Im Rahmen des bayerischen Vikariats steht am Ende des Vorbereitungsdienstes eine Studienreise an. Ökumenisches und interkulturelles Lernen wird dabei nicht nur theoretisch vermittelt, sondern hautnah durch die Teilnehmenden selbst erfahren. Christiane Renner war mit bayerischen Vikar*innen zu Gast bei der Evangelischen Kirche A.B. und H.B. in Österreich und berichtet von Impulsen für die kirchliche Erwachsenenbildung.

 

1. Pastoraler Nachwuchs unterwegs

Wie es zur Studienfahrt kam – (Aus-)Bildungskontexte

Im Rahmen des bayerischen Vikariats steht am Ende des Vorbereitungsdienstes die Studienreise an. Ökumenisches und interkulturelles Lernen wird dabei hautnah durch die Teilnehmenden selbst erfahren. Corona geschuldet, musste die geplante Reise nach England zur Church of England umgeplant werden. Dabei kam eine Augen öffnende, wegweisende und handfeste zehntägige Reise in die direkte Nachbarschaft, zu den Kolleg*innen der Evangelischen Kirche A.B. und H.B. in Österreich1 heraus. Beginnend in Salzburg und Ober­öster­reich standen der Protestantismus der Toleranzgemeinden in Gosau, Bad Goisern und das Evang. Museum Oberösterreich in Rutzenmoos2 am Beginn der Begegnungen. In Wien führten uns unsere Reiseplanungen neben einem Stadtspaziergang, der Fakultät, dem Wilhem-Dantine-Haus und so manchem kulinarischem Schmankerl zu Begegnungen mit der Kirchenleitung der Evang. Kirche Österreichs. Der Reformprozess unserer Nachbarkirche „Aus dem Evangelium leben (AEL)“3 war dabei von großem Interesse, da mit dem Prozess „Profil und Konzentration (PuK)“4 die bayerische evangelische Landschaft in den kommenden Jahren ebenfalls einen Wandel durchlaufen wird. Ein Austausch mit der katholischen Kirche in Österreich sowie der Besuch der Österreichischen liberalen Synagoge5 erweiterten die Begegnungen in ökumenischer, interkultureller und interreligiöser Perspektive. Abgerundet wurde die Fahrt durch den Besuch unterschiedlicher Projekte der Evang. Kirche Österreichs. Der evangelische Verein PARA I DISE6 in Kärnten beeindruckt vor atemberaubender Bergkulisse mit einem offenen Angebot für die Para­glider-Szene vor Ort. Das Kirchenschiff in Klagenfurt7 hinterließ ebenfalls Eindruck, da es kirchliche Angebote dort ermöglicht, wo die Menschen ihre Zeit verbringen – abseits großer Kirchen, dafür aber an den Seepromenaden des Wörthersees. Die Studienfahrt wurde vom Vikariatskurs eigenständig geplant, durchgeführt und nachbereitet, u.a. durch die Publikation dieses Artikels. Finanziell gefördert wurde die Reise im Rahmen des „Erasmus+“-Programms zur Förderung von Erwachsenenbildungsreisen8 der Europäischen Union.

Methodisches

Die Begegnungen in Österreich wurden als Hospitationen bzw. im Rahmen eines Job-Shadowings im Zusammenhang von „Best-Practice“-Projekten durchgeführt. Vor dem Hintergrund eines autoethnografischen Zugangs werden die gemachten Erfahrungen unter der Fragestellung „Wie kann Erwachsenenbildung in kirchlichem Kontext gelingen?“ reflektiert. Dabei reflektiere und spiele ich nicht nur meine eigenen Wahrnehmungen durch, sondern auch die, die mir andere Teilnehmende zur Verfügung stellten. Die genannte Fragestellung verfolge ich im Rahmen eines Knowledge-Building-Ansatzes, der der Auffassung eines kollektiven Wissensbegriffs folgt, indem weniger die individuell-kompetitive Wissensaneignung im Vordergrund steht, sondern ein sozial verfasster Kompetenzerwerb angestrebt wird, der immer in der Auseinandersetzung mit konkreten Materialitäten und Praxen stattfindet.9 Da gerade im Rahmen eines Job-Shadowings immer das Lernen am konkreten Beispiel stattfindet, eignet sich dieser Ansatz als metatheoretische Grundlegung. In drei Perspektiven (s.u.) werden Theoriekonzepte um Praxisreflexionen ­bereichert, bevor am Ende das Schlussfazit steht, welches die Reflexionsperspektiven hinsichtlich kirchlicher Erwachsenenbildung bündelt.

