gepredigten Ethik (auf Basis von Bibelstellen wie Mt. 5-7, Röm. 12, 1. Thess. 5) entsprechen. Das angestrebte beständige Wachstum im Glauben soll in der Erfahrung des Hl. Geistes im Gottesdienst, in der privaten spirituellen Praxis sowie in der Bewährung in Prüfungen und im Erlebnis der Segnung geschehen. Der Pastor nimmt dabei eine Vorbildfunktion und Leitungsposition, die Gemeinde in Hauskreisen und Ehekursen eine unterstützende Rolle für die/den Gläubige/n ein.

Teilnahme am Gemeindeleben wird als wesentlicher Teil des christlichen Lebens verstanden; dabei sollen sich die Gemeindeglieder nach jeweiliger Begabung bzw. Charismen einbringen. Dadurch und durch die Gabe des Zehnten sowie darüber hinausgehender Spenden22 erfolgt die Identifikation mit und die Partizipation an der Vision der C3.

Wie andere Lifestyle-Kirchen zeichnet sich C3 durch eine – verglichen mit traditionellem Evangelikalismus – hohe Liberalität bei der Aufnahme popkultureller Phänomene aus; gleichzeitig ist diese Art von Anpassung an den Zeitgeist dadurch begrenzt, dass sie dem unter dem Begriff „Kultur“ verhandelten Ideal der „gesunden“ Gemeinde und konservativen Werten nicht widerspricht.23 So entsprechen die beiden letzten Punkte des C3-Glaubensbekenntnisses dem, was im konservativen evangelikalen Sektor üblich ist: 11. Ablehnung gleichgeschlechtlicher Ehen und 12. vor- bzw. außerehelichen Geschlechtsverkehrs. (C3-Gemeinden wie Toronto und Frankfurt-Darmstadt haben diesbezüglich teilweise scheinbar abweichende Profile24; allerdings ist die Praxis klar: Sex gehört ausschließlich in die Ehe von Frau und Mann.)

C3 ist dezidiert eine Freikirche25, die sich den Freiraum, den neoliberale Staaten gewähren, zunutze macht. Insbesondere in Australien gilt das für das Bildungssystem und die Medien, aber auch für Finanzdienstleistungen und Diakonie26. Diakonisches Engagement ist kein Kennzeichen der Gesamtkirche, kommt aber lokal vor.27 In Deutschland haben die C3-Gemeinden noch keine eigenständigen (diakonischen) Institutionen ausgebildet; wenn soziale Tätigkeiten erfolgen, sind es einzelne Aktionen und Kooperationen. Insgesamt vermeidet C3 in der Öffentlichkeit politische Themen; politisches Engagement erfolgt nur, wenn es unbedingt notwendig ist, z.B. wenn Interessen gefährdet sind.28 Im Gottesdienst gibt es gelegentlich politische Elemente unter Verweis darauf, dass alle Macht von Gott kommt: Gebete für Staat und Regierung.

C3-Leiter Pringle lebt seit geraumer Zeit ostentativ als Multimillionär.29 In den 2010er Jahren stand C3 vor allem in Australien, aber z.B. auch in Toronto/Canada in verschiedenen Medien in der Kritik wegen des Reichtums des Gründers und der Führungsebene der Kirche, dem Umgang mit psychischen Erkrankungen und mit Homosexualität, Druck zum Spenden trotz Armut oder sogar Schulden von Gottesdienstbesuchern usw. Nicht nur Aussteiger haben Webseiten gegründet und Berichte geschrieben, die erhebliche Anschuldigungen dokumentieren.30 Zwei der von Pringle verfassten Bücher31 sind vom Wohlstandsevangelium geprägt. Mittlerweile ist in öffentlichen Äußerungen des Kirchengründers eine Weiterentwicklung erkennbar und die Europaleitung von C3 distanziert sich explizit vom Wohlstandsevangelium. C3 spricht in diesem Zusammenhang nur noch über kleine Segnungen und von der seelischen Bedeutung von Segnung. Reichtum wird nicht als Widerspruch zu einem christlichen Leben angesehen, sondern als eine Form göttlicher Segnung verstanden, die für das „Reich Gottes“ eingesetzt werden sollte.32 Zentrale Thematik ist momentan „Jüngerschaft“.33

 

