Durch die sog. 2G-Regel sollen möglichst große Freiheiten für Geimpfte und möglichst große Sicherheit für alle miteinander vereint werden. Der Preis dafür ist, dass Menschen, die weder geimpft noch genesen sind, von eigentlich selbstverständlichen Dingen ausgeschlossen werden. Ist das theologisch-ethisch zu rechtfertigen? Nein, sagt Stephan Birkholz-Hölter, und versucht auf rationale Weise zu zeigen, dass eine allgemeine Testpflicht der 2G-Regel vorzuziehen wäre.*

 

Nach Artikel 3 der Barmer Theologischen Erklärung hat die Kirche mit all ihrem Tun und auch ihren inneren Ordnungen die Liebe Gottes in der Welt zu bezeugen. Und die setzt zunächst beim bedingungslosen Annehmen des Nächsten an, nicht bei seinem Ausschluss (vgl. die Jahreslosung 2022 [Joh. 6,37]).

 

1. Die Frage nach der Begründungs- und Beweispflicht

Der Normalzustand in einer Gesellschaft, die die Menschenrechte grundsätzlich achtet, ist der der Gleichberechtigung aller. Jede Abweichung davon bedarf einer Begründung. Zwar gehört zur Gleichberechtigung nicht nur, dass Gleiches gleich, sondern auch Ungleiches ungleich behandelt wird, dies jedoch ebenfalls zum Wohle aller, also auch und zumeist gerade der ungleich Behandelten. Darüber hinaus kann Ungleichbehandlung auch dann gerechtfertigt sein, wenn sie tatsächlich eine Gruppe von Menschen faktisch benachteiligt. Dafür muss jedoch der der Nutzen unzweifelhaft höher sein als der Schaden.

D.h. die Begründungspflicht für Einschränkungen und Ungleichbehandlungen liegt grundsätzlich bei der Seite, die diese Maßnahmen befürwortet. Speziell für die 2G-Regel bedeutet das: Ungeimpfte und Ungenesene müssen nicht begründen, warum sie an denselben Teilen des öffentlichen Lebens teilhaben wollen wie Geimpfte und Genesene, sondern ihnen muss nachhaltig begründet werden, warum ihnen dies verwehrt wird. Die Einzelheiten der Begründung müssen nachvollziehbar und darin enthaltene Behauptungen überprüfbar sein. Hinzu kommt das Gebot der Verhältnismäßigkeit der daraus abgeleiteten Konsequenzen. Dieses kann aus der Sicht christlicher Ethik beispielswiese an Hand von Mt. 7,2 überprüft werden: Mit welchem Maß jemand misst, mit dem muss er/sie auch bereit sein, sich selbst messen zu lassen.

Zu unterscheiden ist im Folgenden die Begründung für die Einführung der 2G-Regel von der für ihre Anwendung. Denn insbesondere die Frage, wer begründen muss, ist jeweils unterschiedlich zu beantworten.

 

2. Argumentationslinien für die Einführung der 2G-Regel

Für die Einführung der 2G-Regel ist ausschließlich der Staat verantwortlich. Allein er ist daher auch in der Begründungspflicht. Aus theologischer Sicht ist es seine Aufgabe, Recht und Ordnung, Sicherheit und inneren Frieden zu gewährleisten. Über diese Funktion hinaus steht es ihm nicht zu, selbst zur einzig-bestimmenden Macht und Ordnung des menschlichen Lebens zu werden (Barmer Theol. Erklärung, Art. 5). Eine Begründung müsste also auch zu diesen Funktionen des Staates ­passen.

Im Zuge der Einführung gab es von Seiten der 2G-Befürworter zwei Argumentationslinien, die beide daraufhin zu hinterfragen sind, ob sie die notwendige Begründung für die faktische Ungleichbehandlung liefern.

2.1. Privilegien

Die erste Argumentationslinie will denjenigen, die bereit waren, sich zum Wohle aller impfen zu lassen, gewisse Privilegien zugestehen. Dabei ist zu fragen, inwieweit die Impfung dem Wohle aller dient, sowie ob und welche Privilegien dafür gerechtfertigt sind.

Grundsätzlich sieht christliche Ethik eine Privilegierung auf Grund von guten Werken nicht vor. Im Gegenteil: Gutes nur um einer Belohnung willen zu tun ist ­wenig besser als Böses nur aus Angst vor Strafe zu ­meiden. Wirklich gut ist eine Tat erst dann, wenn sie selbstlos erfolgt (Röm. 12,8 u.a.). Das Gefühl, durch die Impfung besser geschützt zu sein als ohne sie, sollte jedem, der sich aus Überzeugung in der Sache impfen lässt, eigentlich als Privileg reichen.

Aber dient die Impfung überhaupt dem Allgemeinwohl und wenn ja, wie weit? Grundsätzlich sind Impfungen ja erst sekundär zum Schutz der Allgemeinheit da, primär hingegen zum Schutz des Einzelnen. Trotz dieser Einschränkung kann zwar gesagt werden, dass die Impfung vermutlich folgende Nutzen für die Allgemeinheit hat: 1. Geimpfte infizieren sich insgesamt seltener und können daher auch seltener andere anstecken. 2. Geimpfte infizieren sich seltener schwer und belasten daher weniger das Gesundheitssystem. Beides gilt aber wiederum gerade bei diesen Impfstoffen und dieser Krankheit im Vergleich mit anderen offensichtlich auch nur eingeschränkt.

Letztlich führt sich aber die gesamte erste Argumentationslinie dadurch selbst ad absurdum, dass sie die Rückgabe von Grundrechten als Privilegien bezeichnet. Hier geschieht genau die unzulässige Umkehrung der in Abschnitt 1 beschriebenen Begründungspflicht. Grundrechte heißen Grundrechte, weil es Rechte sind, die einem Menschen grundsätzlich und bedingungslos zustehen (Art. 1 (2) GG). Die Erfüllung von Bedingungen zu fordern (in diesem Falle die Impfung), bevor Grundrechte gewährt werden, widerspricht dem Prinzip der Rechtsstaatlichkeit; sowohl im Sinne christlicher Ethik (die Menschenwürde wurzelt in der Gottebenbildlichkeit nach Gen. 1,27) als auch des Grundgesetzes (Art. 1 (3)) oder der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen (Art. 1).

