Alle zwei Jahre wird die „Allgemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften“, kurz ALLBUS, erhoben. Dabei werden mehr als 3000 Personen zu allen Aspekten des gesellschaftlichen Lebens befragt. Andreas Kögel beschreibt die wichtigsten Ergebnisse im Blick auf das Themenfeld Religion und Glaube.

 

Der ALLBUS

Die „Allgemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften“, kurz ALLBUS, wird seit 1980 alle zwei Jahre durchgeführt. Eine Zufallsstichprobe von meist 3000 bis 3500 erwachsenen Personen wird zu sämtlichen Aspekten des gesellschaftlichen Lebens befragt, wobei es einen Basisfragebogen gibt und zusätzliche Module mit Themenschwerpunkten. Zielgruppe des ALLBUS ist die erwachsene Wohnbevölkerung Deutschlands. Im Vergleich zur amtlichen Statistik gibt es in der Demografie leichte Abweichungen, die eine Folge unterschiedlicher Teilnahmebereitschaft ist.1 Um mehrere Module anbringen zu können, ohne dass die Interviews zu lang werden, wird die Hauptstichprobe aufgeteilt. Im ALLBUS 2018 war eines dieser Module der Bereich Religion und Glaube, zu dem 1734 Personen befragt wurden. Verantwortlich für den ALLBUS ist die „GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften“. Dort können der ALLBUS und weitere Datensätze für wissenschaftliche Zwecke kostenlos bezogen werden.2

Die Qualität von Umfrageergebnissen ist abhängig von der Qualität der Stichprobe und der Qualität der Fragen. In puncto Stichprobenqualität gilt der ALLBUS als Goldstandard, unter seit Ende der 1990er Jahre zunehmend schwierigen Bedingungen.3 Das Thema „Glaube und Religion“ ist zudem komplex und viele Aspekte lassen sich nicht befriedigend in einem Fragebogen abbilden. Dennoch ermöglicht der ALLBUS wertvolle Einblicke, die man im Alltag bzw. im direkten Gespräch nicht erhält. Die Befunde sollten daher nicht als die letzte Wahrheit aufgefasst werden, sondern als Ergänzung zu einem notorisch fragmentarischen Wissensgebäude.

Im Text wird nachfolgend durchgängig die männliche Form verwendet, der besseren Lesbarkeit wegen. Es gibt keine gravierenden Geschlechtsunterschiede, Gottgläubige oder Atheisten sind gleichermaßen Männer und Frauen. Abweichungen gibt es in Details, die hier nicht behandelt werden, z.B. beim Glauben an Engel oder ­Horoskope.

 

Glaube an Gott

44% der Befragten gaben an, im weitesten Sinne an Gott zu glauben. Diese 44% ergeben sich als Summe aus drei Einzelkategorien, die den Glauben an Gott in unterschiedlicher Intensität bzw. Qualität beschreiben. Die genauen Antwortvorgaben lauteten: „Ich weiß, dass es Gott gibt und habe daran keinen Zweifel“ (19,8%); „Obwohl ich Zweifel habe, meine ich, dass ich doch an Gott glaube“ (16,3%); „Manchmal glaube ich an Gott, manchmal nicht“ (8,4%). Weitere 20,8% der Befragten wählten die Option „Ich glaube nicht an einen leibhaftigen Gott, aber ich glaube, dass es irgendeine höhere geistige Macht gibt.“4 Weitere 13,6% werden mit der Aussage „Ich weiß nicht, ob es einen Gott gibt, und glaube auch nicht, dass es möglich ist, dieses herauszufinden“ als Agnostiker eingeordnet. 21,2% bekennen schließlich „Ich glaube nicht an Gott“.

Die Antwortverteilung für diese Frage unterscheidet sich erheblich zwischen den alten und neuen Bundesländern – ein Befund, der seit dem Mauerfall unverändert ist. Nur 24% der Ostdeutschen glauben demnach im weiteren Sinne an Gott, aber 49% der Westdeutschen.

