Pastor Andreas Kahnt
Standpunkt

Zwischen Öffnung und Risiko

Corona ist noch lange nicht vorbei. Das ist mal sicher. Aber Gottesdienst mit in Kirchen versammelten Gemeinden darf wieder gefeiert werden. Gut so! Auch wenn es vor Corona häufig, auch innerkirchlich, anders dargestellt wurde: Der Gottesdienst an Sonn- und Feiertagen und zu besonderen Zeiten und Anlässen des Lebens gehört zu den vornehmsten Aufgaben der Kirche.

Inzwischen haben die Kirchen auf Wunsch des Staates Strategien entwickelt, die nicht nur eine Öffnung der Kirchen für das persönliche Gebet, sondern auch für Gottesdienste ermöglichen.

Viele Gemeinden freuen sich darüber, ebenso Pfarrerinnen und Pfarrer. Denn ihnen liegen der Gottesdienst und die damit verbundene Seelsorge in Wort und Sakrament am Herzen. Besonders in der Krise. Ähnliches gilt für Besuche, denn die verordnete Abschottung verursacht großes Leid.

Dadurch entsteht allerdings ein neues Problem. Sehr viele Pfarrerinnen und Pfarrer sind jenseits der 60 und gehören zur sogenannten Risikogruppe. Einschlägige Erkrankungen, die eine Heilung von Covid-19 erschweren würden, gibt es auch bei jüngeren.

Damit ist eine neue Dimension von Gesundheitsschutz und Fürsorge aufgetan - und von kollegialer Solidarität unter Pfarrerinnen und Pfarrern. Zwar wollen alle allmählich wieder ihrem Beruf nachgehen, wie sie ihn gelernt haben und lieben. Aber vielen wird das nicht guttun. Umso wichtiger ist es, nun verstärkt aufeinander zu achten und Pfarrerinnen und Pfarrer vor ihren eigenen Erwartungen und denen anderer zu schützen. Hier sind vor allem die für Personal Zuständigen gefragt. Denn Corona ist noch lange nicht vorbei. Das ist leider sicher.

Andreas Kahnt, Mai 2020