Wer in der Bundesrepublik heute 86 Jahre oder älter ist, hat noch mindestens die ersten drei Jahre Schuldbildung im Nationalsozialismus mitbekommen und möglicherweise noch eine Ahnung von den damaligen Sprachreglungen. Was durfte man in der Schule sagen und was auf keinen Fall. Wer in der DDR gelebt hat und zur Wendezeit mindestens 14 Jahre alt war, dürfte sich noch erinnern, wie Aufsätze zu schreiben waren, und noch etwas Geschichts- und Staatsbürgerkundeunterricht aus diesen Jahren im Gedächtnis haben. Das sind die heute mindestens 46jährigen. Da die DDR zur Wende eine Bevölkerungszahl von ca. 16 Mio. hatte, dürfte es sich, grob gerechnet, um eine Bevölkerungsgruppe von mindestens 8 Mio. heutiger Bundesbürger handeln. Sie alle kennen die sozialistischen Sprachreglungen, dass z.B. klugerweise ein Aufsatz in der Schule ab 1971 mit dem 8. Parteitag der SED und der „Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik“ zu beginnen war, auch wenn Goethes „Faust“ das Thema war.

 

Zwischen den Zeilen lesen

Wir hatten gelernt, die seitenlangen Reden Honeckers und andere Berichte in der Zeitung zu lesen unter dem Gesichtspunkt, was dort nicht stand, also „zwischen den Zeilen zu lesen“, wie wir es nannten. Dann wurde es interessant. Vor allem wussten wir, was wir tunlichst nicht in der Schule oder dem Chef erzählten, nämlich was wir abends in den Westnachrichten gehört hatten. In der Familie und unter Freunden und guten Kollegen war das anders, dort, wo man meinte, Vertrauen haben zu können.

Auch wussten wir, welche Themen man besser nicht ansprach, weil sie zu den Tabuthemen zählten, denn die dabei angesprochenen Tatsachen würden dem propagierten Selbstbild der sozialistischen Gesellschaft widersprechen, insbesondere die Umweltzerstörung, die Suizidrate, Probleme der und mit den gerade ins Land geholten Tausenden von Arbeitern, vor allem aus Vietnam, aber auch aus Kuba, Mosambik und Angola.

Im Herbst 1989 wurden die Menschen mutig, auch im Bewusstsein der Rückenstärkung angesichts von Gorbatschows Politik von Glasnost und Perestroika, sie sprachen die bisher nur im Geheimen oder im Westfernsehen genannten Probleme aus, legten Fakten auf den Tisch und sprachen von der Notwendigkeit, dies endlich zur Kenntnis zu nehmen, ihre Wut und Verzweiflung, was passieren würde, wenn das nicht endlich zur Kenntnis genommen würde und sich was im Lande ändern würde. Das ließ die Herzen höher schlagen. Wie wuchsen die Einzelnen, die bisher geschwiegen und sich nur mit Witzen Luft gemacht hatten, über sich hinaus und rissen die anderen aus der Lethargie, das man ja doch nichts ändern könne! Es war wunderbar, dies erleben zu dürfen, wie die Menschen aufblühten, Ideen entwickelten, alte verknöcherte Strukturen zerbrachen, alles zu haben war, was man brauchte, um mit Menschen ins Gespräch zu kommen und sich auszutauschen. Die bisher tonangebenden Genossen saßen fassungslos da oder schwiegen, ängstlich zu Boden blickend.

 

Reden und Schreiben ohne Selbstzensur im Kopf

Ich selbst war überglücklich erleben zu können, was ich bisher nur in historischen Quellen aus der Zeit der Revolution von 1848 in Berlin gelesen hatte. Die Wahrheit kam endlich ans Licht und befreite uns. Wir konnten reden und schreiben ohne die Selbstzensur im Kopf. Alles konnten wir aussprechen, um für uns alle gemeinsam das Leben und die Arbeit zum Besseren zu ändern, gemeinsam mit denen, die Ähnliches oder Schlimmeres erlebt hatten als wir, den Menschen aus den anderen sozialistischen Ländern. Sie wurden auf einmal wirklich zu Brüdern und Schwestern, nicht nur, weil es so verordnet war, sondern wegen des gemeinsamen Schicksals! Wir verstanden uns trotz der Sprachunterschiede, fühlten mit den Rumänen, den Polen, den Tschechen, den Balten, den Russen, den Jugoslawen. Wir wussten: wie es ihnen in diesen Tagen erging, hätte es uns auch ergehen können.

