Auch die Kirche als eine Art „Sinngebungsagentur“ gehört zu den Betroffenen der Corona-Pandemie. Dennoch darf von ihr mehr erwartet werden als nur diakonisch zu helfen oder zu wiederholen, was andere bereits gesagt hatten. Isolde Karle beleuchtet einige Herausforderungen, die sich aus ihrer Sicht mit Blick auf die Pandemie stellen.*

 

1. Die Kirche – Verliererin in der Corona-Krise?

Die Religion „könnte sich als der eigentliche Verlierer der Corona-Krise erweisen.“1 So formulierte schon zu Beginn der Pandemie im April 2020 der Soziologe Rudolf Stichweh in der FAZ. Dieser Eindruck verstärkte sich in den folgenden Monaten, als die Medien beklagten, dass die Kirche in der Corona-Krise versage und sprachlos sei. Sinnfällig war dafür, was Stichweh schon in seinem Artikel andeutete: Die Kirche konnte und wollte die Pandemie nicht mehr als Strafe Gottes für Sünde deuten. Niemand kann ihr das zum Vorwurf machen, das ist kein Deutungsmuster mehr, dessen wir uns guten Gewissens bedienen könnten. Zugleich sind die theologischen Alternativen nicht ohne weiteres greifbar. Stichweh formuliert: „[D]em Anschein nach [sind] nirgendwo religiöse Deutungsvarianten des durch das Virus ausgelösten Krisengeschehens verfügbar“ oder spielen „eine relevante Rolle“.2 Wenn das stimmt, dann ist verständlich, warum die Kirche mit einer gewissen Ratlosigkeit reagierte.

Zunächst einmal gilt es festzuhalten: Auch die Kirche hat ein Recht, bei einer Jahrhundertkrise ratlos zu sein. Vulnerabel sind in dieser Krise nicht nur die anderen, sondern alle – auch die Kirche als Institution. „Corona zwingt, auf die Vulnerabilität zu schauen. Das ist in vieler Hinsicht eine Provokation für das am Paradigma des Für-andere-Daseins orientierten pastoralen Selbst­verständ­nisses.“3 Die Kirche reagierte deshalb verunsichert und tastend – ringend darum, was jetzt der angemessene Weg sein könnte.

Und doch hatte die Kirche auch grundlegend Mühe, religionsspezifisch auf die Krise zu reagieren und nicht nur diakonisch zu helfen und auch nicht nur zu wiederholen, was andere bereits gesagt hatten. Den Leuten zu empfehlen, sich an die Hygienevorschriften zu halten, auf die Risikogruppen Rücksicht zu nehmen und sich mit dem ärztlichen und pflegenden Personal zu solidarisieren, war gewiss nicht falsch, aber zu wenig. Dazu bedarf es keiner Kirche. Ich möchte im Folgenden einige Herausforderungen, die sich aus meiner Sicht mit Blick auf die Pandemie stell(t)en, beleuchten und gehe dabei unterschiedlichen Gesichtspunkten nach.

 

2. Verunsicherung

Insgesamt verstärkten die Corona-Lockdowns den Säkularisierungsschub, den wir schon seit längerer Zeit beobachten.4 Die Aussage, dass die Kirche nicht systemrelevant sei, haben dabei viele als Kränkung erlebt. Früher hatte die Kirche die Deutungshoheit über die gesellschaftlich relevanten Ereignisse inne, in der Pandemie waren eher andere Tröster und Interpretationsexperten gefragt: Virolog*innen und Epidemolog*innen waren es, die in einer äußerst ungewissen Situation Hilfe und Orientierung versprachen. Man könnte noch den Ethikrat nennen, der die Probleme der Pandemie nicht nur medizinisch, sondern auch aus anderen Perspektiven zu reflektieren suchte. Von den Kirchen erwartete man darüber hinaus nicht wirklich Weiterführendes. Sie wirkten nicht zuletzt deshalb merkwürdig verunsichert und defensiv.

Die Medien griffen den Eindruck der Unsicherheit auf und verstärkten ihn. Die „Kirche wirkte in der Pandemie kleinmütig und angepasst“5, so lautete der Titel eines Interviews mit dem früheren Chefredakteur der „Süddeutschen Zeitung“ Heribert Prantl. „[D]er Kirche ist es nicht gelungen, die Menschen zu kräftigen. Sie hat es monatelang gar nicht richtig versucht.“6 Das klingt nach Totalversagen, ist aber gar nicht gemeint. Schon im nächsten Satz folgt die Korrektur: „Man muss natürlich zugeben: In vielen Gemeinden unternahmen Pfarrer und Ehrenamtliche alles Mögliche und bis dahin für unmöglich Gehaltene, um Kirche nicht ausfallen, sondern anders ausfallen zu lassen als bisher. Und Seelsorger in Krankenhäusern und Altenheimen haben bis zur Erschöpfung gearbeitet.“7 Das klingt schon ganz anders und dann kommt Prantl auf den Punkt, der für ihn zählt: „Aber das hat hier zu wenig Strahlkraft nach außen. Die öffentlichen kirchlichen Äußerungen wirkten, wenn auch von Verantwortung und Nächstenliebe ­tönend, doch kleinmütig und ziemlich angepasst.“8

