Die erheblichen Herausforderungen des Anthropozäns, zu denen Klimawandel, Pandemien, Konflikte und Kriege, Antisemitismus und Rassismus, Verschwörungsmythen und Identitätsideologien zählen, werden sich – nach Eberhard Pausch – nicht mit weniger, sondern nur mit mehr Vernunft bewältigen lassen. Deshalb ist es für ihn geboten, sich neu auf das Projekt der Aufklärung zu besinnen, und Christen haben von ihrer Botschaft her allen Grund, an diesem Projekt mitzuwirken.

Für Johannes Michael Dittmer, dankbar für jahrzehntelange Freundschaft!

 

Willkommen im Anthropozän!

Unsere Welt lebt seit einigen Jahrzehnten im Zeitalter der Menschheit, im „Anthropozän1. Das ist leider keine besondere Ehrenbezeichnung für uns Menschen, sondern ein begrifflicher Hinweis darauf, dass die Menschheit erstmals in ihrer Geschichte in der Lage ist, sich selbst und die Erde im Ganzen zu zerstören. Der Klimawandel stellt dabei eine der größten Herausforderungen dar, denen wir Menschen jemals gegenüberstanden. Deshalb ist die 2018 initiierte Bewegung „Fridays for Future“ im Gegenzug gegen den Klimawandel ein überfälliger Weckruf gewesen.2 Der Klimaschutz ist aber auch nur ein Teil der Hauptaufgabe, die Kirche und Gesellschaft in den kommenden Jahren zu bewältigen haben werden. Wenn ich die Zeichen der Zeit recht deute, dann besteht diese Hauptaufgabe in nichts Geringerem als in der Wiedergewinnung der Aufklärung. „Every Day for Enlightenment“ – das sollte die Bewegung der Gegenwart und Zukunft sein. Warum?

Aus einem naheliegenden Grund: Nur wer die Herausforderungen wahrnimmt und erkennt, vor denen wir stehen, kann dazu beitragen, sie zu bewältigen. Denn wer die Bedrohung durch die Corona-Pandemie geringschätzt oder abstreitet, der leistet keinen Beitrag zu ihrer Überwindung. Wer sich in digitalen (oder analogen) Echokammern und Filterblasen einschließt oder in und um Verschwörungsmythen kreist, der wird nicht zu solidarischem Handeln fähig sein. Und wer den Klimawandel leugnet, der wird ihn nicht bekämpfen wollen. Kurz gesagt: Wir brauchen Wahrheitserkenntnis, um uns orientieren und kompetent handeln zu können. Wahrheit zu erlangen, und zwar eine Wahrheit, die befreit – eben das ist das Geschäft der Aufklärung! Darin stimmt sie überein mit der christlichen Botschaft, die lautet: „Die Wahrheit wird euch frei machen.“ (Joh. 8,32)

 

Aufklärung als Prozess und unabschließbare Aufgabe

„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.“3

Mit diesen Worten leitete Immanuel Kant (1724-1804) bekanntlich seine Ausführungen zum Phänomen der Aufklärung aus dem Jahr 1783 ein. Seine berühmte Definition mündet in ein anspruchsvolles, ethisch hoch reflektiertes prozessuales Verständnis der Aufklärung: Kant zufolge ist Aufklärung nicht das objektiv vorliegende Resultat eines Erkenntnisstrebens („Wir haben xyz aufgeklärt“), sondern der Prozess der Erkenntnisgewinnung selbst („Wir arbeiten mit am Projekt der Aufklärung“). Und dieser Prozess kann nur als unabgeschlossen aufgefasst werden. Damit sollte deutlich sein: „Aufklärung“ ist jedenfalls nicht bloß der Name einer historischen Epoche, die im 18. Jh. ihren Kulminationspunkt und ihren Abschluss erreicht hatte. Deswegen kann etwa der Harvard-Professor Steven Pinker in seinem anregenden Buch „Aufklärung jetzt!“4 sie als den produktiven Einklang von Vernunft, Wissenschaft, Humanismus und Fortschritt verstehen. Man muss Pinkers Zugang zur Aufklärung nicht in jeder Hinsicht folgen. Das tue auch ich nicht, weil ich etwa seine Religionskritik nicht teile.5 M.E. schließen sich Glaube und Vernunft gerade nicht aus, sondern der „λá½¹γος“, von dem das NT spricht, stellt eine perfekte Synthese von Liebe und Vernunft dar. Und aus diesem λá½¹γος resultiert – wenn ich das recht sehe6 – der Geist der Aufklärung. Genau in diesem Sinne kann Wahrheit der Befreiung der Menschen dienlich sein.

