Jubiläen sind aus der Gesellschaft und der Kirche nicht wegzudenken. Eine Feier der ganz besonderen Art bereitet gerade eine Schweizer Initiative „Jesus Celebration 2033“ vor: 2000 Jahre Auferstehung Jesu Christi. Hanne Lamparter stellt die Initiative vor.

 

Jubiläen geschichtlicher Ereignisse oder Eckdaten aus dem Leben bekannter Persönlichkeiten werden häufig zum Anlass genommen, der Ereignisse, der Personen und ihres Wirkens zu gedenken, diese kritisch zu würdigen und, je nach Anlass, auch zu feiern. Zugleich wird nach der Bedeutung für die heutige Gesellschaft gefragt. Jubiläen sind auch aus der Kirche nicht wegzudenken: Bekanntestes Beispiel der letzten Jahre sind wohl die Reformationsdekade und das Gedenkjahr 2017.

Der Schweizer Olivier Fleury und sein Team von der Initiative „Jesus Celebration 2033“ („JC 2033“) haben ein anderes großes Jubiläum im Blick: Sehr frühzeitig, aber wohl für die von ihnen angedachte Feier-Dimension angemessen, richten sie den Blick auf das Jahr 2033. „JC 2033“ möchte 2000 Jahre nach der Auferstehung Jesu Christ*innen aus Kirchen weltweit zusammenbringen, um gemeinsam Ostern zu feiern. Eine ganze Auferstehungsdekade (2023-2033) soll auf das Fest zuführen: Am Ostermorgen 2033 kommen dann Menschen, so die Vision, aller christlichen Konfessionen, aus allen Erdteilen, aus allen ethnischen Gruppen und jeglichen Alters, jeweils in lokal organisierten Treffen, zum „größten Fest der Geschichte“ zusammen.1 Das Team der „JC 2033“ ist aktuell dabei, Kirchen, Gemeinden und Einzelpersonen aus aller Welt anzusprechen, um sie für diese Idee zu gewinnen. Auch bei Gliedkirchen der EKD, Vertretern der römisch-katholischen Kirche, diversen kirchlichen Verbänden und Freikirchen gingen erste Anfragen ein. Was verbirgt sich hinter „JC 2033“?

 

Die Vision und der aktuelle Stand der Umsetzung

Die Idee entstand bereits 2007: Olivier Fleury, langjähriger Mitarbeiter bei „Jugend mit einer Mission“ (JMEM), empfing, so ist auf der Webseite und ausführlich in seinem Buch zu lesen, in einer „‚Heimsuchung‘ des Heiligen Geistes“ die Vision, dieses Jubiläum weltweit zu begehen.2 Dieses Erlebnis veränderte sein Leben fundamental: Seither setzt er sich mit aller Kraft für eine globale 2000-Jahr-Feier der Auferstehung ein. Seit einigen Jahren laufen folglich die Bemühungen auf Hochtouren, „JC 2033“ in möglichst vielen Ländern und Konfessionen zu verankern: Fleury und sein Team besuchten bereits rund 600 Persönlichkeiten in 35 Ländern; eine „Chronik“ auf der Webseite zeugt hiervon.3

In der „Pionierphase“ bereiste Fleury zunächst alle fünf Kontinente, blieb aber in „seinem eigenen Kirchennetz“, suchte also primär Kontakte, die sich u.a. über JMEM, die Weltweite Evangelische Allianz (WEA) und die Alpha-Kurs-Bewegung ergaben.4 Bezeichnend ist jedoch, dass Fleury und sein Team nicht in ihrem eigenen, meist evangelikalen Spektrum bleiben, sondern bewusst auf Christ*innen anderer Prägung zugehen: So gelang es 2014 ein Gespräch mit Kurt Kardinal Koch zu führen, der den Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen leitet. Ebenfalls 2014 stattete Fleury dem damaligen Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), Olav Fykse Tveit, einen Besuch ab. Im November 2016 folgte eine Audienz bei Papst Franziskus.5 Der Patriarch von Konstantinopel Bartholomäus empfing 2017 eine Delegation der „JC 2033“ im Orthodoxen Zentrum in Chambésy (bei Genf).6 Eine Woche lang reiste eine Gruppe nach Moskau und suchte dort Kirchenvertreter der russisch-orthodoxen Kirche für das Projekt zu gewinnen.7 Ein weiterer Höhepunkt war die Audienz beim Erzbischof von Canterbury, Justin Welby (2018).