Viele hat die Kritik von Prantl geärgert. Nicht wenige Pfarrer*innen haben sich bemüht, ihre Homepages bzw. die der Gemeinden aufzurüsten und ZOOM-Gottesdienste, Video-Gottesdienste und kreative digitale Formate auszuprobieren und darüber hinaus eine Seelsorge über iPads, Telefon, „Trostbriefe“ und „Angebote to go“ anzubieten. Entscheidend ist aber, dass wir, mit Niklas Luhmann gesprochen, in einer Gesellschaft leben, in der wir das, was wir über die Gesellschaft wissen, nur noch über die Massenmedien wissen.9 Unsere persönliche Sicht ist deshalb nicht falsch, aber die Realität der Massenmedien ist von ungleich höherer Bedeutung. Die Wirklichkeit vor Ort kommt gegen die mediale Stimmung insofern nicht an. Darauf muss sich Kirche einstellen, sie muss die Massenmedien noch ernster nehmen als sie es ohnehin schon tut. Das gilt speziell auch für die digitalen Massenmedien und die social media mit ihren verzweigten Kanälen und oft schwer zu durchschauenden Gesetzen. Eine Konsequenz aus der Corona-Krise muss deshalb lauten: Wie kann sich Kirche noch besser auf die Mediengesellschaft einstellen – und zwar lokal wie vor allem überlokal?

 

3. Nutzlose Religion?

Doch nicht nur in medialer Hinsicht, auch inhaltlich wird das Religionssystem und werden die Kirchen durch Corona herausgefordert. Die Relevanzkrise der Kirche bzw. der Religion kommentiert der Philosoph Peter Sloterdijk so: „Bricht eine Pandemie aus, werden Kirchen, Synagogen und Moscheen geschlossen; Gesundheitsminister und Virologen interpretieren die Lage.“10 Sloterdijk betrachtet dies aber nicht als Problem, sondern als Chance für die Religion. Die Religion muss zu nichts mehr nütze sein, sie ist ihre sozialen Pflichten los und kann sich ganz auf das konzentrieren, wofür sie wirklich da ist, nämlich das Leben in einem religiösen Horizont zu deuten und die Menschen zu begleiten und zu trösten. Sloterdijk beschreibt dies als neu gewonnene Freiheit: „Das sichere Zeichen der jungen Freiheit für die Religion ist ihre überraschende, erhebende, skandalöse Nutzlosigkeit; sie ist überflüssig wie Musik; doch: ‚Ohne Musik wäre das Leben ein Irr­tum.‘“11

In der funktional differenzierten Gesellschaft gibt es immer weniger nicht-religiöse Gründe, religiös zu sein.12 Was zunächst niederschmetternd klingt, zeigt zugleich eine neue Perspektive: Die Freiheiten für die Religion, die Welt, das Leben, den Menschen anders, nämlich aus der Perspektive Gottes zu betrachten, nehmen zu. Die postulierte „Nutzlosigkeit“ der Religion meint insofern ausdrücklich nicht, dass der Glaube zu nichts mehr gut ist. Gemeint ist, dass der Glaube nicht mehr für fremde Zwecke, also zur Stärkung der Staatsräson, der Sexualmoral oder der guten Sitten dienstbar gemacht wird. Der Glaube hat, wie Schleiermacher sagt, „eine eigne Provinz im Gemüthe“13. Seine Aufgabe ist es, das Leben der Menschen zu deuten, sie an wichtigen Wendepunkten des Lebens und nicht zuletzt in Krisen zu begleiten. Der Glaube ist für die prinzipiell unlösbaren Fragen, für das Unbestimmbare zuständig, für alles, was nicht durch Handlungen zu bearbeiten ist. Wo die ärztliche Kunst am Ende ist, kann die Geistliche immer noch da sein und mit aushalten, was nicht zu ändern ist. Der Glaube kann darüber hinaus eine eigene Nachdenklichkeit entwickeln. Er lehrt uns, uns als Teil der Schöpfung Gottes zu verstehen und deutet das Leben mit Hilfe von Gottesdienstfeiern und Ritualen, die zu trösten vermögen und eine eigene Würde und Feierlichkeit erzeugen.

In der Corona-Krise haben viele Menschen offene Kirchen besucht – sie wurden als heilige Orte, als Zufluchtsorte geschätzt. Die Besucher*innen haben Kerzen angezündet oder Gebete gesprochen, waren dankbar für die Orgelmusik oder genossen die Stille des Sakralraums. Offene Kirchen sind über Zeichen und Symbole religiöse Kommunikation „in nuce“. Die evangelische Kirche sollte ihre Kirchengebäude deshalb konsequent offenhalten und die Menschen darin willkommen heißen.

