Im Märzheft des Deutschen Pfarrerblatts hat Johannes Wallmann eine Debatte über einige Aspekte des im Sommer 2019 gehaltenen Vortrags von Hans-Jürgen Abromeit eröffnet. Der Sichtweise Abromeits und Wallmanns hat Friedhelm Pieper in der Juniausgabe des Deutschen Pfarrerblatts deutlich widersprochen. Die einander entgegengesetzten Positionen sind dabei – auch in der fortgesetzten Diskussion bis hinein in die Online-Kommentare zu den Beiträgen – hinreichend klar geworden. Hier ergreift nun allerdings der „Urheber“ der Kontroverse, Hans-Jürgen Abromeit, noch einmal selbst das Wort, um seine ursprünglichen Überlegungen zu verteidigen.

 

Der Nestor der Kirchengeschichtsforschung in Deutschland, Johannes Wallmann, ist mir in dem nun schon ein Jahr währenden Schlagabtausch über meinen Bad Blankenburger Vortrag von 20191 beigesprungen und hat an die Adresse Friedhelm Piepers2 gerichtet festgestellt: „Was heute christlich-jüdischer Dialog genannt wird, ist bei genauerer Betrachtung kein Dialog, sondern ein Monolog, bei dem eine Vielzahl christlicher Stimmen sich um religiöse Annäherung an das Judentum zu überbieten sucht und untereinander streitet.“3 Es ist hier nicht der Raum, die gesamte Entwicklung darzustellen, warum das so geworden ist. Einer der Gründe ist aber – und dafür steht Pieper –, dass es einige „Experten“ für eine jüdisch-christliche Normaldialogtheologie gibt, die versuchen zu definieren, was gedacht und gesagt werden darf und was nicht. Pieper ist nun überzeugt, dass ich gegen diese Normaltheologie verstoßen habe und zensiert meinen Vortrag entsprechend.

Jüdisch-christlicher Dialog ist nach dieser Definition nur das, was Pieper und seine Gesinnungsgenossen betreiben. Dabei ist die jüdische Welt weitaus vielfältiger als die Stimmen, die sich in der orthodoxen Rabbinerkonferenz oder auch im Zentralrat der Juden in Deutschland artikulieren. Verdächtig ist es dabei, wenn sich konkrete politische Positionen aus angeblich rein theologisch begründeten Einstellungen ergeben, besonders verdächtig, wenn diese Positionen manchmal mit denen der jetzigen Netanjahu-Regierung in Israel zusammenfallen. Hier gibt es nicht selten politische Übereinstimmungen dieser Art von jüdisch-christlicher Theologie, die ja eher liberal-kritischen Ursprungs ist, mit einer extrem fundamentalistischen Israel-Theologie, wie man sie in evangelikalen Kreisen findet. Diese letzte Spielart stand mir vor Augen, als ich mich im letzten Jahr in Bad Blankenburg bei der Jahreskonferenz der Evangelischen Allianz zu Wort gemeldet habe.

 

Eine Öffnung der Perspektive

Allzu oft wird in diesen Kreisen ein christlicher Zionismus vertreten und nicht zwischen dem Volk Israel in biblischen Zeiten und dem heutigen Staat Israel unterschieden. Es wird so getan, als ergäbe sich aus der Bibel eindeutig eine Notwendigkeit, den heutigen Staat Israel in seiner konkreten Politik zu unterstützen. Dabei übersehen die christlichen Zionisten, dass es schon in der Bibel eine enorme Spannbreite von Auffassungen zum Land Israel, seinem Verheißungscharakter und den Vorstellungen vom Wohnen und Leben im Lande gibt. Völlig unkritisch wird über die innerbiblischen Entwicklungen und über das große Spektrum jüdischer Einstellungen auf der ganzen Welt hinweggesehen. Am Ende läuft „Solidarität mit Israel“ auf eine Unterstützung der Politik des Staates Israel hinaus.

Solch ein christlicher Zionismus, der die Forderung der atl. Propheten nach Recht und Gerechtigkeit ignoriert und nur die Vorstellung von einem allein vom jüdischen Volk bewohnten Land Israel kennt, kann sich zwar auf einen Teil der deuteronomistischen Theologie berufen, hat aber den größeren Teil der biblischen Überlieferung gegen sich. Ich habe „skizzenartig die beiden äußeren Pole der jeweiligen religiösen Potentiale“ von AT und NT benannt und „dann nach dem Zukunftspotential dieser Überzeugung“4 gefragt. Ich habe also differenziert und nicht einseitig das AT gegenüber dem NT abgewertet.