Delegierte der „JC 2033“ nahmen an der Weltmissionskonferenz in Arusha (ÖRK) und der Vollversammlung der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen teil und stellten die Idee bei der Konferenz der Sekretäre der Christlichen Weltgemeinschaften, bei der Mennonitischen Weltkonferenz und der Generalversammlung der WEA in Jakarta vor. Im März 2019 empfing Papst Tawadros, Oberhaupt der koptischen Kirche, Fleury und Martin Hoegger sowie einige Mitglieder der Fokolar-Bewegung. Hoegger, reformierter Pastor und Mitglied der Fokolare, ist im Team der „JC 2033“ für den Kontakt zu den historischen Kirchen zuständig.8

In Deutschland widmet sich u.a. Pfarrerin i.R. Dr. Katharina Dang der Vorbereitung des Jubiläums.9 In den Jahren bis 2033 ist eine Vielzahl an weiteren Aktionen geplant: Überkonfessionelle globale Treffen,10 die lokale Verankerung an vielen Orten weltweit, die Aussendung von Botschafterinnen und Botschaftern sowie eine jährliche Pilgerwanderung nach Emmaus, dem „Weg der Auferstehung“ schlechthin.11 Eine im Mai 2019 einberufene Arbeitsgruppe erarbeitet aktuell eine Botschaft, die von den Verantwortlichen vieler Kirchen unterzeichnet werden könnte, um gemeinsam auf das Jubiläum zuzugehen.12 In einem Schweizer Ausschuss sind inzwischen Vertreterinnen und Vertreter aller größeren lokalen Kirchen involviert.

Ein enormes Projekt ist also anvisiert. Was sind die (ökumenischen) Chancen, was die Herausforderungen der Initiative? Wie ist diese einzuschätzen?

 

Chancen und Herausforderungen

Der Glaube an die Auferstehung Jesu ist zentral und eint Christ*innen weltweit. Auch wenn umstritten ist, inwieweit die Auferstehung ein historisches Geschehen ist, das datiert und somit als Jubiläum gefeiert werden kann, verbindet die frohe Botschaft. Insbesondere orthodoxe Christ*innen legen in ihrer Theologie und Frömmigkeit einen Schwerpunkt auf die Auferstehung.13 Die Anregung, die Auferstehung Jesu über Konfessionsgrenzen hinweg zu feiern, ist eine ökumenische Chance, die es als solche ernst- und wahrzunehmen gilt.

„JC 2033“ baut unmittelbar auf Jesus Christus und seinem Wirken auf und bezieht sich – anders als die meisten kirchlichen Jubiläen – nicht auf ein kirchengeschichtliches Ereignis, das oftmals nur von einem Teil der weltweiten Christenheit als prägendes Datum der eigenen Geschichte angesehen wird. „JC 2033“ steht für eine Fokussierung auf das Fundament des Glaubens und birgt ökumenisches wie missionarisches Potential, das nicht zu unterschätzen ist.

Und doch stellen sich einige Fragen:

 

1. Datierungsunsicherheit und historische Fragen

Wie wird mit der Datierungsunsicherheit und der Diskussion um die Historizität der Auferstehung umgegangen? Die Verantwortlichen kennen die wissenschaftlichen Kontroversen um die Datierung von Jesu Tod und Auferstehung. Diese werden in Fleurys Buch kurz zusammengefasst und ausgewertet.14 Letzten Endes plädiert er, wohlwissend, dass es sich um ein Symboldatum handelt, für das Jahr 2033: Dieses Datum sei nicht nur leicht zu merken, sondern finde auch Vorläufer in der Tradition mancher Kirchen, die die Geburt Jesu im Jahr Null und das öffentliche Wirken Jesu in den Jahren 30-33 ansiedeln. Wichtiger als eine historisch gesicherte Datierung ist für ihn das Faktum der Auferstehung. Der Glaube an die leibliche und wahrhafte Auferstehung Jesu ist für Fleury Grundlage seines Handelns.15

Der Fokus der „JC 2033“ liegt dennoch nicht auf dem Versuch, wissenschaftliche Argumente hierfür zu sammeln, sondern auf der Bedeutung der Auferstehung Jesu für das pastorale Wirken sowie im Leben jedes einzelnen. Die Initiatoren gehen davon aus, dass die Botschaft der Auferstehung Jesu damals wie heute das Leben von Menschen berührt, verändert und sie neu lebendig macht. „JC 2033“ will dazu anregen, Lebensgeschichten und Erfahrungen zu teilen und Zeugnis zu geben vom Wirken Christi in der heutigen Zeit.