2.2. Grundrechte

In der zweiten Argumentationslinie geht es um die Rückgabe von Grundrechten, weil es für deren Beschränkung gegenüber Personen, von denen keine (oder kaum eine) Gefährdung ausgeht, keine ausreichende Begründung mehr gibt. Dazu wäre dann allerdings zu fragen, ob a) von Geimpften wirklich eine deutlich geringere Gefährdung ausgeht als von Ungeimpften, und wenn ja, ob dies b) auch dann gilt, wenn die Ungeimpften getestet werden.

a) Vergleich des Gefahrenpotenzials durch Geimpfte und Ungeimpfte

Es ist grundsätzlich davon auszugehen, dass die Impfung einen gewissen Nutzen hat. Das haben Untersuchungen schon vor der Zulassung der Impfstoffe bestätigt. Und ohne dies hätte es keine Zulassung gegeben, auch keine bedingte. Je nach Impfstoff und je nach Informationsquelle wird die Wirksamkeit mit einer Zahl zwischen 60% und 90% angegeben.

Wichtig zu wissen ist im Folgenden, was diese Zahl bedeutet: In den Testphasen vor der Zulassung gab es jeweils zwei Gruppen von Probanden, von denen die eine das Vakzin, die andere ein Placebo bekam. Dann wurde abgewartet, wie viele Probanden sich zufällig infizieren. Fanden sich 60% davon in der Placebo-Gruppe, so wurde dem Vakzin eine Wirksamkeit von 60% attestiert; fanden sich 90% der Infizierten in der Placebo-Gruppe, wurden 90% Wirksamkeit ausgewiesen usw. Eine Wirksamkeit von 90%, wie sie insbesondere dem Impfstoff von Biontech häufig attestiert wird, wäre erfreulich hoch, würde aber immer noch bedeuten, dass sich 10% der Infizierten unter den Geimpften fanden, und dies nach relativ kurzer Zeit, weil die Testphasen ja nicht lange dauerten. Je länger der Impfstoff nun schon im Einsatz ist, desto mehr scheint sich das Verhältnis aber zu Ungunsten der Vakzin-Wirksamkeit zu verschieben. Sie müsste nach unten korrigiert werden.

Auch Geimpfte können also erkranken, das Gesundheitssystem belasten und zur Verbreitung des Virus beitragen, und zwar in größerem Maße als anfangs angenommen. Für die Begründung einer Impfpflicht reicht dies angesichts der zugleich auch noch vergleichsweise unbekannten Risiken der Impfung nicht. Deshalb ist es richtig, wenn dieser Weg nicht gegangen wird und die Impfung freiwillig bleibt.

Nichtsdestotrotz ist aber immer noch eine Wirksamkeit vorhanden, weshalb auch festzuhalten ist: Von Geimpften geht zunächst eine signifikant geringere Ansteckungsgefahr aus als von Ungeimpften. Die zweite Frage ist jedoch, ob dies auch dann noch gilt, wenn die Ungeimpften getestet sind. Anders ausgedrückt: Was ist sicherer: Impfung oder Test?

b) Vergleich des Gefahrenpotenzials durch Geimpfte und Getestete

Dies lässt sich am besten anhand eines konkreten Beispiels überprüfen: Gehen wir von einem Inzidenzwert von 100 aus. Er bedeutet, dass sich 100 von 100.000 Personen in einer Woche infiziert haben. Nehmen wir den Schnelltest von Clungene, der eine Sensitivität von 91,4% hat1, was bedeutet, dass so viele infizierte Personen auch tatsächlich in Form eines positiven Testergebnisses gefunden werden. Und nehmen wir als Impfstoff z.B. den von Biontech und gehen von einer Wirksamkeit von 90% aus, was (wie oben gezeigt) eher zu hoch als zu niedrig angesetzt ist.

Wenn nun von den 100.000 Personen alle getestet würden, würde der Test 91 der 100 Infizierten erkennen und nur 9 würden mit einem falsch-negativen Ergebnis weiterhin unerkannt infiziert herumlaufen und andere gefährden. Ist hingegen die Hälfte der Personen geimpft, so finden sich 10 der 100 Infizierten unter den Geimpften. Wenn diese alle nicht mehr getestet werden, steigt allein dadurch die Anzahl der unerkannten Infizierten von 9 auf 10. Hinzu kommen die, die als Ungeimpfte weiter getestet werden, aber ein falsch-negatives Ergebnis haben. Das wären nochmals 8, macht zusammen 18 und damit fast doppelt so viele wie bei einer Testung aller.

Fazit: Schon allein dadurch, dass Geimpfte nicht mehr getestet werden, steigt die Gefährdung insgesamt auf das Doppelte. Sperrt man durch eine 2G-Regel die Ungeimpften aus, so ist selbst in der 2G-Zone die Gefahr noch leicht erhöht gegenüber einer Zone mit allgemeiner Testpflicht für alle. D.h. die Testung bietet definitiv mehr Sicherheit als die Impfung2. Von getesteten Ungeimpften geht eine geringere Gefahr aus als von Ungetesteten insgesamt, egal ob geimpft oder nicht. Damit fällt die o.g. Begründung für die Einführung der 2G-Regel weg.

 

3. Einzelargumente für die Anwendung von 2G

Für die Anwendung der 2G-Regel sind, solange es sich um eine Möglichkeit handelt, die Betreiber der Bereiche und Veranstaltungen verantwortlich, in denen diese Regel gilt. Daher liegt die Begründungspflicht hierfür bei ihnen3. Auch die Argumente der Anwender der 2G-Regel sollen daher auf den Prüfstand kommen, wobei allerdings die Annahme, sie sei grundsätzlich sicherer als etwa die 3G-Regel nun bereits als entkräftet betrachtet werden kann.

3.1. Das Argument der Verlaufsschwere

Der Feststellung, dass von Getesteten kein größeres Ansteckungsrisiko ausgeht als von Geimpften, sondern umgekehrt, könnte nun noch mit dem Hinweis widersprochen werden, dass Geimpfte im Falle einer Infektion statistisch nachweislich ein deutlich geringeres Risiko für einen schweren Verlauf haben als Ungeimpfte. Und daran ändert in der Tat auch der Test nichts.

