Ungefähr jede zehnte evangelische Kirchengemeinde in Deutschland wird in den nächsten Wochen eine E-Mail erhalten mit der Bitte, an der dritten bundesweiten und internationalen Erhebung zur Konfirmandenarbeit teilzunehmen. Die Studie knüpft an eine etablierte Forschungslage an: Mit den zwischen 2007 und 2017 durchgeführten bundesweiten und europäischen Studien zur Konfirmandenarbeit ist es gelungen, die Erwartungen, Wünsche und Erfahrungen der Konfirmandenarbeit differenziert einzufangen. Anregungen aus den Studien sind in vielfältiger Weise in die Praxis der Konfirmandenarbeit eingegangen – etwa im Blick auf Konfi-Camps und -Freizeiten, den Einsatz ehrenamtlicher Teamerinnen und Teamer oder auch gottesdienstliche Gestaltungsfragen.1

 

Digitales Feedback-Tool für die Konfirmandenarbeit

Gleichwohl handelt es sich bei der dritten Studie zur Konfirmandenarbeit in Deutschland und Europa um keine Widerholungsstudie im engen Sinne, sondern um einen dezidiert praxisorientierten Neuansatz. Denn die Befragung steht im Zusammenhang mit dem Projekt „i-konf“, das die Potenziale der Digitalisierung für eine feedbackgestützte Weiterentwicklung der Konfirmandenarbeit fruchtbar macht. Das von allen deutschen Landeskirchen und neun weiteren europäischen Kirchen anteilig finanzierte Projekt zielt auf die Entwicklung und schrittweise Implementierung eines digitalen Feedback-Tools für die Konfirmandenarbeit. Diese multifunktionale Online-Anwendung trägt auf mehreren Ebenen zu einer subjektorientierten Qualitätsentwicklung der Konfirmandenarbeit bei: Die Konfirmandinnen und Konfirmanden haben die Möglichkeit, unkompliziert über ihr Smartphone ein Feedback zu ihren Erfahrungen während der Konfirmandenarbeit zu geben. Haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können auf dieser Basis einen Eindruck über die Rückmeldungen der Konfirmandinnen und Konfirmanden gewinnen und Schlussfolgerungen für die Weiterentwicklung der eigenen Praxis vor Ort ziehen. Die Online-Anwendung enthält einen Standardfragebogen, der je nach Bedarf und Interesse durch optionale Zusatzmodule ergänzt werden kann. Außerdem können die Fragebögen individuell angepasst und durch eigene Fragen ergänzt werden, so dass Gemeinden ein maßgeschneidertes Feedback-Tool zur Verfügung haben. Dieses Tool kommt bei der dritten Studie zur Konfirmandenarbeit zur Anwendung und wird danach allen Interessierten kostenfrei zur Verfügung stehen. Eine Installation ist nicht erforderlich – es handelt sich um eine Online-Anwendung, keine App. Alternativ ist auf Wunsch der Einsatz gedruckter Fragebögen möglich.

 

Eine der größten Studien im Zusammenhang von Religion und Jugend

Auch inhaltlich betritt die Studie Neuland, indem sie zwei Schwerpunkte setzt, die im aktuellen, seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie dramatisch veränderten Bedingungsfeld der Konfirmandenarbeit weiter an Bedeutung gewonnen haben: Auf der einen Seite geht es um digitales Lernen und Online-Kommunikation in der Konfi-Zeit, auf der anderen Seite wird die pädagogische Dimension der Konfirmandenarbeit vertieft untersucht.

Wieder ist die bundesweite Erhebung in einem europäischen Gesamtprojekt eingebettet: Das Spektrum beteiligter Länderkontexte ist auf zehn angewachsen (Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Norwegen, Österreich, Polen, Schweden, die Schweiz und Ungarn). Mit einer Gesamtstichprobe von über 30.000 Jugendlichen handelt es sich um eine der größten Studien zum Zusammenhang von Religion und Jugend.

Die Leitung des deutschen und die Koordination des internationalen Projektes liegt bei Prof. Dr. Wolfgang Ilg (Evang. Hochschule Ludwigsburg) und Prof. Dr. Henrik Simojoki (Humboldt-Universität zu Berlin) in Kooperation mit dem Comenius Institut. Die deutsche Teilstudie schließt alle Landeskirchen der EKD ein und soll für jede von ihnen repräsentativ sein. Die Gemeinden werden anhand von Strukturdaten durch das „GESIS-Leibniz Institut für Sozialwissenschaften“ in Mannheim per Losverfahren ausgewählt.

Wundern Sie sich also nicht, wenn Sie in den nächsten Wochen per E-Mail darum gebeten werden, sich mit den Konfirmandengruppen Ihrer Gemeinde an dieser Erhebung zu beteiligen. Ihr Aufwand hält sich in Grenzen. Das Online-Tool ist intuitiv bedienbar, bei Bedarf erhalten Sie Unterstützung durch uns. Der Datenschutz ist gewährleistet. Die Kirchenleitungen oder andere Gemeinden bekommen keinen Zugang zu den Daten einzelner Gemeinden. Es geht ohnehin nicht um ein ­Ranking, sondern um Feedback mit dem Ziel der Qualitätsentwicklung.

Falls der Pandemieverlauf keine normale Konfirmandenarbeit im Jahrgang 2021/2022 ermöglicht, wird die Studie entsprechend angepasst. Für Fragen und Anregungen steht Ihnen die Projektkoordination unter info@konfirmandenarbeit.eu zur Verfügung. Weitere Informationen zur Studie sind unter www.konfirmandenarbeit.eu zu finden.

 

Anmerkung

1 Vgl. Henrik Simojoki/Wolfgang Ilg/Thomas Schlag/Friedrich Schweitzer: Zukunftsfähige Konfirmandenarbeit. Empirische Erträge – theologische Orientierungen – Perspektiven für die Praxis (Konfirmandenarbeit erforschen und gestalten 12), Gütersloh 2018.

 

Wolfgang Ilg/Henrik Simojoki


 

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft 3/2021

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