Das Projekt Basisbibel startete 2003 und wurde in über 17 Jahren und mehr als 100.000 Stunden umgesetzt. Zuerst erschien im Jahr 2010 das Neue Testament, anschließend 2012 das Neue Testament mit den Psalmen und in diesem Jahr die komplette Übersetzung des Alten und Neuen Testaments. Das Anliegen der Deutschen Bibelgesellschaft war von Anfang an, eine urtextnahe Übersetzung zu schaffen, die in ihrer Sprache leicht und verständlich ist. Und das ist den über 40 Übersetzerinnen und Übersetzern auch gelungen, wie Sabine Schmalzhaf meint, die die neue Ausgabe hier vorstellt.

 

Lange habe ich auf die vollständige Ausgabe der BasisBibel gewartet und gleich eine bestellt, als Anfang dieses Jahres die komplette Übersetzung des Alten und Neuen Testaments zu haben war. Denn schon die Übersetzung des Neuen Testaments und der Psalmen haben mich überzeugt und meine Arbeit in Gemeinde, Schule und Jugendarbeit bereichert und erleichtert. Warum? Die Basisbibel ist eben einfach, ­genial, schön.

 

Einfache Sprache und kurze Sätze

Einfache Sprache und kurze Sätze ermöglichen ein schnelleres Verständnis. Im Gottesdienst setze ich die Übersetzung gerne bei der Schriftlesung und auch für den Predigttext ein. So können die Hörerinnen und Hörer auch komplexen Paulustexten folgen und sie besser verstehen. Immer wieder werde ich im Anschluss an den Gottesdienst gefragt: „Welche Übersetzung haben Sie für den Predigttext genommen? Das war gut verständlich und man konnte dem Text folgen wie einer Geschichte!“

Was in der Predigtlehre schon längst Usus ist, kurze Sätze und einfache Sprache, ist nun auch in den Bibeltexten angekommen und macht das Zuhören, aber auch das eigene Lesen angenehmer und leichter. Die BasisBibel reagiert damit auf die veränderten Lesegewohnheiten der aktuellen Zeit. Kurznachrichten, Pop-Up-Nachrichten und soziale Medien werden mehr und mehr zur ersten Informationsquelle für aktuelle Tagesnachrichten und Unterhaltung. So ist die BasisBibel gerade in der Arbeit mit jungen Menschen eine echte Bereicherung.

 

Worterklärungen am Rand

Das Geniale an der Basisbibel sind die Worterklärungen am Rand. Worte, die in der heutigen Sprache nicht (mehr) geläufig sind, werden im Text farblich hinterlegt und die Erklärungen sind leicht am Textrand zu finden. So müssen Worte wie „Gnade“, „Heiden“ oder auch „Reich Gottes“ nicht umschrieben werden, sondern werden an der Seite kurz und verständlich erklärt. Man braucht nicht ewig lange im Glossar nach einem Wort zu suchen und dabei versehentlich wieder das Kapitel zuzuschlagen, sondern hat alles auf einen Blick.

Diese Erklärungen sind auch für mich, sowohl in der Predigtvorbereitung als auch in der Jugendarbeit und im Unterricht, immer wieder eine Bereicherung. Sie helfen, Inhalte zu elementarisieren und verständlich zu erklären. Im Religionsunterricht ermöglicht diese Form der Worterklärung, dass Schülerinnen und Schüler sich eigenständig einen Text erschließen und damit arbeiten können. Wenn ich an die 10. Klasse an der Werkrealschule denke, in der ich unterrichtet habe, wäre die BasisBibel bei Themen wie Hiob oder auch der Bergpredigt eine gute Unterstützung gewesen. Die AT-Ausgabe gab es damals nur noch nicht, und das NT war so neu, dass ich noch nichts davon wusste.

Dasselbe gilt für die Arbeit mit Konfirmanden. Als die Basisbibel noch nicht in der Vollausgabe erhältlich war, habe ich sie mir gerade im Jugendbereich oft sehnlich herbeigewünscht. Denn sprachlich waren die alternativen Übersetzungen oft schwer verständlich für die Jugendlichen. Dabei spielt es keine Rolle, welche Schule sie besuchen oder in welchem Jahrgang man unterrichtet. Schachtelsätze und unbekannte Worte haben das Arbeiten mit Texten und den einfachen Zugang zu persönlichem Bibellesen oft erschwert. Als Konfirmanden-Bibel wäre die BasisBibel mehr als geeignet. Ich bin davon überzeugt, dass durch Sprache und Erklärungen die Hemmschwelle sinkt, auch außerhalb der Konfi-Zeit einmal die Bibel aufzuschlagen.