Ökumenische Kontakte

Erfolgt eine Einbindung in die Ökumene, dann meist über die Senior Pastors und deren Kontakte zu Bünden und Pastoren und Pastorinnen anderer Gemeinden: Das Pastorenehepaar der neuen C3-Gemeinde in Berlin, Silas und Asanja Wallmeroth, ist im Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden (BFP, die mit Abstand größte Pfingstkirche in Deutschland) vernetzt; das von ihnen 2017 gegründete34 Momentum College arbeitet eng mit dem Theologischen Seminar Erzhausen35 und mehreren Gemeinden36 des BFP zusammen; Studierende kommen aus verschiedensten Gemeinden bzw. Gemeindebünden/Kirchen. C3 Hanau ist Gastmitglied in der ACK Hanau, in der lokalen Evang. Allianz aktiv und im „D-Netz“ über eigene lokale und globale Netzwerke der C3 hinaus vernetzt; der Sohn des Gemeindegründers hat nebenberuflich eine Gemeindeverwaltungssoftware entwickelt, die auf Spendenbasis finanziert kostenlos angeboten und von Gemeinden verschiedenster Prägung benutzt wird. So ist begründet zu hoffen, dass auch die neuen C3-Gemeinden mit der Zeit ihren Weg in die klassische Ökumene finden.

 

Anmerkungen

1 Vgl. https://www.jc2033.world/de/info/geschichte.html; laut https://www.kirche-heute.ch/blog/der-westschweizer-olivier-fleury-und-sein-projekt-jesus-celebration-2033/ sogar noch mehr: „Damals besuchte er im australischen Sydney Bibelkurse im Internationalen Campus von Christian City Church (C3), einer kirchlichen Bewegung, der er angehört.“ Zu seinem Projekt vgl. Hanne Lamparter, Eine globale 2000-Jahr-Feier der Auferstehung Jesu? Die Initiative „Jesus Celebration 2033“, in: DPfBl 121,4 (2021), 233-237. Zu ICF und ähnlichen Gemeinden vgl. die Berichte zu Gottesdienstbesuchen, die Ute Niethammer 2019 in dieser Zeitschrift veröffentlicht hat; die Zeitschrift der EZW in Berlin publiziert in loser Folge ähnliche Berichte, z.B.: Benatar, Alexander, „Reckless love of God“. Besuche der „Sunday Experience“ der Hillsong Church, ZRW (MDEZW) 84/1 (2021), 28-31. Ein Gottesdienstbericht zu C3 findet sich auf http://www.relinfo.ch/lexikon/themen/besuche-bei-gemeinschaften/c3-christian-city-church/ein-gottesdienstbesuch-bei-der-c3-church-zuerich/. Vgl. darüber hinaus Kick, Annette/Hemminger, Hansjörg, Unabhängige Gemeinden neben Kirchen und Freikirchen (EZW-Texte 265), Berlin 2020, und Watts, Galen, C3 Church, https://wrldrels.org/2020/11/28/c3-church/ . – Abruf aller in diesem Aufsatz zitierten Netzseiten, wenn nicht anders angegeben, letztmals am 22.12.2021.

2 Shin, Yong Tung, Interview With The „Blonde Nana“: How Mr and Mrs Pringle Met, City News, 14. März 2014, https://www.citynews.sg/2014/03/14/interview-with-the-blonde-nana-how-mr-and-mrs-pringle-met/.

3 Hintergrund ist, dass der Gründer und langjährige Leiter der Hope City Church Sheffield nach – von ihm eingestandenen – Rassismus-Vorwürfen zurücktrat und nach Australien zurückkehrte; daraufhin wurden die zu diesem Zeitpunkt existierenden Hope City Church-Gemeinden formal selbständig.

4 Vgl. https://c3churchglobal.com/what-we-believe/.

5 Vgl. insbesondere Pringle, Phil, Faith: Moving the Heart and the Hand of God. New Kensington, PA: Whitaker House 2005.

6 Vgl. Pringle, Phil, You the Leader, New Kensington, PA, 2005, 33-49, 291, 297-300 und 304-306, sowie Schwarzkopf, Manfred, Gemeindehandbuch der C3 Church Hanau. DNA und Vision der Gemeinde, August 2018, https://c3hanau.de/pdf/2018_08_c3_handbuch.pdf, 2, 13ff und 19ff.