In den letzten 10 Jahren ist der Glaube an Gott insgesamt leicht zurückgegangen. 2008 hatten noch 54% der Befragten eine Variante des Glaubens im weiteren Sinn gewählt, die Zahl der Atheisten ist dagegen von 18% auf 21% gestiegen. Es gibt also nicht nur eine Erosion der Kirchenmitgliedschaft und der aktiven Teilnahme am Gemeindeleben, sondern auch einen Rückgang des Glaubens an Gott in einem für das Christentum anschlussfähigen Sinn. Dies ist übrigens kein spezifisch deutsches Phänomen, selbst in den USA ist der Glaube – auf höherem Ausgangsniveau als in Europa – rückläufig.5

Traditionell scheinen Frauen etwas gläubiger zu sein als Männer, die Ursache für dieses Ergebnis kann aber auch an einem offeneren Antwortverhalten liegen. Der Unterschied ist stabil, aber sehr klein (V = 0,104 – ein sehr geringer statistischer Zusammenhang).

Noch kleiner sind die Unterschiede zwischen den verschiedenen Altersgruppen; leichte Abweichungen von Gruppe zu Gruppe sind unsystematisch. Es gibt also keinen klaren Trend dahingehend, dass Jüngere oder Ältere gläubiger sind. Leichte Unterschiede gibt es zudem zwischen den Bildungsschichten. Zur besseren Übersichtlichkeit wurde die abgefragte Schulbildung zu drei Schichten zusammengefasst.6 Das Ergebnis ist auch hier uneinheitlich: Es gibt eine leichte Tendenz zu mehr Gottesglauben in der Bildungsschicht „niedrig“. Hier benennen 28% einen festen Gottesglauben, und der Anteil der Atheisten ist mit 18% am niedrigsten. Den geringsten Glauben findet man allerdings in der Kategorie „mittel“, nicht in der Kategorie „hoch“.

Die Unterschiede zwischen den Bildungsschichten bleiben im Wesentlichen bestehen, wenn man zusätzlich nach Altersgruppen differenziert. Allerdings findet sich der geringere Anteil Gottgläubiger in der mittlere Bildungsschicht vor allem bei den Befragten bis 59 Jahren, in der Altersgruppe von 60-74 Jahren glaubt dagegen die höhere Bildungsschicht am wenigsten (mit 24% Atheisten), bei den noch Älteren wieder die mittlere. Insgesamt ist der Zusammenhang mit V = 0,129 aber gering.

Es ist ein Allgemeinplatz der Apologetik, bei Anders- oder Nichtgläubigen emotionale, moralische und/oder intellektuelle Defizite zu vermuten; Apologeten des Glaubens halten Atheisten für defizitär (und die Anhänger*innen missliebiger anderer Religionen bzw. Konfessionen), Apologeten des Atheismus umgekehrt Gläubige. Es findet sich in den Daten aber kein einheitliches Muster, welches eine dieser Positionen unterstützt. Vielmehr kann davon ausgegangen werden, dass mit höherer formaler Bildung bzw. in Folge vertiefter Auseinandersetzung mit Theologie, Philosophie oder Religionskritik7 die Tiefe und Komplexität der jeweiligen Position zunimmt. Es gibt hochgebildete und weniger gebildete Gläubige und entsprechend hochgebildete und weniger gebildete Ungläubige bzw. Atheisten.

Zu beachten ist außerdem, dass die auf Nachfrage berichtete Form des Gottesglaubens auch von innerkonfessionellen Normen beeinflusst werden kann. Das Bekennen eines festen Glaubens mag in manchen expressiven Milieus zum guten Ton gehören, wohingegen es in anderen Milieus eher zu Anerkennung führt, stets zweifelnd und suchend zu sein ‒ vielleicht gerade in Teilen eines gehobenen Bildungsbürgertums. Dies ist aber Spekulation und kann hier nicht belegt werden. Vielleicht findet sich hierzu eine gute Studie mit qualitativer Methodik.

