Vom 19. bis 22. Januar 2021 fand der 49. Internationale Kongress der Schneemänner statt. 412 Schneemänner aus 53 Ländern trafen sich in Oxford zum wissenschaftlichen Austausch. Thema: „Gestöber oder Design. Die Bedeutung der Evolutionstheorie für das Selbstverständnis der Schneemänner.“

Unter Einbeziehung der aktuellen Schneeflockenforschung kam es zu Diskussionen auf sehr hohem Niveau, dem die Schneemänner aus Zentralafrika und insbesondere aus der Sahara nicht immer folgen konnten. Dort hat die Schneemannforschung noch immer nicht die Beachtung gefunden, die sie eigentlich verdient. Ein Schneemann aus der Sahara klagte: „Bei uns steht der Schneemann ganz entschieden im Schatten des Sandmannes.“ Traurig, aber wohl wahr!

Das Sachthema wurde sehr kontrovers diskutiert. Die Schneemänner nahmen kein Blatt vor den Mund. Nach wie vor hängt die Mehrheit der Schneemänner der Evolutionstheorie an. Dr. Andrew Snow brachte es auf den Punkt: „Wenn es eine Milliarden Jahre lang in 97 Ländern schneit, dann muss dabei zwangsläufig einmal ein Schneemann entstehen. Das Chaos des Gestöbers organisiert sich selbst. Und natürlich wird auch einmal eine Schneefrau entstehen. Das ist völlig logisch. Das hat mit Schöpfung, Wunder, Transzendenz nichts zu tun. Wir müssen uns eben damit abfinden, dass wir aus einem Gestöber zufällig entstanden sind. Dieser Wahrheit gilt es schneemännlich in die Augen zu sehen. Nichts und niemand hat uns gewollt. Dem gilt es standzuhalten. Ich sage mit Nietzsche, Sartre und Camus: ,Das kann doch einen Schneemann nicht erschüttern.‘“

Es meldeten sich indes auch einige zaghafte Stimmen aus der konservativen Ecke. Dr. Howard Melt sprach sich für einen gemäßigten Kreationismus aus. Er gab zu bedenken: „Gewiss kann ein Schneemann aus einem Gestöber entstehen. Und ebenso gewiss kann eine Schneefrau in Millionen von Jahren aus einem Gestöber entstehen. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass diese beiden in etwa zur gleichen Zeit und in etwa am gleichen Ort entstehen, ist doch eher gering. Was soll aber ein Schneemann mit einer Schneefrau, die 500 Kilometer entfernt entstanden ist? Daraus kann doch nichts werden.“ Dr. Melt hatte noch die weitere Frage: „Aber stellen wir uns vor, Schneefrau und Schneemann kämen wirklich zusammen. Das ist doch ein sehr gefährliches Liebesspiel. Die werden, so traurig das ist, schlicht und einfach zerschmelzen. Daraus können doch keine Kinder entstehen.“ Dr. Melt stellte damit die Möglichkeit einer natürlichen Fortpflanzung der Schneemänner in Frage. Er formulierte provozierend: „Müssen wir nicht doch damit rechnen, dass jeder Schneemann unmittelbar aus der Hand einer transzendenten Macht hervorgegangen ist? Ja, ist der Gedanke der creatio ex nihilo wirklich zu vermeiden?“

Es meldeten sich dann noch einige radikale Kreationisten und Fundamentalisten zu Wort. Dr. Faithful sagte: „Ich kann mir nicht helfen: Ich als Schneemann habe das Gefühl, dass ich ein Ge­heimnis bin. Ich habe irgendwie das Gefühl, ich bestehe nicht aus bloßem Schnee. Sondern hinter mir steckt auch eine Idee, ein Plan, ein Geist. Ich weiß, liebe Mitschneemänner, ihr hört das nicht gerne, aber kann es nicht doch sein, dass die Menschen uns geschaffen haben?“ (Tumultartiger Widerspruch: „Ha, ha. Die Menschen, ausgerechnet die! Die gibt es doch gar nicht.“) Dr. Faithful fuhr fort: „Manchmal habe ich das Gefühl, ich bin durch ein Menschenkind an einem einzigen Tag geschaffen worden. Ich kann das natürlich nicht beweisen. Es ist nur so eine Art Gefühl …“

Der Kongress musste wegen Tauwetters abgebrochen werden. Beim Schneemännerkongress 2022 wird es um eine genauere chemische Analyse der Schneeflocken gehen. Vielleicht ist das ein erfolgversprechender Ansatz, der aus der Sackgasse „Evolution oder Schöpfung“ herausführt.

 

Thomas Schleiff

 

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft 2/2021

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