 

4. Umgang mit Sterben und Tod

In der Pandemie wurde und wird viel und schrecklich gestorben. Religion ist nicht zuletzt angesichts von Sterben, Tod und Trauer gefragt. Das Christentum hat diesbezüglich eine reiche Tradition und einen hoch differenzierten Sprach- und Erfahrungsfundus. Es ist eine grundlegende Aufgabe der Kirche, die Kranken, Sterbenden und Trauernden zu begleiten und sich zu ihren Anwälten zu machen – da wäre vor allem zu Beginn der Corona-Krise mehr drin gewesen. Die Balance zwischen Schutz und menschenwürdigem Sterben war sicher nicht einfach zu finden. Zugleich wurde gesellschaftlich unterschätzt, wie dramatisch die Folgeschäden bei den Hinterbliebenen sind, die sich nicht von ihren Angehörigen verabschieden, sie nicht mehr sehen und sie nicht würdig bestatten konnten. Wie es den Sterbenden am Ende selbst in ihrer Einsamkeit ergangen ist, wissen wir nicht – in Isolation zu sterben widerspricht jedenfalls allem, was wir in den letzten Jahrzehnten in der Palliative Care gelernt haben.14

Im Umgang mit dem Tod fehlen uns in der gegenwärtigen Gesellschaft eingespielte soziale Praktiken und Handlungskompetenzen. Umso wichtiger ist es, die Hilfe von Seelsorgerinnen und Seelsorgern dabei beanspruchen und mit diesen zusammen die schwierige Schwelle zwischen Leben und Tod überschreiten zu können. Trauernden Angehörigen helfen Abschiedsrituale, den Schmerz des Verlustes zu teilen und durch den Glauben, den der Seelsorger/die Seelsorgerin in Ritual und Gebet zum Ausdruck bringt, Trost, Kraft und Hoffnung zu erfahren. Der Glaube hat dabei nicht die Aufgabe, dem Sinnlosen Sinn abzutrotzen, sondern das Sinnlose im Wissen um Gottes Beistand auszuhalten. Nur auf diese Weise wird echter Trost möglich.15 Wir wissen aus der empirischen Forschung, dass eine gemeinsame Trauerfeier für viele konstitutiv ist für ihre Trauerarbeit.16 Trauer ist nicht nur ein innerpsychischer Prozess, der quasi von alleine abläuft, er wird erheblich von sozialen Bedingungen beeinflusst und teilweise sogar erst hervorgerufen. Eine würdige Bestattung ist deshalb kein Luxus, sondern grundlegend für eine humane Gesellschaft.

Die israelische Soziologin Eva Illouz kritisierte den Umgang mit Sterben und Tod in der Corona-Pandemie in diesem Sinn schon sehr früh und scharf. In einem Interview formulierte sie: „Wir erleben einen anthropologischen Bruch im Umgang mit Leid, Sterben und Tod. Mich treibt um, wie leicht wir die Anordnungen hinnehmen, dass wir die Leidenden und Sterbenden allein lassen sollen. Schlagartig haben wir ihnen den Trost, die Begleitung und Beistand ihrer Nächsten entzogen. Bis dahin, dass die Toten in Isolation bestattet werden. […] Das bedeutet eine Zäsur, wie auch die Tatsache, dass wir dieses Geschehen einfach hinnehmen. Mir scheint, dass unsere Gesellschaften ein bleibendes Trauma erleben.“17

Erst aus der Distanz heraus werden wir das letztlich beurteilen können. Doch überrascht es schon, dass die Kirchen es lange nicht wagten, an diesem Punkt öffentlich vernehmbar kritische Rückfragen zu stellen. Es ist klar, dass die Kirchen auf jeden Fall solidarisch sein und die wissenschaftliche Expertise der Virologen auf keinen Fall in Frage stellen wollten. Zugleich wäre es elementar gewesen, dass Theologie und Kirche die Distanzierung von den Sterbenden und Toten, die wir vor allem zu Beginn der Pandemie erlebten, nicht nur hinnehmen, sondern ihre Aufgabe, Anwälte für die Sterbenden und Trauernden zu sein, auch unter diesen schwierigen Bedingungen zu erfüllen trachten. Viele individuelle Seelsorger*innen sind dieser Aufgabe mit großem Engagement nachgekommen, aber in der Öffentlichkeit war das Thema zu wenig präsent. Das sollte den Kirchen für die Zukunft eine Mahnung sein. Seelsorge ist in der Begleitung von Kranken, Sterbenden und bei Trauerfeiern essentiell. Das ist ihr ureigenes Geschäft und Teil ihrer Identität.