 

Individuelle Glaubensentwicklung

Der ALLBUS ist eine Querschnittserhebung, d.h. die Daten sind eine Momentaufnahme und Aussagen über individuelle Veränderungen können nur als Vor- oder Rückschau erfragt werden. Dies tut u.a. die Frage nach der individuellen Glaubensentwicklung. 40% der Befragten geben an, immer an Gott geglaubt zu haben, gegenüber 21%, die demnach nie geglaubt haben. Interessant ist hier der dynamische Bereich: 6% sind zum Glauben gekommen, während mit 18% dreimal so viele angeben, ihren Glauben verloren zu haben. Die Verteilung hat sich gegenüber 2008 ebenfalls leicht verschoben. Damals hatte noch fast die Hälfte (48%) der Bevölkerung einen permanenten Glauben berichtet.

Rückschlüsse auf die individuelle biografische Entwicklung sind damit nur eingeschränkt möglich. Neben einem fundamentalen Wechsel des Glaubens sind ja auch mehrere Wechsel möglich, zumal bei tatsächlich Zweifelnden. Differenziert man die Angaben zur biografischen Entwicklung, fällt vor allem der Rückgang der Kategorie „habe immer geglaubt“ auf. Ein allgemeiner Trend über das gesamte Altersspektrum zeigt sich aber nicht. Auffällig ist die Kategorie der 30-44-Jährigen mit dem höchsten Anteil an „nie geglaubt“ und dem niedrigsten Anteil an „immer geglaubt“. Es ist klar, dass die Bedeutung von „nie“ und „immer“ für Jüngere anders ist als für Ältere, je nachdem, wieviel Zukunft man noch vor sich sieht und wieviel Biografie man rückblickend berücksichtigen kann.

 

Konfessionen und Gottesglaube

Im ALLBUS wird auch die Konfession abgefragt, wobei die Verteilung aufgrund der zu Beginn erwähnten Umfrageeffekte etwas von der EKD-Statistik abweicht. Im ALLBUS 2018 sind 30% evangelisch (n = 1056 Personen), 29% katholisch (1009) und 33% (1154) geben an, keiner Religionsgemeinschaft anzugehören. Die „anderen christlichen“ Gruppierungen (2%; 77) sind im ALLBUS überwiegend Orthodoxe, die „anderen nichtchristlichen“ (3%; 120) Muslime. Weitere 1,5% (53) ordnen sich einer evangelischen Freikirche zu. Aufgrund der geringen Fallzahlen sind Zusammenhänge bzw. Unterschiede hier mit Vorsicht zu interpretieren. Belastbar sind die Zahlen aber für die drei Hauptgruppen Evangelische, Katholiken und Konfessionslose.

Die Grafik verdeutlicht, dass man keinesfalls Kirchenmitglieder mit „Gläubigen“ oder Konfessionslose mit „Ungläubigen“ gleichsetzen kann. Von den Evangelischen gibt mit 53% etwas über die Hälfte eine Form des Gottesglaubens an, ein gutes Fünftel sieht sich als Atheisten oder Agnostiker und weitere 24% wählen die diffuse Kategorie der höheren geistigen Macht. Umgekehrt glauben 17% der Konfessionslosen an Gott und nur knapp die Hälfte bezeichnen sich ausdrücklich als Atheisten. Den höchsten Anteil Gottgläubiger findet man unter den Freikirchen (77% von 30), den anderen christlichen (75% von 36) und den anderen nichtchristlichen Religionen (84% von 63), auf einer allerdings sehr dünnen Fallbasis. Es kann daher Zufall sein, dass es unter den „anderen Nichtchristlichen“ keine Atheisten gibt und unter den Freikirchlern keine Agnostiker.