 

2. Augen öffnend, Weg weisend und handfest – Bildungsgelegenheiten

Augen öffnen – Bildungsräume erkennen

Ein bewusstes Erleben unterschiedlichster Örtlichkeiten und Räume kennzeichnet die Studienreise von Beginn an. Angefangen in einem Raum, dessen Bildungszweck luzide und unbestritten ist, dem Museum.10 Wenngleich ein Museumsbesuch zunächst selbstgesteuert stattfindet, ermöglicht eine Führung eine gelenkte Erstbegegnung mit dem Raum und dessen implizitem wie explizitem Konzept der Wissensvermittlung. Den Teilnehmenden der Führung wird damit ein gewisser Ordnungs- und Deuteprozess abgenommen,11 was zwar beschränkende Wirkung hat, jedoch auch die Komplexität und Anforderung an die einzelnen Teilnehmenden reduziert. Ein weiteres selbstorganisiertes Erkunden ermöglicht die Vertiefung einzelner Inhalte dann freiwillig und nach Interesse. So wird der Wunsch nach Differenzierung im Auge behalten, denn die Bedürfnisse sind unterschiedlich: Während der eine bereits eine Verschnaufpause bei einer Tasse Tee braucht, ist die Andere noch aufnahmefähig und in ein Schriftstück und dessen Geschichte vertieft.

Raumpädagogisch interessante Perspektiven eröffnete eine Führung auf dem evangelischen Friedhof in Wien. Elemente der Kirchenraumpädagogik12 auf einen Friedhofsrundgang anzuwenden, ermöglicht eine ganzheitliche Erfahrung des Ortes und die existentielle Vertiefung der Thematik der eigenen Sterblichkeit im Rahmen einer immer wieder durch offene Phasen unterbrochenen Führung. Den Ort mit allen Sinnen zu erfahren ermöglicht ganzheitliches Erleben, das zu einer vertieften Erfahrung führt und auf Grund der Mehrdimensionalität der Zugänge nachhaltiger im Gedächtnis der Teilnehmenden bleibt.

Darüber hinaus können unterschiedliche Orte durch ihre spezifischen Charakteristika Bildungsprozesse in besonders subtiler, aber wirksamer Weise steuern. Besonders eindrücklich lässt sich dies an unterschiedlichen Bildungsräumen wie beispielsweise dem Sitzen am Lagerfeuer oder dem gemeinsamen Besuch am See erläutern. Am Lagerfeuer zu sitzen und zusammen mit Passant*innen und Mitgliedern der Paraglider-Szene zu grillen, fördert Geselligkeit, lässt eine Hierarchie zwischen „Expert*innen“13 und den anderen unbewusst aufweichen und erweitert in bilateralen Gesprächen den Horizont. Am See steht wiederum die Lebensfreude durch Schwimmen, Sonnen und Baden im Vordergrund. Gemeinsame Aktivitäten im Wasser können darüber hinaus den Gemeinschaftssinn stärken aber auch zu Haltungsveränderungen wie Aufbruchsbereitschaft und neuem Mut beitragen.

Wege weisen – Gruppenprozesse im Blick behalten

Miteinander unterwegs zu sein, bedeutet auch als Gruppe14 miteinander und voneinander zu lernen. Dabei treten die jeweiligen Begegnungen des Job-Shadow­ing mit ihren konkreten Anliegen zunächst zugunsten informellen Lernens15 in den Hintergrund. Denn so selbsterklärend die Aussage „das macht was mit der Gruppe“ ist, desto weitreichender sind die Auswirkungen in Bezug auf Motivation, die Lust am gemeinschaftlichen Umgang und die Bereitschaft, sich in die Gruppe einzubringen. Ohne ein entsprechendes Gruppengefüge bleibt die Möglichkeit, Selbstwirksamkeit zu erfahren und sich schließlich in der Gruppe aufgehoben zu fühlen, beschränkt.