Doch wir hatten den „großen Bruder“ im Westen. So erging es uns anders. Schon um die Jahreswende 1989/90 wurde die deutsche Einheit spruchreif. Damit kam auch eine neue Sprache auf uns im Osten zu, denn in den 40/44 Jahren hatte sich Ost und West trotz des Westfernsehens und Westradios doch auseinander entwickelt. Wer zu den Millionen gehörte, die in diesen Jahren der Arbeit nach in die alten Bundesländer zogen, versuchte sich möglichst schnell anzupassen, um nicht als dummer Ossi aufzufallen und sagte z.B. nicht mehr Kaufhalle, sondern Supermarkt.

Die im Osten Verbliebenen sahen diese Notwendigkeit vor allem im beruflichen und gesellschaftlichen Kontext. Nicht mehr Russisch wurde dort gebraucht, ­sondern Englisch, was wir nur rudimentär in der Schule gelernt hatten. Trotzdem war das ein langer Lernprozess, weil wir Ossis oft nicht ahnten, was auch in der Alltagssprache man jetzt lieber nicht sagte. Ein Kommilitone von mir hat ein Buch darüber geschrieben, warum sich Ossis und Wessis nicht verstanden.1 Für mich sehr erheiternd zu lesen.

 

Frauen als Retterinnen der Gesellschaft

Die Freude, die Gesellschaft nun selbst gemeinsam mit den anderen bisherigen Leidensgenossen gestalten zu können, verebbte sehr schnell. Es wurde uns klar gemacht, dass die westdeutschen Gesetze und Ordnungen auf allen Gebieten zu übernehmen sind, zum Teil mit einer Übergangsfrist, und dementsprechend auch die dafür relevante Sprache.

Geblieben war aber die in der Wendezeit und mit dem Mauerfall gewonnene persönliche Freiheit, nun endlich sagen und schreiben zu können, was man wollte, und lesen und sich informieren zu können, wo man wollte. Diese Freiheit wurde mit der Allgemeinzugänglichkeit des Internets ab den 2000er Jahren und erst recht durch die Entwicklung der Content-Management-Systeme, die die Erstellung eigener Webseiten so einfach machten, noch einmal enorm erweitert.

Doch nach dem offensichtlichen Ende der sozialistischen Vision, mittels der Herrschaft der Arbeiterklasse ein Paradies auf Erden errichten zu können, genannt Kommunismus, wurde sofort von den ehemals daran Gläubigen nach einem neuen Retter Ausschau gehalten, der diesen Traum von einer gerechteren Gesellschaft für alle zu verwirklichen in der Lage sein würde, und das waren nun für viele: wir Frauen!

Dass die Gleichberechtigung der Frauen auch in den sozialistischen Ländern sehr zu wünschen übrig ließ, vor allem ihre Beteiligung an der Macht – man muss sich nur die bei Parteitagen vorne im Präsidium Sitzenden ansehen –, war offensichtlich und ist bis heute in den vier noch existierenden, so sich legitimierenden Staaten nicht anders geworden. Im Gegenüber zu den Westdeutschen gab es aber manches Plus: so den Anteil der berufstätigen Frauen, ermöglicht durch die flächendeckende Kleinkindbetreuung im Osten.

Angesichts der geringen Geburtenrate und der deshalb alternden Gesellschaft und entsprechendem Arbeitskräftemangel war eine Berufstätigkeit der Frau auch von der westdeutschen Gesellschaft inzwischen sehr erwünscht, und der Osten wurde zum Vorbild. Auch war dort schon propagiert worden, dass Frauen Männerberufe ergreifen, wie als Kranfahrerin auf dem Bau.