Beim allgemeinen Glauben an Gott kann im Vergleich zu 2008 ein leichter Rückgang verzeichnet werden, der Teil eines übergreifenden Trends ist. Allerdings sollte dieser nicht überdramatisiert werden, indem man die Linie auf einen idealisierten Ausgangspunkt zurückrechnet, an dem 90% oder mehr im geordneten Rahmen kirchlicher Lehren geglaubt haben sollen. Fundierte Umfragen zu diesem Thema gibt es erst nach dem Zweiten Weltkrieg, und zu Zeiten christlicher Dominanz wurde die Bevölkerung nicht gefragt bzw. wurden abweichende Vorstellungen sanktioniert. Die Erosion von Glaube und Kirchlichkeit setzte aber schon vorher ein.8 Menschen, die der Häresie, des Un- oder Aberglaubens bezichtigt wurden, gab es immer, und man kann sie als Indikator für ein Dunkelfeld verschiedener Phänomene sehen, welches erst nach der Durchsetzung einer allgemeinen Religionsfreiheit voll sichtbar wird. Zuverlässig schätzen kann man die Größe dieses Dunkelfeldes nicht, aber ein Goldenes Zeitalter des christlichen Abendlandes mit lauter Gläubigen auf Linie9 dürfte eher konservativem Wunschdenken entspringen. Der langsame Rückgang des Gottesglaubens setzt sich demnach aus zwei Komponenten zusammen, einem tatsächlichen Rückgang in der Moderne plus einem Sichtbarwerden des vorhandenen Dunkelfeldes.

 

Präzisierung des Gottesbildes

Neben der Grundfrage finden sich im ALLBUS (mit dem ISSP Religion) zahlreiche weitere Details, von denen abschließend noch einige herausgegriffen werden. Zunächst gibt es eine Präzisierung des Gottesbildes mit der Aussage „Es gibt einen Gott, der sich mit jedem Menschen persönlich befasst“. Diese genießt weniger Zustimmung als der Gottesglaube per se, aber interessanterweise gibt es hier keinen Abwärtstrend im Vergleich zu 2008.

Mit diesem Item10 soll noch illustriert werden, wie stark sich manchmal kleine Unterschiede auf Antwortverteilungen auswirken können. Diese Frage wurde auch 2002 und 2012 gestellt, aber damals waren die Antwortvorgaben besser gewählt. Die aktuelle Variante ist methodisch unglücklich ‒ „stimme voll und ganz zu“ und „stimme zu“ liegen semantisch sehr nahe beieinander und „weder noch“ ist ein sprachlogisch zweifelhafter Ausdruck, der als Mitte eines Bedeutungskontinuums ungeeignet ist. Die Zustimmung lag 2002 bei 38% und 2012 bei 35%, die 26% für 2018 sind aber kein Zeichen des zeitlichen Trends, wie die Zusammenschau zeigt. Die Antworten unterscheiden sich zwischen den Konfessionsgruppen ähnlich wie der Gottesglaube (ohne Abbildung).

 

Leben nach dem Tod?

Nicht alle Änderungen der Antwortkategorien verzerren die Ergebnisse, wie die nächste Frage zeigt: „Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?“ Sie wurde 2002 und 2012 schlicht mit den Vorgaben Ja/Nein gestellt, 2008 und 2018 hingegen mit vier Antwortstufen. Die harte Ja-Nein-Grenze zeigt keine entsprechende Verschiebung, nur der Unsicherheitsbereich („weiß nicht“) ist bei der vierstufigen Abfrage geringfügig größer. Etwas über 40% teilen diesen Glauben, ohne dass eine zeitliche Erosion festzustellen wäre – eine Stützung der klassischen religionswissenschaftlichen These von der Todesfurcht als einem religiösen Kernthema.