Der Umgang des Staates Israel und seiner Organe mit den Palästinensern lässt sich weder mit einer christlichen, noch mit einer jüdischen Ethik, die sich der Bibel verpflichtet weiß, vereinbaren. Auch wenn sich im Bewusstsein vieler Israelis heute andere Fragen, vor allem wirtschaftliche, in den Vordergrund schieben, ist und bleibt das drängendste Problem für Israel der Umgang mit den Palästinensern. Ohne Lösung der Palästinenserfrage wird es für Israel auf Dauer keine Sicherheit geben. Aus der Sicht einer verantwortlichen politischen Ethik kann und darf diese Lösung nicht einseitig zu Lasten der Palästinenser gehen. Deswegen habe ich gesagt: „Aus unserer Geschichte ist uns als Deutschen eine Verantwortung für die Freiheit und Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger im Staat Israel aufgetragen, aber das darf nicht auf Kosten der Freiheit und der Sicherheit der Palästinenser und Palästinenserinnen gehen.“5 Was ist bei vernünftiger Betrachtung dagegen einzuwenden? Worin liegt in dieser Formulierung eine Einseitigkeit?

 

Ausgleich berechtigter Interessen

Pieper wirft mir durchgehend eine solche Einseitigkeit vor. Ich weise diesen Vorwurf zurück. Viele Juden und Israelis finden heute eine solche einseitige Parteinahme unangemessen und suchen den Ausgleich mit den berechtigten Anliegen der Palästinenser. Längst greift die Erkenntnis Raum: „Einerlei, was jede Seite tut, und einerlei, wie viel Gewalt jede Seite anwendet, nichts wird die bi-nationale und multikulturelle Wirklichkeit dieses Landes verändern oder dazu führen, dass die beiden Seiten ihren Anspruch auf ihr Recht auf das Land infrage stellen.“6 Es ist eine Tatsache, dass das Land Israel/Palästina eine bi-nationale Geschichte hat und die Gegenwart bi-national geprägt ist. Es ist weder ethisch vertretbar, Juden ihr Land zu nehmen, noch Palästinensern ihre Heimat zu stehlen. Jede Lösung, die nicht riesengroße Ungerechtigkeiten, Menschenrechtsverletzungen und Völkerrechtsbrüche einkalkuliert, muss eine Lösung für beide Völker, für alle drei Religionen und für die im Land lebenden Minderheiten sein. Jeder Staat in Israel, der demokratisch sein will, muss jedem dort lebenden Menschen gleiche Rechte garantieren.

Darum ist es ein Segen, dass ein zwar in historischen Auseinandersetzungen unterlegener Zweig der zionistischen Bewegung, für den Martin Buber steht und etwa die Vereinigungen „Brit Schalom“ und Ichud7, die Gefahren eines Zionismus, der sich vor allem als ein jüdischer Nationalismus versteht, früh erkannt hat. Nein, ich habe Martin Buber nicht nur „zweimal erwähnt“8, sondern Buber mit seinen vielen Veröffentlichungen zu dieser Frage ist mein Gewährsmann für einen nicht nationalistisch verengten Zionismus, der eine zukunftsweisende Linie des AT aufnimmt.

Bei Buber ist die Verbindung von Gott, dem Land Israel und dem jüdischen Volk stark, ohne notwendigerweise auch einen jüdischen Staat zu fordern. Diese Linie der Propheten hat auch die israelische Unabhängigkeitserklärung von 1948 aufgenommen und allen Bewohnern des Landes versprochen: Der Staat Israel „wird sich der Entwicklung des Landes zum Wohle aller seiner Bewohner widmen. Er wird auf Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden im Sinne der Visionen der Propheten Israels gestützt sein. Er wird all seinen Bürgern ohne Unterschied von Religion, Rasse und Geschlecht, soziale und politische Gleichberechtigung verbürgen.“9