Nicht zu unterschätzen ist dabei der Umstand, dass sich die Teilnehmenden der Reisegruppe aus den gemeinsamen Vikariatskursen zum überwiegenden Teil kannten, die Reisegruppe in ihrer Zusammensetzung jedoch bis zuletzt auf Grund von kurzfristigen Erkrankungen unklar blieb. Die Hoffnung, dass ein Teilnehmender nach überstandenem Infekt noch nachträglich mit zur Gruppe dazu stoßen könnte, war immer wieder Thema der ersten Reisetage. Gerade auf der Zugfahrt nach Salzburg, aber auch durch die Kommunikation via Messenger-Gruppe, an der auch die kurzfristig erkrankten Kolleg*innen partizipierten, wurde die kleiner gewordene Reisegruppe thematisiert. Die Gruppe stand vor der Herausforderung, sich auf die tatsächliche Teilnehmendenzahl einzulassen und sich dabei trotzdem die Offenheit für eine eventuelle Erweiterung um einen Teilnehmer zu bewahren. Dass tatsächlich nach vier Reisetagen die Gruppe um den genesenen Kollegen anwuchs, wurde mit Freude begrüßt. Wenngleich nicht sorgenvoll oder ängstlich geführt, war während der ersten Tage z.B. bei gemeinsamen Essen oder Taxifahrten das sich damit wieder neu bildende Gruppengefüge häufiger Gegenstand der Gespräche.

Überhaupt bilden Gespräche in Kleingruppen, während der zu bewältigenden Wegstrecken, während freier Zeitfenster und natürlich bei allen weiteren kommunikativ Verfassten Settings die Grundlage dafür, dass die gemachten Erfahrungen wiederum mit der eigenen Biographie in Beziehung gesetzt werden. So kann der Lerngegenstand der jeweiligen Job-Shadowing-Gelegenheit, der dann durch den Filter der eigenen Biografie betrachtet und erzählt wird, nochmals neue Impulse für das Lernen anderer Beteiligter bereithalten.

Handfest – Didaktisch-methodische Vielfalt ergründen

Erwachsenenbildung lebt von einer hinsichtlich Thematik, Methodik, der Gruppe und ihrer Bedürfnisse angepassten und aufeinander abgestimmten Didaktik. Besonders gelungen16 ist beispielsweise der Einsatz des Smartphones bei einer Stadtführung durch das evangelische Wien. An einem Platz im Bezirk Hernals mit einem Brunnen in der Mitte, der von steinernen Musikerstatuen mit Geigen in den Händen geschmückt wurde,17 teilte der Referent über eine Messenger-Gruppe, in der alle Teilnehmenden Mitglieder wurden, ein typisches Musikstück, das aus der Zeit der abgebildeten Musiker stammte.18 Mit Kopfhörern ausgestattet konnte so ganz unmittelbar eingetaucht werden in ein Stück akustische Stadtgeschichte, die das Erleben Wiens ganzheitlicher machte.19

Des Weiteren ermöglichten unterschiedliche Angebote zur Selbsterfahrung ein Spüren und Erfühlen des bereits z.B. durch einen Museumsrundgang erschlossen Themas. Die Notwendigkeit des Schmuggelns evangelischer Gebetsbücher und Bibeln wurde im Evang. Museum Oberösterreich eindrücklich vor Augen geführt. Einen tieferen und noch ursprünglicheren Eindruck hinterließen jedoch die zwei unternommenen Wanderungen, wovon eine über eine Bücherschmuggelroute von Rutzenmoos nach Gemünden führte20 und die andere einen Teil des Toleranzweges in Bad Goisern umfasste. Letztere bot die Möglichkeit eine Höhle, in der die Geheimprotestanten sich zur gemeinsamen Bibellektüre bzw. zu Gottesdiensten trafen, selbst zu begehen und dort mit Lied und Gebet innezuhalten.