 

Rolle von Mann und Frau

Exemplarisch zum Schluss noch die Meinungen in der Bevölkerung zu zwei gesellschaftlichen Normen bzw. Moralfragen, die innerkirchlich viel diskutiert werden. Ein wichtiges Thema im konservativen und evangelikalen Milieu ist die Rolle von Mann und Frau. Der ­ALLBUS stellt hierzu folgende Aussage zur Abstimmung: „Die Aufgabe des Ehemannes ist es, Geld zu verdienen, die der Ehefrau, sich um Haushalt und Familie zu kümmern.“ Insgesamt erhält diese Aussage kaum noch Zustimmung – so wählen 11% der Befragten eine der beiden zustimmenden Kategorien (Männer 14%/Frauen 8%). 16,5% sind ambivalent (Männer 20%/Frauen 13%) und knapp 73% (Männer 66%/Frauen 80%) lehnen die Aussage ab. Große Unterschiede gibt es hier zwischen den Konfessionsgruppen. Die geringste Zustimmung äußern Konfessionslose, gefolgt von Evangelischen und Katholiken, wobei hier vor allem der ablehnende Bereich variiert. Am meisten Zustimmung erfährt die Hausfrauenehe bei den anderen Nichtchristlichen (47%) und in den evangelischen Freikirchen (31%). Aber auch unter den freikirchlichen Befragten lehnt knapp die Hälfte dieses Ideal ab.11

 

Bewertung der Homosexualität

Ein weiteres innerkirchliches Streitthema ist die Bewertung von Homosexualität, im ALLBUS abgefragt mittels der Aussage: „Und wie denken Sie über sexuelle Beziehungen zwischen zwei Erwachsenen des gleichen Geschlechts?“ Hier lässt die vierstufige Antwortskala eine Zusammenfassung nach dem Schema dafür/dagegen zu. Insgesamt finden 17% der Befragten Homosexualität schlimm, 72% nicht und 10,5% wählen „kann ich nicht sagen“ (ohne Grafik). Eine Aufgliederung der Antworten nach Konfession bzw. Religionszugehörigkeit zeigt, dass die Akzeptanz bei den drei Hauptgruppen am größten ist. Nur 12% der Konfessionslosen finden Homosexualität schlimm, 15% der Evangelischen und 16% der Katholiken. Im Gegensatz dazu äußern sich 66% der Mitglieder von Freikirchen ablehnend und liegen damit sogar vor den anderen Christlichen und den anderen Nichtchristlichen, wobei hier wieder die geringen Fallzahlen für diese drei Gruppen zu beachten sind.12

 

Religion und Wahrheitsfrage

Ein wichtiges Item wurde 2018 leider nicht eingesetzt, daher werden die Antworten des ALLBUS 2012 dargestellt. Allen 3480 Personen wurden damals drei Aussagen zur Auswahl vorgegeben, von denen sie eine wählen sollten. 3335 haben das getan, 122 weitere haben mit „weiß nicht“ geantwortet. Die Aussagen lauteten vollständig: „Es gibt nur eine wahre Religion“; „In vielen Religionen kann man wichtige Wahrheiten finden“; „In keiner Religion finden sich wichtige Wahrheiten“. Die erste Aussage ist ein Indikator13 für religiösen Fundamentalismus und wurde insgesamt von 9% gewählt, die zweite steht für wohlwollende Toleranz und repräsentiert mit 70% eine breite Mehrheit. Die dritte Aussage steht für einen religionskritischen bis -feindlichen Atheismus, hier mit 18% Anteil. Differenziert man die Antworten nach Konfessionen bzw. Religionskategorien, zeigen sich die Evangelischen und Katholiken am tolerantesten. Bei den Konfessionslosen ist auch eine Mehrheit tolerant, aber immerhin 36% gestehen keiner Religion wichtige Wahrheiten zu. Den höchsten Anteil unversöhnlicher Nennungen gibt es bei den Freikirchen, hier wählt eine knappe Mehrheit die Aussage, dass es nur in einer Religion wichtige Wahrheiten gäbe (und zwar in der jeweils eigenen, wie man hinzufügen kann). Bei den anderen beiden kleineren Gruppen liegt der Anteil der Unversöhnlichen jeweils bei ungefähr einem Drittel.

