Das kurze Leben des österreichischen Komponisten Franz Schubert weist ein überaus reichhaltiges Werk auf. Geistliche Musik scheint darin eine Facette unter anderen gewesen zu sein, die zudem zu den selbstverständlichen kulturellen Pflichten der Zeit Schuberts gehörte. Gottfried Simpfendörfer fragt in einer kleinen Artikelreihe, welche Beziehung der Mensch Franz Schubert zu Religion und Glaube hatte.

 

Glaube ist etwas ganz Persönliches und Individuelles. Er wird nicht zur Schau getragen. Aber es gibt Punkte, an denen ein Mensch sein Inneres offenbart und so diese verborgene Seite sichtbar werden lässt. Das ist auch bei Schubert der Fall. Dazu zählen zunächst persönliche Zeugnisse wie Tagebuchnotizen, die nur für ihn selbst bestimmt waren, Gedichte. In Briefen hat er anderen Vertrauliches wie Persönliches mitgeteilt. Dasselbe konnte in persönlichen Gesprächen erfolgen, wovon später die entsprechenden Teilnehmer berichteten. Teilweise lässt sich auch die praktizierte Frömmigkeit beobachten wie Gottesdienstbesuch und Sakramentsempfang. Zu bedenken ist das unmittelbare Umfeld, in dem er aufwuchs und das ihn, mehr oder weniger stark, prägte, wozu auch Einzelpersönlichkeiten zählen. Zuletzt hinterlässt auch ein so umfangreiches kompositorisches Schaffen, wie es bei Schubert der Fall ist, Spuren persönlicher Frömmigkeit, vor allem in seiner Kirchenmusik aber auch in seinen Liedern, worauf Schubert selbst eingeht.

 

Ein „frommes Gemüt“?

Schubert war, zumindest in seiner Konviktszeit, ein stiller Mensch. Er „lebte schon als Knabe und Jüngling mehr ein inneres, geistig-sinniges Leben, welches nach außen selten in Worten, ich möchte sagen, fast nur in Noten sich kundgab. Selbst gegen seine Vertrauteren … war er wortkarg und wenig mitteilend, außer in Sachen, die jene Göttliche betrafen, der er sein kurzes, aber ganzes Leben weihte und deren Liebling er war“. So erinnert sich G.F. Eckel1.

Andrerseits ist später in Schuberts Freundeskreis, der in seinem späteren Leben eine gewichtige Rolle spielte, offensichtlich immer wieder lebhaft über Glaubensfragen diskutiert worden. Darauf weist eine sehr eigenwillige Einladung hin, die Schubert am 25. Januar 1827 von seinem Freund Walcher bekommen hat. In Noten einer gregorianischen Melodie „Credo in unum Deum!“ notiert. Walcher fährt dann fort: „Du nicht, das weiß ich wohl“2. Aber in welchem Sinn ist dies zu verstehen? Auffällig ist besonders der Umstand der Notation, was ja auch eine bestimmte Bedeutung haben muss. Es geht nicht nur um die Worte, sondern auch um deren Einbindung in einen Kontext, hier speziell in den der Gregorianik, d.h. der kirchlichen Tradition. W. Dürr bemerkt zurecht: „Walchers Zeugnis kann nun allerdings nur für die Zeit gelten, in der es geschrieben ist: Januar 1827“3, wobei mitzubedenken ist, dass gerade in dieser Zeit ein Messebesuch von Schubert überliefert ist, und zwar am 6. Januar in der Universitätskirche4, wobei der konkrete Anlass nicht bekannt ist. Ferner hatte sich Schubert wenige Tage zuvor, am 3. Januar einen Taufschein ausstellen lassen. Freilich ist der konkrete Anlass auch dazu unbekannt5. Dürr fährt dann fort: „Gerade die Spontaneität der Äußerung schließt eine allgemeine, für Schuberts Leben und Werk im ganzen geltende Deutung aus“.

In einem Bericht an Franz Liszt über Schubert schreibt der Freund Anselm Hüttenbrenner: „Schubert hatte ein frommes Gemüt und glaubte fest an Gott und die Unsterblichkeit der Seele“6. Er fährt fort: „Sein religiöser Sinn spricht sich auch deutlich in manchen seiner Lieder aus“, und fügt noch hinzu: „Zur Zeit, als er Mangel litt, verlor er keineswegs den Mut, und hatte er zuweilen mehr, als er bedurfte, so teilte er auch gern anderen mit, die ihn um milde Gaben ansprachen.“ Damit stellt sich umso schärfer die Frage nach Schuberts Frömmigkeit.