Dieser Teil der evangelischen Geschichte in Österreich wurde als spiritueller Ort wahrgenommen und wurde in dieser Funktion für die Teilnehmenden ebenfalls erfahrbar. Mit allen Sinnen erschloss sich den Teilnehmenden das Schmuggeln der Bibel durch die von der Führerin vorbereitete „geschmuggelte Bibel“, einer kleinen Bibelausgabe, die sie in einem Leinensäckchen selbst, nach Vorbild ihrer Vorfahren, in einen Laib Brot eingebacken hatte. Im Zusammenhang der Erzählung des Schmuggelvorganges brach sie den Laib Brot vor den Augen der Gruppe auseinander und enthüllte die darin verborgene Bibel. Anschließend diente der Brotlaib als Stärkung für alle Teilnehmenden auf dem Weg. Der Symbolgehalt der Bibel als stärkendes Wort Gottes, ließ sich sehen, schmecken und am Brotbrechen auch erfühlen und führte die Bedeutung der Bibeln als materiales Objekt21 für die Protestanten in Oberösterreich eindrücklich vor Augen. Die Assoziation an das gemeinsame Brotbrechen beim Abendmahl wurde bei einigen Teilnehmenden wach.

 

3. Vernetzt – am Ende hängt alles zusammen

Insgesamt für bemerkenswert wurde von der Gruppe die Notwendigkeit des ständigen Wechselns des didaktischen Settings gehalten. In Bezug auf die Sozialform (Großgruppe oder Einzelne/Teilgruppe), auf das Format (Vortrag, Führung, eigenes Erproben), die Dauer und den Umfang der Aktivität ist auf Abwechslung und Ganzheitlichkeit zu achten. Darüber hinaus ist die pädagogische Binsenweisheit „Eindruck braucht Ausdruck“ unbedingt im Blick zu behalten. Jede Aktivität ermöglicht die Begegnung und Erfahrung mit neuen Inhalten, Menschen und u.U. auch Methoden. Dafür war von den Teilnehmenden große Offenheit und Flexibilität, eine umsichtige und präsente Koordination und im Nachgang unbedingt die Möglichkeit der Nachbereitung gefordert. Dies kann in unterschiedlichen Formen geschehen. Beispielsweise im bilateralen Gespräch bei einem anschließenden Essen, aber auch während zurückzulegender Wege beispielsweise im Zug oder in der Einzelreflexion, die dann später entweder diskursiv oder mit Hilfe von Auswertungsbögen eingeholt wird.

Als besonders ertragreich wurde von Teilnehmenden der Gruppe der konkrete Bezug des Job-Shadowings zur eigenen Praxis empfunden, der bereits in der Begegnung mit angelegt war und nicht im Nachhinein von den Teilnehmenden in Eigenregie geleistet werden musste. Dabei ist neben den gemachten Erfahrungen deren Ertrag für Erwachsenenbildungsmöglichkeiten im eigenen Kontext zu reflektieren. Ideen, wie die durch Selbsterfahrung erschlossenen friedhofspädagogischen Methoden eine Umsetzung hinsichtlich unterschiedlicher Gemeindegruppen der Teilnehmenden finden können, ermöglichte den Teilnehmenden anwendungsbezogene Impulse für ihre eigene Arbeit mit nach Hause zu nehmen.

Insgesamt lässt sich festhalten, dass eine Erwachsenenbildungsreise wie die durchgeführte und hier analysierte ein sehr komplexes Unterfangen darstellt, bei dem deutlich wird, dass unterschiedlichste Faktoren einander bedingen. Teilweise zeigt sich beispielsweise erst im Nachhinein, dass eine Settingauswahl misslungen erscheint, obwohl an diesem Tag vielleicht ein gruppendynamischer Prozess dem Gelingen im Weg stand. Zu einer anderen Zeit wäre die Settingauswahl möglicherweise gut geeignet gewesen. Sensibilität für Notwendigkeiten und Bedürfnisse der Gruppe mitzubringen und in der Vorbereitung der Bildungsaktivität so flexibel wie organisatorisch nur irgendwie machbar zu bleiben, wird als Herausforderung und Aufgabe bestehen bleiben.