 

2. Ökumenische Plattform oder evangelikale Kampagne?

Das unermüdliche Engagement von Olivier Fleury und seinem Team, Christ*innen aller Konfessionen für das Projekt zu gewinnen ist überaus beeindruckend. Bei alledem bleibt der Ursprung im evangelikalen Spektrum sichtbar. Von dort aus hat sich Fleury auf den Weg gemacht. Seine Verortung zeigt sich auch in seinem Buch anhand des thematischen Fokus auf dem missionarischen Grundanliegen, der Beschreibung der Vision und der erlebten Wunder.

Im Detail ließe sich wohl manche theologische Implikation kritisch diskutieren; jedoch ist zu berücksichtigen, dass Fleurys Buch keine systematisch-theologische Ausarbeitung ist, sondern eine persönliche Darstellung seines eigenen Weges, die seine Euphorie wie auch Enttäuschungen und Fehler nicht ausspart. Aus seinen Erzählungen spricht eine große Lernbereitschaft, Offenheit und auch Selbstkritik, so dass es m.E. der Sache nicht gerecht würde, das ganze Projekt „JC 2033“ an einzelnen Aussagen zu bewerten und in Folge pauschal abzulehnen.

Angesichts dieses Profils scheint es dennoch schwer vorstellbar, dass große, verfasste Kirchen sich die Idee unter dem „Label“ „JC 2033“ ohne Weiteres zu eigen machen. Die römisch-katholische Kirche hat schließlich bereits 2000 ein „Heiliges Jahr“ begangen und hierbei auf das 2000-Jahr-Jubiläum des Christentums, also die Geburt Jesu verwiesen.16 Zudem feierte sie in den Jahren 1933 und 1983 Jubiläen der Auferstehung.17 Es ist zu vermuten, dass auch andere Kirchen auf die Idee kommen werden, die „Jubiläums-Jahre“ des öffentlichen Wirkens Jesu besonders zu gestalten. „JC 2033“ bringt jedoch – und hierin liegt eine große Berechtigung und Chance – das ökumenische Anliegen in einer großen Offenheit ein. Inwiefern es „JC 2033“ gelingen wird, Christ*innen verschiedener Kirchen zu einem gemeinsamen Osterfest zu ermuntern, einen guten, wertschätzenden Dialog unter Kirchen verschiedener Traditionen zu fördern und in aller Verschiedenheit ein Zeugnis der Einheit in Christus zu geben, ist aktuell schwer abzuschätzen. Der Erfolg wird auch davon abhängen, inwieweit erwartet wird, sich einer bereits – wenn auch implizit – ausgearbeiteten Struktur und vor allem Theologie anzupassen. Hier sind die angedachte Rolle und Struktur der „JC 2033“ noch unklar: Will sie vor allem die Idee einer Jubiläumsfeier streuen, das interkonfessionelle Gespräch ankurbeln und eine lose Plattform für einen dezentralen Austausch bieten? Oder sollen auch zentrale Elemente prägend sein und eigene Impulse heraus­gegeben werden? Von wem würden diese dann erarbeitet?

 