Der Religionsteil des ALLBUS 2018 umfasst insgesamt 67 Variablen zuzüglich einiger Basisvariablen, hier konnte nur ein sehr schmaler Ausschnitt vorgestellt werden. Außer Acht gelassen wurden Aussagen zu ­Details wie dem Glauben an Himmel, Hölle, Engel, ­Horoskope, Wunderheiler; Aussagen zum Verhältnis von Religion und Staat oder dem Sinn des Lebens; die Religiosität der Eltern, Praxen wie Gebet, Schriftenlektüre oder Kirchgang, die Einstellung zu Kirche oder den Anhängern ausgewählter anderer Religionen. Die Daten wurden von der GESIS im Frühjahr 2019 veröffentlicht, daher werden die Ergebnisse erst nach und nach erschlossen.

 

Anmerkungen:

1 In der Regel nehmen Personen mit niedriger Bildung und/oder Ausländer*innen seltener an Umfragen teil.

2 www.gesis.org/allbus.

3 Die Teilnahmequote beträgt für 2018 35%, Anfang der 1980er Jahre waren es noch 70%.

4 Eine zugegebenermaßen schwammige Formulierung, die erhebliche Deutungsspielräume zulässt. Entsprechend gibt es an vielen Fragetexten seit langem Kritik. Allerdings brächten Änderungen das Problem mit sich, dass zeitliche Entwicklungen schwieriger verfolgt werden können.

5 Vgl. die Befunde des PEW-Instituts, zuletzt ein Artikel vom 6.12. unter http://pewrsr.ch/1VwtROy.

6 17 Schüler*innen und 14 Personen mit sonstigen Abschlüssen wurden ausgeblendet; 29 Personen ohne Abschluss wurden den 416 Personen mit Haupt- bzw. Volksschulabschluss als „niedrig“ zugeordnet, die Fachhochschulreife wurde mit dem Abitur zu „hoch“ zusammengefasst.

7 Was man heutzutage natürlich auch ohne hohe formale Bildung tun kann, wie man entsprechend auch von Theologie und Philosophie weitgehend unberührt zum Abitur gelangen kann.

8 Vgl. hierzu Großbölting 2013: 27ff (Großbölting, Thomas: Der verlorene Himmel, Bonn 2013).

9 Abgesehen von harmlosen Ausflüchten in den Volksaberglauben, die oftmals elegant integriert wurden, vor allem in der katholischen Kirche. Man denke an die Kanalisierung magischen Denkens u.v.a. durch den Reliquienkult.

10 „Item“ (engl.) ist der Überbegriff für Fragen und Aussagen in Fragebögen u.ä. Erhebungsinstrumenten.

11 Hier ist wieder die geringe Fallbasis zu beachten, weshalb auf eine weitere Differenzierung nach Geschlecht oder Altersgruppen verzichtet wurde. Selbst mittelstarke Unterschiede würden im Zufallsbereich liegen. Die Fallbasis hier: Evang. Freikirche (29), And. Christl. (36), And. Nichtchristl. (63), Evang. (529), Röm.-kath. (487), Keine (555).

12 3% repräsentieren bei den Freikirchen (n = 29) und den anderen Christlichen (n = 36) ca. eine Person, bei den Nichtchristlichen (n = 64) stehen 9% für 6 Personen.

13 Neben weiteren Indikatoren wie z.B. dem Anspruch einer wörtlichen Geltung heiliger Schriften oder einem Primat der Religion über die Wissenschaft.

 

Über die Autorin / den Autor:

WM Dr. phil. Andreas Kögel, Jahrgang 1970, Soziologe und Wiss. Mitarbeiter an der Universität Bayreuth, Schwerpunkte: Methodenlehre, ­Medizin- und Religionssoziologie, Mitglied des Arbeits­kreises Empirische Religionsforschung e.V. (die präsentierten Analysen wurden im Oktober 2019 auf der Jahrestagung des Arbeitskreises vorgestellt); www.soziologie.uni-bayreuth.de; www.empirische-religionsforschung.de.

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft 6/2020

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