Weil nicht sein kann, was nicht sein darf“, zweifeln viele Katholikinnen ihre Berufung zur Diakonin oder Priesterin an, manche jahre- und jahrzehntelang. Als Philippa Rath (OSB) vor einem Jahr zwölf Frauen um ihr Lebens- und Berufungszeugnis bat, brach ein Damm: In nur fünf Wochen sammelte sie 150 Berichte! Sie erschienen im Februar unter dem Titel „Weil Gott es so will“ im Herder-Verlag.

 

Schmerz, tiefe Enttäuschung und Bitterkeit gepaart mit Resignation durchziehen das Buch „Weil Gott es so will“ von Philippa Rath (OSB). Die Lektüre erfordert starke Nerven, sie schmerzte mich auch körperlich! Viele Frauen fühlen sich berufen, hatten aber oft keine Worte dafür. Wenn sie sich doch dem Priester anvertrauten, schickte er sie fort: „Du bist doch ein Mädchen!“ Deshalb durften viele bis in die 1970er Jahre nach der Erstkommunion nicht ministrieren.

Die Autorinnen, Jahrgang 1926 bis 2000 und Angehörige mehrerer Frauengenerationen, wurden vom diakonischen oder priesterlichen Dienst ausgeschlossen. Sie wurden abgewertet, ihre geistlich-spirituelle Kompetenz negiert und ihnen zugleich Machtinteressen unterstellt. Als und solange es möglich war, wurden viele Pastoralreferentin, heirateten, bekamen Kinder – andere gingen ins Kloster. Manche studierten zusammen mit Priesteramtskandidaten, manchmal erkannte sogar ein Regens ihre Berufung, leben dürfen sie diese aber nicht. Das jährliche Gebet um geistlichen Nachwuchs ist für viele sehr schmerzlich: Sie sind berufen, aber die Kirche sieht es nicht und überhört Gottes Geist.

Die Frauen müssen in der Gemeinde sitzen bleiben, statt am Altar zu stehen. Wenn sie predigen dürfen, dann nur vor der Evangeliumslesung, die einem Mann vorbehalten ist. Viele Gemeinden, Exerzitien- und Tagungsteilnehmer*innen spüren jedoch die Berufung der Frauen. Sie wollen bei ihnen beichten oder die Krankensalbung empfangen. Wenn sie dann an einen (fremden) Priester verwiesen werden, verzichten viele auf das Sakrament.

Trotzdem bleiben die meisten Berufenen ihrer Kirche treu; nur wenige wechseln die Konfession wie Irene Löffler oder gehen ihren eigenen Weg wie Ida Raming. Im „Synodalen Weg“ machen Frauen jetzt mit der Bewegung „Maria 2.0“ mobil. Sie wollen nicht länger auf überfällige Kirchenreformen warten und den Rückschritt seit Papst Johannes Paul II. (1978-2005) nicht länger hinnehmen, sondern an den Aufbruch des II. Vaticanums (1962-65) anknüpfen. „Theologisch ist zur Berufung von Frauen zu Diakonat und Priesterdienst schon alles gesagt“, schreibt eine, „meine Chancenlosigkeit ist Machtmissbrauch“, eine andere, „Kirchenherren könnten sich schuldig machen, wenn alles so bleibt“, die nächste.

Seit Januar werden in der „Herder-Korrespondenz“ noch einmal die wichtigsten Argumente ausgetauscht. Zuletzt konstatierte der mit Joseph Ratzinger ­befreundete Systematiker Wolfgang Beinert (*1933): „Für ­Sakramentenspendung ist das Geschlecht belanglos“.

 

Sabine Ost

 

Philippa Rath: „Weil Gott es so will“. Frauen erzählen von ihrer Berufung zur Diakonin oder Priesterin, Herder 2021 (ISBN 978-3-451-39153-8), 304 S., 25,– € (auch als eBook erhältlich)

 

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft 1/2022

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