 

Durch Musik zu „religiösen Betrachtungen entflammt“

Gelegentlich kommt Schubert selbst auf seine Frömmigkeit zu sprechen. In einem Brief vom 25 (oder 28.) Juli 1825 an seine Eltern berichtet er aus einer Urlaubsreise mit dem Sänger Vogl nach Oberösterreich. Längere Zeit hielten sie sich in Gmunden auf, wo sie auch eifrig musizierten, u.a. neue Lieder, darunter „Ave Maria“. Schubert schreibt dazu: „Auch wunderte man sich sehr über meine Frömmigkeit, die ich in einer Hymne an die heil. Jungfrau ausgedrückt habe, und, wie es scheint, alle Gemüther ergreift und zur Andacht stimmt“7.

Schuberts damalige Hörer waren von der Komposition überrascht. So wie sie bisher Schubert kennengelernt hatten, war ihnen dieser Zug unbekannt. Die Art und Weise, wie Schubert darüber an seine Eltern schreibt, macht es wahrscheinlich, dass er auf ihnen Bekanntes anspielt – sie also diese Seite ihres Sohnes sehr wohl kannten. Dies wird bestätigt im Antwortbrief des Bruders Ferdinand: „Und daß deine Hymne an die h. Jungfrau, von Dir komponiert, alle Zuhörer zur Andacht stimme, werden jene Leute nicht mehr bewundern, wenn sie Deine F-Messe, Dein ersten Tantum ergo u. Dein Salve Regina gehört haben. Denn durch diese frommen Kompositionen muß jeder Mensch, wenn nur ein Funke von Gefühl in ihm ist, zu religiösen Betrachtungen entflammt werden“8. Ferdinand kennt nicht nur diese Art von Frömmigkeit seines Bruders, sondern sieht davon auch einen bestimmten Teil von Schuberts Kompositionen für den katholischen Gottesdienst geprägt. Sie sind mehr als nur Pflichtstücke.

Diese Art von Frömmigkeit war auch in seinem Freundeskreis nicht unbekannt. A. Hüttenbrenner schreibt in seinen oben erwähnten Erinnerungen: „Beethovens C-Messe stimmte ihn am meisten zur Andacht“9. Schubert versucht in seinem Brief eine Erklärung dafür, dass ihm solche Kompositionen gelingen: „Ich glaube, das kommt daher, weil ich mich zur Andacht nie forcire, und, außer wenn ich von ihr unwillkürlich übermannt werden, nie dergleichen Hymnen oder Gebete componire, dann aber ist sie auch gewöhnlich die rechte und wahren Andacht“. Dies also ist es, was für Schuberts Hörer erlebbar wurde, ein unmittelbares religiöses Ergriffensein.

 

Die Frömmigkeit des Vaters

Jeder Mensch wird in gewissem Umfang geprägt von der Umwelt, in die er hineingeboren wurde, in der er dann aufwächst. Da ist zunächst das Elternhaus. Schubert stammt aus einer Lehrersfamilie. Die Schule unterstand damals der Aufsicht durch die Kirche, in diesem Fall der katholischen Kirche, und war von deren Geist bestimmt. Schuberts Vater war von einer traditionellen Frömmigkeit geprägt, die in seinen Briefen an seine Söhne ihren Niederschlag gefunden hat. So schreibt er Ende Juni 1824 an Franz: „Du weißt schon, daß ich als Jugendlehrer immer gern moralisiere; allein glaube mir, nicht aus Gewohnheit, sondern aus innerlicher Überzeugung, daß kein Mensch wahrhaft glücklich sein kann, als der sich immerhin mit dem lieben Gott beschäftiget, u. sich standhaft an seinen heiligen Willen hält. Wir dürfen, ja wir sollen sogar die unschuldigen Lebensfreuden froh u. mit dankbarem Gemüte zu Gott mäßig genießen; wir müssen aber auch in trüben Umständen den Mut nicht sinken lassen; denn auch Leiden sind eine Wohltat Gottes u. führen den, der standhaft ausharret, zum erhabensten Ziel.“10

In einem Familienbrief vom 14. August 1824 kommt er auf den Gesundheitszustand seines Sohnes zu sprechen: „Ich freue mich Deines gegenwärtigen Wohlseins um so mehr, weil ich voraussetze, daß Du dabei hauptsächlich eine vergnügte Zukunft beabsichtigst“. Und er fährt dann fort: „Dies ist auch mein tägliches Bitten zu dem lieben Gott, daß er mich und die Meinigen erleuchte u. stärke, damit wir seines Wohlgefallens u. seines Segens immer würdiger werden“.11 Am Schluss empfehlen die Eltern den Sohn „in den Schutz Gottes“.