 

Kritik an der Aufklärung

Schon sehr früh gab es Kritik an der Bewegung, die Moses Mendelssohn, Kant und andere als „Aufklärung“ bezeichnet hatten. Die Protagonisten der Romantik etwa stellten früh die Dominanz der Vernunft im Aufklärungsprozess in Frage und wollten der „Macht der Gefühle“ mehr Geltung verschaffen. Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831) ordnete die Aufklärung in der Systematik seiner „Phänomenologie des Geistes“ dem „entfremdeten Geist“7 zu.

Man kann wohl vermuten, dass diese mit einer negativen Wertung verbundene systematische Verortung Theodor W. Adorno (1903-1969) und Max Horkheimer (1895-1973) mehr als ein Jahrhundert später in ihrer Sicht der Aufklärung geprägt hat. Jedenfalls entfalten sie in ihrem wirkungsmächtigen Buch „Dialektik der Aufklärung“8 eine äußerst kritische Sicht auf die (Epoche oder den Prozess?) der Aufklärung. Ihres Erachtens fokussierte sie sich auf die „Beherrschung der Natur“ und führte als übersteigerter instrumenteller Rationalismus im Dienste des entfesselten Kapitalismus nahezu zwangsläufig in die Barbarei des Nationalsozialismus hinein.

Aufklärung als machtbesessener Empirismus?

„Aufklärung“ verstehen Adorno und Horkheimer in ihrem Werk nicht von Kant, sondern vor allem von Francis Bacon (1561-1626) her. Ist es aber berechtigt, die Aufklärung insgesamt mit Bacons machtbesessenen Empirismus zu identifizieren? Ein zentraler Aspekt der Kritik von Adorno und Horkheimer mag seine Berechtigung haben, nämlich die Infragestellung einer verengten, bloß „instrumentellen Vernunft“. Im Ganzen aber scheint die These von der „Dialektik der Aufklärung“ doch schneidend, ungerecht und überzogen. Im Blick auf Adorno kann es vielleicht versöhnlich stimmen, dass dieser in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre in seinem Programm einer „Erziehung zur Mündigkeit“ sich schlussendlich doch wieder zu den Errungenschaften und Potenzialen der Aufklärung bekannte9 – wenngleich er eine mögliche „Aufklärung 2.0“ noch nicht vor Augen haben konnte.

Der Theologe und Philosoph Paul Tillich (1886-1965), der den Gründungsvätern der Frankfurter Schule seit 1929 nahestand und bei dem Adorno sich einst habilitierte, unterscheidet in seinem Hauptwerk „Systematische Theologie“ die sog. „ontologische“ (objektive) und die „technische“ (subjektive) Vernunft voneinander. Erstere reflektiere Ziele und Mittel menschlichen Handelns, letztere suche lediglich Mittel für ihr vorgegebene Zwecke. Die „technische Vernunft“ entspricht somit dem, was Adorno und Horkheimer als „instrumentelle Vernunft“ bezeichnen. Tillich kennt darüber hinaus noch eine sog. „Tiefe der Vernunft“, der er – der objektiven Vernunft zugrundeliegend – Mythos und Kultus zurechnet.10 Tillich zeichnet damit ein reicheres, differenzierteres und bei weitem nicht so pessimistisches Bild von der Vernunft wie die „Dialektik der Aufklärung“. Dass die Aufklärung als solche ins Unheil führen könne11 – diesen Satz hätte Tillich wohl niemals unterschrieben.