 

5. Theologie nach Corona18

Umgang mit Unsicherheit und Verletzlichkeit

Weil Religion nicht systemrelevant ist, muss sie keine Antworten geben auf medizinische oder politische Fragen. Dadurch gewinnt sie den Spielraum, jenseits der naturwissenschaftlichen oder politischen Rationalität Fragen zu stellen. Darauf weist auch die Philosophin Olivia Mitscherlich-Schönherr hin. Die Kirchen sollten das Kontingenzerleben ernstnehmen und Unsicherheit und Trauer im gesellschaftlichen Diskurs zum Ausdruck bringen – wer sonst vermag dies zu tun? Mitscherlich-Schönherr schätzt an der jüdisch-christlichen Tradition gerade den Mut, das Nichtwissbare zu formulieren: „Wir haben eine Tradition, in der wir Unsicherheit reflektieren können und in der wir Unsicherheit auch aushalten können. Da haben wir auch der säkularen Gesellschaft was zu bieten. Wir haben einem zu starken Technik-Optimismus, einem zu starken Vertrauen auf die naturwissenschaftliche Deutung … Hier haben wir was zu bieten, hier können wir Fragen stellen. Und vielleicht auch das eine oder andere Leiden überhaupt erst mal ins Bewusstsein heben, das hervorgebracht wird, wenn man blinde Formen der Aufklärung vertritt.“19

Zugleich attestiert Mitscherlich-Schönherr den Kirchen eine gewisse „spirituelle Hilflosigkeit“.20 Wie Rudolf Stichweh, Heribert Prantl und Peter Sloterdijk stellt sie fest, dass der Versuch einer christlichen Deutung der Pandemie kaum unternommen worden sei: „Man hat […] ein Feld preisgegeben in der öffentlichen Diskussion, wo man hätte eine Sprache formulieren können, die den Menschen hilft, mit der Krise fertig zu werden“21 – mit der Krise und auch mit ihrer Trauer, Wut und Enttäuschung. Die Kirche ist ein Ort für die Klage und den Schmerz – das war während der Pandemie zu wenig erlebbar. Noch einmal Mitscherlich-Schönherr: „Ich denke, man kann Gott aus der Verantwortung für ­Corona nicht entlassen.“22

Das erinnert an die Klage Hiobs, der Gott auch nicht entlässt aus der Verantwortung für das Leid, das er erlebt. Die Klage Hiobs hallt seit Jahrhunderten durch den Erinnerungsraum des Abendlandes. Hiob repräsentiert den Menschen, der sich von Gott verlassen sieht, weil er keine Erklärung für sein Leid findet. Hiob lässt sich nicht einreden, dass sein Leid schon einen Grund haben wird oder sich im Nachhinein als sinnvoll erweisen wird. Noch weniger ist er bereit, die Schuld bei sich selbst zu suchen. Hiob leistet heftigen Widerstand gegen seine beredten Freunde, die ihn „trösten“ wollen, indem sie sein Leid als Strafe Gottes plausibel zu machen versuchen. Seine Freunde stehen ihm bei, schaffen es aber nicht, überzeugend zur Sprache zu bringen, wie Gott die Welt regiert. Hiob besteht deshalb darauf, dass nicht er, sondern Gott es ist, der sich zu rechtfertigen hat. Es ist die berühmte Theodizeefrage, die hier im Fokus steht – die Rechtfertigung Gottes. Mit Gott klagt Hiob gegen Gott und behaftet ihn darauf, dass er, der seine Schöpfung gut geschaffen hat, ihn jetzt nicht ­alleine lassen darf.

Auch in der Corona-Pandemie ließ und lässt sich keine einfache Kausalität finden, die die Katastrophe erklären könnte, wobei hier sehr viel deutlicher als bei Hiob der Mensch im Fokus steht. Wir wissen inzwischen, dass sich die Pandemie aus einem Zusammenspiel von natürlichen, menschlichen und sozialen Faktoren erklärt, dass sie viel mit unserer Lebensweise, die unsere Gesellschaft und das Ökosystem immer mehr überfordert, zu tun hat. Armin Nassehi spricht deshalb von der „Soziozidee“23 – heute wird eher die Gesellschaft statt Gott angeklagt. Doch wie ist es nun mit Gott? Hat Gott etwas mit der Pandemie zu tun? Und wenn ja, was? Wir haben seit dem Erdbeben 1755 in Lissabon eine Krise des Gottesbildes, die in der Moderne nochmals eine andere Qualität erreicht hat als bei Hiob. Hiob zweifelte nicht an Gottes Allmacht, sondern an seiner Gerechtigkeit. Seit Lissabon wird an Gottes Allmacht gezweifelt. Bis heute haben wir die damit einhergehende Gotteskrise nicht wirklich überwunden. Und das ist der vermutlich empfindlichste und wichtigste Punkt mit Blick auf die Zukunft der Kirche.