Hierbei wird jedoch vergessen, dass es bei der 2G-Regel nicht um das Ausmaß der Krankheit geht, sondern um die Ansteckungsgefahr für andere. Für seinen Selbstschutz gegen schwere Verläufe ist jeder selbst verantwortlich. Gesetzgeber, Veranstalter oder andere Dritte sind bestenfalls dazu berufen, ihn zu ermöglichen, aber nicht zu erzwingen (Barmen V, s.o.). Bei Maßnahmen, die eine Ungleichbehandlung implizieren, muss es um den Fremdschutz gehen.

Und die Belegung der Intensivstationen durch Ungeimpfte, die dort anderen die Betten wegnehmen? Wollte man damit eine Ungleichbehandlung begründen, müsste sie auch für jeden anderen Menschen gelten, der ein erhöhtes Lebensrisiko in irgendeinem Lebensbereich für sich in Kauf nimmt.

3.2. Das Argument der Freiheit

Gerne wird darauf verwiesen, dass die 2G-Regel selbst gewisse Freiheiten wie Wegfall der Maskenpflicht u.ä. ermöglicht. Das wirkt sich so attraktiv aus, dass viele nicht trotz, sondern wegen dieser Regel entsprechende Orte aufsuchen. Aber es ist ein Zirkelschluss: Man stellt Bedingungen dafür auf, dass bestimmte Einschränkungen wegfallen können, und nimmt dann den Wegfall dieser Einschränkungen als Begründung für die Bedingungen.

Ein nochmal etwas anderer Ansatz liegt in der Behauptung, Menschen, die sich nicht gegen Sars-Cov-2 impfen lassen, würden sich ihrerseits auf einen einseitigen und egoistischen Freiheitsbegriff berufen. Aber jemandem, der etwas Freiwilliges nicht macht, einen falschen Freiheitsbegriff vorwerfen und das als Begründung nehmen, um ihm dann Freiheiten vorzuenthalten, ist zynisch.

3.3. Das Argument der eigenen Entscheidung

Immer wieder wird auch das Argument bemüht, Ungeimpfte hätten es ja schließlich selbst in der Hand. Nicht die Anwender der 2G-Regel schlössen Ungeimpfte aus, sondern diese sich selbst. Nach diesem Muster hat die DDR-Führung Menschen benachteiligt, die nicht in die Partei eintreten wollten. Hier wird wieder einmal übersehen, bei wem nach rechtsstaatlichen Prinzipien die Begründungs- und Beweispflicht liegt.

3.4. Das Argument der Wirtschaftlichkeit

Durch den wirtschaftlichen Druck, der auf manchen „freiwilligen“ Anwendern der 2G-Regel lastet, kommt noch einmal eine neue Dimension ins Spiel. Unternehmer, die in Folge zweier Lockdowns und anderer Maßnahmen dringend darauf angewiesen sind, verloren gegangene Umsätze wieder hereinzuholen, müssen danach entscheiden, unter welchen Bedingungen dies am besten möglich ist. Es muss also in diesem Falle unterschieden werden zwischen der Richtigkeit der Anwendung der 2G-Regel und der Schuld des Anwenders.

Für den Staat als Urheber der 2G-Regel kommt hier noch eine zusätzliche Verantwortung ins Spiel: Er wird sich möglicherwiese darauf berufen, dass die Anwendung der 2G-Regel ja ihrerseits freiwillig ist. Jedoch ist die Freiwilligkeit durch den wirtschaftlichen Druck zunichte gemacht. Durch ihn wird die Möglichkeit zur Notwendigkeit. D.h. der Staat nötigt im Endeffekt Unternehmer zur Anwendung einer in sich unbegründeten Regelung. Die Behauptung von Freiwilligkeit wird zum Verstoß gegen das 8. Gebot, da sie wider besseres Wissen geschieht.

3.5 Das Argument der Solidarität

Nach diesem Argument werden aus Solidarität mit Menschen, die sich nicht gegen Covid impfen lassen können oder dürfen, diejenigen ausgesperrt, die es nicht wollen. Und in der Tat sieht die Anwendung ja Ausnahmen für diejenigen vor, die sich nicht impfen lassen können oder dürfen. Nach den Gründen der anderen wird allerdings nicht gefragt. Würde man dasselbe Argument aber bei einem weniger angstbeladenen Thema anwenden, würde jedem auffallen, dass es ein Widerspruch in sich ist, eine Regel, mit der Menschen von etwas ausgeschlossen werden, ausgerechnet unter Berufung auf „Solidarität“ begründen zu wollen. Aber davon abgesehen ist die Begründung auch sachlich falsch, denn es nützt den Personen, die sich nicht impfen lassen können oder dürfen, ja nichts, wenn sie sich in eine Zone begeben, in der sich außer ihresgleichen nur Ungetestete bewegen, von denen sogar eine größere Ansteckungsgefahr ausgeht als von Getesteten.

 

4. Fazit

Die 2G-Regel stellt einen tiefen Eingriff in die Grundrechte der freien Persönlichkeitsentfaltung (Art. 2 GG), der Gewissensfreiheit (Art. 4 GG), der Versammlungsfreiheit (Art. 8 GG), der freien Berufsausübung (Art. 12 GG) und den Gleichbehandlungsgrundsatz (Art. 3 GG) dar. Sie schließt Menschen von eigentlich selbstverständlichen Dingen aus, spaltet Gruppen, verkompliziert den Alltag und hat das Potenzial, zu gesellschaftlichem Unfrieden zu führen. Menschen erleiden durch sie soziale, finanzielle, psychische und berufliche Nachteile.

Diesen Schäden steht keinerlei Nutzen gegenüber. Eine ausreichende Begründung für diese Abweichung von der Norm ist daher nicht möglich. Ohne sie aber ist der durch die 2G-Regel erfolgte Ausschluss von Personen willkürlich und damit eine Verletzung der Würde der Betroffenen. Hier hat der Staat nicht nur versäumt, diese Würde zu schützen, was seine Pflicht wäre (Art. 1 (1) GG), sondern sogar selbst die Grundlage für ihre Verletzung geschaffen.

 

5. Konsequenzen für kirchliches Handeln

Kirchliches Reden und Handeln geschieht auf der Grundlage des Auftrags der Kirche, das Evangelium von der Liebe Gottes zu bezeugen, und vor dem Hintergrund des christlichen Menschenbildes. Dazu gehört, dass sich die Botschaft an alle Menschen richtet (Mt. 28,18-20) und das sie vor Gott auch alle gleich sind (Gal. 3,26ff).