Eine weitere Welle der kritischen Auseinandersetzung mit der Aufklärung bildete die in den 1970er, 1980er Jahren sich ausbreitende Bewegung der „Postmoderne“, deren Leitfiguren weit über Frankreich hinaus Jean-François Lyotard (1924-1998), Michel Foucault (1926-1984) und Jacques Derrida (1930-2004) hießen. Kein Geringerer als Jürgen Habermas (geb. 1929) hat ihnen im expliziten Anschluss auch an Kant in seinem Werk argumentativ anspruchsvollen Widerstand geboten. Ihm ging es darum, die weite, differenzierte, weil „dreistrahlige Vernunft der Moderne“ gegen ihre zahlreichen vernunftkritischen Gegner zu verteidigen.12

Cancel Culture“ statt Aufklärung

Die aktuellsten Auseinandersetzungen mit der Aufklärung zu Beginn der 2020er Jahre bemühen sich indes gar nicht mehr um Argumentation. Stattdessen moralisiert man und erteilt Sprech- und Diskussionsverbote. Man nennt dies „Cancel Culture“. In ihrem Rahmen wird eine immer massivere Kritik an der Aufklärung und den sie repräsentierenden Personen – namentlich Kant – geäußert. Der Hauptvorwurf lautet heute: Die Aufklärung sei eine „rassistische Bewegung“ (gewesen).

Auch hier wird allerdings der Aufklärungsbegriff überwiegend als Epochenbegriff verstanden. Susan Arndt etwa fragt: „Wie aufklärerisch war die Aufklärung wirklich?“13 und kritisiert viele Philosophen des 18. und frühen 19. Jh. für ihre Verwendungen des Begriffs „Rasse“ und für die negative Konnotation, die sie diesem Begriff (oft) gaben. Im Windschatten dieser Feststellungen urteilt dann beispielsweise Alice Hasters, jener Kant sei „ein richtig übler Rassist“14 gewesen. Die Diskussion hat sich im Rahmen der „Black-lives-matter“-Bewegung seit dem Frühjahr 2020 zugespitzt.15. Seitdem wird im Blick auf Straßen, Gebäude und Einrichtungen die Tilgung von Namen wie Kant, Hegel, Hume (usw.) ebenso gefordert wie die Entfernung von Statuen dieser Personen. Die Aufklärung wird damit insgesamt von der „Cancel Culture“ in Frage gestellt. In der Folge präsentiert sich das Wissenschaftssystem in den USA, aber auch in Europa als zunehmend verunsichert und zerrissen.

 

Aufklärung 2.0“ als zentrale Aufgabe für die Gesellschaft

Eine digitale Vorlesungs- und Diskussionsreihe untersuchte im Frühjahr 2021 die Frage nach dem „Rassismus“ in der Philosophie Kants kritisch und multiperspektivisch. Wurde dadurch wenigstens ein „vorläufiger Frieden“ (in ironischer Anspielung auf Kants Schrift „Vom ewigen Frieden“) erzielt?16 Vielleicht kann man aus diesen und ähnlichen Diskursen zumindest eines schließen: Es braucht wohl eine „Aufklärung über die Aufklärung“ – aber diese führt nicht dazu, deren ethische Grundsätze wie etwa den „Kategorischen Imperativ“ Kants („Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“) für irrelevant zu erklären. Vielmehr können und müssen Kants – eher beiläufige und nicht in seinen Hauptwerken vertretenen – Äußerungen über Menschen und Menschenrassen gerade an diesem von ihm selbst aufgestellten Prinzip gemessen und von da aus kritisiert und überwunden werden.