3. Ökumene-Verständnis

Hier schließt sich die Frage nach dem Ökumene-Verständnis der „JC 2033“ an: Es geht den Initiatoren nicht um eine ökumenische Weiterarbeit an dogmatischen Kontroversthemen oder ekklesiologischen Grundsatzfragen. Auf der Webseite heißt es hierzu: „Das Ziel ist […] nicht, alle Kirchen mit bestimmten Theorien zu vereinen, oder eine Organisation über eine andere zu stülpen.“18 Das primäre Anliegen ist – in ausdrücklicher Anlehnung an Joh. 17,21 – nicht die Einheit der Christen als Selbstzweck, sondern das Zeugnis für die Welt:19 „Diese Osterfeier wird eine einzigartige historische Gelegenheit für diejenigen sein, die die Liebe Gottes noch nicht kennen. Sie werden die Auferstehungskraft erleben, die in uns wirkt.“20 Das gemeinsame Feiern soll dezidiert eine Außenwirkung haben. Hierbei sollen fünf theologische Grundpfeiler – auch „DNA“ der „JC 2033“ genannt – alle Beteiligten einen: „Gebet“, „Liebe in Aktion“, „Einheit“, „Feier“ und „Zeugnis“. Diese Pfeiler sind „einfach, leicht zu merken und in allen Kulturen umsetzbar“.21 Sie stellen somit kurz und bündig – jeder Pfeiler wird auf der Homepage mit ein paar Sätzen und im Buch in ein paar Absätzen entfaltet – das theologische Fundament der „JC 2033“ dar.

Damit ist eine gemeinsame Grundlage mit viel Interpretationsspielraum gelegt. Was auf den ersten Blick einfach klingt, wirft auch Fragen auf: Es besteht die Gefahr, dass „JC 2033“ zu einem Ereignis werden könnte, dessen nach außen demonstrierte Einheit im Inneren bröckelt. Ohne eine gemeinsam erarbeitete theologische Basis, bei deren Ausarbeitung Kontroversen nicht gescheut werden, könnte die Initiative oberflächlich werden. Wenn ein solches Event ökumenische „Tiefenwirkung“ haben und wirklich ein konfessionsübergreifendes Projekt sein soll, müssen gemeinsame Wege vorausgehen. Dann gilt es, andere Konfessionen kennenzulernen, von ihnen zu lernen, sich auf Geschichte und auch die Bedeutung der Auferstehung in der Spiritualität, Frömmigkeit und Theologie der anderen einzulassen. Vielleicht kann ja die Dekade genutzt werden, solche gemeinsamen Wege zu gehen? Die ÖRK-Kommission für Glauben und Kirchenverfassung plant für 2025, also 1700 Jahre nach der Entstehung des Nizänums, eine Weltkonferenz zum Thema „How we confess the apostolic faith in our time, and the vision of the one church as a conciliar fellowship“. Vielleicht kann sich hier eine spannende Zusammenarbeit und ein „Austausch auf dem Weg“ ergeben?

 

4. Unterschiedliche Osterdaten

Eine weitere ökumenische Herausforderung liegt in den unterschiedlichen Osterdaten im östlichen und westlichen Christentum. Eine eventuelle Vereinheitlichung ist ein ökumenisch sensibles und bereits reich bearbeitetes Thema,22 dem die Initiatoren der „JC 2033“ anfangs sicherlich mit einer gewissen Naivität und Unwissenheit begegneten.23 Immer mehr kristallisiert sich nun jedoch die Idee einer „Feierwoche“ heraus. Auf das westkirchliche Ostern am 17. April 2033 folgen bereits am 24. April die östlichen Feierlichkeiten, so dass es sich anbieten könnte, verbindende Elemente zu schaffen. Des Weiteren wurde angeregt, das Osterfest in den Jahren vor 2033, in denen das Datum übereinstimmt (2025, 2028 und 2031), in bewusstem Miteinander zu feiern.24

 

5. Feier-Kultur und -Gestaltung

Wie eine Durchführung der Jubiläums-Feier konkret aussehen könnte, hängt vom Engagement vor Ort ab. Die Auferstehung soll vor Ort so gefeiert werden, wie es nach der jeweiligen Tradition üblich und sinnvoll ist. „JC 2033“ „stützt sich auf einen jahrtausendealten Schatz von Traditionen. Die unzähligen Organisatoren und Teilnehmer können daraus schöpfen und innovativ gestalten, jede Kirche entsprechend den Bräuchen, die sie beibehalten will und auf die sie besonderen Wert legt, ausgehend von der gemeinsamen Grundlage der Auferstehung.“25 Die Tatsache, dass für einige Traditionen das Osterfest nicht ohne Eucharistiefeier denkbar ist, diese jedoch nicht mit allen gemeinsam gefeiert werden kann, ist z.B. in den Dokumenten bisher (noch) nicht aufgegriffen und wird wahrscheinlich als Thema „vor Ort“ angesehen.