Wie im weltlichen Bereich, ist auch hier eine Ungleichbehandlung durch diesen Grundsatz nicht ausgeschlossen, bedarf aber ebenso einer sehr guten Begründung. Für den Fall, dass Ungeimpfte sich testen lassen, fällt diese Begründung weg. D.h. die 2G-Regel darf im kirchlichen Raum nicht zum Einsatz kommen. Wo dies doch geschieht, verletzt sich der Leib Christi selbst, denn „wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit“ (1. Kor. 12,26). Und es kann auch kein Glied einfach zum anderen sagen: Ich brauche dich nicht (1. Kor. 12,21) – kann also kein anderes ausschließen.

Genau wie für Gastronomen u.a. ergibt sich allerdings auch für einige kirchliche Einrichtungen ein wirtschaftlicher Druck (vgl. Abschnitt 3.4.). Hier wäre dann echte Solidarität gefragt, indem andere für diese Einrichtung mit einspringen, mit geradestehen und alles in ihrer Macht Stehende tun, um es dieser kirchlichen Einrichtung zu ermöglichen, auch ohne 2G wirtschaftlich über die Runden zu kommen. Auch hier müssten alle Glieder mitleiden, wenn eines leidet. Helfen könnten die Umschichtung von Geldern oder gesonderte Sammlungen.

Eine Anwendung der 2G-Regel im kirchlichen Bereich muss vermieden werden, wo es nur geht. Für Verkündigung und Seelsorge im engeren Bereich ist dies zum Glück auch weitgehend unstrittig und wird von den Kirchenleitungen m.W. nachdrücklich empfohlen. Aber es muss auch für andere kirchliche Veranstaltungen und Einrichtungen gelten, denn Kirche steht in ihrer Gesamtheit für das Zeugnis von der Liebe Gottes. Man kann nicht predigen „Klopfet an, so wird euch aufgetan“ (Lk. 11,9) und dann Menschen die Tür vor der Nase zuschlagen. Auch wird man unsereins nicht als Jünger Jesu erkennen, wenn wir einander grundlos die Liebe verweigern (Joh. 13,35).

Darüber hinaus ist Kirche aber auch Teil der Gesellschaft und an sie gewiesen. Als solche kann sie im Falle von Unrecht nicht einfach wegsehen und tut es in anderen Bereichen ja auch nicht. Schon aus der Goldenen Regel (Mt. 7,12) folgt, dass bei offenbarem Unrecht einzuschreiten ist, denn jeder, der selbst Unrecht leidet, würde ja auch wollen, dass seine Mitchristen dies für ihn tun. Konkret müsste das so aussehen, dass Kirche zunächst zur Aufklärung beiträgt. Es ist davon auszugehen, dass viele Menschen die 2G-Regel befürworten, weil sie sie für sicherer halten als die 3G-Regel. Dass dies nicht der Fall ist, muss erst einmal bekannt werden. Sodann sind die Befürworter von 2G auf ihr falsches Verständnis von Freiheit und Solidarität hinzuweisen. Aufklärung gehört auch zur Beachtung des 8. Gebots, weil das Kursieren von Lügen und Irrtümern falsches Zeugnis ist, dem es entgegenzuwirken gilt.

Schließlich und endlich aber gilt es auch, denen, die unter der 2G-Regel leiden und die durch sie benachteiligt werden, beizustehen und von staatlichen Organen aktiv die Abschaffung dieses Unrechts zu fordern. Das ist Teil des Gebots der Nächstenliebe, das zusammen mit der Liebe zu Gott das höchste Gebot überhaupt ist (Mt. 22,37-40).

 

Stephan Birkholz-Hölter

 

Anmerkungen

* Die gesetzlichen Rahmenbedingungen im Blick auf Hygieneverordnungen zur Corona-Pandemie ändern sich permanent. Der vorliegende Artikel wurde in der ersten Dezemberhälfte formuliert und trägt vor allem den zu dieser Zeit geltenden Bestimmungen Rechnung.

1 Der Packungsbeilage sind mehrere Sensitivitäts-Werte zu entnehmen. Sie schwanken mit dem CT-Wert. Zu Ungunsten des Tests wurde für diesen Vergleich der niedrigste angegebene Sensitivitäts-Wert angenommen.

2 An diesem Gesamtergebnis ändert sich (trotz anderer Zahlen im Einzelnen) auch nichts, wenn man die Parameter (Impfstoffwirksamkeit, Test-Sensitivität, Inzidenzwert, Impfquote) verändert. Ich habe es überprüft.

3 Wo die Anwendung der 2G-Regel durch staatliche Verordnung zur Pflicht wird, geht die Begründungspflicht natürlich zurück an den Staat.

 

Über die Autorin / den Autor:

Pastor Stephan Birkholz-Hölter, Altenheimseelsorger und Springerpastor im Evang.-luth. Kirchenkreis Harlingerland.