Der Historiker Wolfgang Benz jedenfalls sieht gerade im Blick auf den Rassismus und Alltagsrassismus in unserem Land die Notwendigkeit demokratischer Aufklärung. Nur durch Aufklärung lasse sich Rassismus überwinden. Aber Aufklärung sei eine Haltung, kein schnell wirkendes Wundermittel. Prozesse der Aufklärung bedürften daher der Geduld.17 Steven Pinker plädiert aktuell, wie der Titel seines oben zitierten Buches belegt, für eine Aufklärung als Einheit und Einklang von Vernunft, Wissenschaft, Humanismus und Fortschritt. Er tut dies in expliziter Anknüpfung an Immanuel Kants Begriff von Aufklärung, und er verbindet in seiner Begründung Evolutions- und Informationstheorie vor dem Hintergrund des zweiten Hauptsatzes der Thermodynamik (die Entropie betreffend) miteinander.

Die Innsbrucker Philosophin Marie-Luise Frick kennzeichnet in einem 2020 erschienenen Büchlein18 die Aufklärung ebenfalls als einen offenen, in die Zukunft weisenden Prozess, der zwar Inspiration aus der gleichnamigen Epoche „Aufklärung“ beziehen kann, aber seinem Wesen nach höchst aktuell und unabgeschlossen ist. Aufklärung, so Frick, meint, dass Menschen „selbst denken“ lernen, dass sie fähig werden, friedlich miteinander zu leben, dass sie Mut zur Zukunft und zur Menschlichkeit entwickeln.

Auch der Club of Rome fordert in seinem 2018 veröffentlichten neuen Bericht Aufklärung ein.19 Diese sei dringend notwendig im Blick auf die großen Herausforderungen unserer Zeit, wie sie im Horizont der 17 „Sustainable Development Goals“ wahrgenommen werden könnten. Dabei werden die dunklen Seiten der historischen Aufklärungsbemühungen im 18. und 19. Jh. nicht verschwiegen: Der europäische Kolonialismus sei von den Intellektuellen der historischen Aufklärung zu wenig kritisiert worden. Das Elend der Armen, vor allem der Arbeiterschaft, sei kaum beachtet worden. Die Anliegen der Frauen seien fast völlig übergangen worden. Und ein hemmungsloses Wachstum sei seinerzeit als völlig legitim angesehen worden. Dies alles sei nicht hinnehmbar. Genau deshalb brauche es eine „Aufklärung 2.0“. Diese dürfe sich nicht auf instrumentelle Vernunft bzw. Rationalismus verengen, sondern müsse die ganze Weite und Tiefe der Vernunft im Blick haben. Auch dürfe Aufklärung nicht „Europa-zentriert“ sein, sie müsse vielmehr ein globales Gepräge tragen und die Belange und Bedarfe des globalen Südens im Blick haben. Schließlich müsse die neu formatierte Aufklärung auf eine umfassende „Balance“ abzielen – auf ökologische, soziale, ökonomische Balance.20 Die herausgeforderte und zutiefst bedrohte Welt braucht eine umfassende Balance. Das Anthropozän bedarf einer „Aufklärung 2.0“.

 

Aufklärung 2.0“ als zentrale Aufgabe für Kirche und Theologie

Die Aufgabe, zur Aufklärung beizutragen, ist aber nicht nur der Gesellschaft allgemein und dem Wissenschaftssystem im Besonderen aufgetragen. Sie stellt sich auch innerhalb der christlichen Kirche, wenn diese sich ernstlich vom „λá½¹γος“ (Wort, Sprache, Vernunft, Weltvernunft) her versteht, der jedenfalls im Johannesevangelium (Joh. 1,1-14) als Inhalt der christlichen Offenbarung verstanden wird. Der λá½¹γος stellt nach dem Zeugnis des NT eine perfekte Synthese von Liebe und Vernunft dar. Dass eine solche einmalige Synthese die Propagierung und die Praxis gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit ausschließt, bedarf wohl keiner ausführlichen Begründung. Ebenso wenig kann es dem λá½¹γος um Beherrschung und Ausbeutung der Natur gehen. Vernünftiges und mitfühlendes Denken kann sich der Anerkenntnis des Klimawandels und der Sorge um die Zukunft der Erde nicht verschließen.