Zu den lokalen Elementen sollen solche der weltweiten Vernetzung treten: In seinem Buch beschreibt Fleury die Idee, zu berechnen, wann am 17. April 2033 wo die Sonne aufgeht und auf großen Bildschirmen einen Countdown laufen zu lassen, um den Beginn der Osterfeierlichkeiten weltweit zu verfolgen und zu begleiten. Eine symbolische Zeichenhandlung und ein gemeinsames Vaterunser könnte Christ*innen weltweit in ihrer Auferstehungsfreude verbinden.

 

6. Eine Bewegung aus der Basis

Für eine Beteiligung braucht es keine kirchlichen Institutionen, keine Mindestteilnehmerzahlen, kein Bewerbungsverfahren – die Mitwirkung scheint unbürokratisch und leicht. Christliche Bewegungen, freie Gemeinden, kleine Initiativen und Einzelpersonen können sich ebenso anschließen wie große, verfasste Kirchen und weltweite Kirchengemeinschaften. Dieses offene Format ist Chance und Schwierigkeit zugleich: Zum einen fördert es die weltweite Zusammenarbeit mit bestimmten Konfessionsfamilien, da global gesehen unabhängige, oft neu gegründete und pfingstkirchlich oder (neo-)charismatisch geprägte Gemeinden immer mehr Mitglieder gewinnen. Gerade hier braucht es niederschwellige Formate, um in Kontakt zu kommen. Oft wird von Seiten einiger historischen Kirchen eine fehlende Bereitschaft freier Gemeinden zu ökumenischer Zusammenarbeit beklagt: Die „JC 2033“ ist ein Vorstoß von evangelikaler Seite für ein Projekt über Konfessionsgrenzen hinweg. Es einfach pauschal abzulehnen, würde der Initiative nicht gerecht. Auf der anderen Seite werden sich eher hierarchisch strukturierte Kirchen mit einem solchen Projekt, das teilweise sicher unkoordiniert wirkt, dessen Missionsverständnis umstritten ist und das hauptsächlich von einer gemeindlichen Basis ausgeht, eher schwertun. Die Fragen nach der kirchlichen Autorität und einer Verantwortbarkeit kirchlichen Handelns von kirchenleitender Seite sind in manchen Kirchen unabdingbar.

 

7. Ostern geschieht immer wieder und überall

Der Anstoß, Ostern gemeinsam zu feiern und somit ein Zeugnis der Einheit in Christus zu geben, ist bereits vielerorts verankert (z.B. in ökumenischen Gottesdiensten am Ostermontag). Wird nicht jedes Osterfest und sogar jeder Sonntag als Feier der Auferstehung, wenn auch manchmal eher implizit, in einem globalen Horizont gefeiert? Vollzieht sich nicht jeder (ökumenische) Gottesdienst im Licht der Auferstehung? Was sind die Chancen einer solchen Fokussierung auf ein bestimmtes Jahr? Brauchen die Kirchen medienwirksame Events oder geschieht Ostern nicht auch im tagtäglichen gemeinsamen Bestärken der Auferstehungshoffnung?

Das ist sicher so, und doch kann „JC 2033“ zum Anlass genommen werden, beim Thema Auferstehung vermehrt über den eigenen konfessionellen Tellerrand hinauszuschauen und im Austausch neue Perspektiven zu entdecken. Inwiefern die Initiative „JC 2033“ in den Kirchen zu mehr gemeinsam gelebter Spiritualität führt und die Augen für den liturgischen Reichtum der anderen weiter öffnet, wird von der konkreten Durchführung abhängen. Und dieser innerchristliche Umgang miteinander ist wiederum ein Zeichen an „die Welt“, das Fleury und seinem Team so wichtig ist.

 

8. Kraft für eine ganze Dekade?

Die „JC 2033“ denkt eine ganze Dekade an. Diese mündet dann zunächst in die Jubiläumsjahre des öffentlichen Wirkens Jesu (2030-2033) und gipfelt in dem Osterfest 2033. Auch das wirft Fragen auf: Wirkt eine ganze Dekade nicht ermüdend? Birgt das nicht die Gefahr, dass die Begeisterung nachlässt? Was lehren hier Erfahrungen aus der Reformationsdekade oder z.B. der Dekade zur Überwindung von Gewalt (2001-2010)? Zudem mögen viele Kirchen, zumal wir uns aktuell noch inmitten einer Pandemie befinden, sich akut mit anderen dringlicheren Sorgen und Themen befassen, statt über zehn Jahre vorauszublicken. Auf der anderen Seite könnten ein wohl dosiertes, langsames Herangehen an das Jubiläum, ein kontinuierlicher Aufbau und ein Ausbau der ökumenischen Kontakte durch z.B. gegenseitige Besuche der Ostergottesdienste und die Beschäftigung mit der Auferstehung als zentralem Glaubensthema die Kirchen auch über viele Jahre bereichern.