Gottesbild und Gotteskrise

Michael Welker betont in einem Beitrag zur Corona-Pandemie, dass wir endlich theologisch redlich werden und unglaubwürdige Vorstellungen von Gottes Allmacht klar und deutlich kritisieren müssten. Ein primitiver Theismus, der von Gottes Allwirksamkeit ausgeht, sei wie „religiöses Gift angesichts grauenhafter Entwicklungen“.24 Deshalb ist es an der Zeit, uns von der Vorstellung, dass Gott in die Schöpfung eingreift, zu verabschieden. „Gott ist nicht ein kosmologischer Uhrmacher. Gott respektiert die menschliche Freiheit zum Guten und zum Bösen; und Gott respektiert auch […] Eigenkräfte der Evolution.“25 Gott ist nicht derjenige, der die Schöpfung steuert und überwacht. Gott greift auch nicht „als eine himmlische Feuerwehr beständig dann ein […], wenn es brennt und wenn Elend sich ausbreitet“.26

Diese Überlegungen sind nicht wirklich neu. Friedrich Schleiermacher hat sie schon vor über 200 Jahren in ähnlicher Weise formuliert. Doch bis heute werden sie kaum so deutlich ausgesprochen. Welkers Überlegungen deuten zugleich an: Die Schöpfung ist nicht nur gut, sondern ambivalent. Viren gehören zur „Nachtseite der Schöpfung“27 – schon in den Schöpfungserzählungen wird diese Nachtseite wahrgenommen und die Schöpfung dem Chaos abgetrotzt, das aber gegenwärtig bleibt. Es ist nicht alles gut in der Schöpfung Gottes – das ist schon die Kritik des zweiten am ersten Schöpfungsbericht, der vollmundig behauptet: „Siehe, es war sehr gut“. Im zweiten Schöpfungsbericht wird die Ambivalenz geschöpflichen Seins betont, die Schmerzen bei der Geburt und die Mühe des Ackerbaus. Die Schöpfung ist fragil und bleibt von lebensfeindlichen Kräften bedroht. Krankheit und Tod gehören deshalb zum Leben. Zugleich schaut Gott nicht „nur“ ohnmächtig und aus der Distanz heraus dem Leben seiner Geschöpfe zu. Gott ist mächtig in der Liebe, mit der uns Gottes Geist umfängt, trägt und beflügelt. Dietrich Bonhoeffer sprach deshalb sowohl vom ohnmächtig-mitleidenden Gott, der sich selbst in seiner Verletzlichkeit zeigt, als auch von den guten Mächten, die uns umgeben und in denen wir uns geborgen wissen können. Die guten Mächte verweisen auf Gott und sind zugleich ganz innerweltlich als die nächsten Freunde und Helfer in Not, als gute Worte und Erinnerungen zu verstehen.28

Das sind nur wenige Überlegungen, die die Gottesfrage keineswegs zufriedenstellend zu klären beanspruchen, aber andeuten, in welche Richtung weiterzudenken wäre. Wir tun uns immer noch schwer mit Blick auf die Gottesrede. Dass Gott der mächtige König ist, „der alles so herrlich regieret“, wird man nicht mehr so einfach sagen (und singen) können. Corona hat uns die denkerischen Abgründe der Gottesrede von neuem vor Augen geführt. Zugleich fordert uns die Krise dazu heraus, nicht zu verstummen, sondern es zu wagen, von Gott zu reden – intellektuell redlich, suchend und ringend um die richtigen Worte.

 

6. Endlichkeit

Die Kirchen haben sich in der Corona-Krise zuweilen vom Alarmismus der Medien anstecken lassen. Aus Angst vor Infektion hat man die allgemein geltenden Regeln in den Kirchen nicht selten noch verschärft. Um nicht missverstanden zu werden: Selbstverständlich gilt es alles zu tun, um Leben zu schützen. Doch haben es die Kirchen dabei zu selten geschafft, eine gewisse Distanz zum Alarmismus und „Absolutismus der Gegenwart“29 herzustellen. Gerade die Kirchen sollten um die Endlichkeit allen geschöpflichen Lebens wissen. Die höchste Priorität sollte deshalb nicht in der Lebensverlängerung um jeden Preis bestehen, sondern darin, so gut wir es können, Infektionen zu vermeiden, und gleichzeitig zu lernen, unsere Endlichkeit zu akzeptieren.

Joachim Negel formuliert: Der Tod ist in der spätmodernen Gesellschaft „zu einer derartigen Zumutung geworden […], dass wir um jeden Preis verhindern wollen, dass auch nur irgendjemand an Corona stirbt, wenn wir schon das Sterben an sich nicht verhindern können. Dagegen bestand einmal die Weisheitlichkeit einer religiösen Lebensführung darin, Umgangsformen mit dem Unverfügbaren zu kultivieren.“30 Viele werden das „Deutsche Requiem“ von Johannes Brahms mit der berührenden Vertonung von „Denn alles Fleische ist wie Gras …“ im Ohr haben. Auch diejenigen, die eine Infektion überleben, sind sterblich – sie sind wie Gras und werden vergehen. Das Denken an den Tod als Sorge um das Leben war einmal „Ausweis abendländischer Lebenskunst seit ihren Anfängen bei Platon […] bis hin zur christlichen Mystik“31 – wir haben das weitgehend verlernt.