Bis heute warten diese großen Worte auf ihre Einlösung. Immer wieder melden sich jüdische Denker zu Wort, die Demokratie und Gerechtigkeit für alle Bürger des Landes einfordern.10 Es ist nicht wahr, dass ein Staat Israel nur als ein jüdischer Staat denkbar ist. Buber steht für einen Zionismus, der eine biblisch begründete Humanität in sein Zentrum stellt. Er hat übrigens die gleichen Forderungen nach Gerechtigkeit für die im Lande lebenden Araber vor und nach der Staatsgründung gestellt.11

 

Stellungnahme zu fünf Kritikpunkten

So kann ich zu den fünf von Pieper inkriminierten Aussagen meines Vortrages feststellen: Erstens, bisher hat niemand widerlegt, dass sich im heutigen Zionismus leider der bei seiner Gründung im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jh. als Geburtshelfer wirkende Nationalismus durchgesetzt hat. Buber und seine Mitstreiter setzten dagegen „die Hoffnung auf ein echtes und gerechtes Zusammenleben der Menschen und der Völker aus Freiwilligkeit“.12

Zweitens geht es mir nicht um den Begriff „Überidentifikation“ einer Mehrheit der deutschen Entscheidungsträger mit dem Staat Israel, sondern darum, dass es für Deutsche im Allgemeinen aufgrund ihres Schuldbewusstseins sehr schwer ist, in ihrem berechtigten Bemühen, Israel Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, gleichzeitig den Palästinensern kein Unrecht zu tun. Diese Differenzierung scheint Pieper verstanden zu haben13.

Drittens nehme ich eine religiöse Aufladung politischer Perspektiven nicht nur in Israel wahr, sondern ausdrücklich auch auf der muslimisch-palästinensischen Seite,14 nicht aber auf der christlich-palästinensischen Seite. Das, was einmal – vom 7. bis zum 19. Jh. – zum „Haus des Islam“ gehört hat, kann nach traditionellen islamischen Vorstellungen nicht aufgegeben werden.15 Bei der Lösung des Israel-Palästina-Konfliktes stehen sich also zwei politische Auffassungen gegenüber, die beide religiös begründet sind und sich selbst auf eine Gottesoffenbarung zurückführen. Setzen sich diese Kreise durch, ist der Konflikt unlösbar. Solche Überzeugungen werden sowohl in einem Teil der israelisch-jüdischen Gesellschaft als auch in einem Teil der palästinensisch-muslimischen Gesellschaft vertreten.

Viertens ist es unbestreitbar, dass es im NT keine ausdrückliche Aufnahme der für das AT so wichtigen Landverheißung gibt. Folgerichtig fasst deswegen auch die Orientierungshilfe der EKD „Gelobtes Land?“ den Sachverhalt für das NT so zusammen: „Anders als in den Schriften des Alten Testaments haben also das Land, Landverheißung und ‚Landnahme‘ im Neuen Testament keine herausragende theologische Bedeutung.“16 Das mag einem nicht gefallen, es ist aber so. Man kann dieses Schweigen nun auch nicht so deuten, als sei es eben für Jesus und das NT unausgesprochen selbstverständlich, dass die Landverheißung für Israel weiter gilt. Andere mit dem AT geteilte Anschauungen – wie z.B. der Schöpfungsglaube – werden zumindest erwähnt, akzentuiert oder unterstrichen. Dagegen ist nichts theologisch Bedeutsames von der Landverheißung im NT zu finden.17 Für Jesus und das Urchristentum ist das Land lediglich der Ort der Offenbarung und der Platz, wo man wohnen kann.

Fünftens tritt im NT endgültig an die Stelle eines materiellen Wohn- und Anbetungsortes Gottes eine nicht mehr ortsgebundene Gemeinschaft mit Gott. Diese Entwicklung hat schon in bestimmten Schichten des AT begonnen. Deswegen gibt es auch nicht wenige Strömungen im Judentum, die diese Art der Spiritualisierung teilen. Ich bin weit davon entfernt, lediglich dem Christentum Spiritualisierungstendenzen zuzuschreiben. Diese gibt es auch im Judentum, zunächst im rabbinischen, heute besonders im nicht-orthodoxen Judentum. Darüber bin ich persönlich sehr froh. Die Rede vom himmlischen Jerusalem ist dafür ein schönes Beispiel. Das, was ursprünglich der Tempel und das verheißene Land bieten sollten, eine erwartbare Nähe Gottes und einen sicheren Ort zum Wohnen, fällt nun auseinander. Im Christentum wird ersteres, die Anwesenheit Gottes, in der Präsenz und in der Gemeinschaft mit Jesus Christus gesehen. Am deutlichsten ist das im NT in Joh. zum Ausdruck gebracht: „In the Fourth Gospel the person of Jesus becomes ‚the place‘ which replaces all holy places“.18 Diese Entwicklungen in der Bibel (und auch im rabbinischen Schrifttum) sind unübersehbar. Ich kann nicht verstehen, warum Pieper dagegen polemisiert.