7 Vgl. das Organigramm auf https://c3churchglobal.com/about-c3-church-global/ sowie als wissenschaftliche Sekundärliteratur Watts, Galen, The Religion of the Heart: Self, Solidarity, and the Sacred in Romantic Liberal Modernity (PhD Thesis, Queen’s University Kingston, Ontario, Canada, June, 2020), https://qspace.library.queensu.ca/bitstream/handle/1974/27893/Watts_Galen_202006_PhD.pdf?sequence=3&isAllowed=y, 197: Watts nennt dort in einer ökonomisch geprägten soziologischen Analyse unter Zuhilfenahme einschlägiger Literatur das Ehepaar Pringle „C3 Church’s entrepreneurial CEOs“ und führt aus: „Ultimate decision-making authority rests solely with them, with no existing procedures to challenge their dominance, as power and spiritual authority are intimately intertwined.“

8 Shin, Interview (s. Anm. 2).

9 Vgl. McEachen, Ben, Who is Replacing Phil Pringle at C3 and What will He Do Next, https://www.eternitynews.com.au/australia/who-is-replacing-phil-pringle-at-c3-and-what-will-he-do-next/.

10 Email-Anhang des Pastors der C3 Berlin, auch im Namen des Europa-Leiters Steve Warren, Amsterdam, an die Leiterin des Konfessionskundlichen Instituts Bensheim vom 30.11.2021.

11 Das kann man belegen durch die Eigenaussage eines C3-Pastors und durch zahlreiche Interaktionen solcher Ehepaare vor der Kamera, innerhalb und außerhalb von Gottesdiensten (eine Ausnahme findet man z.B. bei C3 Berlin). Es wird auch deutlich in Loyalitätsbekundungen an den C3-Gründer (z.B. durch den Hanauer Senior Pastor Manfred Schwarzkopf: „Ich habe absolut keine Hemmungen zu sagen, ich persönlich diene der Vision von Phil Pringle, der unserer Bewegung vorsteht und ihr eine Bestimmung von Gott gibt.“; vgl. Schwarzkopf, Gemeindehandbuch [s. Anm. 6], 15) sowie durch seine Stellung im C3 Church Global Board: hier ist er ohne Ehefrau tätig. (Auch z.B. C3 South Point/Ohio präsentiert nur männliche Pastoren, trotz der auf https://c3church.tv/our-leaders/ gezeigten Familienbilder.) Unterordnung der Ehefrauen entspricht dem evangelikalen Verständnis bestimmter Aussagen der als unfehlbar angesehenen Bibel; von dort wird die explizite Ablehnung der Homosexualität abgeleitet, implizit dürfte das bei C3 auch für das Geschlechterrollenverständnis gelten. – Am Beginn der Pfingstbewegung Anfang des 20. Jh. galt dagegen oftmals Gal. 3,28.

12 https://c3churchglobal.com/.

13 „Die C3 Bewegung könnte man als eine Art geistliches ‚Franchise-System‘ bezeichnen, wir haben eine gemeinsame Vision und eine gewisse gemeinsame DNA, aber jeder einzelne Gemeindeleiter hat dennoch große Freiheit und Spielraum, die Gemeinde vor Ort und im Rahmen der kulturellen und gesellschaftlichen Gegebenheiten so zu bauen, wie er es von Gott auf dem Herzen hat.“ (Schwarzkopf, Gemeindehandbuch [s. Anm. 6], 14.) Diese Sicht von innen wird ergänzt durch die Analyse von außen: „…despite the stress placed on spontaneity, subjective feeling, and emotional ecstasy in CC [Charismatic Christianity, die Vf.] discourse, C3 church and the wider church growth movement to which it belongs largely exhibit standardized features“ (Watts, Religion [s. Anm. 7], 197). – Von „Franchise“ spricht auch François Gauthier, Die Prediger des Marktzeitalters, in Evang.-methodistische Kirche (Hg.), Podium 55,12 (2021), 5-8, 8 (= Welt-Sichten 2021,10, 12-17, 17); er benutzt ebd. auch den Begriff „Lifestyle“.

14 Vgl. dazu Triebel, Lothar, „Leiterschaft“ statt demokratischer Strukturen. Organisation von Macht in ausgewählten neocharismatischen und pfingstlichen Freikirchen, in: Standpunkt, Zeitschrift des Ev. Bundes Österreich 244/2021, 17-22, online abrufbar auf http://www.evangelischerbund.at/images/stories/albums/Standpunkt-Archiv/2021/Standpunkt_244-2021.pdf.

15 Das ist in anderen Lifestyle-Kirchen, z.B. ICF, genauso. Begründet wird das häufig u.a. damit, „Mitgliedschaft“ in kirchlichen und anderen Organisationsformen sei für jüngere Menschen nicht attraktiv. – Dass sich christliche Gemeinden, Gemeinschaften oder Kirchen ohne formale Mitgliedschaft organisieren, ist kirchengeschichtlich nichts Neues. Im 19. Jh. wurde das im Kontext der Erweckungs- und Heiligungsbewegungen gelegentlich zum Programm, z.B. bei den „Geschlossenen Brüdern“ und in der Church of God (Anderson, Indiana; in Deutschland: Freikirchlicher Bund der Gemeinde Gottes). Begründung, Zweck und Konsequenzen sind aber in den einzelnen Fällen durch die Jahrhunderte hindurch unterschiedlich.