Die Frömmigkeit des Vaters hat besonders in dem Brief an den Sohn Ferdinand nach Schuberts Tod ihren Ausdruck gefunden: „Nichts bleibt uns in diesen traurigen Tagen übrig, als bei dem lieben Gott Trost zu suchen, und jedes Leiden, das uns nach Gottes weiser Fügung trifft, mit standhafter Ergebung in seinen heiligen Willen zu ertragen; und der Ausgang wird uns von der Weisheit und Güte Gottes überzeugen und beruhigen. Darum fasse Mut und inniges Vertrauen auf Gott; er wird Dich stärken, damit Du nicht unterliegest, und Dir durch seinen Segen eine frohe Zukunft gewähren. Sorge so viel als möglich, daß unser guter Franz unverzüglich mit den heil. Sakramenten der Sterbenden versehen werde, und ich lebe der tröstlichen Hoffnung, Gott wird ihn stärken und erhalten. Dein betrübter, aber von dem Vertrauen auf Gott gestärkter Vater Franz“12.

Diese Frömmigkeit des Vaters bewegt sich in traditionell christlichen Bahnen. Auffallend ist vor allem die Sorge um die Versehung von Franz mit den Sterbesakramenten. Darauf haben offensichtlich die Söhne keinen besonderen Wert gelegt. Das Gespräch der beiden Brüder vor Franzens Tod bezog sich auf anderes13, und im kirchlichen Sterbeprotokoll ist eigens vermerkt: „erhielt bloß die letzte Ölung“14. In seinen Briefen begegnen gelegentlich religiöse Beteuerungen: „Ich und alle meine Anverwandten sind, Gott sei Dank, wohlauf“15.

Welchen Einfluss seine schon 1812 verstorbene Mutter auf Schuberts Entwicklung ausübte und wie sie ihn prägte, lässt sich nur aus der Bemerkung K. Gegenbauers erahnen, „daß seine Mutter mit großer Sorgfalt und mütterlicher Zärtlichkeit den Grund zur Religiosität und Rechtschaffenheit legte und sein jugendliches Herz hiervor erfüllte“16. Von seiner inneren Verbindung mit seiner Mutter erzählt auch die Tagebuchnotiz vom 14. Juni 1816 über einen Abendspaziergang in der Nähe des Friedhofs, wo sich ihr Grab befand17.

 

Religiöse Floskeln

Diese Redensweisen des Vaters wurden von den Söhnen zum Teil übernommen. An seine Freunde in Wien schreibt Schubert aus Ungarn: „Jetzt lebe ich einmal, Gott sey Denk, es war Zeit“18. Etwas später berichtet er von einem 75jährigen Chirurgus, „stets heiter u. froh“ und fügt hinzu. „Gott gebe jedem ein so glückliches Alter“19. Angesichts seines Wohlergehens fügt er ein „Der Allmächtige sei gepriesen“20. Aber auch fürchterliches Wetter wird religiös begründet: „Der Allerhöchste scheint uns gänzlich verlassen zu haben“21. Gelegentlich verwendet Schubert eine religiöse Beteuerung, um ein Anliegen zu unterstreichen: „Und nun, da ich Euer Hochwohlgeb. schon mit so viel Bitten belästige, so füge ich in Gottes Nahmen gemüthig noch … hinzu“22. Bestimmte Vorhaben möchte er „in Gottes Namen“ anfangen23 – eine Wendung, die an die entsprechenden Überschriften bei J.S. Bach und J. Haydn erinnert.

Wie schon in Zusammenhang mit Schuberts Tod angedeutet, dachten die Söhne in bestimmtem Punkten ganz anders als der Vater. Ignaz, der ältere Bruder, schreibt am 12. Oktober 1818 Franz nach Zeléz: „Du wirst Dich wundern, wenn ich Dir sage, daß es in unserm Hause schon so weit gekommen ist, daß man sich nicht einmal mehr zu lachen getraut, wenn ich vom Religionsunterricht eine abergläubische lächerliche Schnurre erzähle“. Offensichtlich liegt hier ein Punkt vor, wo der Sohn das traditionelle Denken des Vaters nicht mehr teilte und es dadurch zu Spannungen im Familienkreis kam. Ignaz erzählt weiter vom „Namensfest unseres Herrn Papa: Zuletzt wurde gesungen, und sämtlichen Anwesenden eine Reliquie des Heilg. zu küssen gegeben, wobei ich bemerkte, daß mehrere Erwachsene zur Tür hinausschlichen, die vielleicht nicht Lust haben mochten, dieser Gnade teilhaftig zu werden“. Die Atmosphäre war so gespannt, dass er eigens als Postskriptum anfügte: „Wenn Du an den Papa und mich zugleich schreiben möchtest, so berühre nichts von religiösen Gegenständen“24. Auch Franz denkt anders als sein Vater, freilich nicht so radikal wie sein Bruder. Immerhin kann er ihm schreiben: „Der unversöhnliche Haß gegen das Bonzengeschlecht macht Dir Ehre“ und fügt einige eigene Beobachtungen und Erlebnisse hinzu25.