 

Dialog, Respekt und Differenz

Da kommt einer aus einem anderen Stall, als dem, den Pieper kennt. Deswegen können seine Überlegungen nicht richtig sein. Schon werden diese anderen Gedanken zensiert und das Anliegen dessen, der diese Gedanken vorträgt, diskriminiert. So bleibt man unter sich, führt einen vermeintlich jüdisch-christlichen Dialog mit immer den gleichen Gesprächspartnern und übersieht andere, die ein vergleichbares Anliegen haben, aber andere Bezugspartner. Vor allem müssten in einem wirklichen Dialog auch unterschiedliche Überzeugungen ausgesprochen und in einer gegenseitigen Wertschätzung toleriert werden. Ein Gespräch braucht Herausforderungen, damit es nicht auf der Stelle tritt.

Deswegen ist auch klar, was die Aussage „Wir respektieren jüdisches Selbstverständnis, auch in Bezug auf das Land“19 nicht bedeutet. Sie meint eben nicht, dass wir als Christen dort, wo unser christlicher Glaube uns anders von Gott reden lässt, gegen unsere Glaubenseinsicht Aussagen jüdischen Selbstverständnisses übernehmen. Respektieren heißt ernstnehmen, wahrnehmen, dass diese Aussage für das Selbstverständnis unserer jüdischen Gesprächspartner von großer Bedeutung ist. Wir werden sie in unserem zukünftigen Handeln berücksichtigen. Ich kann aber nicht gegen bessere Einsicht einen Glaubenssatz übernehmen. Um der Authentizität des Dialogs willen müssen im Gegenteil solche im Glauben begründete Differenzen gewahrt werden. Sie dürfen nicht eingeebnet werden.

In Beziehung auf die Rede von Land und Staat Israel können zwei Aussagen von einer verantwortlichen christlichen Theologie nicht übernommen werden: Zum einen können wir nicht von einer „Erlösung des Landes“ reden, wie es für weite Teile jüdischer Theologie heute selbstverständlich geworden ist, wenn ein Stück des Landes Israel wieder in jüdischen Besitz und in jüdische Nutzung übergegangen ist. Land wird nicht erlöst. Zum Glück gibt es heute auch viele Juden, die nicht mehr so reden. Andererseits ist die Erlösung des Landes im letzten Jahrhundert für zionistische Organisationen ein weitverbreiteter Sprachgebrauch gewesen. Die Siedlerbewegung ist bis heute zutiefst von dem Anliegen getrieben, das ganze Land Israel erlösen zu müssen. Das ist eine Theologie, die schreckliche politische Folgen hat.

Auch die geschichtstheologische Überzeugung, dass die Gründung des so verfassten Staates Israel Gottes Willen entspricht, kann von einer reflektierten und die Folgen einer solchen Aussage einbeziehenden Theologie nicht geteilt werden. Für die 750.000 im Zusammenhang mit der Gründung des Staates Israel 1948 vertriebenen Palästinenser und ihre Nachkommen20 würde das ja bedeuten, dass Gott gegen sie und ihre vitalen Interessen stünde. Es ist eben theologisch verboten, das Handeln von Armeen und daraus folgende Grenzziehungen mit einem direkten Handeln Gottes zu identifizieren.

 

Nationaler Universalismus“

Hier sind wir wieder bei Martin Buber. Als christliche Theologen können wir an seinen Überzeugungen anknüpfen. Aus jüdischer Sicht betont er den Zusammenhang von Gott, Volk und Land bei Verwirklichung des ethischen Bezugsrahmens von Gerechtigkeit und Frieden. Er braucht theologisch die Größe Staat nicht, akzeptiert den Staat Israel aber aufgrund des konkreten Verlaufs der Geschichte. Er kapituliert nicht angesichts eines allein auf die Erhaltung einer jüdischen Nationalstaatlichkeit ausgerichteten Zionismus.