Einzig und allein die Größe und das Gewicht sind hier eventuell ein Hindernis. Einfach so in den Rucksack packt man die 2000 Seiten starke Kompaktausgabe nicht, noch weniger die 3000 Seiten umfassende Komfortausgabe. Doch es gibt gute Alternativen. Unter www.basisbibel.de und über die kostenlose App die-bibel.de hat man Zugriff auf die Bibeltexte und die BasisBibel jederzeit griffbereit auf seinem Smartphone oder Tablet. Dort kann auch auf Zusatzinformationen wie Landkarten, Videos, Bilder und vertiefende Erklärungen zugegriffen werden – gerade für jüngere Leserinnen und Leser ein tolles Angebot.

 

Interaktiv zu lesen und zu verstehen

Auch hier spürt man, dass auf die Lesebedürfnisse der heutigen Zeit eingegangen wurde. Die BasisBibel kann so interaktiv gelesen und verstanden werden. Die Onlineversion oder App kann man auch sehr gut in Schulklassen verwenden, die mit Tablets arbeiten. Im Konfirmandenunterricht können für bestimmte Aufgaben und Recherchen Smartphones zum Einsatz kommen. Bei Gruppenarbeiten oder Themenstationen können die Jugendlichen ihr Handy mit dem Gastzugang im Gemeindehaus verwenden, bei Fragen selbst recherchieren, Bilder auf dafür angelegte digitale Pinnwände laden oder eben auch die Bibel lesen. Auch hier kann man die BasisBibel und das Zusatzmaterial super einsetzen, und die Jugendlichen lernen in diesem Zug den Umgang mit der App und wissen, was es dort alles zu entdecken gibt.

Ich selbst nutze die BasisBibel gern für das persönliche Bibellesen und freue mich dabei über die urtextnahe und gleichzeitig frische Übersetzung. Altbekannte Texte erschließen sich neu und man stolpert über Sätze, die man vorher kaum wahrgenommen hat.

 

Die Bibel als lebensnahes Buch entdecken

Meine schönste Entdeckung, die leider nur in der Version von 2012 zu finden ist und in der neuen Version wieder angepasst wurde, ist ein Vers aus Joh. 21. Der Auferstandene steht im Morgengrauen am Ufer und lädt die Jünger nach einer erfolglosen Nacht ein. Er ruft ihnen zu: „Kommt! Es gibt Frühstück!“ (Joh. 21,12). Ein Satz den man nicht einfach so schnell überliest. Ich bin hängen geblieben, habe in den Urtext geschaut, mich darüber gefreut, wie lebensnah die Bibel auch heute ist und wie gut Jesus seine Menschen kennt. Über diesen Vers habe ich bestimmt schon vier oder fünf Mal gesprochen und durch diesen Vers entstand die Idee eines Brunchgottesdienstes mit integriertem Abendmahl. ­Genial, wie die BasisBibel auch die eigene Arbeit neu bereichert und inspiriert.

Dieses Beispiel zeigt, dass im Zuge der Übersetzung des AT auch das NT und die Psalmen nochmals überarbeitet wurden. So wurden die bereits erschienenen Texte auf die neuen Texte abgestimmt, die Randerklärungen angepasst und auch manche Bibeltexte fachwissenschaftlich überprüft und verändert. In der Hauptsache ging es darum, das sprachliche Profil der BasisBibel zu schärfen und einheitlich zu gestalten. Würde man nun das NT und die Psalmen der 2021 erschienenen BasisBibel mit einer Version aus 2012 vergleichen, würde man einige Unterschiede entdecken – so wie ich in Joh. 21.

Insgesamt wurden nach Angaben der Deutschen Bibelgesellschaft 15% der Bibeltexte, rund die Hälfte aller Erklärungen und die Einführungstexte nahezu komplett überarbeitet. Auch wenn dem so ist: Ich werde für den Text aus Joh. 21 weiter die Version von 2012 verwenden. Vom Wortstamm her ist das möglich und ich frage mich, warum diese Übersetzung verändert wurde. So verliert der Text meiner Meinung nach an Griffigkeit. Das ist schade. Denn er lässt aufhorchen und zaubert vielen ein Lächeln ins Gesicht, wenn sie es hören oder lesen. So nehme ich es zumindest wahr, wenn ich den Text lese oder lesen lasse. Und was gibt es Besseres, als dass Menschen einen Bibeltext wahrnehmen und sich freuen?

 

Einführungen mit Hintergrundinformationen

Genial an der BasisBibel ist außerdem, dass in der Komfortausgabe zu jedem biblischen Buch ein Einleitungstext zu finden ist. Auch diese Einführungen sind in einfacher, aber präziser Sprache gehalten und geben einen schnellen Überblick über den Inhalt und die Theologie des Buches. Das ist sehr hilfreich, gerade in der Arbeit mit Ehrenamtlichen, die selbständig eine Andacht oder eine Bibelarbeit für die Jungschar oder auch eine Freizeit vorbereiten wollen. Ihnen gebe ich immer den Tipp oder den Link zur BasisBibel, den Einleitungstexten und Karten. Natürlich gerne auch noch weitere Materialien und Informationen, wenn das gewünscht ist. Aber für die Erstbegegnung mit dem Text und seine Einordnung ist es weiterführend und eine echte Bereicherung.