 

Kirchenmusikalische Prägungen

Ganz wesentliche Prägungen erfuhr Schubert durch die Kirchenmusik in seiner Heimatkirche in Lichtental. Entscheidend war die Begegnung mit dem Regens Chori Michael Holzer, der ihn – außerhalb des Elternhauses – früh musikalisch förderte. Für die Musik dieser Kirche schrieb Schubert eine Fülle von kirchenmusikalischen Werken26.

Über die Zeit, als er nach dem Ausscheiden aus den Konvikt wieder im Elternhaus lebte, wird berichtet: „Während dieser Zeit frequentierte er wieder jeden Sonn- und Feiertag den Liechtenthaler Kirchenchor“27, d.h. er knüpfte dort an, wo er mit dem Eintritt ins Konvikt aufgehört hatte. Infolge davon wird er später Kompositionsaufträge erhalten haben, denen er nachkam, ja er behielt persönliche Kontakte mit Bekannten dieser frühen Zeit. So hatte sein etwas jüngerer Jugendgenosse Michael Leitermayer ihn offensichtlich gebeten bzw. eingeladen, zur Weihe einer umgegossenen Glocke in der Kirche zur Heiligen Dreifaltigkeit in der Alservorstadt ein Chorlied zu schreiben28.

Diese Prägungen werden die Grundlage dafür gewesen sein, dass Schubert seine zwei letzten Messen ohne speziellen Auftrag aus eigenem Antrieb schrieb, sich dazu intensiv um Aufführungen bemühte und sich dazu auch finanziell engagierte29 – ein Sachverhalt, dessen Bedeutsamkeit für Schuberts eigene Frömmigkeit nicht gewichtig genug eingeschätzt werden kann.

„Eine schöne Stimme und eine für sein zartes Alter seltene musikalische Bildung verschafften dem jungen Schubert einen Platz als Sängerknabe der k.k. Hofkapelle, durch welche Eigenschaft er zugleich Zögling des k.k. Konvikts in der Stadt wurde.“ So berichtet sein Freund v. Spaun und fährt mit folgenden Sätzen fort, die für unser Thema von großer Bedeutung sind: „Was anderen zur Last war, nämlich der Dienst in der Kirche, war dem jungen Schubert Genuß. Die trefflich ausgeführten Kirchenmusiken in der k.k. Hofpakelle machten auf ihn den tiefsten Eindruck, und gerade jene Kirchen-Kompositionen, welche sich mehr durch inneren Wert und durch religiöse Begeisterung als durch äußere Ausstattung auszeichnetet, entzückten das kindliche Gemüt, das schon die Natur auf die rechte Bahn geleitet hatte.“30 Es legt sich auch die Vermutung nahe, dass in dieser Zeit, wo dann Schubert die klassische Orchestermusik durch eigenes Musizieren kennen lernte, ­Händels „Messias“, Mozarts Requiem und Beethovens C-Dur-Messe mit zu seinen Lieblingskompositionen wurden31.

Gelegentlich wirkte er bei kirchenmusikalischen Darbietungen mit: So leitete er am 4. April 1820 eine Aufführung von Haydns „Nelson-Messe“ in der Alt-Lerchenfelder Kirche32, seinem Bruder Ferdinand war er mit Kompositionen für den Gottesdienst behilflich33. Umgekehrt wird berichtet, dass er am 3. November 1828 in der Hernalser Kirche das Requiem dieses Bruders hörte34.

 