Wir machen in Europa zunehmend die Erfahrung, dass bloßer Nationalismus nicht in der Lage ist, die anstehenden Probleme zu lösen. Wie soll das in Israel und Palästina der Fall sein? In einem Interview aus dem Jahre 1955 verweist Buber auf das für den Aufbau einer Kultur „absolute Gebot“ von „Gerechtigkeit und Wahrheit“. Er sagt: „Wir müssen zu der uns auszeichnenden Wahrheit zurückfinden, zum nationalen Universalismus. … Dies war schon immer das Programm des Zionismus, der des Namens Zions würdig ist. Nationaler Universalismus heißt, der Nation eine feste Grundlage für ihren Anteil bei der Verwirklichung echter Menschlichkeit zu sichern.“21 Thematisiert der jüdisch-christliche Dialog Themen rund um den Staat Israel, sollte er zu einer solchen Verwirklichung echter Menschlichkeit beizutragen versuchen. Nach Lage der Dinge wird das nur im Streben nach Wahrheit und Gerechtigkeit für alle im Land lebenden Menschen, für Israelis und Palästinenser, möglich sein.

 

Anmerkungen

1 Der Vortrag war so noch nicht zur Veröffentlichung bestimmt und ist von mir nur freigegeben worden, um deutlich zu machen, dass dem Antisemitismusvorwurf jede Grundlage fehlt, der bei Twitter vom Chefredakteur der „Welt“ Ulf Poschardt, dem „BILD“-Chefredakteur Julian Reichelt und dem früheren „Grünen“-Bundestagsabgeordneten Volker Beck aufgrund einer Pressemeldung erhoben worden ist, ohne den Vortrag zu kennen. Er enthält in der Tat einige ungeschickte Formulierungen, die ich vor einer ruhigen Veröffentlichung überarbeitet hätte. Bisher ist er nur im Internet an verschiedenen Fundorten zu lesen, z.B. http://pix.kirche-mv.de/fileadmin/AAA_Relaunch/Abromeit/190801_Zwei_Voelker_-_ein_Land._Eine_biblische_Vision_Bad_Blankenburg.pdf. Zur Grundaussage, dass es keine doppelten Standards für Israel und Palästina geben darf, stehe ich nach wie vor.

2 Vgl. Friedhelm Pieper: Martin Buber, Martin Niemöller und eine Rede von Altbischof Abromeit. Notwendige Anmerkungen zu Johannes Wallmanns Kritik der Abromeit-Kritik; in: DPfBl 6/2020, 372-375.

3 Johannes Wallmann: Buber und Niemöller stimmen in Bezug auf den Staat Israel überein. Eine Antwort an Friedhelm Pieper, in: DPfBl 7/2020, 436-438, 437. Vgl. schon ders.: „Zwei Völker – ein Land“. Bischof Abromeit erinnert die evangelische Kirche an Martin Buber; in: DPfBl 3/2020, 157-162.

4 A.a.O., 10.

5 A.a.O., 13f.

6 So das Mitglied von Newe Shalom, der einzigen programmatisch bi-nationalen Siedlung in Israel, Rayek R. Rizek, Der Ameisenbär und der Jaguar. Sind sie unser Schicksal? Eine Geschichte aus der Oase des Friedens (Schriftenreihe des diAk 45), Berlin 2019, 270.

7 Vgl. Tom Segev: Es war einmal ein Palästina. Juden und Araber vor der Staatsgründung Israels, München 2005, 446ff.

8 Pieper, a.a.O., 372.

9 https://de.wikipedia.org/wiki/Israelische_Unabh%C3%A4ngigkeitserkl%C3%A4rung; aufgesucht am 22.08.2020.

10 Zuletzt Omri Boehm: Israel – eine Utopie, Berlin 2020.

11 Anders als Pieper, a.a.O., 372f, suggeriert.

12 M. Buber: Was bedeutet uns der Zionismus? Bubers Aussage vor der anglo-amerikanischen Kommission; in: M. Buber: Ein Land und zwei Völker. Zur jüdisch-arabischen Frage, hg. v. Paul R. Mendes-Flohr, Frankfurt 1993, 242-248; 245.

