Die meisten von uns haben es recht schwer im Leben und würden es gern leichter haben. Nur bei der Kirchenbank ist es gerade umgekehrt: Sie hat es heutzutage ziemlich leicht und würde es gern schwerer haben. Hören wir ihr einmal zu. Sie beschwert sich darüber, dass sie nicht genügend beschwert wird. Wir sollten das nicht auf die leichte Schulter nehmen.

 

1. Bestandsaufnahme

Wenn man mit alter Zeit vergleicht,
hab ich’s als Kirchenbank jetzt leicht.
Ich muss mich nicht besonders plagen
und meist nicht viele Menschen tragen:
nur ein paar Leute, die mich drücken –
dazwischen ziemlich viele Lücken.
Ich hätt es gerne etwas schwerer,
doch wird die Kirche immer leerer.
Wozu kann ich als Bank noch nützen,
wenn keine Leute auf mir sitzen?
Ach, leider gähn ich oft vor Leere –
was ist der Grund für die Misere?

 

2. Suche nach den Gründen

Bisweilen höre ich euch klagen:
„Ich kann den Pastor nicht ertragen.
Der tut so fromm und ist so dumm
und redet um den Brei herum.“
Als Bank muss ich das wohl bestätigen,
wie manche Geistlichen so predigen,
gefällt mir auch nicht immer sehr –
doch ist die Kirche deshalb leer?
So mancher predigt wunderbar –
und doch bleibt die Gemeinde rar.
Man hört für diesen tristen Schwund
mal diesen und mal jenen Grund:
„Da sind ja doch nur alte Leute,
ich komme später, noch nicht heute.“
„Der Gottesdienst ist viel zu lang.“
„Ich habe keine Freude am Gesang.“
„Ich bin schon lange ausgetreten.“
„Man kann doch auch zuhause beten.“
„Das ist doch nichts für einen Mann.“
„Ich helfe lieber, wo ich kann.“
„Ich brauche nicht zur Kirche rennen,
um meinen lieben Gott zu kennen.“
Ich zieh’ als Bank das Resümée,
und das tut leider ziemlich weh:
Ich bin, das merke ich, ihr Lieben,
bei euch so ziemlich abgeschrieben.
Ihr scheint es nicht mehr wertzuschätzen,
euch auf mich Kirchenbank zu setzen
und meint, dass es ja doch nichts bringt,
wenn ihr hier betet, hört und singt.

 

3. Konsequenzen?

Doch seid ihr nicht so konsequent,
dass ihr mich nun sogleich verbrennt
und würdet es wohl auch kaum wagen,
mich einfach kurz-und kleinzuschlagen.
Im Grunde hängt ihr irgendwie
an Gottesdienst und Liturgie
und selbst, wer kaum je hierher kam
und selten daran teilnahm,
den würde es wohl doch verdrießen,
wenn alle Kirchen ab jetzt schließen.
Dann säße keiner auf der Bank,
dann sänge niemand Lob und Dank.
Die Gottesdienste fielen aus,
man bräuchte gar kein Gotteshaus –
man baut es dann zum Schwimmbad um –
adé, lieb Evangelium –
da könntet ihr von eignen Gnaden
statt bloß zu beten, richtig baden.
Nein, soweit würdet ihr nicht gehen,
ihr lasst mich hier in Ruhe stehen,
ihr ahnt noch immer meinen Sinn,
dass ich als Bank hier nötig bin.
So schließe ich denn mit dem Satz:
Ach, nehmt doch wieder auf mir Platz!
Ich bitte euch, euch zu bekehren
und mich mit Kräften zu beschweren.

 

Thomas Schleiff

 

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft 11/2021

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