 

Fazit: Eine überkonfessionelle Chance nicht verstreichen lassen

Auch wenn es Fragen an das Projekt gibt und manches noch in den „Kinderschuhen“ steckt, könnte die Idee der „JC 2033“ gerade auch angesichts der sich wandelnden Struktur der Weltchristenheit zu einer konfessionsübergreifenden, weltweiten Chance werden. Das Lund-Statement von 1952 ermuntert seit vielen Jahrzehnten, gemeinsam zu handeln, wenn keine zwingenden theologischen Gründe dagegensprechen.26 Welche zwingenden theologischen Gründe sprechen gegen eine gemeinsame Feier der Auferstehung, die für alle Christ*innen zentral ist? Was wäre das für ein trauriges Signal, wenn eine solche gemeinsame Feier nicht möglich ist? Könnten nicht auch vom gemeinsamen Feiern Impulse für die weitere ökumenische Zusammenarbeit ausgehen?

Dass die Hauptquelle für Informationen über die „JC 2033“ bisher die Eigendarstellungen (v.a. Webseite und Buch) sind,27 spiegelt m.E. die Unsicherheit, mit der aktuell viele der Initiative begegnen. Die Bereitschaft außerhalb des evangelikalen Spektrums, sich die Idee zu eigen zu machen, scheint bislang, bis auf einige Ausnahmen, wenig vorhanden bzw. erst langsam zu entstehen. Auch die Gestaltung von Webseite und Imagefilm werden teilweise Skepsis und Ablehnung hervorrufen. Wenn „JC 2033“ jedoch als Anstoß genommen wird, dass Christ*innen vermehrt aufeinander zugehen und gemeinsam ein tieferes Verständnis von Auferstehung anstreben, die weltweite Vernetzung der Kirchen ausbauen und hierbei Christus und das gemeinsame Feiern in den Mittelpunkt stellen, könnte es zu einem guten Beispiel des geistlichen Ökumenismus und zu einem Zeugnis gemeinsam gelebten Glaubens werden. Alle beteiligten Kirchen wären in einem solchen Fall herausgefordert, mutig eigene Akzente zu setzen und als gestaltende Kraft mitzuwirken. Ob die Initiative sich tatsächlich zu einem solchen gemeinsamen gewinnbringenden Projekt entwickelt, wird vor allem von der Offenheit und Bereitschaft für einen ehrlichen Dialog und Austausch von allen Seiten abhängen. Die nächsten Jahre der Vorbereitung werden hier entscheidend sein.

 

Anmerkungen

1 Die Idee wird auf einer Webseite, die bereits in dreizehn Sprachen übersetzt wurde, präsentiert: www.jc2033.world/de (Zugriff: 20.01.21).

2 https://www.jc2033.world/en/info/history.html (Zugriff: 25.06.20). Fleury, Olivier, Jesus Celebration 2033. Das 2000-Jahr-Jubiläum der Auferstehung Christi in allen Nationen feiern, 2018, 23-32.

3 https://www.jc2033.world/de/news-de/blog.html (Zugriff:26.06.20); vgl. auch https://www.kirche-heute.ch/blog/der-westschweizer-olivier-fleury-und-sein-projekt-jesus-celebration-2033/ (Zugriff: 27.06.20).

4 Vgl. Fleury, Jesus Celebration, 95.

5 Zu Fleurys Kontakten zum Vatikan vgl. Fleury, Jesus Celebration, 95-111.

6 Vgl. https://www.ecupatria.org/2017/05/29/ecumenical-patriarch-received-a-delegation-from-jesus-celebration-2033/ (Zugriff: 22.06.20).