13 Ebd.

14 Hier habe ich in meinem Vortrag eine ungeschickte Eröffnung des Absatzes gewählt (vgl. Anm. 1, a.a.O., 8), in dem ich die durch die lutherische Unterscheidung der Wirkweisen Gottes und die Aufklärung im Westen herbeigeführte funktionale Differenzierung zwischen Religion und Politik kurz referiere.

15 Eine entsprechende Passage meines Vortrages musste ich aus Zeitgründen kürzen.

16 Gelobtes Land? Land und Staat Israel in der Diskussion. Eine Orientierungshilfe, hg. im Auftrag der EKD, der UEK und der VELKD, Gütersloh 2012, 30. So auch schon Georg Strecker: Das Land Israel in frühchristlicher Zeit; in: ders. (Hg.): Das Land Israel in biblischer Zeit, Göttingen 1983, 188-200; 195: „Eine theologische Bewertung des ‚Landes‘ ist für das Urchristentum nicht bezeugt.“

17 Im luk. Doppelwerk wird zweimal erwähnt, dass unter den Jüngern die Vorstellung von einer messianischen Befreiung erhofft wurde (Lk. 24,21a und Apg. 1,6). Aber der Auferstandene enttäuscht die Jünger. Gott wird nicht „das Reich für Israel aufrichten“, sondern den Heiligen Geist senden.

18 William David Davies: The Gospel and the Land. Early Christianity and Jewish Territorial Doctrine, London 1974, 318; zit. nach G. Strecker, a.a.O., 190.

19 Gelobtes Land?, a.a.O., 16.

20 Die Vorgänge bei der Eroberung der arabisch besiedelten Gebiete durch die jüdischen Truppen sind heute gut erforscht. Vgl. z.B. Tom Segev: Die ersten Israelis. Die Anfänge des jüdischen Staates, München, 22010, bes. 52ff.

21 M. Buber: Wir brauchen die Araber – die Araber brauchen uns!; in: M. Buber, a.a.O. 340-347; 347, 345.

 

Über die Autorin / den Autor:

Bischof i.R. Dr. Hans-Jürgen Abromeit, Jahrgang 1954, 1980/81 Vikar in Jerusalem, Pastor in Gevelsberg, dann Wiss. Assistent an der Evang.-Theol. Fakultät in Münster, Promotion über die Christologie Dietrich Bonhoeffers, in der Fortbildung von Pastorinnen und Pastoren in Westfalen tätig, von 2001 bis 2019 Bischof in Greifswald (Vorpommern).

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft 10/2020

2 Kommentare zu diesem Artikel
19.10.2020 Ein Kommentar von A. Cejp Lasst uns die Diskussion neu beginnen und lest eine dreiteilige Serie zu den Vorträgen des Bischofs i.R. über einen seiner Vorträge. Vielleicht können seine Vorträge auch auf der Internetseite der Hizbollah veröffentlicht werden, so wie der einstige Artikel im Deutschen Pfarrerblatt von Dr. Vollmer. (Anm. der Redaktion: Der Link wurde entfernt, da die Regeln Links nicht zulassen.)
21.10.2020 Ein Kommentar von Dieter Beese A. Cejp hält es für angemessen, Hans-Jürgen Abromeit in die Nähe islamistischer Terroristen zu rücken. Genau dies zeigt, wie nötig es ist, im Sinne von Abromeit Position zu beziehen. Gebietsansprüche lassen sich nicht religiös legitimieren. Geschichtstheologische Konstrukte verschärfen Konflikte, lösen aber keine politischen Probleme. Antijudaismus wird durch eine neue Gott-mit-uns-Theologie gefördert, nicht überwunden. Es bedarf demgegenüber jenseits moralischer Überhöhungen eines vernunftgesteuerten politischen Interessenausgleichs mit rechtlichen Garantien im Geist der Allgemeinen Menschenrechte. Mit christlich-jüdischem Dialog und einer aufgheizten Antisemitismusdabatte hat dies alles wenig zu tun, weil es im Kern um einen Machtkonflikt, nicht um religiöse Fragen geht. Herrn Abromeit ist für seine Entmythologisierung durch theologische Aufklärung zu danken.
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