Eine dem λá½¹γος verpflichtete Kirche muss zwangsläufig „Theo-logie“ treiben. Sie kann sich dem Geist der Aufklärung mindestens wesensverwandt fühlen, wenn sie sich nicht sogar mit ihm identifizieren darf. Deshalb wird sie dem Supranaturalismus und dem Offenbarungspositivismus widerstehen, durch jeweils kritisches Hinterfragen und substanzielle Argumente. Und sie wird jeglichen Fundamentalismus und Dogmatismus in ihren eigenen Reihen bekämpfen, mit Liebe und Vernunft.

Die christliche (Sozial-)Ethik muss daher in ihrem innersten Kern immer auch ein Projekt der Aufklärung sein. Denn die erheblichen Herausforderungen des Anthropozäns, zu denen Klimawandel, Pandemien, Konflikte und Kriege, Antisemitismus und Rassismus, Verschwörungsmythen und Identitätsideologien zählen, werden sich sicherlich nicht mit weniger, sondern nur mit mehr Vernunft bewältigen lassen. Dafür haben wir als Christ*innen allerdings die besten Voraussetzungen. Denn nach dem Zeugnis des NT ist uns ja der λá½¹γος selbst geschenkt worden. Er wurde sozusagen „Fleisch“ (Joh. 1,14) und ging leibhaftig in unsere Wirklichkeit ein.21 Wenn wir heute die „Aufklärung 2.0“ zu unserem Projekt erheben, dann folgen wir somit der Logik des λá½¹γος selbst. Sie führt vielleicht über Bruchstellen und in gekrümmten Linien, aber doch gleichsam zwangsläufig in die Bewegung des „Every Day for Enlightenment“ hinein.

 

Anmerkungen

1 Der Begriff wurde, ursprünglich aus geologischer Perspektive, im Jahr 2000 u.a. von Paul Crutzen (1933-2021) eingeführt.

2 Die kritische und verantwortungsethisch reflektierte Analyse von Hans Jonas zum Thema „Treibhauseffekt“ in seinem Buch „Das Prinzip Verantwortung“ (1979) wurde erst 40 Jahre später (!) in Form der von Greta Thunberg inspirierten Bewegung „Fridays for Future“ in das allgemeine Bewusstsein weiter Teile der Weltbevölkerung gehoben. Eine wichtige Zäsur für das Handeln der bundesdeutschen Politik stellt das wegweisende Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 24. April 2021 dar, das den Gesetzgeber zur deutlichen Beschleunigung und Verbesserung seiner Aktivitäten im Bereich des Klimaschutzes verpflichtet.

3 Immanuel Kant: „Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?“ (1783/84), in: Was ist Aufklärung? Thesen und Definitionen, hrsg. von E. Bahr, Stuttgart 1996, 9-17, dort 9.

4 Steven Pinker: Aufklärung jetzt: Für Vernunft, Wissenschaft, Humanismus und Fortschritt, Frankfurt/M. 2018.

5 Es ist schade, dass Pinker den „religiösen Glauben“ zu den Mächten der „Gegenaufklärung“ rechnet (Pinker, a.a.O., 47f, 527ff). Ich vermute, dass diese Einschätzung auf seinem biographischen Erlebniskontext in Nordamerika beruht, wo er dem Christentum wohl in teilweise vor- oder anti-aufklärerischer Gestalt begegnet sein mag. In Deutschland und Westeuropa ist das Christentum anders konturiert und konfiguriert.