 

Sprache als Mittel der Unterwerfung

Offensichtlich, um dieses Ziel zu erreichen, wurde es nun üblich, in Stellenausschreibungen sowohl Frauen wie Männer jeweils anzureden, unabhängig davon, ob es ein bisher typischer Frauen- oder Männerberuf war. Sprache wird dadurch aber langatmig und schwerfällig, schwer lesbar. In Amtsschreiben, die das in der Regel sowieso sind, ist dies nicht weiter auffallend, wenn dies aber nun auf alle Gebiete des Lebens, des Sprechens und Schreibens in den letzten Jahren übertragen und gefordert wird, ist das für mich einfach das Zeichen einer neuen Diktatur. Sprache dient dann nicht mehr der Verständigung und ist Ausdruck von Kreativität und Freiheit des Einzelnen, seiner ureigensten einmaligen Persönlichkeit, sondern der Unterwerfung, der Anpassung an politische Forderungen, des Mitläufertums. Sie wird langatmig, langweilig. Die Sätze werden länger und länger, um ja alles auch richtig zu sagen. Die Hörer und Leser beginnen wieder, „zwischen den Zeilen“ zu lesen. Nicht das Gesagte, sondern das Nichtgesagte dient dem Verstehen, ebenso wie Versprecher, ungewollte Rückfälle in die eigene, alte Sprache.

Da ich viele Originalquellen aus den letzten 500 Jahren Berlins gelesen habe, ist mir ein deutlicher Wechsel der Sprach- und Schreibepochen bekannt: Zeiten kreativer Eigenständigkeit im Denken und Zeiten der Angst, nur ja nichts Falsches zu sagen und so unbeabsichtigt ­großen Ärger zu bekommen, bis hin zu Gefängnis und Todes­strafe.

 

Eine Zeit der Angst, das Falsche zu sagen

Das 16. Jh. war mit der Reformation eine Zeit des Kampfes, von ungeheurer Energie und Sprachkraft, Eigenständigkeit und Mut. Jeder der Reformatoren war im Denken und Sprechen sehr selbstbewusst und einzigartig, auch die Berliner Georg Buchholzer, Johannes Agricola und Jakob Schenk. So gerieten sie auch miteinander und mit Luther in heftigen Streit.

Es hat bis zum Ende des 16. Jh. gedauert, dass dieser Streit entschieden und wieder eine einheitliche Sprache verwendet wurde. Aber damit begann eine Zeit der Angst, die offiziell Zeitalter der „Orthodoxie“ in der Theologiegeschichte heißt, das heißt übersetzt: die Zeit, in der Gott auf die richtige Weise geehrt und gelobt wurde. Ja, man hat versucht, alles richtig zu sagen und sich deshalb mit unzähligen Zitaten der Kirchenväter oder Luthers in den Predigten abgesichert und zugleich als gelehrt vorgeführt. Die Predigten wurden lang und länger und zur Ursache des Kirchenschlafs. Während der Arbeit an meiner Dissertation habe ich sehr viele davon gelesen auf der Suche nach irgendeiner Bemerkung, die der Individualität und Zeit des Predigers entstammte. Gefunden habe ich dies vor allem in den Vorworten, darunter die herzliche Bitte, wenn jemand etwas Falsches in dem Buch finde, es doch bitte zuerst dem Autor zu sagen und ihn also nicht anzuzeigen, denn das hätte wegen Häresie/falscher Lehre den Kopf oder zumindest die berufliche Stellung kosten können.

1740 begann mit der Thronbesteigung Friedrich II. eine neue Zeit in Preußen: die Aufklärung. Schlagartig verschwanden die vielen Zitate in den Predigten und die Hofprediger sprachen mit eigenen Worten, selbstbewusst und kämpfend, um die bleibende Bedeutung der biblischen Botschaft der Gemeinde angesichts des Optimismus der neuen Weltsicht ans Herz zu legen.

Die schmähliche Niederlage Preußens gegen Napoleon 1806 bedeutete einen schweren Schlag gegen diesen Optimismus des Welt- und Menschenbildes der Aufklärung. Es begann die Zeit der Restauration, die Rückbesinnung und Idealisierung des Mittelalters und der Reformation ohne den Optimismus und das Selbstbewusstsein des 18. Jh. ganz abzulegen. Die Sprache blieb selbstbewusst und kämpferisch, wobei sich die Kämpfe weitgehend aus den Predigten in die nun entstehenden Zeitungen und Zeitschriften verlagerten.