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft 1/2022

17 Kommentare zu diesem Artikel
18.01.2022 Ein Kommentar von Martin R. Petersen Sehr geehrter Herr Pastor Birkholz-Hölter, herzlichen Dank für Ihren Artikel, der meine Herzschmerzen bzgl. der EKD-Politiken und Äusserungen von EKD-Managern etwas gelindert haben. Freundlichen Gruss PS1 Die offiziellen Positionen und offiziösen Handlungen durch und in der EKD haben mich 2016 zum Austritt veranlasst. PS2 Ich hoffe, dass Sie jetzt nicht wg. "Kontaktschuld" entlassen werden.
20.01.2022 Ein Kommentar von Saskia Schultheis Vielen herzlichen Dank für diesen sachlich-ruhigen Artikel, der ausspricht, was m.E. ohne Einschränkung zutreffend ist!!!
20.01.2022 Ein Kommentar von Michael Klingler Vielen Dank, lieber Kollege! Es ist erfrischend wohltuend Ihren Argumenten zu folgen.
26.01.2022 Ein Kommentar von Frau E. B. Sehr geehrter Herr Kemper, leider haben Sie offensichtlich nicht wirklich verstanden, was Pastor Stephan Birkholz-Helter für Fakten anspricht in seinem Beitrag. Die wahren Christen verstehen seine Botschaft sehr wohl. Die guten theologischen Traditionen, sind sehr wohl Grundsatz allen gelebten Christentums. Das Sie dieser sehr sachliche, medizinisch wie rechnerisch korrekte und vorallem mit Auszügen aus dem Grundgesetz, die auch Sie nicht leugnen können, kritisch gegenüber stehen, dass ist sehr befremdend. Wenn Ihr Kommentar den Bericht von Pastor Stephan Birkholz-Helter sachlich faktisch widerlegen würde, dann würde sicher der eine oder andere Leser innehalten und sich noch intensiver mit dem Thema befassen. Ihre Bemühungen, diesen fundierten Beitrag als "Schande" und unsachlich abzustempeln, ist Ihnen nicht gelungen. Sie stellen nicht den Pastor sondern sich selbst ins Abseits und da gehört Ihr Kommentar auch hin,schade eigentlich.
23.01.2022 Ein Kommentar von Gunter Odrich Vielen Dank auch von mir, lieber Kollege, für diese sorgfältigen Überlegungen. Das Gesagte sollten alle, besonders kirchenleitende Personen bedenken, bevor sie sich zu einer politisch zunehmend geforderten Impfpflicht äußern. Auch der Bezug auf die Barmer Theologische Erklärung kam in der bisherigen Diskussion zur Übernahme staatlicher Maßnahmen in den kirchlichen Bereich m.E. zu kurz. Beeindruckende Rechnung unter 2.2.b!
23.01.2022 Ein Kommentar von Dr. Michael Fiedler Danke!!!
24.01.2022 Ein Kommentar von Jürgen Kemper Mit Verwunderung, ja, mit Befremden, habe ich diesen Artikel gelesen. Es ist aus meiner Sicht völlig außerhalb der theologischen Diskussion, wie hier Versatzstücke aus guten theologischen Traditionen mit dem Kontext einer allgemeinen Impfgegnerschaft gebracht und damit faktisch in den Dienst dieser gefährlichen gesellschaftlichen Richtung gestellt werden. Schon der Rekurs auf Barmen 3 in der Einleitung des Artikels ist eine allzu dreiste Indienstnahme der Theologie der Bekennenden Kirche in die egoistischen Interessen von Impfgegnern. Im Weiteren (Absatz 2.1.) spricht der Verfasser im Zusammenhang mit den Vorteilen der Impfung von einer "Privilegierung aufgrund von guten Werken" - auch hier wird ein geradezu absurder Zusammenhang mit einem wichtigen Bekenntnisinhalt hergestellt. Hier hätte eine UNterscheidung im Sinne der lutherischen Lehre von den zwei Regimenten gut getan. Dass es bei der Frage der Impfung vor allem um die Verantwortung des /der Einzelnen für das ganze der Gesellschaft geht, wird vom Verfasser in dem gesamten Artikel überhaupt nicht in Betracht gezogen. Und dass er schließlich auch die paulinische Ekklesiologie geradezu auf den Kopf gestellt wird und die Unge-impften als "leidende Glieder am Leib Christi" (Absatz 5) dargestellt werden, setzt dem ganzen die Spitze auf. Was soll aus der Theologie werden, wenn sie so beliebig benutzt wird ?
29.01.2022 Ein Kommentar von Dr. Werner Hagenah Stellungnahme zum Artikel von Herrn Birkholz-Hölter Die Ausführungen von Herrn Birkholz-Hölter kann ich nicht unkommentiert stehen lassen. Es steht jedem frei, Impfgegner zu sein. Das rechtfertigt aber nicht, wie Herr Birkholz-Hölter in seinem Artikel behauptet, die wissenschaftlich begründeten Aussagen zur deutlichen Überlegenheit des Impfens gegenüber dem Testen bei der Bekämpfung der Pandemie zu bestreiten. Herr Birkholz-Hölter macht sich zum Anwalt der Impfverweigerer (– die aus gesundheitlichen Gründen Ungeimpften sind den Geimpften gleichgestellt.) Die Impfverweigerer sieht er als die Schwachen, denen die christliche Zuwendung gelten muss, nicht aber die Kinder in den Schulen, die unter der Ausbreitung der Pandemie gesundheitlich und sozial besonders leiden, nicht die gefährdeten Personengruppen, die durch die mangelnde Impfbereitschaft größeren gesundheitlichen Gefahren ausgesetzt sind, nicht die Pflegekräfte und Ärzte in den Krankenhäusern, die chronisch überbelastet sind, nicht die Patienten, die wegen der chovidbedingten Überlastung der Krankenhäuser lebenswichtige Operationen verschieben müssen. All diese Menschen sind auch die „Schwachen“ im Sinne des Paulus. Auch ihnen gilt die christliche Nächstenliebe. Um sie zu schützen, hat der Staat die von Herrn Birkholz-Hölter kritisierten Maßnahmen beschlossen. Die einseitige Parteinahme von Herrn Birkholz-Hölter für die Impfverweigerer überhöht er nun mit theologischen Argumenten. Statt zu akzeptieren, dass Impfunwillige die Folgen ihres Handelns eben tragen müssen, stilisiert er diese zu Opfern, denen – mit Paulus – die christliche Nächstenliebe gelten muss. Herrn Birkholz-Hölter übersieht, dass es jeder Gemeinde