Erziehung im Ordenskonvikt

Das Konvikt, in das Schubert im Herbst 1808 eintrat, war damals eine neue Schule, 1803 durch Kaiser Franz II. neu gegründet, als Ersatz für das frühere kaiserliche Konvikt, das die Jesuiten geleitet hatten. Es war von Josef II. aufgelöst worden35. Diese neue Schule stand unter der Leitung der Piaristen, eines Ordens, der sich ausschließlich dem Dienst an der Jugend in der Schule verschrieben hat. Man darf annehmen, dass die Schüler und somit auch der junge Schubert hier im Geist der katholischen Kirche unterrichtet und erzogen wurden. Der Leiter des Konvikt war damals Franz Innozenz Lang, der sich um das österreichische Schulwesen verdient gemacht hat36. Gerne wüsste man mehr, inwiefern diese Persönlichkeit sich auf den Geist des Hauses, auf die Bildung wie auf die religiöse Ausrichtung auswirkte. Besonders betrifft dies den Religionsunterricht, den Prof. Josef Tranz erteilte37. Interessant wäre vor allem zu erfahren, was konkret im Unterricht behandelt wurde. Immerhin scheint dort Schubert einige Bibelkenntnisse erworben zu haben, falls dies nicht schon zuvor im Elternhaus geschehen ist. In einem Brief an den älteren Bruder Ferdinand vom 24.November 1812 unterstreicht er seine Bitten durch Bibelzitate, die allerdings nicht korrekt sind. Er beginnt mit „Die auf dich hoffen, werden nicht zu Schanden werden. Matthäus Cap.3,V4“38. Einige Zeilen später fährt er fort: „Wie gesagt, ich stütze mich auf die Worte des Apostels Matthäus: der da spricht: Wer zwei Röcke hat, der gebe einen den Armen etc.“39. Matthäus scheint ein Lieblingsapostel Schuberts gewesen sein. Ihm legt er diese Worte in der Mund, die jedoch in Luk. 3,11 zu finden sind. Umgekehrt erwähnt Ferdinand in einem Brief vom 4. August 1825 Josef und seine Brüder40.

In einer Prüfung für den Schulunterricht am 19. August 1814 erhielt er für die theoretischen Kenntnisse die Note „m“ (das mag Durchschnitt sein – mittelmäßig), im praktischen Teil jedoch die Note „sch“ (schlecht) – übrigens als einzige41. Religion zu unterrichten war offensichtlich gar nicht seine Sache.

(wird fortgesetzt)

 

Anmerkungen

1 Deutsch, Otto Erich (Hg.): Schubert. Die Erinnerungen seiner Freunde, Wiesbaden/Leipzig/Paris 1983, 58 (= Erinnerungen).

2 Deutsch, Otto Erich (Hg.): Schubert. Die Dokumente seines Lebens, Wiesbaden/Leipzig/Paris 1980 (= Dokumente).

3 Dürr, Walther: Dona nobis pacem. Gedanken zu Schuberts späten Messen, in: Rehm, Wolfgang (Hg.): Bachiana et alia musicologica, Festschrift Alfred Dürr zum 65. Geburtstag, Kassel/Basel/London/New York 1983, 62-73; 62.

4 Dokumente, 397.

5 Dokumente, 397. Ein Anlass könnte gewesen sein, dass sich Schubert um eine Stelle im kirchlichen Bereich bewarb, wozu ein Taufschein vorgelegt werden musste. Oder diente er der persönlichen Selbstvergewisserung: Ja, ich bin getauft?

6 Erinnerungen, 212.

7 Dokumente, 299.

8 Dokumente, 305.

9 Erinnerungen, 213.

10 Dokumente, 245.

11 Dokumente, 253.

12 Dokumente, 548.

13 Dokumente, 550.

14 Dokumente, 294.

15 Dokumente, 552.

16 Erinnerungen, 61.

17 Dokumente, 43.

18 Dokumente, 63.

19 Dokumente, 67, vgl. 207, 248, 250.

20 Dokumente, 298.

21 Dokumente, 360.

22 Dokumente, 186.

23 Dokumente, 360.

24 Dokumente, 70ff.

25 Dokumente, 75.

26 Dazu: Dürr, a.a.O., 63.

27 Erinnerungen, 46.

28 Dokumente, 535.

29 Dazu: Dürr, a.a.O., 63.

30 Erinnerungen, 24.

31 Vgl. Erinnerungen, 81, 421.

32 Dokumente, 90.

33 Dokumente, 63, 89; vgl. Dürr, a.a.O., 63.

34 Dokumente, 315.

35 Dokumente, 7f.

36 Lang war zuvor 1795-1802 Mitglied der Studien-Revisions-Hofkommission, später von 1808-1830 Direktor des Gymnasialwesens unter der Enns und Referent für gymnasiale Angelegenheiten. Er führte das Fachlehrersystem ein, die Verlängerung der Studienzeit an Gymnasien auf 6 Jahre und die Erweiterung des Lehrprogramms (besonders naturwissenschaftliche Fächer) (vgl. den entsprechenden Artikel in „Österreich-Lexikon“, 1995).

37 Dokumente, 11ff.

38 Dokumente, 23.

39 Dokumente, 22.

40 Dokumente, 305.

41 Dokumente, 34f.

 

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft 10/2021

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