 

Man wusste, was man sagen darf und was nicht

Angesichts des Ausmaße der durch die Industrialisierung entstehenden nie gekannten Verarmung großer Bevölkerungsgruppen bei gleichzeitig technisch so viel Machbarem und dadurch schnellem Reichtum weniger kam es zu sehr harten Diskussionen, scharfem Denken und Formulieren und schonungslosen schriftlichen Attacken gegen Andersdenkende. Das wurde gedämpft durch die Angst in der Restaurationszeit nach der gescheiterten Revolution 1848 oder ins Ausland verlagert, aufgrund der erzwungenen Emigration/Flucht. Auf diese Weise blieb das eigenständige Denken und Formulieren in den Jahren seitdem erhalten, wenn es auch wie später in der Nazizeit nur durch Emigration möglich war, aber es kehrte nach Kriegsende wieder nach Deutschland zurück.

In der DDR gab es, als der Druck zunahm, bis 1961 die Möglichkeit, in den Westen zu gehen, danach mittels Ausreiseantrag oder gar unfreiwilligem „Rausschmiss“ wie bei Wolf Biermann 1976 durch die Verwehrung der Wiedereinreise in die DDR. So wusste man im Lande, was man sagen darf und was nicht.

Die jetzt mehr und mehr eingeforderte und praktizierte Gentrifizierung der deutschen Sprache, die Sternchen und großen I mitten im Wort bzw. vielen Dopplungen von gleichlautenden Wörtern ist für mich ein Zeichen dafür, dass wir uns wieder auf dem Weg in eine Zeit der Angst befinden oder schon mitten drin sind, der Angst beim Sprechen und Schreiben, bloß nichts Verkehrtes zu sagen und bestimmte Leute zu verärgern. Individualität und Kreativität fallen dem zum Opfer, wenn ich, statt über den Inhalt dessen, was ich sagen will, nachzudenken, überlegen muss, ob und wie ich möglichst diese nun geforderten Regeln einhalten kann.

 

Kniefall vor einer trügerischen Erlösungshoffnung

Dass zu Beginn des Jahres 2020 das „Deutsche Pfarrerblatt“ umbenannt wurde in „Deutsches Pfarrerinnen- und Pfarrerblatt“, empfinde ich nicht als eine Anerkennung dessen, was sich seit Kriegsende in der Zusammensetzung der deutschen Pfarrerschaft verändert hat. Ich freue mich nicht darüber, nun nach mehr als 70 Jahren als Pfarrerin auch angesprochen zu werden, sondern empfinde das als Peinlichkeit, als einen Kniefall vor dieser seit 30 Jahren verstärkt raumgreifenden Erlösungshoffnung: wenn erst wir Frauen nur die sichtbare Macht hätten, wäre die Welt eine bessere. Und die Sprache sei ein wichtiges Mittel auf diesem Weg, weil sie das Bewusstsein der Menschen forme.

Nur sind die Menschen nicht so dumm, dass sie das so einfach mit sich machen lassen, zumal die anfangs angesprochenen 8 Mio., zumindest 10% der Bevölkerung. Sie werden dadurch nur an alte, vergangen gehoffte Zeiten erinnert. Wir wollten sie nicht wieder haben. Und nun kommt sie doch wieder, unter dem Vorzeichen des Fortschritts. Auch das kennen wir zur Genüge. Wir wissen auch, dass Sprache nicht nur die Realität darstellen kann, sondern auch verschleiern, dass sie auch ein Mittel ist, um andere zu täuschen und sich selbst etwas vorzumachen, sich selbst zu beweisen, wie fortschrittlich und auch gelehrt man sei. Aber andere müssen einem das nicht unbedingt glauben.

Wer aber versucht, die nun immer mehr gentrifizierte Sprache konsequent anzuwenden, verkompliziert und verlängert nicht nur seine Sätze und Sprache, sondern wird auch immer wieder vor Problemen stehen und überlegen müssen: Darf ich das so sagen? Ist das richtig? Oder heißt das jetzt doch anders? Welche Schreibweise benutze ich? Die mit Sternchen oder mit „In/Innen“ oder doppelt oder noch was anderes: So werden wir Pfarrer und Pfarrerinnen als „Pfarrpersonen“ bezeichnet, für mich ein schreckliches Wortungetüm. Es schüttelt mich jedes Mal. Es klingt in meinen Ohren selbstabwertend, denn ich höre es von ihnen selbst. Das „Pfarrerblatt“ hätte also auch „Pfarrpersonenblatt“ genannt werden können. Dann doch lieber der lange Name!