Gegen die Verlängerung des irdischen Lebens um jeden Preis wäre es Aufgabe der Religion, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass nur der, der die ständige Angst zu kurz zu kommen und zu kurz zu leben überwindet, tatsächlich auch zu leben weiß. Jesus fordert in diesem Sinn dazu auf: „Sorget nicht um euer Leben“ und „sorgt nicht um den andern Morgen“ (Mt. 6,25.34). Das Denken an das ungewisse Morgen liefert uns nur der unendlichen Sorge aus und hindert uns, in der Gegenwart zu leben, dem einzigen Ort unseres Lebendigseins. Diesen sollten wir bewohnen und nicht die Furcht vor dem Tod ins Unermessliche treiben. Wir können die Jahre, die uns geschenkt sind, nicht bis ins Letzte auspressen. Leben gelingt nur in der Hingabe und damit auch in der Akzeptanz von Endlichkeit und Verletzlichkeit. Die Endlichkeit des Lebens ist verbunden mit großem Schmerz und Traurigkeit. Zugleich ist es heilsam, dass das Leben begrenzt ist – wäre es unendlich, verlöre es jede Bedeutung. Die biblischen Überlieferungen lehren uns deshalb, realistisch auf unsere Endlichkeit zu blicken, gegen sie zu klagen, aber auch dankbar, demütig und mit Humor die endliche Zeit, die uns als Geschenk gewährt ist, aus Gottes Hand zu nehmen.

 

7. Schluss

Die vielfältig geäußerte Enttäuschung über die Kirche in der Pandemie, so berechtigt oder unberechtigt sie sein mag, zeigt, dass man von der Kirche immer noch etwas erwartet. Das ist die gute Nachricht. Die Menschen sind heute weniger kirchlich, aber offen für die existentiellen Fragen der Religion, für die Frage, wie wir mit Endlichkeit und Sterblichkeit umgehen und nicht zuletzt auch für die große Frage nach Gott. Sie suchen nach Trost und Ermutigung, nach Worten, in denen sie ihre Erfahrungen zum Ausdruck bringen können und sich spirituell geborgen fühlen. Die Kirche sollte den Menschen deshalb helfen, von Gott zu sprechen und auf einen Gott zu vertrauen, der ihnen beisteht in ihren Ängsten und in der Perspektivlosigkeit, die sie manchmal überfällt. So werden Menschen getröstet und wissen sich in Gottes Hand, „wie auch immer die zwischenmenschlichen und innergeschöpflichen Verhältnisse sich gestalten mögen.“32 Die Kirche sollte dabei nicht zu defensiv agieren und sich auch nicht in moralische Kommunikation flüchten, sondern ihre religionsspezifische Perspektive auf eine gesellschaftliche Krise wie die Pandemie zum Ausdruck bringen. Die Menschen warten darauf.

 

Anmerkungen

* Der vorliegende Beitrag ist die gekürzte Version eines Vortrags, der am 22.9.2021 vor der Sprengelkonferenz der Prälatur Stuttgart in Großsachsenheim gehalten wurde.

1 Rudolf Stichweh, Simplifikation des Sozialen. Die Corona-Pandemie und die Funktionssysteme der Weltgesellschaft, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 7. April 2020, 9.

2 Ebd.

3 Heike Springhart, Gottesdienstliches digitales Neuland in Zeiten der Pandemie. Ein Erfahrungsbericht in theologischer Absicht, in: Evangelische Theologie 81 (2021), 124-135, 134.

4 In Abschnitt 2 und 3 verdanke ich vieles Anregungen von Christoph Dinkel.

5 Katharina Geiger, Interview mit Heribert Prantl für katholisch.de vom 06.01.2021 unter dem Titel „Kirche wirkte in Pandemie kleinmütig und angepasst“, unter: https://www.katholisch.de/artikel/28235-heribert-prantl-kirche-wirkte-in-pandemie-kleinmuetig-und-angepasst (Abrufdatum: 28.10.2021).

6 Ebd.

7 Ebd.

8 Ebd.

9 Vgl. Niklas Luhmann, Die Realität der Massenmedien, 2. Aufl. Opladen 1996, 9.

10 Peter Sloterdijk, Den Himmel zum Sprechen bringen, Frankfurt/M. 2020, 329.

11 A.a.O., 335. Das Zitat im Zitat ist von Friedrich Nietzsche.

12 Vgl. Niklas Luhmann, Die Religion der Gesellschaft, Frankfurt/M. 2000, 136.

13 Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher, Über die Religion. Reden an die Gebildeten unter ihren Verächtern (1799), in: Ders., Schriften aus der Berliner Zeit. 1796-1799 (Kritische Gesamtausgabe I/2), hrsg. von Günter Meckenstock, Berlin/New York 1984, 185-326, 204.