Auch als Theologin freue ich mich über die guten Texte mit Hintergrundinformationen zu Entstehung und Inhalt. Sie sind kompakt, einfach zugänglich und fachlich gut. Ich lese diese Einführungen immer wieder gerne. Schade ist nur, dass es diese als Printversion nur in der Komfortausgabe gibt. In der Kompaktausgabe ist lediglich eine Einleitung in die Bibel zu finden. Doch über die App oder die Onlineversion haben alle Interessierten kostenlosen Zugang zu den Einleitungstexten. Das ist nicht nur genial, sondern auch – wie ich finde – nicht selbstverständlich. Eine Bibel, bei der man online alle Erklärungen, Einleitungen und Zusatzinformationen nutzen kann, ist großartig und macht es gerade der Zielgruppe – Jugendliche, junge Erwachsene und Menschen, die zum ersten Mal die Bibel lesen – leicht, einen Zugang zu finden.

 

Ein schlichtes, aber modernes Design

Und dann ist die BasisBibel auch noch schön. Um Missverständnissen vorzubeugen – es geht nicht darum, dass biblische Inhalte oder die Bibel selbst nur schön aussehen müssen, damit sie wertvoll sind. Ja, wahre Schönheit kommt von innen. Doch es macht sie auch nicht wertloser, wenn sie ästhetisch sind, und das Schriftbild einem das Lesen erleichtert oder sogar an ein Gedicht erinnert. Ich finde: Wenn ich davon überzeugt bin, dass der Inhalt eines Buches für heute relevant, lebensnah und alltagstauglich ist, dann darf man das diesem Buch auch gerne ansehen. Bei der BasisBibel ist genau das gelungen: Inhalt und Form passen perfekt zueinander.

Ein schlichtes und einfaches, aber modernes Design unterstreicht das Anliegen der präzisen und einfachen Sprache. Die Farbauswahl ist groß, und auch das spricht für mich für die BasisBibel als Konfirmandenbibel. Jede und jeder kann sich seine Lieblingsfarbe wählen und hat so seine eigene, persönlich ausgesuchte Bibel. Ja, sie ist etwas größer und schwerer und auch etwas teurer als die Standardbibeln, die es für Konfirmanden sonst gibt. Doch mir persönlich ist es wichtig, dass junge Menschen einen eigenen Zugang zur Bibel finden. Dazu brauchen sie natürlich Menschen, die mit ihnen die Bibel lesen, aber auch Texte, die sie verstehen. Informationen, die leicht zugänglich sind und ein Buch, das sie gern in die Hand nehmen, weil es ihnen gefällt.

 

Nichts ist perfekt

Jetzt mag man vielleicht denken: Diese Bibel ist perfekt. Und ja, für mich ist sie eine echte Bereicherung in der Arbeit. Das heißt nicht, dass ich alle Übersetzungen gelungen finde. Ps. 139 z.B. finde ich sprachlich eher schwierig für Jugendliche. Die Übersetzung von V. 5 ist selbst mir zu nah. Dort heißt es: „Von hinten und von vorn hast du mich umfasst und hast deine Hand auf mich gelegt.“ Die Wortwahl ist mir unangenehm, wenn jemand diese Worte zu mir sagen würde, würde ich mich unwohl fühlen. In der Version von 2012 wird nicht mit „umfasst“, sondern mit „umschlossen“ übersetzt. Auch das ist mir zu nah, wenn auch etwas angenehmer zu lesen. Die Luther-Bibel übersetzt hier: „Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.“ Hier kommt für mich deutlich mehr das Gefühl von Geborgenheit und Schutz auf, als bei den Übersetzungen der BasisBibel.

Nichts ist perfekt – auch nicht die BasisBibel. Wie das Aussehen ist manchmal die Wortwahl der Übersetzungen Geschmackssache. Auch mancher Schreibfehler ist mir schon aufgefallen. Und bestimmt gibt es Theologinnen und andere Leser, die mit der Übersetzung nicht viel anfangen können, weil ihnen Luther im Ohr fehlt, weil das Buch zu schwer ist oder die Farben zu knallig sind. Ja, sie ist sicher nicht perfekt geeignet für jede und jeden. Doch insgesamt – finde ich – ist die Mission der BasisBibel mehr als geglückt: Eine Bibelübersetzung, die in der heutigen Zeit verständlich ist, durch kurze Sätze das Lesen und Verstehen erleichtert und durch Sprache und Design neue Inspiration und Frische in die Arbeit bringt. Die BasisBibel – sicher nicht perfekt, aber für mich einfach, genial, schön.

Sabine Schmalzhaf

 

Über die Autorin / den Autor:

Pfarrerin Sabine Schmalzhaf, Landesschülerpfarrerin im Evang. Jugendwerk in Württemberg.

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft 8/2021

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