6 Ein Plädoyer für diese Sicht der Dinge findet sich in: Eberhard Martin Pausch: Jesus, Hauptdarsteller Gottes? Inszenierung als Schlüssel für einen vernunftgemäßen Glauben, Berlin 2019.

7 Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Phänomenologie des Geistes (1806), Hamburg 2016, 366-404.

8 Max Horkheimer/Theodor W. Adorno: Dialektik der Aufklärung: Philosophische Fragmente, Frankfurt/M. 22. Aufl. 2016 (New York 1944, Amsterdam 1947, Frankfurt/M. 1969).

9 Vgl. die Darstellung bei Manfred Geier: Aufklärung. Das europäische Projekt, Bonn 2012, 371f.

10 Paul Tillich: Systematische Theologie Bd. I (1958), Darmstadt 8. Aufl. 1984, 87-91.

11 „Aufklärung als solche – so die These – führte ins Unheil.“ (Rolf Wiggershaus: Die Frankfurter Schule: Geschichte, theoretische Entwicklung, politische Bedeutung, München 1988, 366.)

12 Jürgen Habermas: Der philosophische Diskurs der Moderne, Frankfurt/M. 1985.

13 Susan Arndt: Rassismus. Die 101 wichtigsten Fragen, München 3. Aufl. 2017, 60.

14 Alice Hasters: Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten, München 2019, 54f.

15 Vgl. Patrick Bahners: „War Kant ein Rassist?“, in: FAZ Nr. 140 vom 19.6.2020, 11; Frank Pergande: „Was Kant zu wissen meinte“, in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung Nr. 25 vom 21.6.2020, 8; Michael Wolff: „Kant war ein Anti-Rassist“, in: FAZ Nr. 157 vom 9.7.2020, 12 sowie ders.: „Antirassist aus Prinzip“, in: FAZ Nr.175 vom 30.7.2020, 12.

16 Daniel-Pascal Zorn hat in zwei längeren Tagungsberichten die zwölfstündige Videokonferenz über Kants angeblichen Rassismus nachgezeichnet („Der Streit der Kontextualitäten“, in: FAZ Nr. 16 vom 20.1.2021, N3, sowie „Zum vorläufigen Frieden“, in: FAZ Nr. 98 vom 28.4.2021, N3). Sein Fazit in nuce: Es muss sorgfältiger gelesen und differenzierter geurteilt werden.

17 Wolfgang Benz: Alltagsrassismus: Feindschaft gegen „Fremde“ und „Andere“, Frankfurt/M. 2019, 25.

18 Marie-Luise Frick: Mutig denken: Aufklärung als offener Prozess, Stuttgart 2020.

19 Ernst Ulrich von Weizsäcker/Anders Wijkman: Wir sind dran. Was wir ändern müssen, wenn wir bleiben wollen, München 2018, 18, 34-36.

20 Dies wird ausführlich entfaltet in: Ernst Ulrich von Weizsäcker/Anders Wijkman: Wir sind dran, a.a.O., 123-192, vgl. besonders 179-192.

21 Eine wunderbare Symbolik, die m.E. besagt: Gott hat uns in der Person und im Werk Jesu Christi ein unverlierbares, aber auch unverfügbares Geschenk gemacht. An uns ist es, dieses Geschenk der Liebe und Vernunft anzunehmen und in unserem Leben zu bezeugen.

 

Über die Autorin / den Autor:

Studienleiter Dr. Eberhard Martin Pausch, Jahrgang 1961, 1993 Promotion an der Universität Marburg, 1992-2000 Gemeindepfarrer in Frankfurt/M., 2000-2012 Oberkirchenrat im Amt der EKD in Hannover, anschließend Theol. Referent in der Kirchenleitung der EKHN in Darmstadt, seit 2016 Studienleiter der Evang. Akademie Frankfurt/M.

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft 12/2021

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