14 Es war schon ein signifikantes Merkmal der frühen Kirche, dass sie sich um Kranke, Sterbende und Tote kümmerte. Vgl. Adolf von Harnack, Medicinisches aus der ältesten Kirchengeschichte, Leipzig 1892.

15 Vgl. Isolde Karle, Praktische Theologie (Lehrwerk Evangelische Theologie 7), 2., korr. Aufl. Leipzig 2021, 413-420.

16 Vgl. Michael Häußler, Trauerfallgeschichten. Anmerkungen zu Trauer und Bestattung, Darmstadt 2018.

17 Elisabeth von Thadden, Interview mit Eva Illouz in ZEIT ONLINE vom 18.04.2020 unter dem Titel „Reagieren weiblich geführte Staaten besser auf die Pandemie?“, unter: https://www.zeit.de/kultur/2020-04/corona-pandemie-frauen-lockdown-soziologin-eva-illouz (Abrufdatum: 28.10.2021).

18 Manche der folgenden Gedanken waren Ausgangpunkt für den Vortrag „Wozu Theologie?“, gehalten bei der 200-Jahr Feier der Evang.-Theol. Fakultät in Wien im Oktober 2021. Er erscheint im Wiener Jahrbuch für Theologie 2022, hrsg. von der Evang.-Theol. Fakultät der Universität Wien.

19 Andreas Main, Interview mit Olivia Mitscherlich-Schönherr bei Deutschlandfunk vom 11.06.2020 unter dem Titel „Philosophie und Coronakrise. ‚Gottvertrauen wird unter den Tisch gekehrt‘“, unter: https://www.deutschlandfunk.de/philosophie-und-coronakrise-gottvertrauen-wird-unter-den.886.de.html?dram:article_id=478396 (Abrufdatum: 28.10.2021).

20 Michael Hollenbach, Interview mit Olivia Mitscherlich-Schönherr bei Deutschlandfunk vom 05.02.2021 unter dem Titel „Totengedenken in der Pandemie. ‚Trauer ist systemrelevant‘“, unter: https://www.deutschlandfunk.de/totengedenken-in-der-pandemie-trauer-ist-systemrelevant.886.de.html?dram:article_id=491997 (Abrufdatum: 28.10.2021).

21 Ebd.

22 Ebd.

23 Vgl. Armin Nassehi, Unbehagen. Theorie der überforderten Gesellschaft, München 2021, 30ff.

24 Michael Welker, Trostbedürftig und hassgefährdet. Religiosität in Zeiten globaler Krisen, in: Evangelische Theologie 81 (2021), 152-160, 154.

25 A.a.O., 155.

26 Ebd.

27 Günter Thomas, Krankheit im Horizont der Lebendigkeit Gottes, in: Ders./Isolde Karle (Hrsg.), Krankheitsdeutung in der postsäkularen Gesellschaft. Theologische Ansätze im interdisziplinären Gespräch, Stuttgart 2009, 503-525, 509.

28 Vgl. zu letzterem den Brief von Dietrich Bonhoeffer an Maria von Wedemeyer vom 19.12.1944, dem er das Gedicht „Von guten Mächten“ beilegt: Ruth-Alice von Bismark/Ulrich Kabitz (Hrsg.), Dietrich Bonhoeffer, Brautbriefe Zelle 92. Dietrich Bonhoeffer – Maria von Wedemeyer 1943-1945, München2006, 208.

29 Jan Assmann, Das kulturelle Gedächtnis. Schrift, Erinnerung und politische Identität in frühen Hochkulturen, 8. Aufl. München 2018, 86.

30 Joachim Negel, Theologie der Lebenskunst – oder: Was das Coronavirus mit dem lieben Gott zu tun hat. Theologische Mucken und sapientiale Grillen aus gegebenem Anlass, in: IKaZ Communio 50 (2021), 260-271, 266.

31 A.a.O., 267.

32 Welker, Trostbedürftig und hassgefährdet, 159.

 

Über die Autorin / den Autor:

Prof. Dr. Isolde Karle, Jahrgang 1963, Studium der Evang. Theologie in Tübingen, Cambridge (Mass./USA), Munster, Promotion in Kiel, Habilitation in Bonn, seit 2001 Prof. für Prakt. Theologie in Bochum.