16 Schwarzkopf, Gemeindehandbuch [s. Anm. 6], 23.

17 https://c3churchglobal.com/about-c3-church-global/ (Abruf 22.12.2021). Vgl. auch Maddox, Marion, ,In the Goofy Parking Lot‘: Growth Churches as a Novel Religious Form for the Late Capitalism, Social Compass 59,2 (2012), 146-158, doi: 10.1177/0037768612440954, 152.

18 Olpen, Bernhard, Pfingstliche Frömmigkeit und ihre Praxis im Wandel, Theologisches Gespräch 42,3 (2018), 141-151, hier 141.

19 Maddox, Goofy (s. Anm. 17), 149, spricht von „‚seeker-sensitive‘-service“.

20 Vgl. Pringle, Phil, Keys to Financial Excellence, Kensington, PA 2005, 64.

21 Vgl. https://www.c3europeconference.com/; der C3-Europaleiter und Pastor der Amsterdamer C3-Gemeinde praktiziert das Zungengebet: https://youtu.be/amGOUfVzxvA?t=3783; Phil Pringle über das Zungengebet: https://youtu.be/Hg95H-bCg4Q?t=3710.

22 „Tithing, in the truest sense, is not actually giving. The tithe belongs to God, not to us.“ (Pringle, Faith [s. Anm. 5], 164). „The report detailed how Christian sermons and massive conferences dedicate sections of their service to urging congregations to donate 10 per cent of their income as well as large donations on top.“ (https://www.news.com.au/lifestyle/real-life/multimilliondollar-aussie-church-denies-putting-non-stop-financial-pressure-on-followers/news-story/4677aa1ab687faf3d7c9f4fe7cf6a7c3) Vgl. auch Watts, Religion [s. Anm. 7], 219.

23 Vgl. Schwarzkopf, Gemeindehandbuch [s. Anm. 6], 27; Pringle, Leader [s. Anm. 6], 42ff und 123f, und Watts, Religion [s. Anm. 7], 199.

24 Vgl. C3 Frankfurt am Main, die schreibt: „We believe in the pricelessness and dignity of every human being, no matter their race, gender, abilities, disabilities, religion, sexuality or background. … We believe in the autonomy of every human being to choose for themselves the life they wish to lead. … We believe in an inclusive church and the celebration of every individual …“ (https://www.c3frankfurt.church/our-beliefs [Abruf 19.7.2021].) Dies gilt aber nicht für das reale Gemeindeleben. Das mussten auch Menschen erfahren, die zeitweise die C3-Gemeinde in Toronto besuchten, vgl. Garrison, Alyssa (2019, 10. December), I Fell For a „Progressive“ Church, and It Was a Mistake. Months later, I quit, https://www.flare.com/identity/c3-church-anti-gay/.

25 Für C3 Hanau vgl. Schwarzkopf, Gemeindehandbuch [s. Anm. 6], 11, 29, 33.

26 Vgl. Shanahan, Mairead, „An Unstoppable Force for Good“? How Neoliberal Governance Facilitated the Growth of Australian Suburban-Based Pentecostal Megachurches, Religions 2019, 10(11), 608, doi:10.3390/rel10110608, 9-11.

27 Z.B. während der australischen Buschbrände 2019/20 engagierten sich C3-Angehörige punktuell, vgl. https://c3churchglobal.com/category/news/.

28 Vgl. Watts, Religion [s. Anm. 7], 206.

29 Laut Ehefrau Christine Pringle stammt Philip Pringle aus wohlhabender Familie: „Phil was like the uptown boy — the Pringle family was in real estate, his father raised racehorses and they lived in a big house with a big sweeping drive.“ (Shin, Interview [s. Anm. 2].) Interessanterweise wird von Phil(ip) Pringle auch kolportiert, er habe in Studentenzeiten als „garbage-collector on the truck“ gearbeitet; so heißt es im Buch „Arise! The Story Of Christian City Church“ von John Barclay, zit. auf https://www.9news.com.au/national/a-current-affair-c3-church-prosperity-preaching-phil-pringle/4833bfb6-970a-47b7-8d20-a1a205758533 (einer Seite von C3-Kritikern; allerdings ist Barclay selbst ein C3-Anhänger und Pringle hat ein Vorwort zu diesem Buch geschrieben).