Die Orientierung am Subjekt, die Reflexion einzelner Lerngegenstände hinsichtlich der eigenen Biografie, ganzheitliche Angebote mit Erlebnischarakter, die Gelegenheit zur individuellen Verarbeitung von Lernprozessen sowie das Ausbilden und Einüben notwendiger Grundhaltungen wie Offenheit, Neugierde oder das Aushalten von Dissens kennzeichnete die vielen Lernmöglichkeiten dieser Erwachsenenbildungsreise und stellt gleichzeitig lediglich eine Auswahl dar. Damit knüpft diese Art des Erwachsenenbildungsformats an die Bildungs­konzeption der Evang.-Luth. Kirche in Bayern an,22 die Bildung in einem empathischen Sinne begreift und damit den Bildungsbegriff gerade im Zusammenhang der Erwachsenenbildung vor einer Verkürzung auf Leistungskompetenzen schützt.23 Aber auch auf den Charakter der Vernetzung unterschiedlichster, interdependenter Faktoren, die Bildungsgelegenheiten erst ermöglichen, weist die Konzeption hin.24 Dass es dazu nicht zwingend weit entfernter Ziele bedarf, sondern gerade in der unmittelbaren Nachbarschaft Erfahrungen der Interkulturalität wie Interreligiosität gemacht werden können, bestätigt, dass das Gute eben doch so nah liegt.25

 

Anmerkungen

1 In Österreich leben Lutheraner (Augsburgische Bekenntnis = A.B.) und Reformierte (Helvetisches Bekenntnis = H.B.) in enger Kirchengemeinschaft. Vgl. https://evang.at/glaube-leben/evangelisch-von-a-bis-z/, zuletzt aufgerufen am 26. Juli 2021.

2 Museumspädagogisch hochwertig aufgearbeitete evangelische Geschichte Oberösterreichs lässt sich im Evang. Museum in Rutzenmoos interaktiv erkunden. Vgl. https://museum-ooe.evang.at, zuletzt aufgerufen am 13. Juli 2021.

3 Die Broschüre gibt einen differenzierten und ansprechenden Einblick in den AEL-Prozess. Vgl. https://evang.at/wp-content/uploads/2021/04/210427_broschuere_aus-dem-evangelium-leben_web.pdf, zuletzt aufgerufen am 13. Juli 2021.

4 Vgl. zum bayerischen Reformprozess https://puk.bayern-evangelisch.de, zuletzt aufgerufen am 13. Juli 2021.

5 Vgl. https://orchadasch.at/, zuletzt aufgerufen am 13. Juli 2021.

6 Vgl. https://www.para-dise.org/, zuletzt aufgerufen am 13. Juli 2021.

7 Vgl. http://www.johanneskirche-klagenfurt.at/archiv-news/kirchenschiff-2021/, zuletzt aufgerufen am 13. Juli 2021.

8 Zum Begriff der Erwachsenenbildung vgl. Hippel, Aiga von/Tippelt, Rudolf (Hg.), Handbuch Erwachsenenbildung/Weiterbildung, Wiesbaden 52011. Für die Reflexionen dieses Artikels begrifflich leitend sind die qualifizierenden, sozial integrierenden und kulturell bildenden Aufgaben der Erwachsenenbildung, vgl. ebd., 12. Auf Grund der Zweiteilung in Studium und Vikariat kann der Diskurs, inwieweit eine zum Curriculum der Ausbildung von Vikar*innen gehörende Studienreise als Erwachsenenbildung verstanden werden kann oder ob es sich dabei noch um Ausbildung im engeren Sinne handelt, also noch vor dem Abschluss einer ersten ausgedehnten Bildungsphase steht, hier nicht geführt werden. Zur definitorischen Abgrenzung von Ausbildung und Erwachsenenbildung vgl. Deutscher Bildungsrat, Empfehlungen der Bildungskommission. Strukturplan für das Bildungswesen, Stuttgart 41972.

9 Vgl. zum Knowledge-Building-Ansatz für informelle Lernsettings: Scardamalia, Marlene/Breiter, Carl, Knowledge building: theory, pedagogy and technology, in: Sawyer, R. Keith (Hg.), The Cambridge handbook of the Learning Sciences, Cambridge 2006, 97-118.

10 Vgl. zum Museum als klassischem Ort der Erwachsenenbildung und dessen Geschichte Lewalter, Doris/Noschka-Roos, Annette, Museum und Erwachsenenbildung, in: Hippel, Aiga von/Tippelt, Rudolf (Hg.), Handbuch Erwachsenenbildung/Weiterbildung, Wiesbaden 52011, 527-541.