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft 1/2022

2 Kommentare zu diesem Artikel
18.01.2022 Ein Kommentar von Martin Pepper Für mich eine sehr stimmige, herausfordernde und gleichzeitig Hoffnung stiftende Analyse. In vielen Punkten formuliert sie eine erleichternde seelsorgerliche Perspektivem z.B: Ambivalenz akzeptieren: "Nachtseite" der Schöpfung annehmen, Gottes Nähe nicht in der Abwesenheit von Katastrophen festmachen, in all dem fragen, klagen, hadern und ringen dürfen, Ohnmacht akzeptieren und gleichzeitig das "Umgeben sein von guten Mächten" im Sinne einer Mischung aus schicksalhaft Höherem und innerweltlichen Strukturen und Begleitern zu verstehen. Dies sind befreiende, positive und sinnstiftende Elemente ohne das Korsett der Idee einer immer perfekt funktionierenden Gottesherrschaft. Vielen Dank, Isolde Karl.
22.01.2022 Ein Kommentar von Werburg Doer Liebe Frau Professor Karle,- Mit Bewunderung und Freude haben ich Ihren Artikel gelesen und mich an der sorgfältigen, verständlichen Ausarbeitung gefreut. Ich möchte mich als Dank auf Ihre Aufforderung zum Kommentar einlassen, auch wenn ich mir bewusst bin, dass ich als Laie damit ein Wagnis eingehe.. 1.) Verunsicherung. Sie schreiben: "eine Konsequenz aus der Corona - Krise muss deshalb lauten: Wie kann sich die Kirche noch besser auf die Mediengesellschaft einstellen." Ich denke: So lange hat die Kirche schon versucht, nach außen zu wirken, mit diesem und jenem für sich zu werben. Ihre Ur -- Aufgabe zielt jedoch nach innen. Das Leben in der Beziehung zu Gott zu erklären und zu fördern. Ich wünschte mir, dass die Theologie und die Kirche viel mehr wieder das tut, was alle in der Bibel beschriebenen Väter und Mütter des jüdischen und christlichen Glaubens taten, in Worten und Bildern ihrer Zeit, ihre eigenen Gottes Erfahrungen zu beschreiben. 2.) Nutzlose Religion Wunderbar der Satz Sloterdijks von der Nutzlosigkeit der Religion wie der Musik!! ---- "ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum." ----- Das gefällt mir! 3.) Umgang mit Sterben und Tod. Sie schreiben:" Der Glaube hat nicht die Aufgabe dem Sinnlosen Sinn abzutrotzen, sondern das Sinnlose im Wissen um Gottes Beistand auszuhalten." Und Mitscherlich-Schönherr schreibt:" Ich denke, man kann Gott aus der Verantwortung für Corona nicht entlassen." Mein Kommentar: Über Jahrhunderte haben Gottesforscher die Gläubigen aufgefordert zu bitten und zu danken. Gott, der König gibt und verwehrt je nach Verhalten des Gläubigen. Die Lehre von Schuld und Sühne wurde gebraucht und missbraucht von Kirchenoberen und Herrschern. Dies Gottesbild - so sehen Sie das auch - ist nicht mehr vermittelbar. Ich denke, die Vielfalt, das Verwoben sein der Schöpfung und die Unermesslichkeit des Universums lässt weiterhin die Möglichkeit zu, an einen Gott, bzw. eine Macht zu glauben, die alles das, was wir erleben, imitiert hat. Der christliche Glaube, gegründet auf den Glauben der Urväter und der Lehre des Jesus aus Nazareth, liefert uns eine Art Gebrauchsanweisung für diese Schöpfung. Theologen haben, so denke ich, diese 'Anleitung zum Leben' in der Übereinstimmung mit und zum Wohl der Schöpfung, in die heutige Zeit zu übertragen. Ich denke - und darauf will ich hinaus - dieser Übertragung liegt vielleicht ein grundlegender Irrtum zugrunde. Die Grundweisheit, die das Weltall erdachte, war, dass es vergänglich sein musste, um zu funktionieren. Aus der Vergänglichkeit sollte immer und immer wieder Neues werden. Ein ewiger Kreislauf. Das Leben, die wunderbarste Komponente der Schöpfung, musste eine Gabe auf Zeit sein. Aber der Mensch verstand die Gabe nicht als Leihgabe auf Zeit sondern als Besitz und statt dafür zu danken, fing er an zu klagen, sobald er irgend etwas davon verlor. Dies scheint mir der Grundfehler in dem gelehrten Verständnis von Gott in seiner Beziehung zum Menschen zu sein. Wenn wir das Leben als Leihgabe verstünden, hätten wir ein ganz anderes Bild von unserem eigenen Dasein. Krankheit, Pandemie, der Tod wäre nicht mehr der Entzug meiner Gesundheit, meines Lebens, sondern die selbstverständliche Rückgabe des Eigentums eines Anderen. Aus der Anklage gegen Gott, der diese und jenes zulässt, wegnimmt, nicht eingreift, könnte überwältigende Freude darüber werden, dass Er uns Leben - wenn auch nur für eine begrenzte Zeit - gegeben hat. Klingt das zu simpel? Ich versuche so zu leben. Werburg Doerr
Kommentieren Sie diesen Artikel
Pflichtfelder sind mit * markiert.
Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.
Spamschutz: dieses Feld bitte nicht ausfüllen.