freigestellt ist, für die Besucher von Gottesdiensten und anderen kirchlichen Veranstaltungen neben dem 2 G-Modell auch noch andere verantwortliche Sicherheitskonzepte umzusetzen. Die Ausführungen von Herrn Birkholz-Hölter machen einen sachlich überlegten, rationalen Eindruck. In Wirklichkeit sind es aber Rationalisierungen, also Scheinargumente, mit denen er seine Position rechtfertigen will. Das ist aus meiner Sicht theologisch unverantwortlich und auch unverantwortlich gegenüber den Menschen, die durch solche Aussagen ermutigt werden, sich nicht impfen zu lassen und darum Gefahr laufen, selbst zu erkranken, zu sterben oder andere in Gefahr zu bringen. Ich halte es da mit Luther, der anlässlich eines Pestausbruchs in Wittenberg 1527 dafür plädierte, auf den Rat der Ärzte zu hören. Er sagte: „Dann will ich das Haus räuchern und lüften, Arznei geben und nehmen, Orte meiden wo man mich nicht braucht, damit ich nicht andere vergifte und anstecke und ihnen durch meine Nachlässigkeit eine Ursache zum Tode werde. Siehe, das ist ein gottesfürchtiger Glaube, der nicht tollkühn und dumm und dreist ist und Gott nicht versucht.“ Dr. Werner Hagenah
31.01.2022 Ein Kommentar von Martin Huss Herzlichen Dank für diesen wertvollen Beitrag, Herr Birkholz-Hölter. Einige sehr wichtige Tatsachen für die aktuell äußerst "verfahrene" gesellschaftliche Debatte, wurden darin angesprochen. Im mittlerweile dritten Jahr der "Covid19 Pandemie" scheinen nicht nur die allgemeinen Nerven, sondern auch die rationale Denkfähigkeit weitgehend aufgebraucht zu sein. Unabhängig von den in dem Artikel so treffend dargelegten ethischen und theologischen Betrachtungen ist es höchste Zeit die tatsächlichen von den behaupteten „wissenschaftlichen Tatsachen“ zu unterscheiden. Dies ist unerlässlich, um die richtigen Fragen zu stellen und Entscheidungen zu treffen. Die 7-Tage-Inzidenz von aktuell über 1.100 ist so hoch wie noch nie seit Beginn der Pandemie, bei einer Impfquote von über 73% und einer „Booster“-Quote von 52%! In Hamburg, Schleswig-Holstein und Bayern wurde, bis investigative Journalisten von besonders NDR und Welt es aufdeckten, die Inzidenz von Menschen mit unbekanntem Impfstatus generell den Ungeimpften untergeschoben. Sowohl die Inzidenz, als auch die Hospitalisierungsrate (!) liegt im Vergleich der Bundesländer höher, je höher die Impfquote ist. In Bremen, Hamburg, Hessen die höchste; in Thüringen und Sachsen die niedrigste. Der „Impfheld“ Israel muss mehr neue Todesfälle als Deutschland verzeichnen, obwohl die Bevölkerung dort mit fast 1/10 viel geringer ist. Mit einer Inzidenz von über 5.800 nimmt Israel den zweiten Platz weltweit bei den Neuansteckungen ein. Auch global weisen die Länder mit der niedrigsten Impfquote die geringsten Neuansteckungen und Todesfälle auf. Der Spiegel und die Tagesschau berichteten vor eigen Monaten von dem „Corona Wunder Afrika“. Seitdem hat sich nichts an dieser Situation geändert! Sowohl Neuansteckungen, als auch Todeszahlen sind äußerst gering. Angesichts dieser Tatsachen muss ein weiteres Festhalten an 2G und damit auch an der „Impfung“ nicht nur in der Kirche, sondern auch gesamtgesellschaftlich hinterfragt werden. Ganz abgesehen von den aktuell immer häufiger berichteten Nebenwirkungen – Stichwort „Herzmuskelentzündungen“ besonders bei jungen Menschen – und weitestgehend unbekannten Langzeitwirkungen dieser neuartigen Impfungen.
31.01.2022 Ein Kommentar von Thomas Gericke Danke für die nachdenklichen Überlegungen. Auf sie habe ich im kirchlichen Raum schon lange gewartet. Sie heben sich wohltuend von unterkomplexen Stellungnahmen und handlungsorientierten Apellen ab.
02.02.2022 Ein Kommentar von Victor Getregede Moin, erstmal möchte ich in Bezugnahme auf Werner Hagenahs Kommentar hier anmerken: Ich frage mich, welche Irrfahrten die Aufmerksamkeit beim Lesen unternommen hat, wenn man jemandem nach mehrfach getätigten Sätzen wie "Von Geimpften geht zunächst eine signifikant geringere Ansteckungsgefahr aus als von Ungeimpften." noch Impfgegnerschaft unterstellt. Zu Grundrechten muss ich folgendes Anmerken: Die Verwendung des Wortes ist zwar allgemeinsprachlich so und wird von den meisten so verstanden, ist juristisch aber alles andere als korrekt: Es ist auch Grundrecht, mit 200 durch die Stadt brettern zu dürfen, dies wird aber durch Tempolimitschilder (und die dahinterstehenden Gesetze) eingeschränkt, weil es gute Gründe für die Einschränkung gibt. Unser Recht sieht bei Verhältnismäßigkeit großen Spielraum zur Einschränkung aller möglichen sog. Grundrechte ein. Außerdem: Ich hatte mal nachgerechnet... Wenn die Hälfte geimpft ist, sind 9 (nicht 10) von 100 infiziert. Erklärung: Nehmen wir an, bei einem Event mit 100 Personen würden sich alle infizieren, wenn alle ungeimpft sind; 50 sind aber geimpft, also infizieren sich alle der 50 ungeimpften und nur 5 geimpfte. 