Pastor Andreas Kahnt
Standpunkt

Glaubensfrage

Der Kirche fehlt es an Relevanz bei den Menschen, sagt Dr. Irmgard Schwaetzer, Präses der Synode der EKD. Die Corona-Pandemie habe eine Glaubenskrise offengelegt. Nun gelte es, die Mitglieder an die Kirche zu binden und neue Formen der Mitgliedschaft zu entwickeln.

Das kommt mir irgendwie bekannt vor. Jedes Mal, wenn die Zahlen bei den Austritten hoch und bei der Steigerung der Einnahmen niedrig sind, wiederholt sich die Diskussion.

Die Relevanz von Glaube und Kirche wurde bereits in meiner Konfirmandenzeit infrage gestellt. Der Unterschied liegt darin, dass die „Bindungskraft“ der Familie damals ungleich stärker war als heute. „Man“ wurde getauft und konfirmiert und trat aus der Kirche nicht aus, selbst wenn Glaube und Kirche keine besondere Relevanz im täglichen Leben hatten. Immerhin: „Man“ wollte getraut und beerdigt werden. Dafür gibt es inzwischen säkulare Formen und Anbieter.

Da die Kirche kein Verein ist, kann sie Menschen nicht an sich binden. Das ist auch gar nicht ihre Aufgabe. Die Kirche soll Menschen an Jesus Christus, den Herrn der Kirche binden, indem sie vom Glauben erzählt. Und zwar so, dass es Menschen interessiert, weil sie merken, dass es etwas mit ihrem Seelenheil zu tun hat. Wenn die EKD und ihre Gliedkirchen sich bei der Diskussion um eine viertel Million Ausgetretene allein 2019 und der Aussicht auf eine Halbierung der Kirchenmitglieder und der Kirchensteuereinnahmen bis 2060 wieder auf den eigentlichen Sinn von Kirche in der Welt besinnen, sind sie auf einem guten Weg. Dr. Schwaetzer jedenfalls will sich nicht entmutigen lassen. Das ist eine ernstzunehmende Glaubensaussage.

Andreas Kahnt, Juli 2020