11 Vgl. zur Offenheit der Lernsituationen im musealen Kontext und deren Herausforderungen ebd. 534.

12 Vgl. dazu Rupp, Hartmut (Hg.), Handbuch der Kirchenpädagogik. Kirchenräume wahrnehmen, deuten und erschließen, Stuttgart 2006.

13 Die Interdependenzen unterschiedlicher Wissenssektoren lassen gerade am Lagerfeuer offen, wer nun eigentlich Expert*in ist und wer nicht, da offen bleibt, wie der Kontext geprägt ist und wer genau welche Wissensbestände setzt. Durch die Lagerfeuerszenerie wäre sowohl das Erleben klassischer Formen kirchlicher Jugendarbeit als Kontext denkbar als auch der Erfahrungsaustausch von Paraglide-Flieger*innen. Was vorherrscht, wird nicht geklärt und kann deshalb erkundet und von den Anwesenden frei gestaltet werden.

14 Den Begriff der Gruppe reflektiert ausführlich Schäfers, Bernhard, Einführung in die Gruppensoziologie, Wiesbaden 31999.

15 Nicht zielgerichtete und unabhängig von einem Curriculum stattfindende Lernprozesse, die faktisch neben expliziten Lernprozessen ablaufen und durch ihre soziale Verfasstheit charakterisiert sind, rücken beim informellen Lernen in den Fokus. Vgl. Harring, Marius/Witte, Matthias D./Burger, Timo, Informelles Lernen – eine Einführung, in: Ders., Handbuch Informelles Lernen. Interdisziplinäre und Internationale Perspektiven, Weinheim, Basel 2016.

16 Weniger ansprechend und in der Motivation bremsend wirkten hingegen Führungen, in denen die Vorkenntnis der Teilnehmenden nicht geachtet wurden bzw. die führende Person sich nicht auf die Gruppe eingelassen hat.

17 Es handelt sich um den Alszauberbrunnen am Elterleinplatz im 17. Wiener Bezirk Hernals, der vier Schrammelmusiker mit Violine, Gitarre und Harmonika zeigt. https://de.wikipedia.org/wiki/Alszauberbrunnen, zuletzt aufgerufen am 14. Juli 2021.

18 Die sog. Schrammelmusik gilt als Wiener Volksmusik mit melancholischem und trotzdem chansonartigem Charakter. Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Schrammelmusik, zuletzt aufgerufen am 14. Juli 2021.

19 Hier wird eine Art hypermediales lernen ermöglicht, bei dem durch die Vorauswahl des Referenten allerdings keine Gefahr des „lost-in-Hyperspace“ droht. Die Vorzüge des Explorierens in eigenem Tempo und auch dem mehrmaligen Hören bzw. die Möglichkeit der Nachbereitung bleiben individuell bestehen.

20 Vgl. für weitere Informationen Bünker, Michael/ Leuthold, Margit, Der Weg des Buches. Auf den Wegen der Bücherschmuggler durch Österreich, Salzburg 32017.

21 Vgl. grundsätzlich zur Materialität und Praxen der Bibel als Buch Beckmayer, Sonja, Die Bibel als Buch. Eine artefaktorientierte Untersuchung zu Gebrauch und Bedeutung der Bibel als Gegenstand, Stuttgart 2018.

22 Vgl. Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern (Hrsg.), Horizonte weiten – Bildungslandschaften gestalten. Bildungskonzept für die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern, München 22017.

23 Vgl. Ebd., 38.

24 Vgl. Ebd., 56-63.

25 Vgl. Goethe, Johann Wolfgang von, Erinnerung, in: Goethes Werke. Vollständige Ausgabe letzter Hand. Erster Band, Stuttgart/Tübingen 1827, 67.

 

Über die Autorin / den Autor:

Pfarrerin Dr. Christiane Renner, Jahrgang 1987, bis Ende August 2021 Vikarin im Münchener ­Südosten, seit September 2021 Pfarrerin an der Friedenskirche München-Trudering, 2019 Promotion mit einer kirchentheoretischen Studie zum Deutschen Evang. Kirchentag an der Universität Erlangen-Nürnberg, ein prakt.-theol. Habilitationsprojekt ist in Planung; die Studienreise der bayerischen Vikar*innen wurde im Rahmen des "Erasmus+"-Programms ­gefördert.

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft 9/2021

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