50:5 entspricht Verhältnis 10:1. Die Zahl müssen wir uns merken. Hälfte der Gruppe geimpft heißt 10:1-ungeimpft-geimpft-Verhältnis unter den Infizierten. Das sind natürlich nur 55 (nicht 100) infizierte und wir müssen extrapolieren auf 100 Infizierte. Dafür die 10:1. Also Extrapolation: Bei einem anderen Event, nicht mit 100 Besuchenden, sondern mit 100 infizierten (oder halt inzidenz von 100) entspricht das verhältnis 10:1 unter den 100 infizierten natürlich CIRCA 90:9, das sind aber 90+9 also nur 99 leute, einer fehlt, der wird natürlich den auf die ungeimpften draufaddiert, also 91:9, um dem verhältnis von 10:1, das wir uns gemerkt hatten, möglichst nahezukommen - weil wenn der letzte geimpft wär (-> 90:10) wäre das ja 9:1, und das ist nicht 10:1. Also ist es 91:9, und somit sind nur 9 der 100 infizierten geimpft. Aber wenn es stimmt, was Sie sagen, dass Biontechs 90%iger Schutz hochgegriffen sei, dann kommt ja sogar Ihre Zahl der Realität näher, weil sich in Wahrheit ja mehr als 9 Geimpfte infizieren. Aber ich dachte es wären 95% schutz? naja wie dem auch sei, das ist ja erstmal egal. Da Sie eh natürlich weiterhin von 10 sprechen gehe ich auch weiterhin davon aus, um Verwirrung zu vermeiden. Im Nachfolgenden kopiere ich einfach nur mal rein, was ich noch an meinen Vater schickte, der hatte mich (als den Matheaffineren von uns beiden) nämlich gefragt, ob die Berechnung stimme oder nicht, oder eine Aussage fürs Verständnis fehle, das hier ist jetzt also Feedback bzgl. verständlicher Formulierung: Ich schrieb dann also noch: " Das mit den 9 falschnegativen tests bei 100 infizierten stimmt soweit, ganz normal. Nochmal zur festellung: wir haben 100.000 Tests, 9 werden nicht entdeckt. "Ist hingegen die Hälfte der Personen geimpft, so finden sich 10 der 100 Infizierten unter den Geimpften." Das Wort "hingegen" verwirrt mich: hingegen im vgl zu welcher Situation? Ich vermute es war nur ein Füllwort und darf nicht beachtet werden. "Wenn diese alle nicht mehr getestet werden, steigt allein dadurch die Anzahl der unerkannten Infizierten {=falschnegativen} von 9 auf 10." Meint er mit "alle", die nicht mehr getestet werden, alle geimpfte oder alle Menschen, also die Gesamtbevölkerung? Wenn er alle geimpften meint: von den 100 infizierten werden 91,4% der 90 ungeimpften nicht erkannt, das sind ca 8 unentdeckt infizierte ungeimpfte. Vorhin hatten wir ja noch 9 unentdeckt infizierte, der neunte gehörte natürlich zu den geimpften. Wenn der aber nichtmal getestet wird, wie alle geimpften halt, wird er nach wie vor nicht entdeckt, die anderen geimpften infizierten (die inklusive ihm 10 Menschen sind) aber auch nicht. Also 8 ungeimpft + 10 geimpft = 18 unentdeckt infizierte. Oder meinte er dass alle Menschen überhaupt nicht mehr getestet werden? Wenn er später schreibt "dass Geimpfte nicht mehr getestet werden", wird er wohl das meinen, was ich gerade ausführte. Okay, ich merke gerade, er hat es extrem-leicht-missverständlich formuliert. (Ich lass den absatz mal stehen, damit man sieht auf was für ne krasse falsche man da geführt werden kann und zeit reinivestiert.) Er hätte am besten schreiben sollen, damit klar ist, auf wen er sich bezieht: "Wenn diese GEIMPFTEN alle nicht mehr getestet werden..." Wenn ich JETZT nochmal lese was er schrieb, ist auch klar, was er am satzanfang meint: Seinen Satz zuvor formulierte er extra so, dass er nicht "sind ... geimpft" sagt (ich wunderte mich schon, warum er das nicht einfach so schreibt), sondern Geimpfte als Subjekt benutzt, um sich im nächsten Satz mit "diese" auf diese zu beziehen. Eben gings noch um die Infizierten, jetzt um die Geimpften. Checkt man extrem schnell nicht. Und: er hätte auf jeden fall schreiben müssen "steigt allein dadurch die Anzahl der unerkannten GEIMPFTEN Infizierten von 9 auf 10". Weil die unerkannt infizierten steigen ja von 10 (testung für alle, offen für alle) auf 18 (2G also testung für keinen, offen für geimpfte). Wegen dieses fehlenden wortes, aufgrund dessen es um eine komplett andere gruppe geht, war ich eben beim Entschlüsseln des Satzes schon ähnlich lange auf ner anderen falschen fährte am Schreiben. Uff. So viel Zeit. Um also deine Frage zu beantworten: Ja, es fehlt etwas, aber keine Aussage, sondern nur 1, am besten 2 Worte. Hier noch 1 weiteres Beispiel, das jetzt obsolet ist, aber der absatz war grad noch drin und zeigt auch nochmal, wie ich lange der falschen Fährte nachging: "Hinzu kommen die, die als Ungeimpfte weiter getestet werden, aber ein falsch-negatives Ergebnis haben." Wenn es um falschnegative ergebnisse geht, also die, die fälschlicherweise negativ getestet werden und eigentlich positiv sind, meint er bei der inzidenz von 100 natürlich die 50 infizierten ungeimpften. bei 91,4% genauigkeit werden ca 5 nicht erkannt und 45 erkannt. Entsprechend keine Ahnung hab ich, wie er auf "Das wären nochmals 8" kommt. {Jetzt ist klar, dass er die Berechnungen nochmal von einem anderen Startpunkt aus begann} "macht zusammen 18 und damit fast doppelt so viele wie bei einer Testung aller." 18 falschnegative ergebnisse bei 50.000 sind fast doppelt so viele wie wenn man alle 100.000 testet? Oder auf wen bezieht er sich mit ... {hier brach mein satz ab, weil ich auf der suche nach dem zitat auf was anderes aufmerksam wurde. Jetzt ist auch klar: mit "Ergebnisse" meinte er natürlich nicht testergebnisse, sondern eigentlich Unentdeckte, die sich zum einen teil aus den falschen Testergebnissen, zum anderen aus der befreiung von den tests ergeben.