30 Z.B. https://c3churchwatch.com/ und https://churchwatchcentral.com/2020/04/06/has-god-given-c3-church-global-senior-leaders-over-to-a-strong-delusion/. Vgl. auch https://en.wikipedia.org/wiki/C3_Church_Global und https://9now.nine.com.au/a-current-affair/c3-church-scott-morrison-link-to-scandal-former-pastor/6579a36b-5a9e-462d-bcd4-ccae869081d1 sowie Watts, C3 Church (s. Anm.1).

31 Vgl. die Bücher des C3-Gründers: Pringle, Phil, Keys to Financial Excellence, Kensington, PA 2005, und Pringle, Faith (s. Anm. 5), 166. – Der Pastor der damaligen C3 San Diego, Jurgen Matthesius, unterstützte Anfang 2016 öffentlich einen Auftritt des u.a. wegen des Wohlstandsevangeliums umstrittenen texanischen Megakirchen-Leiters Joel Osteen. Zum Thema allgemein: Bowler, Kate, Blessed: A History of the American Prosperity Gospel, New York, NY 2013.

32 Vgl. Pringle, Keys (s. Anm. 31), 26, 58ff, 73f und 84ff. Vgl. zur Weiterentwicklung in C3 in Bezug auf das Wohlstandsevangelium Maddox, Goofy (s. Anm. 17), 150: „The study found historical accounts to be the sparsest dimension in growth church practice. Given growth churches’ forward-looking vision, the past is only to be left behind.“ Entsprechendes gilt allerdings für zahlreiche Kirchen mit ausgeprägter Naherwartung auch außerhalb der Pfingstbewegung, galt z.B. lange Zeit auch für die Neuapostolische Kirche. Maddox nennt ebd. auch ein Beispiel: „… a damaging leadership conflict in Willow Creek’s early years was written out of the congregation’s shared memory“ und fährt fort: „Membership turnover tends to be rapid: even long-established congregations maintain a demographic of predominantly teenagers and young adults … Growth churches’ emphasis on increase and on eager anticipation leaves the church’s own growth narrative as almost the only historical reference.“

33 Vgl. Halvorsen, Lars, Growth by Discipleship, https://c3churchglobal.com/growth-by-discipleship/; https://c3yrks.church/discipleship-cloud/; https://www.disciplemakers.nz/; https://www.c3leipzig.college/kurse/discipleship; Gesprächsrunde auf der C3 Europe Conference 2021 zum Thema „Discipleship“ bzw. „Jüngerschaft“: https://youtu.be/amGOUfVzxvA?t=3783.

34 „Wir sind Silas und Asanja Wallmeroth und unser Traum und unsere Vision ist es, Kirche zu bauen. 2017 kamen wir nach 4 lebensverändernden Jahren in Sydney zurück nach Deutschland, um das Kreativ und Leadership College @momentumcollege zu gründen. Nachdem unsere Leidenschaft für Kirchengründung in den letzten 10 Jahren immer stärker geworden ist, wird dieser Traum jetzt mit der Gründung von @c3nyc.berlin in 2021 Realität.“ (https://www.c3nyc.berlin/)

35 „Nach dem Jahr bekommt man Creditpoints auf dem Theologischen Seminar Erzhausen angerechnet oder beim IGW und kann direkt auf einen Bachelor weiterstudieren“ (https://momentumcollege.de/stream/theologie).

36 Vgl. https://momentumcollege.de/ueber-uns, dort „Unsere Partner“.

 

 

Über die Autorin / den Autor:

Gero Menzel B.A., Jahrgang 1992, Student der Soziologie, ­Religionswissenschaft und Kath. Theologie an der Universität Frankfurt/M.

 

Pfarrer Dr. phil. Lothar Triebel, Jahrgang 1965, Pfarrer der EKHN, Referent für Freikirchen im Konfessionskundlichen ­Institut des Evang. Bundes, Bensheim (Arbeitswerk der EKD), Lehrbeauftragter im Fach Praktische Theologie am Fachbereich Evang. Theologie der Universität Frankfurt/M.

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft 4/2022

1 Kommentar zu diesem Artikel
24.04.2022 Ein Kommentar von Pfarrer Alex Ich denke, es ist an der Zeit, voneinander zu lernen und aufeinander zuzugehen, um die Lebendigkeit von Pfingsten in alle Bereiche von Kirche einziehen zu lassen. Mehr dazu unter Krise-zum-Glück.de
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