7 Vgl. http://www.ideaschweiz.ch/frei-kirchen/detail/schweizer-werben-in-moskau-fuer-auferstehungs-fest-106351.html (Zugriff: 22.06.20).

8 https://martin.hoegger.org/index.php/qui-suis-je (Zugriff: 25.10.20).

9 Dangs Webseite (http://www.von-jesus-lernen.de; Zugriff: 23.07.20) zeugt von ihrem Engagement: Der Verein „ZusammenLeben e.V.“ eröffnete 2020 eine Dekade zur Vorbereitung der Jubiläumsjahre 2030-2033 (https://www.zusammenleben-berlin.de/index.php/auf-dem-weg-zum-jahr-2033; Zugriff: 25.01.21).

10 Z.B. im koptischen Kloster Anafora (Kairo) im November 2021.

11 Vgl. https://www.jc2033.world/de/geschehen/emmaus-2021.html (Zugriff: 27.06.20).

12 Vgl. https://www.jc2033.world/de/news-de/blog/309-erstes-treffen-der-arbeitsgruppe-2033.html (Zugriff: 27.06.20).

13 Vgl. die Aussage des Ökumenischen Patriarchen: „The resurrection is the foundation of the Christian faith. Without it our message is empty. We celebrate Easter with enthusiasm. This feast is the most important in the Orthodox Church, more so than in any other church. The joy of the resurrection dwells in us and we sing it with all creation“. https://www.ecupatria.org/2017/05/29/ecumenical-patriarch-received-a-delegation-from-jesus-­celebration-2033/ (Zugriff: 22.08.20).

14 Vgl. Fleury, Jesus Celebration, 115-124.

15 Vgl. Fleury, Jesus Celebration, 125-138.

16 Vgl. http://www.vatican.va/jubilee_2000/calendar/index_ge.htm (Zugriff: 29.01.2021).

17 Vgl. Fleury, Jesus Celebration, 110.

18 https://www.jc2033.world/de/info/dna.html (Zugriff: 24.06.20).

19 „Das ultimative Ziel ist nicht die Einheit, sondern die Botschaft, die die Einheit an die Welt sendet.“ Ebd.

20 Ebd.

21 Ebd.

22 Vgl. „Auf dem Weg zu einem gemeinsamen Osterdatum“, Aleppo, Syrien 1997. https://www.oikoumene.org/de/resources/documents/commissions/faith-and-order/i-unity-the-church-and-its-mission/towards-a-common-date-for-easter (Zugriff: 22.06.20).

23 Vgl. Fleury, Jesus Celebration, 101.

24 Vgl. https://www.jc2033.world/de/news-de/blog/289-lass-uns-beziehungen-aufbauen-treffen-mit-papst-tawadros-oberhaupt-der-koptischen-orthodoxen-kirche.html (Zugriff: 27.06.20).

25 Fleury, Jesus Celebration, 46.

26 Das sog. Lund-Prinzip fragt die Kirchen, „ob sie nicht in allen Dingen gemeinsam handeln müßten, abgesehen von solchen, in denen tiefe Unterschiede der Überzeugung sie zwingen, für sich allein zu handeln?“ Wilhelm Stählin (Hg.), Lund: Dritte Weltkonferenz der Kirchen für Glauben und Kirchenverfassung (Lund 1952), Witten/Ruhr 1954, 21.

27 Es finden sich, nach ersten Rechercheergebnissen, allenfalls Berichte über den Besuch der Delegation, vgl. z.B. https://mospat.ru/en/2018/08/19/news162931/ (Zugriff: 24.06.20). Eine Zurückhaltung zeigt sich auch darin, dass Metropolit Hilarion in Moskau die Schweizer nicht in seinem offiziellem Amtssitz im Danilow-Kloster, sondern in einem Gemeindehaus empfing, vgl. https://www.livenet.de/themen/gesellschaft/international/332380-drei_schweizer_beim_starken_mann_von_moskau.html (Zugriff: 23.07.20).

 

Über die Autorin / den Autor:

Pfarrerin Dr. Hanne Lamparter, Jahrgang 1985, Studium der Theologie und Romanistik in ­Tübingen, Münster, Jerusalem und Bossey, 2018 Promotion, Pfarrerin der württ. Landeskirche, Wiss. Referentin für Weltökumene am Konfessions­kundlichen Institut in Bensheim.

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft 4/2021

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