} " Das schrieb ich ihm alles noch. Hat wirklich sehr viel Zeit gekostet! Vielleicht können Sie das noch ändern. Was ich überdies noch anmerken möchte: Wenn man 8 ungeimpfte ausschließt, aber dafür 10 (eigentlich ja 9, bei 90%iger genauigkeit) geimpfte infizierte reinlässt, das sich nicht 1:1 abwiegen lässt, da geimpfte eine deutlich geringere Viruslast haben und damit weniger infektiös sind. Das macht übrigens auch viele Tests obsolet, die nur bei "sehr hoher viruslast"(https://www.instagram.com/p/CXMQfBKI2kI) so sicher anschlagen, also bei vllt der Hälfte der infizierten geimpften ohnehin nicht anschlagen würden. Der Satz "so ist selbst in der 2G-Zone die Gefahr noch leicht erhöht gegenüber einer Zone mit allgemeiner Testpflicht für alle" stimmt somit nicht. (Sollte auch geändert werden) Man kann das also 1 Stückchen entspannter sehen, dass die sich nicht testen müssen, aber ich halte das natürlich für ultra sinnvoll sich immer zu testen, solange man sich bewusst ist, dass es durchaus falsch sein kann, und sich nicht ab dem negativen Test verantwortungslos verhält. Problem ist: Mit der Argumentation "die Testung bietet definitiv mehr Sicherheit als die Impfung" gibt man ja eigentlich nur den 2G+-Befürwortenden Argumente, weil von Leuten die getestet UND geimpft sind die allergeringste Gefahr ausgeht. Nach dem Motto: Alles ausschließen was quantifizierbar unsicher ist: ungeimpfte, ungetestete, zu viele Menschen die sich an Ort X aufhalten. Vorsichtiges Verhalten lässt sich halt schwer messen und kontrollieren, und ein Aspekt fällt in der Angst vorm Virus komplett weg: Ich würde die Argumentation eher von der rein epidemiologischen Schiene auf eine gesellschaftliche verschieben und mich aussprechen gegen eine Unterteilung (manche nennen es "Spaltung") der Menschen in bzgl. der Impfung unbesorgte und in ängstliche. Wer sich jetzt noch nicht geimpft hat, hat wirklich Angst - alle Coronasorglosen, Impf-etwas-Zurückhaltenden oder einfach nur Lahmarschigen, aber nicht Impfängstlichen, werden sich in den letzten 3 Monaten ihrer vermeidbaren Restriktionen, die sie durch 2G hatten, endlich umentschieden haben. Man kann also davon ausgehen, dass der Rest aufgrund von Emotionen (Angst) 1. aufgeteilt und dadurch 2. erkennbar gemacht wird und somit 1. Ausschluss von gesellschaftlichen Ergeignissen und 2. schlimmstenfalls Stigmatisierung ("du Coronaidiot!") erfährt. Ob man sagen sollte "selbst schuld wenn du Angst davor hast dich impfen zu lassen" und damit solche noch weit über die Coronapandemie hinausgehenden Effekte (es sind ja keine Einzelfälle, schon jetzt sind Soziolog:innen sich sicher, dass die Spaltung der Querdenker&co vs Mehrheitsgesellschaft [insb. "Nazi!"-Schreier] bleiben wird) in Kauf nehmen sollte, um die im Vergleich zu solch krassen Auswirkungen dann doch eher geringen gesundheitlichen Effekte von 2G+ über die einer allgemeinen Testpflicht zu stellen, ist fraglich. Btw: Zu all den Vergleichen mit Zahlen je nach Regulierung: Es gibt ganz ganz sicher Daten dazu, die man bei so einer Argumentation angeben kann. Ich glaube, ich hatte auch mal welche vom RKI geschickt bekommen, aber damals war Omikron noch lediglich ein griechischer Buchstabe, der noch zugewiesen werden müsste, also nix aktuelles. Das hätten Sie bestimmt auch angeben können statt solcher eigenen vagen Berechnungen.
02.02.2022 Ein Kommentar von Victor Getregede Ich entschuldige mich für die fehlende Formatierung, habe mir sehr viel Mühe mit Absätzen gegeben, die Website übernimmt die offenbar nicht. Ich hab den Text zum Glück nochmal kopiert, also kann es auch per Mail mit Absätzen schicken.
04.02.2022 Ein Kommentar von Hartmut Steeb Danke für die wohltuende Klarheit der Gedankenführung bei Herrn Birkholz-Hölter. Ich hoffe, dass der Artikel zur Pflichtlektüre in allen Kirchenleitungen wird. Dabei verstehe ich wirklich "alle" als umfassend für alle Konfessionen und Denominationen bis hin zu den Gemeinschaftsverbandsleitungen.
05.02.2022 Ein Kommentar von Edgar Rebbe Vielen Dank für diesen großartigen und fundierten Artikel!
08.02.2022 Ein Kommentar von Heike Pendias Sehr geehrter Herr Dr. Hagenah! Ihr Luther-Zitat hat mich stutzen lassen. Daraufhin habe ich es nochmals nachgelesen. Demnach heißt es am Ende: "... Wenn mein Nächster mich aber braucht, so will ich weder Ort noch Person meiden, sondern frei zu ihm gehen und helfen. Siehe, das ist ein gottesfürchtiger Glaube, der nicht tollkühn und dumm und dreist ist und Gott nicht versucht.“ Diesen Teil sollten wir nicht vergessen.
15.02.2022 Ein Kommentar von Torsten Herr Hagenah sie übersehen, das es bei 2 G nicht darum geht ob ein Geimpfter ein geringeres Risiko für die Intensiv hat. Ansonsten müsste auch der 70 jährige Gemipfte mit hohem BMI eher ausgeschlossen werden als der 25 jährige schlanke Nichtgeimpfte. 2 G hat keinen Mehrwert spätestens seit Omikron. Das sollte jedem klar sein. Es grenzt ohne Mehrwert Menschen aus. Geimpfte und Geboosterte die nicht getestet sind sind definitiv nicht sicherer als ein negativ Getesteter Ungeimpfter . 2 G wurde auch bereits oft gekippt. Es war von Anfang an ein Irrflug der nur zur Spaltung diente und den Impfdruck erhöhte. So funktioniert ein Rechtstaat aber nicht.
19.02.2022 Ein Kommentar von Susanne Behnke Lebendig, kräftig und schärfer. "Man fühlt sich oft auf sich allein gestellt. Oft fehlt die Kraft, dass man dagegen hält. Zu oft das letzte Wort den Ander'n überlassen. Zu oft verführt, sich nur der Mehrheit anzupassen. Wir wachen auf aus dieser Lethargie und zeigen, dass wir so lebendig sind wie nie. Zusammen erleben was das Leben ist ... lebendig, kräftig und schärfer. Und spüren, dass du nicht alleine bist - lebendig, kräftig und schärfer." Die Wise Guys als Kommentar zum Predigttext für morgen. Hebräer 4, 12.13 Danke fürs lebendig, kräftig und schärfer sein, unbekannter Kollege! "Die Welt verändern schon mit einem kleinen Lachen. Endlich bereit sein, den Unterschied zu machen. Lasst uns dem Alltag, der so nichtig ist, entgegenstellen, was uns wichtig ist. Mit frischem Schwung und neuer Energie, so gut gelaunt und engagiert wie nie ... " Allen einen gesegneten Sonntag ????
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