 

Um der Gerechtigkeit willen?

Um der Gerechtigkeit willen muss es dann künftig auch MörderInnen heißen, wenn es um diese Personengruppe geht, auch wenn Morde vor allem von Männern verübt werden, jedenfalls bei den als solche erkannten Todesfällen. Ob wir Frauen es möchten, auch in solchen oder ähnlichen Personenbezeichnungen so deutlich vorzukommen, ja, durch die Art des Aussprechens zu dominieren? Ich jedenfalls überlass das doch gern den Männern, zumal wenn es um den Plural geht von Wörtern, die im Singular auch weiblich vorkommen, wie Sünder, Verkehrssünder, Tote, Kranke, Sterbende, Verfolgte und unzählige andere Wörter, die bisher (noch) maskulin benutzt werden.

Bekanntlich sind im Deutschen die Artikel der Substantive „der, die, das“ zu lernen, und es gibt nur wenige Merkmale der Zuordnung, die aber auch wieder Ausnahmen kennen wie, dass Flüsse meist weiblich sind. Warum soll jetzt unsere gesamte Sprache noch zusätzlich durch künstliches Gendern so verkompliziert werden? Ich wehre mich dagegen und werde bis auf die Anrede konkreter Menschen bei der maskulinen Form bleiben. Dass mir das Ärger bei bestimmten Frauen macht, ist mir bewusst. Aber ich möchte einem Zeitalter der Angst und Unterwürfigkeit keinen Vorschub leisten.

Katharina Dang

 

Anmerkung

1 Olaf G. Klein: Ihr könnt uns einfach nicht verstehen! Warum Ost- und Westdeutsche aneinander vorbeireden Taschenbuch – 1. Februar 2004.

 

Über die Autorin / den Autor:

Pastorin i.R. Dr. sc. theol. Katharina Dang, Jahrgang 1956, 1992-2018 Pfarrerin der Evang. Kirchengemeinde Berlin-Marzahn/Nord; mehr über die Autorin unter: www.katharina-dang.de.

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft 8/2021

1 Kommentar zu diesem Artikel
24.08.2021 Ein Kommentar von Christian Tschesch, Pfarrer i.R. Diese treffende Analyse eines normalerweise gesellschaftspolitisch unhaltbaren Zustandes der Verhunzung unserer deutschen Sprache (Darf man noch "deutsche" Sprache sagen?) ist höchste Anerkennung zu zollen. Danke! Danke auch unserem Pfarrerblatt, dass es diesen Artikel abgedruckt hat - und dies in einer Zeit, wo schon jeder Student und Schüler die beschriebene Schere im Kopf hat, um seine Lernerkenntnisse den Prüfern überhaupt vorlegen zu dürfen. Wenn Umfragen ergeben, dass über 70 % der Bevölkerung mit dem Genderismus nichts anfangen können, ihn nicht wollen, ist es schon bemerkenswert, wie "modern" und "abgehoben" unsere amtliche Kirche geworden ist, die selbstverständlich zusammen mit den politisch "Modernen" unser Volk (Darf man auch dieses Wort noch verwenden?) endlich um der 'Gerechtigkeit' willen, auf Vordermann bringen will - erziehen will. Das alles natürlich mit Einschränkungen, denn in der "Bibel in gerechter Sprache" gab es selbstverständlich keine "Teufelinnen". Als alter Dorfpfarrer der früheren DDR, also 'Ostdeutscher', der immer noch im Dorf wohnt, kann ich nur sagen: Hier will das keiner, hier will man lediglich das Evangelium hören. Danke also Schwester Katharina Dang. PS: In über 40 Ländern, die ich dienstlich besuchen konnte, erlebte ich zu diesem Thema bei keinem Gesprächspartner, dass er begriff, wovon ich überhaupt sprach. Aber wir Deutschen wollen jede noch so von einer Minderheit gestützten Idee am Liebsten in Gesetze bringen und dann auf dem Verordnungsweg lehrhaft durchsetzen. Dass unsere Kirche diesbezüglich überall mitmischt, am liebsten noch voranschreitet – daran leide ich, bin wahrscheinlich schon zu alt.
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